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Weltmeisterschaft 2007Mehr als Marta!?Teamporträt: Brasilien | ||
Von Katja Öhlschläger02.09.2007 "Gewinnen, gewinnen, gewinnen" - das ist das Motto der brasilianischen Ausnahmekönnerin Marta, ihres Zeichens Weltfußballerin des Jahres 2006, wenn sie auf ihre Ziele bei der WM in China angesprochen wird. Gewonnen haben sie zuletzt im Juli die Panamerikanischen Spiele, was im Land des Olympiazweiten eine kleine Euphorie ausgelöst hat. Doch die bekam heute zumindest einen kleinen Dämpfer. Ein Testspiel in Japan ging mit 1:2 verloren - vielleicht ein heilsamer Schock zu rechten Zeit. Zu was die "Auriverdes" fähig ist, kann daher erst die WM selber zeigen. Es war der Sommer 2004, es waren die Olympischen Spiele 2004 in Athen, bei denen die Brasilianerinnen der Welt zuletzt nachdrücklich zeigten, dass es in Brasilien nicht nur einen Ronaldinho, einen Ronaldo oder einen Roberto Carlos, sondern auch eine Marta, eine Formiga, eine Pretinha und andere gibt. Die Mannschaft, die bisher an allen Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen teilgenommen hat, kam bis ins Finale und unterlag dort den USA nur denkbar knapp mit 1:2 nach Verlängerung. Womöglich das letzte Spiel, in dem die Top-Favoritinnen aus Nordamerika das letzte Mal so richtig gefordert wurden. Die beiden Brasilianerinnen von Umeå IK standen in der letzten Woche im Mittelpunkt, als die Auriverdes ein Testspiel in Umeå absolvierten. Marta und Elaine spielten dabei je eine Halbzeit im Vereins- und Natio-Trikot. Doch im Unterschied zu Brasilien absolvierten die USA seitdem über 50 Länderspiele. Bei der Mannschaft von Trainer Jorge Barcellos sieht das ganz anders aus. Nach dem Olympia-Finale absolvierten sie über zwei Jahre lang, bis zum 11. November 2006, kein einziges offizielles Länderspiel, um an eben jenem 11. November dann mit 4:1 erfolgreich in die südamerikanische WM-Qualifikation zu starten. Dass ihnen am Ende auch die Qualifikation gelang, nun, das macht allein die Tatsache deutlich, dass wir sie hier vorstellen. Doch Qualifikation ist nicht gleich Qualifikation, denn das Finale der Südamerika-Meisterschaft gegen Argentinien zu verlieren, stand so gar nicht auf dem Plan des Weltranglistenneunten. Ausgerechnet im Jahr vor der WM mussten sie also nach 22 Siegen bei Südamerika-Meisterschaften in Folge die erste Niederlage hinnehmen. Ein Erfolg, mit dem sich Argentinien seitdem mehr als stolz brüstet, obwohl die beiden "Schwedinnen" im Team, Marta und Elaine - beide spielen bei Umeå IK in der schwedischen Liga -, nicht dem Aufgebot angehörten. Für die WM blieb diese Niederlage folgenlos. Doch nicht für Olympia 2008, nachdem sich die Konföderation CONMEBOL dafür entschied, das WM-Qualifikationsturnier auch als Qualifikation für Olympia zu werten. Da die CONMEBOL nur über 1,5 Startplätze verfügt, ist lediglich Argentinien bereits sicher in Peking dabei. Brasilien muss gegen den Zweiten aus Afrika (steht noch nicht fest) in zwei Play-Off-Spiele gehen. Schrecksekunde gegen Eskilstuna: Pretinha hatte sich verletzt. Doch was anfangs schlimmer aussah, stellte sich lediglich als Pressschlag heraus. Die Angreiferin trainiert schon wieder.
Doch klar ist trotz des Fehlens von Marta und Elaine im Finale gegen Argentinien auch: eine Mannschaft, die nach eigener Aussage um den Weltmeistertitel mitspielen will, darf nicht nur auf |
Mit großem Optimismus und Selbstsicherheit geht die Seleçao in ihre fünfte Weltmeisterschaft. | |
ein oder zwei Spielerinnen fixiert sein. Eine Situation, die einige bei Brasilien als gegeben sehen. Ohne Zweifel ist die 21-Jährige eine Ausnahmefußballerin. Zu welchen Tricks und Kabinettstückchen sie in der Lage ist, wie sie Fahrt aufnehmen kann, sobald sie sich zu einem Alleingang entschieden kann, wie sie gleich mehrere Gegenspielerinnen austanzen kann - das alles kann keine besser als sie. Das Spiel Brasiliens steht und fällt nicht nur mit der Frau, deren Fußabdruck der erste einer Fußballerin ist, der das altehrwürdige "Maracaná-Stadion" in Rio de Janeiro ziert - aber es wird viel, sehr viel davon abhängen, wie gut sich die Dribbelkönigin gegen die massiven Abwehrreihen aus Dänemark und China wird durchsetzen können. Und wie effektiv sie dabei sein wird. Das zeigten gerade erst wieder im Juli die Panamerikanischen Spiele, die Barcellos und seine Elf für sich entschieden. Es war das erste Mal seit dem Olympia-Finale, dass die Mannschaft wieder komplett antreten konnte. Mit den drei Europa-Legionärinnen Rosana, die beim österreichischen Club SV Neulengbach spielt, Marta und Elaine. Sechs Spiele absolvierte die Seleçao, mit 33:0 Toren - 13 gingen auf Martas Konto - ließ sie ihren Gegnern dabei nicht den Hauch einer Chance. Besonders bemerkenswert war dabei das 7:0 - fünf Tore von Marta - gegen WM-Teilnehmer Kanada in der Vorrunde. Im Halbfinale hieß es 2:0 gegen Mexiko und im Finale vor 70.000 Zuschauern in Rio 5:0 gegen die U20 der USA. Häufig nur durch ein Foul zu stoppen: Marta. Hier wird sie von der Schwedin Kristin Bengtsson gestoppt, die bei Schweden auf Abruf nominiert ist. Ein Ergebnis, das für Übermut sorgen kann. Zumindest unter den brasilianischen Journalisten hat es einen kleinen Boom ausgelöst, denn bis Ende Mai, der Frist zur Beantragung von Akkreditierungen, gingen gerade mal zwei Wünsche aus Brasilien beim Fußballweltverband FIFA ein. Nach den Panamerikanischen Spielen bat man um Fristverlängerung. Doch auch Coach Barcellos sieht nicht nur die positiven Seiten des Erfolgs in Rio de Janeiro, weiß er doch um die Anfälligkeit seines Teams, sich zu Zauberfußball verleiten und vor lauter Verspieltheit Punkte zu lassen. Das Kontrastprogramm zu dieser Ballartistik bietet oftmals das überharte Einsteigen der "Auriverdes", von US-Stürmerin Abby Wambach nach dem 2:0 ihrer Mannschaft im Juni lautstark beklagt. Um sich vor der WM den letzten Schliff zu holen, bereitete sich die Seleçao rund um die Panamerikanischen Spielen mit einem Trainingslager in Granja Comary gezielt auf das Großereignis in Fernost vor. Wenngleich auch diese Maßnahme des brasilianischen Verbands den Mangel an Testspielen nicht ausgleichen konnte, so stellt sie immerhin einen deutlichen Fortschritt bei der Unterstützung des Frauenfußballs im CBF dar.
Bevor es dann Ende August nach Asien ging, wo man heute in Tokio 1:2 gegen Japan verlor, standen zwei Freundschaftsspiele in Schweden an. Eines, weniger ernstzunehmen, gegen den schwedischen Zweitligisten Eskilstuna United (6:0) und eines gegen den Heimclub von Marta und
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Elaine, gegen Umeå IK, das die Brasilianerinnen mit 2:1 für sich entschieden. Pretinha war für die Auriverdes vor der erstaunlichen Zuschauerzahl von 6.100 doppelt erfolgreich. Torfrau Barbara beweist hier gegen UIK gute Strafraumbeherrschung. Pretinha, das ist einer der klangvollen Namen im Team von Jorge Barcellos. Die Offensivspielerin soll zusammen mit Cristiane, Katia und Marta die gegnerischen Abwehrreihen schwindlig spielen. Cristiane spielte zwei Jahre in der Bundesliga, wurde aber weder bei Turbine Potsdam noch beim VfL Wolfsburg heimisch. In der Nationalmannschaft trumpft sie immer wieder als kongeniale Sturmpartnerin von Marta groß auf. Im Mittelfeld Maicon auf der linken Seite, Daniela Alves - sie gehörte im April dem All-Star-Team der FIFA an -, Rosana vom SV Neulengbach und Formiga die Fäden in der Hand. Ob Formiga, Cristiane, Daniela oder auch Defensivkraft Renata Costa - neben ihren Fähigkeiten, den Gegner auf engstem Raum auszuspielen, haben sie zahlreiche Akteurinnen in ihren Reihen, die mit einem echten Hammerschuss gefährlich werden können. Renata Costa, die viel Erfahrung in Jugendnationalmannschaften sammeln konnte, rückt daher auch bei Standardsituationen häufig mit auf. Doch eigentlich ist es ihre Aufgabe, gemeinsam mit der ebenfalls groß gewachsenen Spielführerin Aline und Schweden-Legionärin Elaine hinten die Reihen geschlossen zu halten. Dabei fungiert vor allem Elaine, im Verein wie im Nationalteam, als Abräumerin, die aus ihren Mannschaften nicht mehr wegzudenken ist. Die erst 19-jährige Barbara schließlich hütet das brasilianische Tor, was ihr zuletzt bei der U20-WM im vergangenen Herbst in Russland vorzüglich gelang.
Stürmerin Cristiane ist den deutschen Fans bestens bekannt. Doch während sie in Potsdam und Wolfsburg nicht heimisch wurde, blüht sie an der Seite von Marta regelmäßig auf. Wie die gesamte Mannschaft gilt es für sie nun, den größten Härtetest, den es geben kann, eine Weltmeisterschaft, zu bestehen. Bei der WM geht es bei Null los, jeder Punkt muss erkämpft werden. Die Ergebnisse von Rio sind dann nur noch Schall und Rauch. Jetzt müssen neue Geschichten geschrieben werden. Gerne auch neue vom Zauberfußball. Der kann ja auch erfolgreich sein. | |