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Weltmeisterschaft 2007

Die Matildas wollen es wissen

Teamporträt: Australien

Von Peter Henkel

03.09.2007   Die australische Frauennationalmannschaft, die auf den schönen Namen 'Matildas' hört, wurde bereits vor 29 Jahren anlässlich eines Einladungsturniers in Taiwan ins Leben gerufen und ist damit ein paar Jahre länger im internationalen Geschäft als die DFB-Elf.

Nach einigen Spielen im asiatischen und ozeanischen Raum konnten sich die Matildas erstmals 1987/88 mit amerikanischen bzw. europäischen Teams messen. 1995 kam es dann zum ersten von mittlerweile drei Auftritten an einer Weltmeisterschaft, bei denen es aber nie über die Gruppenphase hinaus gereicht hat. Zwischenzeitlich erregte die Nationalelf von Down Under außerhalb des sportlichen Geschehens internationales Aufsehen, als sie 1999 für einen Aktkalender posierten. Als bisher erfolgreichsten Auftritt bei einer Großveranstaltung kann man die Olympischen Spiele 2004 betrachten. Unter griechischer Sonne erreichten die Matildas das Viertelfinale.

Australien

Ein Vorbild für Deutschland? In Glennwood/Sydney, dem Sitz des Fußballverbandes von New South Wales, tragen Straßen die Namen der ehemaliger Nationalspielerinnen Anissa Tann und Alison Forman. Auch den Matildas ist eine Straße gewidmet.

Foto: Sue Barrett

Im Jahr 2006 wechselte der australischen Fußballverband, die Football Federation Australia (FFA), von der Ozeanischen Fußball-Konföderation (OFC) in die Asiatische Fußball-Konföderation (AFC). Dies hatte zur Folge, dass sich das australische Team in der Qualifikation nicht mehr gegen Nationen wie Neuseeland, die Fidschi Inseln oder Samoa durchsetzen musste, sondern sich im Qualifikationsturnier, dem Asien Cup, mit Größen wie Nordkorea oder Japan um die beiden Fahrkarten des AFC nach China messen musste. Zur Überraschung mancher fügten sich die Matildas schnell in in das neue Leistungsgefüge ein und wurden nur durch China im Elfmeterschießen geschlagen. Am Ende waren sie das erste Team überhaupt, welches sich sportlich für die Weltmeisterschaft 2007 qualifizieren konnte.

Nach dieser überzeugenden Qualifikation geht der von dem aus Schottland stammende ex-WUSA Trainer Tom Sermanni selektierte Kader selbstbewusst ins Turnier. Hinzu kommen Erfolge gegen namhafte Mannschaften aus anderen Verbänden, wie beispielsweise der 1:0-Sieg über Deutschland beim Vier Nationen Turnier 2005. Zusätzlich fühlt man sich durch den Erfolg der 'Socceroos', so der Name der australischen Männermannschaft, bei der letztjährigen WM in Deutschland angespornt.

Herausragende Spielerin im Team des FFA ist zweifelsfrei die 33-jährige Rekordnationalspielerin und Rekordtorschützin Cheryl Salisbury. Die Verteidigerin mit WUSA-Erfahrung hat mehr als 120 Länderspiele bestritten. Als Schlüsselspielerinnen im Mittelfeld gelten die aus Schottland stammende Collette McCallum, der man in Australien den härtesten Schuss der Welt nachsagt, und die junge Sally Shipard.


Lydia Williams, Sally Shipard, Lauren Colthorpe, Claire Polkinghorne

Vier Matildas machten sich im August auf der 'Pre World Cup Tour' mit dem Olympia Stadion in Tianjin vertraut. Von links nach rechts: Lydia Williams, Sally Shipard, Lauren Colthorpe und Claire Polkinghorne

Foto: privat

Im Sturm sollen die schnelle Sarah Walsh und die technisch versierte Lisa De Vanna für Tore sorgen. Unterstützt werden die beiden u.a. von der 1,80 m großen Kate Gill. Im Tor sorgt u.a. Lydia Williams, eine Angehörige der Aborigines, für den nötigen Rückhalt.

Amy Walsh

Der australischer Superstar Cheryl Salisbury in einem Spiel der Women's National Soccer League.

Foto: Sue Barrett

In der Gruppe C treffen die Australierinnen auf Ghana, Nordkorea und Korea. Tom Sermanni hält den Gruppengegner Nordkorea für das zur Zeit stärkste Team der Welt. Dennoch sieht er seine eigene Mannschaft, die diszipliniert und gut strukturiert auftritt, an einem guten Tag für unschlagbar.

Es wird spannend sein, zu sehen wie sich die Mannschaft, geführt von der erfahrenen Verteidigerin Salisbury, die in jedem vierten Spiel ein Tor schießt (!), schlagen wird. Für den Trainer Sermanni jedenfalls, der sich jüngst glücklich über "die Qualität und Ausgeglichenheit des Kaders, der eine gute Mischung aus Jugend und Erfahrung darstellt" äußerte, ergeben sich zahlreiche taktische Varianten, um das ehrgeizige Ziel "Top 3" zu erreichen.

Das dies kein überhöhtes Ziel ist, zeigten die Australierinnen als sie im August auf ihrer 'Pre World Cup Tour' die chinesische Mannschaft vor beeindruckender Kulisse (über 52.000 Zuschauer) in Tianjin ein zweites Mal innerhalb von drei Tagen schlugen.

Aus dem Trainingslager vor dem Kurztrip nach China schreibt uns Sally Shipard ihre persönliche Einschätzung und Erwartungen bezüglich der Weltmeisterschaft:

"Wir haben uns zweifelsfrei in Asien behauptet. Jetzt geht es darum, dies auch gegen den Rest der Welt zu tun. Letztes Jahr wurden wir bei der AFC Meisterschaft Zweiter und sicherten uns so einen der zwei Plätze, die für Asien beim FIFA Women’s World Cup vergeben werden (Ein dritter Platz für Asien wurde in der Relegation zwischen Japan und Mexico ermittelt).


Das große Ziel einer jeden Frauennationalmannschaft ist es, erfolgreich an den Olympischen Spielen oder einer FIFA Weltmeisterschaft teilzunehmen. Wir Australier wollen nicht nach China fahren, um einfach nur dabei zu sein. Natürlich geht es erst einmal darum, die Gruppenphase zu überstehen - es wäre sehr enttäuschend, wenn wir es nicht auf die ersten beiden Plätze in unserer Gruppe schaffen. Während des Turniers wird es entscheidend sein, sich auf jedes einzelne Spiel zu konzentrieren.

Matildas

Die Matildas posieren während ihrer 'Pre World Cup Tour' im August in der Nähe der 'Verbotenen Stadt' in Peking.

Foto: privat

Wir 'Mädels' spielen seit zweieinhalb Jahren als Gruppe unter unserem Cheftrainer Tom Sermanni zusammen. Dabei sind wir als Team, aber auch als individuelle Spielerinnen gewachsen. Ich bin zuversichtlich, dass wir gut genug aufeinander eingespielt sind, um im Turnier einen guten Eindruck zu hinterlassen.

Australien hat sich den Ruf erworben, die Ärmel hochzukrempeln und sich im Team einzusetzen. Wenn wir zeigen können, dass wir die Fähigkeit haben Spiele zu gewinnen, können wir uns den Respekt der Rest der Welt gewinnen.

Mit der Qualifikation in der asiatischen Gruppe haben wir uns die Teilnahme in China redlich verdient. Auf die Weltmeisterschaft haben wir uns ausreichend vorbereitet. Wir hatten einige Spiele gegen Nordkorea und Neuseeland. In den nächsten Wochen werden wir noch gegen China spielen.

Die Klimaumstellung wird nicht ganz einfach sein, da hier in Australien gerade der Winter zu Ende geht. Wie auch immer, im August werden wir noch zwei Spiele gegen das chinesische Nationalteam absolvieren. Die Spiele werden uns bei der Vorbereitung auf die WM nützlich sein und uns bei der Akklimatisierung helfen.

Zu den Erwartungen bezüglich der Matildas bei der Weltmeisterschaft kann ich ohne zu zögern sagen, das wir unter die Top 4 wollen. Warum sollen wir uns keine hohen Ziele stecken. Eine ideale Gelegenheit, einen guten Eindruck im schnell wachsenden Frauenfußball zu hinterlassen sind Olympische Spiele oder eine Weltmeisterschaft. So watch out for us ..."

Sally Shipard Blog

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