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Weltmeisterschaft 2007, HalbfinaleWM-Halbfinale gerät zu einem grotesken und unschönen SchauspielUSA - Brasilien 0:4 (0:2) | ||
Von Katja Öhlschläger27.9.2007 Als die ARD gestern bekannt gab, auch das zweite Halbfinale ohne deutsche Beteiligung live übertragen zu wollen, war das eigentlich ein Grund zur Freude. Nach der heutigen Partie zwischen Brasilien und den USA mag man sich wünschen, dass niemand eingeschaltet hat. Gut, vielleicht ist das die verengte Sicht von jemandem, für den Martas Ballfertigkeiten nicht mehr neu sind. Wer sie noch nie hat spielen sehen, mag sich wundern, dass derlei Tricks auch mit einem Paar X-Chromosomen möglich sind. Wenn dies bei den meisten Zuschauern als dominierender Eindruck hängenbleibt, hätte es sich doch gelohnt. Denn ihre Klasse ist einzigartig. Doch für aufmerksame und langjährige Beobachter des Frauenfußballs war dieser Tag beileibe kein Glückstag. Was der Weltranglistenerste USA bot, war eine Bankrotterklärung - in mehrerlei Hinsicht. Das Unvermögen, echte Torchancen herauszuspielen - noch getoppt von der Gleichgültigkeit und Schicksalsergebenheit, durch die die Mannschaft von Greg Ryan über 90 Minuten auffiel. Dazu gleich zwei eklatante Fehlentscheidungen der erfahrenen Schiedsrichterin Nicole Petignat, die offenbar niemanden aufregten. Und schließlich ein arrogantes und skandalös unsportliches Auftreten einzelner brasilianischer Spielerinnen. Weltfußballerin Marta - auch heute wieder eine Klasse für sich. Aber fangen wir von vorne an. Für einen kleinen Paukenschlag hatte US-Coach Greg Ryan schon vor Beginn der Partie gesorgt. Nach vier WM-Spielen mit solider Leistung - abgesehen von einem Patzer gegen Nordkorea, den sich bei dieser WM in dieser Form aber fast alle Torfrauen schon leisteten - beorderte er Stammkeeperin Hope Solo auf die Ersatzbank und stellte die erfahrene, zwischenzeitlich schon zurückgetretene Briana Scurry zwischen die Pfosten. Brasilien sei schon vor Turnierstart ein Gegner gewesen, für den er diese Maßnahme geplant habe, so Ryan. Ein gewagtes Unterfangen. Solo jedenfalls saß über 90 Minuten wie ein Häufchen Elend auf der Bank, und ihre Teamkolleginnen schienen mit ihr zu heulen. Seltsam leblos, unmotiviert und planlos zeigte sich diese Mannschaft, die seit November 2004 kein Spiel mehr verloren hatte. Die mehr als durchwachsenen Leistungen in den vorherigen WM-Spielen, in denen zumeist nur die Effektivität den Ausschlag gab, setzten sich fort. Zwar hatten Lori Chalupny (1.) und Abby Wambach (6.) die ersten kleinen, eigentlich aber nicht nennenswerten Chancen. Doch für einen Weltranglistenersten war das Gebotene schlicht dürftig. Leslie Osborne war in der 20. Minute der Pechvogel, als sie ins eigene Tor traf.
Es war nun nicht so, dass die Brasilianerinnen Zauberfußball boten. Doch dass es ihnen in dieser Partie gelingen würde, aus der größten Schwachstelle des US-Teams, nämlich der Abwehr, Kapital zu schlagen, zeichnete sich schon rasch ab. Nach einer Viertelstunde etwa ließ Cristiane die ohnehin für ihre Langsamkeit bekannte Cat Whitehill stehen und scheiterte schließlich an ihrer eigenen Fallsucht. Nach einer minimalen Berührung von Whitehill, der sie eigentlich schon enteilt war, ließ sie sich - offenbar auf ein ähnliches Geschenk wie gegen Australien hoffend, als ein weit außer dem Strafraum begangenes Foul zum Elfmeter führte - fallen, um einen Strafstoß zu provozieren. |
Den Abschluss zu suchen, wäre erfolgsversprechender gewesen. Es war der erste Akt eines unrühmlichen Schauspiels der Brasilianerin, die in der Bundesliga bereits für Turbine Potsdam und den VfL Wolfsburg auflief. Die Brasilianerin Cristiane, hier noch im Trikot von Turbine Potsdam, zeigte sich heute von ihrer unsportlichsten Seite. Es passte zum bisherigen Turnierverlauf, wie in der 20. Minute das 1:0 für die Brasilianerinnen fiel. Nach einer Ecke von Formiga hechtete US-Mittelfeldspielerin Leslie Osborne förmlich nach dem Ball, schien ihren Kopfstoß auch noch platzieren zu wollen. Hatte sie sich in der Seite getäuscht? Scurry im Tor der Amerikanerinnen konnte nicht mehr eingreifen. Anders beim 2:0, das nur sieben Minuten später fiel. Es ging auf die Kappe von Abwehrspielerin Kate Markgraf, die Marta erstaunlich viel Platz ließ, sich das Leder auch noch genau vorzulegen. Und es war einem Fehler von Scurry geschuldet, die nicht entschlossen genug in die Ecke sprang und nur noch mit den Fingerspitzen an die Kugel kam. Doch wer jetzt ein Aufbäumen der USA erwartet hatte, sah sich getäuscht. Ein WM-Halbfinale, wo man mit Leidenschaft kämpft, um wieder ins Spiel zu finden? Fehlanzeige. Rekordnationalspielerin Kristine Lilly nicht zu sehen, Abby Wambach ohne den sonst so berühmten unbändigen Willen, das Mittelfeld kaum existent. Nicht einmal eine glasklare Fehlentscheidung von Schiedsrichterin Nicole Petignat - direkt vor der Auswechselbank der USA! -, die in der 46. Minute Shannon Boxx mit der gelb-roten Karte des Feldes verwies, obwohl sie in einem Laufduell mit der hinter ihr spurtenden Cristiane nur ins Straucheln kam, konnte einen Adrenalinstoß auslösen. Auch nicht die grob unsportliche Reaktion der Brasilianerin. Im Wissen darüber, dass Boxx kein Foul begangen hatte, forderte sie wild gestikulierend den Platzverweis. Als Petignat die Karte schließlich gezückt hatte, jubelte sie darüber in einer triumphierenden Art und Weise, durch die der Frauenfußball jegliche Unschuld verloren hat. Wer den Rest von ihr retten will, muss sich hier klar positionieren. Die Amerikanerinnen waren nervlich nun sichtbar angegriffen. Ohne Zutrauen in ihr Spiel, setzte sich im zweiten Spielabschnitt das aus Durchgang eins gewohnte Bild fort. Aus der Pulle der Überheblichkeit schienen hingegen die Brasilianerinnen einen kräftigen Schluck genommen zu haben. Weltfußballerin Marta ließ sich aufreizend viel Zeit bei ihren Dribblings, führte ihre Gegenspielerinnen mit Wonne vor. Ein Stil, den eine Weltfußballerin nicht nötig haben sollte. Abby Wambach war die erste, der danach der Gaul durchging. Nach einer bösen Grätsche gegen Renata Costa sah sie die gelbe Karte. Es sagt wohl alles über die heutige Leistung der USA aus, wenn dieses Foul auf lange Sicht das einzige, wenn auch unschöne Lebenszeichen der US-Girls war. In der Folge spielte nur noch Brasilien, die Gegenwehr der Amerikanerinnen schwand von Minute zu Minute. 50. Minute Doppelpass Daniela und Maycon, Abschluss knapp daneben von Daniela. Zwei Minuten später wieder Maycon - das 3:0 war nur noch eine Frage der Zeit. Ausgerechnet Cristiane erzielte es, nach schöner Vorarbeit von Formiga. Doch wie eine Cristiane im Strafraum gegen ein Spitzenteam so frei stehen kann, wirft viele, viele Fragen auf. Für die nächste Demonstration dieser seltsamen amerikanische Gleichgültigkeit am heutigen Tag sorgte in der 61. Minute Formiga. Im eigenen Strafraum spielte sie den Ball mit gestrecktem Arm klar mit der Hand, doch weder auf dem Feld noch auf der Bank schien es jemand mitbekommen zu haben. Von Protest war nichts zu sehen. Es sind dies Vorgänge, die dem Frauenfußball nicht gut tun. Es braucht keine Rudelbildung wie im |
Männerfußball, aber diese Schicksalsergebenheit war eines WM-Halbfinals unwürdig. Damit es nicht untergeht, sei der zweite Torschuss des US-Teams durch Kristine Lilly in der 63. Minute nicht verschwiegen. Über das, was die Rekordnationalspielerin in guter Schussposition daraus machte, hüllen wir aus Respekt vor ihren Verdiensten lieber den Mantel des Schweigens. Ganz anders Marta, die in der 80. Minute nach feiner Einzelleistung den 4:0-Endstand besorgte. Schon drei Minuten zuvor hatte sie ihre Gegenspielerinnen Tina Ellertson und Cat Whitehill wie Slalomstangen stehen lassen und zu Cristiane gepasst, die im Abschluss jedoch in Briana Scurry ausnahmsweise mal ihre Meisterin fand. Zwei Minuten vor Spielende verhinderte der Pfosten nach einem weiteren Schuss von Cristiane ein noch größeres Debakel. Doch auch das 0:4 dürfte den amerikanischen Frauenfußball in eine tiefe Krise stürzen. Zahlreiche Fragen werden gestellt und beantwortet werden müssen. Der Torhüterinnentausch schien der Mannschaft ganz offensichtlich nicht die erwünschte Sicherheit gegeben zu haben. Er offenbarte vielmehr die Unsicherheit bei Trainer Greg Ryan. Sein erstes großes Turnier verlief damit als große Enttäuschung. In keinem der WM-Spiele wusste die Mannschaft zu überzeugen, ließ eine klare spielerische Struktur und die nötige Homogenität vermissen. Im heutigen Spiel ähnelte die Ryan-Elf Mannschaften, die gegen ihren Trainer spielen. Es könnte gut sein, dass nun die Fetzen fliegen. Spannung ist vorprogrammiert. Spannend wird es für die Brasilianerinnen dann am kommenden Sonntag um 14 Uhr (live bei ZDF und Eurosport) im WM-Finale gegen die Deutschland. Entscheidend dürfte sicherlich sein, wie die deutsche Abwehr Marta und ihre wendige Sturmpartnerin Cristiane in den Griff bekommen kann. Doch sie Stammkeeperin Hope Solo musste das Debakel von der Bank aus verfolgen. Trainer Greg Ryan hatte Briana Scurry den Vorzug gegeben und dabei ordentlich danebengelangt. sollte sich nicht zu sehr abschrecken lassen, fiel die für ihre Schwächen bekannte US-Abwehr doch heute bei ihrer ersten ernsthaften Belastungsprobe schlicht wie ein Kartenhaus in sich zusammen. So leicht werden es die Brasilianerinnen gegen eine kämpferische deutsche Mannschaft sicherlich nicht haben. Und schließlich sind gute Nerven gefordert, um sich nicht auf einen Psychokrieg einzulassen. Am Rasen sollte es jedenfalls nicht liegen. Das Grün im Hongkou Stadion von Shanghai, das zuletzt einem Acker glich, wurde vollständig erneuert.
USA
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