Text: Volker Lieberum 14.9.2007
Beide Teams beendeten den ersten Spieltag mit einem mageren Unentschieden und sahen es eher wie ein 2-Punkte-Verlust als ein 1-Punkt-Gewinn an. Deshalb wollte heute jeder gewinnen, um die Vorrunde unbesorgt abschließen zu können. Da beide auf Wiedergutmachung aus waren, konnte man auf ein spannendes Spiel hoffen. Schwedens Coach Thomas Dennerby beorderte Frida Östberg auf die linke Verteidigerinnenposition, ließ Sara Thunebro auf der Bank, schickte Therese Sjögran ins zentrale Mittelfeld und holte Linda Forsberg neu ins Mittelfeld. Dazu traten die blau-gelben mit einem 4-4-2 System an, das Hanna Ljungberg und Lotta Schelin in der Spitze sah.
Im zentralen Mittelfeld setzte Therese Sjögran heute Akzente Archivfoto: Volker Lieberum
Bei herrlichem Wetter und Sonnenschein hatte Schweden Anstoß. Sofort legten die Nordeuropäerinnen los als würden sie es mit der Wiedergutmachung Wirklichkeit werden lassen. Der Minutenzeiger hatte keine Runde zurückgelegt, da brannte es schon im amerikanischen Strafraum. Ein langer Pass wurde auf Hanna Ljungberg im Strafraum geschickt, die zwar nicht an das Leder kam, dafür aber von Stephanie Lopez gefährlich zur Ecke abgewehrt wurde. Schweden zeigte Power, holte gleich in den ersten Minuten einige Ecken, immer von Therese Sjögran getreten, heraus.
Die USA brauchte etwas über drei Minuten um das erste Mal aus der eigene Hälfte heraus zu kommen. Nach sieben Minuten hatten sie ihre erste Chance. Nach einem Einwurf auf der linken Seite zu Stephanie Lopez, flankte diese in den Strafraum wo die Mittelfeldspielerin Carli Lloyd lauerte. Obwohl sie keine Gelegenheit mehr hatte an den Ball zu kommen, zog sie durch und verletzte dabei die herausfliegende Hedvig Lindahl, die kurz behandelt werden muss.
Nach dem furiosen, schwedischen Auftakt, wurde das Spiel ab der 10. min. ausgeglichener und beide Mannschaften hatten ihre Möglichkeiten. Beide zeigten gleichermaßen schöne, lang geschickte Angriffe auf Wambach bzw. Lotta Schelin über die rechte Seite. Dabei stellte man aber fest, dass die Abschlüsse der Amerikanerinnen gefährlicher auf das Tor kamen, während die Schüsse der Schwedinnen am oder über das Tor strichen. Zudem sorgten die Freistöße der USA für Unruhe im schwedischen Team, etwas durch Carli Lloyd in der 15. min. oder durch Cat Whitehill in der 20. min. Ihr langer Ball senkte sich von rechts gefährlich auf das Tor von Lindahl nieder, doch Hedvig boxte ihn mit einer Faust zur Ecke.
Hope Solo ließ heute keinen schwedischen Treffer zu Archivfoto: Laura Messina
Bis zur ersten halben Stunde lieferten sich beide einen offenen Schlagabtausch, mit Schüssen auf beide Tore. Dabei sind die Aktionen der Amerikanerinnen genauer und gefährlicher.
In der 33. min. schickte Carli Lloyd einen langen Ball in den schwedischen Strafraum, deren Torhüterin unterlief diesen und es sprinteten Lori Chalupny und Stina Segerström hinterher. Stina versuchte das Leder aus der Gefahrenzone zu bringen, traf es nicht, sondern die anstürmende Amerikanerin, die über sie fällt. Der ungarischen Schiedsricherin Gyöngyi Gaal blieb nichts anderes übrig als auf den Punkt zu zeigen und Segerström die gelbe Karte. Abby Wambach trat den Elfer und verwandelte ihn zum 1:0 für die USA.
Trotz ihres Missgeschicks, das zum Strafstoß führe, bot Stina Segerström wieder eine gute Partie Archivfoto: Volker Lieberum
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Abby Wambach erschoss heute die schwedische Mannschaft Archivfoto: Laura Messina
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In der Folge schienen die Europäerinnen etwas geschockt, denn die USA hatte mehr vom Spiel und etliche Angriffe rollten bis zur Pause auf Lindahls Tor an.
Zu Beginn der zweiten Hälfte versuchte Schweden abermals das Spiel zu machen und drückte auf den Ausgleich. Doch dieses Mal fassten sich die Amerikanerinnen schneller und so brannte es nach vier Minuten wieder im schwedischen Strafraum. Abby Wambach eilte von rechts in den Sechzehner, passte zu Kristine Lilly und die knallte das Leder knapp am Kasten vorbei.
Zwischen der 52. und 58. min. versuchten es die Schwedinnen nochmals mit Powerfußball, um die Abwehr der USA zu knacken. Doch die Defensive der Amerikanerinnen stand wie eine Eins.
Die amerikanischen Abwehrspielerinnen, wie Christie Rampone, waren nicht zu knacken Archivfoto: Laura Messina
In dieser Drangphase schickte Kristine Lilly auf der linken Seite eine Superflanke in den Strafraum zu Abby Wambach. Diese stoppte den Ball mit der Brust und schlägt in trocken an Hedvig Lindahl vorbei zum 2:0 ins Netz.
Jetzt musste Schweden öffnen, doch dies gab wiederum den Amerikanerinnen die Chance zum Kontern. Ab jetzt begeisterten sie sogar mich als Schweden Fan.
In der 65. min. folgte der erste unverständliche Wechsel von Thomas Dennerby. Er nahm die bis dahin beste Schwedin Therese Sjögran, die wirklich das ganze Spielfeld von hinten bis vorne beackerte, heraus und brachte ihre Vereinskollegin Nilla Fischer. Ich denke, er hätte besser Linda Forsberg, die blass spielte herausnehmen sollen und die Malmöer Achse weiterspielen lassen. So spielte man verunsichert weiter und versuchte ständig mit ungezielten, langen Bällen das Glück nach vorne, die aber überhaupt nichts einbrachten. Auch Torhüterin Hedvig Lindahl wurde immer nervöser, so z.B. in der 69. min. als sie einen leichten Ball nicht fing, sondern faustete und damit für Gefahr sorgte.
Mit zunehmender Spieldauer wurde Hedvig Lindahl immer nervöser im Tor Archivfoto: Volker Lieberum
Besser war das Spiel der Nordamerikanerinnen anzusehen. Sie zeigten gekonnten Kombinationsfußball und ihre langen Flanken waren mit Verstand abgefeuert und kamen bei der Mitspielerin an. Besonders Kristine Lilly und Abby Wambach hatten es mir angetan, ohne die Leistung der anderen schmälern zu wollen.
In der 78. min. prüfte noch einmal Victoria Svensson Hope Solo, als sie von rechts kam und abfeuerte. Den Ball lenkte Solo zur Ecke.
In der 81. min. kam es zu dem nächsten unverständlichen, schwedischen Wechsel. Für die gute Innenverteidigerin Stina Segerström schickte Dennerby Therese Lundin auf das Feld. Hier hätte er lieber Hanna Ljungberg, wenn nicht schon früher, herausnehmen sollen, denn die brachte das ganze Spiel überhaupt keine Leistung und hatte kaum Ballkontakte. Wenn er schon eine zusätzliche Stürmerin hätte bringen wollen, hätte Dennerby zusätzlich Sara Johnsson für Frida Östberg bringen sollen. Denn diese war nur ein Schatten vergangener Tage. Ideenlos drosch sie immer wieder den Ball nach vorne,
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ohne daran zu denken, dass ihre Mannschaft ja noch mit einem Vierer-Mittelfeld spielte.
So brachte die USA dann ungefährdet den zwei Tore Vorsprung nach Hause und zählt seit jetzt wieder zu den Toppfavoriten.
Obwohl das Drei-Kronen-Team sehr stark begann und etliche Tormöglichkeiten hatte, ließ ihre Schuss- und Treffsicherheit zu wünschen übrig. Nach den ersten Anfangsschwierigkeiten kamen die Amerikanerinnen sehr gut in das Match und zeigten mit gelungenem Kombinationsfußball, dass sie technisch absolute Spitze sind. Ihre langen Pässe waren sehenswert und kamen bei den Mitspielerinnen an. Schweden schickte diese nur blind nach vorne, ohne das sie bei der Teamgefährtin ankamen.
Auch bei den direkten Schüssen auf das Tor konnte die USA punkten; die Bälle kamen genauer und gefährlicher auf das Tor, während Schweden besser etwas Zielwasser getrunken hätte.
Ein totaler Ausfall war heute wieder Hanna Ljungberg, die man besser nicht mit in die Startformation genommen hätte, da sie weit von ihrem Leistungsvermögen entfernt ist. Wenn man sie schon nach China mitnehmen musste, so hätte man sie evt. nur als Joker bringen dürfen.
Hanna Ljungberg ist meilenweit von ihrer Form entfernt Archivfoto: Volker Lieberum
Lotta Schelin war zwar heute einen Tick besser als beim Spiel gegen Nigeria, doch läuft sie weiterhin in der Nationalmannschaft ihrer Form in der Damallsvenskan weit hinterher.
Die USA sollten sich heute für das Viertelfinale qualifiziert haben, während man Schweden im letzten Spiel keine Leistungssteigerung gegen Nordkorea mehr zutraut und sie damit nächste Woche nach Hause fliegen dürften.
Schweden:
1 Hedvig Lindahl - 16 Anna Paulson, 4 Hanna Marklund, 3 Stina Segerström (9 Therese Lundin 81'), 13 Frida Östberg - 20 Linda Forsberg, 5 Caroline Seger, 15 Therese Sjögran (18 Nilla Fischer 65'), 11 Victoria Svensson [K] - 8 Lotta Schelin, 10 Hanna Ljungberg
USA:
18 Hope Solo - 3 Christie Rampone, 4 Cat Whitehill, 16 Angela Hucles, 14 Stephanie Lopez - 11 Carli Lloyd (7 Shannon Boxx 46'), 2 Marina Dalmy, 17 Lori Chalupny - 5 Lindsay Tarpley (9 Heather O'Reilly 67'), 20 Abby Wambach, 13 Kristine Lilly [K]
Tore:
0-1 (34' Strafstoß) Abby Wambach
0-2 (58') Abby Wambach
Schiedsrichterin: Gyöngyi Gaal, Ungern
Gelb: Stina Segerström, Caroline Seger
Zuschauer:
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