Text + Archivfotos: Volker Lieberum19.9.2007
Nach der bisherigen schlechten Leistung des schwedischen Teams (1:1 gegen Nigeria; 0:2 gegen USA) bei der Weltmeisterschaft in China, musste die Mannschaft heute gegen Nordkorea antreten, die sich bisher von einer sehr guten Seite zeigten (2:2 gegen USA; 2:0 gegen Nigeria). Für das Drei-Kronen-Team ging es dabei um alles oder nichts, denn man musste schon mit drei Toren Unterschied gewinnen, um eine Runde weiter zu kommen. Nordkorea genügte dagegen schon ein Unentschieden, bzw. eine knappe Niederlage.
Die Deutsche Christine Beck pfiff die Partie bei wolkigem Wetter und 22 Grad im Olympic Center Stadium in Tianjin an. Thomas Dennerby hielt bis auf kleinen Ausnahmen, Westberg für Segerström, Fischer für die verletzte Forsberg, an seiner bisherigen Aufstellung fest. Dabei vertraute er weiterhin auf Hedvig Lindahl, die gegen die USA zuletzt sehr unsicher wirkte, sowie Hanna Ljungberg, die in den bisherigen Spielen keine Akzente setzen konnte. Beide schienen nach der langen Verletzungspause doch für eine WM etwas überfordert.
Nordkoreas Coach Kim Kwang Min schickte die gleichen Elf wie gegen Nigeria auf das Feld und sein Team hatte Anstoß im diesem Spiel.
Therese Sjögran gehörte für mich zu den besten Schwedinnen dieser WM
Die Schwedinnen fingen den Ball ab, doch wirkten sie in den ersten Minuten nicht so locker und agil wie gegen die USA. Trotzdem kamen sie zu einem frühen Tor.
Nach einem Einwurf auf der rechten Seite erhielt Therese Sjögran, die Thomas Dennerby heute rechts spielen ließ, den Ball, ging damit Richtung Torauslinie und flankte ihn vor das Tor in den Strafraum. Hanna Ljungberg verpasste das Leder, doch hinter ihr stand Lotta Schelin und die Göteborgerin nickte es zum 1:0 ins Netz von Jon Myong Hui.
Lotta Schelin traf zweimal für Schweden, doch das war zu wenig
Es war ein Auftakt nach Maß für die Schwedinnen. Ich denke, jetzt stellte sie auch Thomas Dennerby zufrieden, den ich, im Zusammenhang mit Lottas Nominierung zur Weltfußballerin, nach ihren negativen Punkten fragte, erwiderte: "Sie könnte eine bessere Kopfballspielerin werden"…
Die Nordeuropäerinnen bemühten sich nun das Unmögliche wahr zu machen, doch Nordkorea ließ sich nicht die Butter vom Brot nehmen und hielt dagegen. Etwa bis zur 20. min. rannten die gelb-blauen Spielerinnen gegen das Tor von Jon Myong Hui an, doch ihr ungenaues Abspiel sorgte für keine Gefahr für die nordkoreanische
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Abwehr.
In der 22. min. gab es einen Freistoß auf der linken Seite für Schweden, den, wie immer, Therese Sjögran ausführte. Der Ball kam in den Strafraum, doch konnte er hier von Nordkorea abgewehrt und nach vorne gespielt werden. Beim Antritt nach vorne wird Kim Young Ae gefoult und es gibt einen Freistoß für ihre Mannschaft. Wie die Nigerianerinnen im ersten Match führen die Asiatinnen diesen sehr schnell aus, Schweden verschläft wiederum diesen Freistoß, der lang auf die linke Seite gespielt wurde. Hier nahm Ri Un Suk den Ball, führte ihn kurz, sah, dass Hedvig Lindahl etwas zu weit vor dem Tor stand, zog aus etwa 25 m ab und knallte das Leder unhaltbar in das rechte Lattenkreuz zum 1:1 Ausgleich.
Schweden ist frustriert, doch versuchten sie weiter ihr bestes; doch wirkten die Angriffe der Nordkoreanerinnen genauer und fanden eher die Mitspielerinnen wie das Abspiel des Drei-Kronen-Teams. Während sich die Asiatinnen in der 37. min. eine Torchance, die aber nicht zum Erfolg führte, herausspielten, wurde Hanna Ljungberg für längere Zeit an der Torauslinie behandelt. Die schon in der 33. min. angeschlagene Schwedin wurde dann endgültig fünf Minuten vor der Pause durch Sara Thunebro ersetzt.
Es blieb zur Halbzeit beim 1:1, Schweden zeigte sich bemüht, doch haperte es im Abspiel und der Gedanke, noch drei Tore schießen zu müssten trug auch nicht zur Beruhigung bei.
Nordkorea war bis dahin im Abspiel genauer und wirkte im Angriff konzentrierter.
Zu Beginn der zweiten Hälfte zeigte sich die eingewechselte Thunebro mit gekonnten Angriffen und Flanken auf der linken Seite. Mit ihr denke ich, wollte der schwedische Coach die Gegnerinnen, wie so machen Zuschauer und Reporter verwirren. Denn die rätselten, warum er für die Stürmerin Ljungberg eine Verteidigerin brachte. Da ich Sara als Stürmerin kennen gelernt hatte, war ich weniger überrascht. So sagte sie mir einmal selbst: "Nun, ich habe in der schwedischen Liga achteinhalb Jahre lang als Verteidigerin gespielt. Nachdem wir unseren neuen Trainer Benny Persson bekommen hatten, sagte er, er wolle mich einmal als linke Außenstürmerin ausprobieren." … und das tat sie einige Zeit lang recht erfolgreich für Djurgården. Als sie dann wieder in die Abwehr wechselte, begründete sie es damit: " Ich denke, ich habe als Abwehrspielerin mehr Chancen in der Nationalmannschaft zu spielen."
Sara Thunebro überraschte so manchen als Linksaußen
In der 54. min. konnten die schwedischen Mannschaft und deren Fans noch einmal Hoffnung schöpfen. Victoria Svensson, die bei dieser WM weit hinter ihrem Leistungsvermögen blieb, spielte einen super Pass auf Lotta Schelin, die durch Om Jang Ran und Sonu Kyong Sun spurtete und mit dem rechten Außenriss ins Netz von Jon Myong Hui zum 2:1 schoss.
In der Folgezeit setzte Schweden alles daran das Ergebnis zu erhöhen, doch ihre Pässe blieben zu ungenau, mit langen Flanken, die zu oft die Mitspielerin nicht fanden machte man sich das Leben selber schwer, da man Nordkorea, das konzentrierter zu Werke gingen, immer wieder zu Tormöglichkeiten animierte. Auch wechselte Dennerby noch zweimal aus, doch blieb es am Ende beim 2:1. Schweden hatte zwar die
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Partie gewonnen, doch muss der ehemalige Vizeweltmeister schon nach der Vorrunde zurück nach Hause fahren.
In drei Spielen trat Schweden an, das erste endetet Unentschieden, das zweite verlor man und das dritte konnte man gewinnen. Doch nun ist für sie die Weltmeisterschaft aus und vorbei.
Ich denke die WM 2007 wurde von den Schweden schon im ersten Spiel vergeben. Zwar könnte man die Schuld auf die USA schieben, die nur Unentschieden gegen Nordkorea spielte, doch denke ich, haben es sich die Nordeuropäerinnen und deren Trainer selber zu zuschreiben. Es war nicht gut, dass man Hanna Ljungberg eine extra Wurst briet und sie jeweils von Anfang an spielen ließ und dafür fittere Stürmerinnen wie etwa Therese Lundin auf der Bank sitzen ließ oder erst ein paar Minuten vor Spielende einwechselte. Ljungberg konnte nie an ihre frühere Leistung anknüpfen und war ein totaler Ausfall bei dieser WM.
Hanna Ljungberg, die Enttäuschung dieser WM
Das Team selbst verschlief die letzte Viertelstunde gegen Nigeria und besonders pennte man in der 82. als nach dem schnell ausgeführten Freistoß das 1:1 für Nigeria fiel.
So fliegt man jetzt nach Hause und muss zudem noch um die Olympiateilnahme im nächsten Jahr bangen.
Nordkorea trifft als Gruppenzweiter am Samstag im Viertelfinale auf Deutschland.
Nordkorea:
21 Jon Myong Hui - 5 Song Jong Sun, 15 Sonu Kyong Sun, 16 Kong Hye Ok, 3 Om Jang Ran - 2 Kim Kyong Hwa (20 Hong Myong Gum 56'), 17 Kim Young Ae (19 Jong Pok Sim 60'), 12 Ri Un Gyong, 8 Kil Son Hui (6 Kim Ok Sim 85') - 10 Ri Kum Suk [K], 9 Ri Un Suk
Schweden:
1 Hedvig Lindahl - 16 Anna Paulson (14 Sara Johansson 69'), 4 Hanna Marklund, 2 Karolina Westberg, 13 Frida Östberg - 15 Therese Sjögran, 18 Nilla Fischer, 5 Caroline Seger - 11 Victoria Svensson [K] - 8 Lotta Schelin, 10 Hanna Ljungberg (6 Sara Thunebro 40' (9 Therese Lundin 89'))
Tore:
0-1 (4') Lotta Schelin
1-1 (22') 9 Ri Un Suk
1-2 (54') Lotta Schelin
Schiedsrichterin: Christine Beck (Deutschland)
Gelb:
Frida Östberg (32'), Lotta Schelin (82');
Kim Young Ae (33'), Jon Myong Hui (88')
Zuschauer: 33.196
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