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WM-Qualifikation

Hanna schießt Schweden zur WM nach China 2007

Schweden - Tschechien 2:0 (2:0)

Text: Von Rainer Fussgänger und Volker Lieberum
Fotos: Volker Lieberum

29.9.2006    Das schwedische Fernsehen übertrug live und immerhin 4.114 zumeist junge Zuschauer kamen zum entscheidenden WM-Qualifikationsspiel Schweden - Tschechien im Stadion Värendsvallen in Växjö. Hier trägt normalerweise der derzeitige Tabellenletzte der schwedischen Herrenliga Östers IF seine Heimspiele aus. Es war ein wunderschöner, warmer Tag, die Sonne strahlte nur so vom Himmel und stellte die absolut ideale Bedingung für das letzte Vorrundenspiel der Schweden auf dem Weg nach China dar. Bisher hatten sie nur in der ersten Begegnung gegen Island mit einem 2:2 Unentschieden ihre weiße Weste etwas bekleckert.

Vor dem Spiel wurde vor allem vor der in Örebro spielenden Paulina Scasna gewarnt. Die Berichterstatter betonten, dass die Schwedinnen bei einer Niederlage mit zwei Toren Unterschied im nächsten Jahr daheim bleiben müssten.

Publikum

Für sie war von Anfang an klar wer nach China reisen würde

Doch denke ich, dass die Schwedinnen nur mit einem leichten Magenkribbeln zum Anstoß gingen, denn schon wenige Minuten nachdem die italienische Schiedsrichterin Anna de Toni die Begegnung angepfiffen hatte, ließ sich die Grundtendenz des Spiels erkennen. Schweden zeigte sich offensiv, die Frauen im blaugelben Dress können nicht auf Ergebnis spielen.
Teamchef Thomas Dennerby vertraute auf die 4-4-2 Formation. So rollten die Angriffe über links und rechts nach vorne und man suchte die beiden Stürmerinnen Hanna Ljungberg und Victoria Svensson. Tschechien versuchte zunächst etwas Ruhe ins Spiel zu bringen, beschränkte sich auf die Defensive und ganz wenige Versuche ihre Spitzen Gabriela Chumecka und Pavlina Scana zu finden.
In der 5. min. spielten sich dann auf der rechten Seite die beiden Mittelfeldspielerinnen Caroline Seger, die als eines der großen Talente im schwedischen Frauenfußball gilt, und sich an diesem Sonntag in Växjö die Bestnote verdiente, und Therese Sjögran an der tschechischen Abwehrspielerin Katerina Hejlova vorbei. Caroline eilte mit dem Leder an der Seitenlinie nach vorne und passt eine phantastische Flanke vor das Tor von Zuzana Pincova und die dort lauernde Hanna Ljungberg. Völlig frei konnte sie zum frühen 1:0 ins Netz einnicken.

Bertholdova, Ljungberg, Mouchová

Hanna Ljungberg jubelt nach dem 1:0. Den Ball hatte Caroline Seger im Hintergrund mit einer gefühlvollen Flanke herein gegeben. Torhüterin Zuzana Pincova kann nur noch staunen

Dieses Tor lies die Gastgeberinnen noch befreiter aufspielen. Über links kamen jetzt Sara Thunebro aus der Abwehr und Mittelfeldspielerin Lotta Schelin sowie auf rechts die defensive Frida Östberg und Sjögran nach vorne und schalteten sich vermehrt in die Angriffsaktionen ein. Dafür lies sich Ljungberg ab und an ins Mittelfeld zurückfallen.

Die Gäste versuchten zu meist über die eigene rechte Seite zu kommen, doch trafen sie auf eine gut organisierte schwedische Abwehr, die ihnen das Leben sehr schwer machte. Etwa in der 7. min. setzte sich Pavlina Scasna gegen Frida Östberg durch, doch ihr Schuss konnte Stina Segerström abwehren.
In der 9. min. schickte Caroline Seger aus dem linken Mittelfeld Victoria Svensson "ab durch die Mitte". Sie enteilte den tschechischen Abwehrspielerinnen Heroldova und Bertholdova und stand plötzlich alleine vor der Torhüterin Pincova, die "Vickan" aber nach links abdrängte und damit die Torchance entschärfte.

Pincova, Svensson

"Vickan" wird hier von Pincova abgedrängt, dass sie nicht mehr zum Torschuss kommt

Im weiteren Verlauf sorgten weiterhin Thunebro und das schwedische Mittelfeld für Vorlagen auf die vorne agierende Victoria Svensson, doch ihre Kopfstöße und Schüsse führten zu keinem weiteren Torerfolg bzw. die tschechische Abwehrreihe stand sicher oder "Vickan" war im Abseits.

Nach einer knappen halben Stunde schlug Kapitän Malin Moström (Umeå) einen Pass in den Strafraum der Tschechinnen, dem Bertholdova, Ljungberg und Mouchová hinterher rannten.

Bertholdova, Ljungberg, Mouchová

Hanna Ljungberg setzt sich gegen die Tschechinnen Bertholdova und Mouchová durch und erzielt das 2:0


Schwedische Nationalmannschaft

Die siegreichen Schwedinnen mit Trainer und Betreuerstab wurden nach dem Spiel geehrt

Hanna reagierte am schnellsten und mit einem Volleyschuss beförderte sie die Kugel unhaltbar für Zuzana Pincova und unter schwedischem Jubel zum 2:0 ins Gehäuse.

Nun dominierten die Gastgeber noch mehr, Tschechien beschränkte sich nur noch auf gelegentliche Angriffe, die Caroline "Carre" Jönsson im Tor nicht gefährden konnten. Mit 2:0 trennte man sich zur Pause.

Zwar fielen in der zweiten Halbzeit keine weiteren Tore für die Gastgeberinnen, die Chancen jedoch häuften sich nun, auch weil die Gäste allmählich müde wurden. Immer besser kam Lotta Schelin ins Spiel.

Mouchová, Schelin

Eleganz bis in die Fingerspitzen, Lotta Schelin von Alexandra Mouchovà beobachtet

Die 22-Jährige, groß gewachsene und gleichermaßen elegante wie schnelle Spielerin ist dabei, sich zur unumstrittenen Stammspielerin im Nationalteam zu entwickeln. Wo Victoria Svensson (Djurgården/ Älvsjö) etwas blass blieb, sich öfters vor dem Tor vertändelte und in der 77. min. gegen Therese Lundin ausgetauscht wurde, überzeugte Lotta Schelin in der zweiten Hälfte. In den Schlussminuten der zweiten Halbzeit scheiterte sie zunächst nach einem Alleingang von der Mittellinie an Torhüterin Pincova und traf mit dem Nachschuss nur die Querlatte.

Trainer Thomas Dennerby wechselte in der zweiten Halbzeit Nilla Fischer, Therese Lundin und Josefin Öqvist ein. Öqvist scheiterte Minuten nach ihrer Einwechslung an Pincova.

Pincova, Öqvist

Josefine Öqvist scheitert hier an Zuzana Pinova, die sich im Laufe des Spiels steigerte

Auch Therese Sjögran und Malin Moström hatten weitere Chancen. Die 0:2-Niederlage war deshalb mehr als schmeichelhaft für die Tschechinnen. Schweden hatte sich mit einem Spaziergang für die WM in China qualifiziert.

Trainer Thomas Dennerby zeigte sich nach dem Spiel trotz der ausgelassenen Chancen mehr als zufrieden: "Als ich vergangenes Jahr das Team übernahm, gab es zwei erklärte Ziele. Das erste war, die WM-Qualifikation zu schaffen und das haben wir nun erreicht. Das zweite Ziel war ein Generationswechsel im Team und diese Aufgabe führen wir zur Zeit durch."

Martinkova, Seger, de Toni

Caroline Seger, hier mit Lucie Martinkova wurde zur schwedischen Spielerin des Tages gewählt. Im Hintergrund Schiedsrichterin Anna de Toni

In der Tat haben sich Spielerinnen wie Caroline Seger (21), Lotta Schelin (22), Nilla Fischer (22) und Josefin Öqvist (23) bereits in den Kreis der Nationalmannschaft gespielt. Seger und Schelin sind bereits Leistungsträger. Dennerby nannte im Gespräch auch Spielerinnen wie Anna Paulsson (22, Umeå IK) und Linda Forsberg (21, Hammarby) als Potentiale für die Zukunft. Er sieht auch in der Mittelfeldspielerin Louise Fors (16, Hammarby) eine kommende Nationalspielerin, die in dieser Saison in der Liga bereits für Furore gesorgt hat. "Meine Philosophie ist, dass man ruhig und überlegt Spielerinnen austauscht. Die Geschichte zeigt, dass es nie gut ist, zu viele Neue auf einmal zu bringen. Aber wahrscheinlich wird es bis zur WM noch ein bis zwei neue Gesichter im Team geben."

Nachdem Spiel waren die schwedischen Spielerinnen natürlich mit dem Ausgang sehr zufrieden, Malin Moström und Sara Thunebro gaben FanSoccer ein kurzes Statement.


Malin: "Ich denke, dass es ein sehr schönes Spiel gewesen ist. Die Partie war sehr wichtig für uns, wir haben sie gewonnen und damit haben wir uns für die WM im nächsten Jahr in China qualifiziert. Deshalb bin ich jetzt sehr glücklich."

Moström

Schwedens Mannschaftsführerin war nach dem Match für FanSoccer da

Sara: "Natürlich finde ich es sehr gut, dass wir 2:0 gewonnen haben. Ich freue mich, dass ich bei so einem wichtigen Spiel dabei war. Viele konnten uns heute sehen und ich denke, jeder fand uns großartig. Wir haben die Qualifikation gemeinsam erreicht und das ist ein angenehmes Gefühl."

Seger, Scasna, Thunebro

Pavlina Scasna und Sara Thunebro, hier mit Caroline Seger, waren auch nach dem Spiel zu einem Statement bereit

Auf der anderen Seite konnte das Pavlina Scasna, der es in Schweden sehr gut gefällt, nicht sein:
Das war überhaupt nicht das Spiel, das wir spielen wollten. Wir haben ganz früh ein Tor kassiert und nach dem schnellen 2:0 waren wir einfach nur noch schlecht. So hatten wir uns das nicht vorgestellt und ich konnte damit das Spiel nicht selbst genießen. Wir waren am Anfang sehr nervös, doch glaube ich, dass Schweden das auch war, denn sie wollten unbedingt gewinnen, um nach China fahren zu können."
Es gab viel Verletzungspausen auf eurer Seite, hat Schweden unfair gespielt?
"Nein, das war Zufall. Es liegt daran, dass unsere Spielerinnen so ein Niveau nicht gewöhnt sind, deshalb waren sie etwas langsamer. Wenn man dann einen Schritt zu spät kommt, passieren solche Verletzungen."

Die siegreichen Schwedinnen wurden nach der Partie mit Blumen und einer Tafel Schokolade belohnt!!!
Anschließend gingen sie zusammen zum Essen aus und tranken dazu etwas Wein. Sara verriet mir, dass sie ziemlich müde war und ab 22:00 Uhr wie ein Kind geschlafen hat.

Schweden:
1 Caroline Jönsson - 8 Frida Östberg, 4 Hanna Marklund, 7 Stina Segerström, 16 Sara Thunebro - 15 Therese Sjögran, 6 Malin Moström (K), 5 Caroline Seger (18 Nilla Fischer, 85.), 13 Lotta Schelin - 10 Hanna Ljungberg (14 Josefine Öqvist, 62.), 11 Victoria Svensson (9 Therese Lundin, 77.)

Tschechien:
1 Zuzana Pincova - 6 Alexandra Mouchová, 3 Petra Bertholdova, 8 Lucie Heroldova, 12 Katerina Hejlová (14 Veronika Hoferkova, 62.) - 4 Lucie Martinkova, 10 Blanka Penickova, 5 Eva Smeralova (K), 2 Lucie Pribanova (13 Martina Danielová, 69.) - 9 Pavlina Scasna, 7 Gabriela Chumecka (11 Katerina Doskova, 58.)

Schiedrichterin: Anna De Toni, Italien
Assistentinnen: Romina Santuari & Katia Senesi, beide Italien
4. Assistentin: Eva Ödlund, Schweden

Tore :
1-0 (5.) Hanna Ljungberg
2-0 (30.) Hanna Ljungberg

Gelb:
Schweden: Seger (33.), Öqvist (79.), Fischer (88.)
Tschechien: Scasna (41)

Publikum: 4.114


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