WM-Qualifikation Niederlande : Frankreich
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WM-Qualifikation 2007

Frankreich bleibt im Rennen

Niederlande : Frankreich 0:2 (0:1)

Von Nora Kruse (Text u. Fotos)

15.05.2006

Es ist nicht wirklich spannend in den fünf europäischen Qualifikationsgruppen zur Weltmeisterschaft 2007. Vier Gruppensieger scheinen jetzt schon festzustehen, nur eine Gruppe bildet eine Ausnahme und sorgt endlich für einen echten Fight um den ersten Platz: Gruppe fünf. Wer dachte, Frankreich schaukelt die Qualifikation nach Hause, sah sich getäuscht. Wer dachte, dass England eine kleine Chancen auf den Gruppensieg hat, kam der Sache schon näher. Wer jetzt aber noch das Team der Niederlande auf der Rechnung hatte, war der echte Fußballexperte.

Durch ihren Sieg gegen Frankreich im Hinspiel haben es die Niederländerinnen in Gruppe fünf spannend gemacht.

Die Niederländerinnen sorgten für Aufsehen, als sie Frankreich im Hinspiel durch ein 1:0 drei Punkte nahmen. Diesen Punkten läuft die ‚Équipe Tricolore’ bis heute hinterher, denn auch im Spiel gegen die Engländerinnen, die derzeit die beste Ausgangsposition in der Gruppe haben, gelang nur ein 0:0.
Das Spiel gegen die Niederländerinnen durfte also ohne Zweifel als Vorentscheidung bezeichnet werden: sollten die Niederlande gewinnen, durfte sich selbst das Team von Vera Pauw noch Hoffnungen auf die WM-Qualifikation machen – die von Frankreich wären dahin.

An diesem Spiel hing jedoch nicht nur eine mögliche Qualifikation für die Französinnen, sondern auch die Karriere von Sandrine Soubeyrand. Für die 32jährige Mittelfeldspielerin vom designierten Meister Juvisy FCF soll die WM das letzte Großereignis werden, bei einer Niederlage gegen die ‚Oranjes’ wäre sie eventuell sogar schon vorher zurückgetreten. Für sie ging es also um viel und so bekam sie auch die Ehre, sich die Kapitänsbinde umbinden zu dürfen. „Nicht nur, weil Sonia Bompastor verletzt ist, es ist auch eine Anerkennung: ich wusste, sie würde alles geben und ein phantastisches Spiel abliefern“, so die französische Nationaltrainerin Elisabeth Loisel.

Ab durch die Mitte - Sandrine Soubeyrand kämpft sich in der siebten Minute durch die gegnerische Abwehr und bringt ihr Team in Führung.

Unter den Augen von Englands Nationaltrainerin Hope Powell bewies Soubeyrand von der ersten Minute an, dass das in sie gesetzte Vertrauen gerechtfertigt war. Sie nahm das Spiel in die Hand, und egal ob hinten, rechts, links, vorne – Soubeyrand war überall. So gelang in der siebten Minute auch, was sie sich für dieses Spiel gewünscht haben dürfte: ein Tor. Sie schnappte sich im Mittelfeld den Ball und ließ der niederländischen Abwehr um Liesbeth Migchelsen und Gilanne Louwaars keine Chance – sie enteilte ihnen schlicht. Ihr Schuss sprang dann zunächst an den Innenpfosten und von dort in den Kasten.

Nur sechs Minuten später war es Marinette Pichon, die allein vor dem Tor von Marleen Wissink stand – und scheiterte.
Die Französinnen hatten das Spiel nicht nur unter Kontrolle, sondern boten auch schönen Fußball. Sie schienen teilweise nicht viel nachzudenken, sondern den Ball einfach rollen zu lassen. Das meiste lief dabei über die rechte Seite: Die Kugel startete bei Laura Georges, ging über Sandrine Dusang und Soubeyrand – und landete bei einer sehr gut aufgelegten Hoda Lattaf.
Die hatte Annemieke Griffioen als direkte Gegenspielerin – und meist keine Probleme. Die Duisburgerin
Es war nicht nur der Jubel über einen Führungstreffer - für Frankreich war es das Entscheidungsspiel mit Toren von Sandrine Soubeyrand, die bei einer Niederlage eventuell ihren Rücktritt erklärt hätte.
war hoffnungslos überfordert mit Lattafs Sprints und konnte häufig nur noch auf Abwehrkollegin Migchelsen hoffen – die in den meisten Fällen auch schlimmeres verhinderte. In der 27. und 28. Minute hätte Lattaf die Führung dennoch ausbauen können, rutschte jedoch zunächst an einer Flanke von Soubeyrand vorbei, und spielte eine Minute später den Ball direkt auf Wissink.

Das ewige Duell des Tages, und meist war es genau wie hier: Hoda Lattaf war einen Schritt schneller als Annemieke Griffioen.

Ein erstes Aufblitzen der hölländischen Fähigkeiten gab es erst in der 34. Minute, als Louwaars nach einer Flanke von Nicole Delies frei zum Schuss kam, den Ball jedoch übers Tor von Sarah Bouhaddi spielte. Vier Minuten später spielte sich Claudia van den Heiligenberg durch das gesamte französische Mittelfeld und konnte am Ende nur durch ein Foul aufgehalten werden. Der daraus resultierende Freistoß war jedoch sinnbildlich für das Spiel der Niederländerinnen. Anstatt direkt zu spielen, ging der Ball über zig Stationen und hatte am Ende nichts mehr mit einem Freistoß aus einer eigentlich aussichtsreichen Position zu tun.
Die Niederländerinnen waren umständlich, ideenlos, nicht spritzig genug, und ihnen versprang der Ball zu schnell zu den Französinnen, die daraufhin sofort auf Angriff umschalteten. Zur Pause blieb es bei der hochverdienten Führung der Gäste, die Soubeyrand in der Nachspielzeit per Freistoß fast noch ausgebaut hätte.

Liesbeth Migchelsen (l.) musste häufiger in letzter Sekunde klären. Häufig mit Erfolg - manchmal jedoch auch zu sehr allein gelassen.

Die zweite Halbzeit begann recht harmlos, das meiste spielte sich im Mittelfeld ab. Erst nach etwa sechzehn Minuten waren es die Niederländerinnen, die durch van den Heiligenberg ein erstes Lebenszeichen abgaben. Die 21jährige Stürmerin spielte sich durch den französischen Strafraum – musste sich dann jedoch einer sehr gut aufgelegten Bouhaddi geschlagen geben.
Das Spiel verlagerte sich dann jedoch zunehmend wieder in die niederländische Hälfte, und in der 63. Minute rappelte es im Kasten von Wissink – Sandrine Soubeyrand zum zweiten, diesmal per Freistoß.

Das Spiel der Französinnen verlor jedoch insgesamt an Klasse. Ausgangspunkt war die Einwechslung von Elodie Thomis.
Denn auch wenn die junge Stürmerin aus Montpellier wieder unglaubliche Spielfreude bewies, hatte ihre Einwechslung Umstellungen im französischen Spiel zur Folge. Lattaf wurde auf die linke Seite beordert, das Spiel der Französinnen wurde durch die Unterbrechung der gut funktionierenden und kombinierenden rechten Angriffsseite gelähmt.

Kapital konnten die Niederländerinnen daraus jedoch nicht schlagen, Frankreich hatte das Spiel weiter unter Kontrolle. Die zarten Angriffsversuche der Niederländerinnen landeten bei der französischen Abwehr, hohe Bälle in den Armen von Bouhaddi. Im Gegenzug hätten die Französinnen ihre Führung auch noch ausbauen können. Zunächst scheiterte Pichon per Fuß an nicht vorhandenem Zielwasser, dann war es Laetitia Tonazzi per Kopf.
Insgesamt ein hochverdientes 2:0 für die Französinnen mit einer herausragenden Soubeyrand. „Ich bin stolz, seit so vielen Jahren auf eine Spielerin wie sie bauen zu können“, konnte auch Elisabeth Loisel die Leistung ihrer erfahrensten Spielerin nicht hoch genug loben.

Die Niederlande dürfen sich kaum noch Hoffnungen auf eine WM-Qualifikation machen, wenn bei den Französinnen und Engländerinnen alles nach Plan läuft, wird der Gruppenerste am 30. September in Rennes beim direkten Aufeinandertreffen ausgespielt.



Elisabeth Loisel:
„Ich bin sehr glücklich über diesen Sieg. Meine Mannschaft ist sehr motiviert in diese Partie gegangen. Wir wollten gewinnen, um zu zeigen, dass die Niederlage im ersten Spiel ein Ausrutscher war - und wir mussten gewinnen, um im Rennen um die WM-Qualifikation zu bleiben.

Vera Pauw:
„Ich bin sehr enttäuscht, auch wenn die Niederlage verdient ist. Wir waren nicht in der Lage, Druck im Mittelfeld aufzubauen. Frankreich ist eine tolle Mannschaft, immerhin auf Platz fünf in der Welt, und wir haben ihnen einfach zu viel Raum gelassen.“

Aufstellungen

Niederlande
Wissink, Bito, Migchelsen, de Boer, Hogewoning, Griffioen (62. Hoogendijk), Louwaars, Demarteau, Melis, Delies, v. d. Heiligenberg (62. Van Eijk)

Frankreich
Bouhaddi, Casseleux (63. Thomis), Provost, Georges, Viguier, Soubeyrand, Dusang, Lattaf, Pichon, Abily, Tonazzi (87. Kramo)

Tore:
0:1 Soubeyrand (7.)
0:2 Soubeyrand (63.)

Schiedsrichterin:
Dagmar Damkova (Tschechien)

Gelb: Thomis

Zuschauer: 3248

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