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Weltmeisterschaft 2007 - Viertelfinale

Der Tag der Isabell Herlovsen

China - Norwegen 0:1 (0:1)

Von Katja Öhlschläger

23.9.2007   Norwegen hat es geschafft - in einer spannenden, aber keinesfalls hochklassigen Partie hat der WM-Mitfavorit Gastgeber China aus dem Turnier geworfen. Vor 52.000 Zuschauern im Wuhan Sports Center Stadium erarbeiteten sich die Chinesinnen zwar ein klares Übergewicht an Chancen, nutzten davon aber keine. Bei Norwegen beeindruckte vor allem Torschützin Isabell Herlovsen mit einem frechen, überzeugenden Auftritt.

Norwegens Trainer Bjarne Berntsen musste heute auf die erkrankte Lene Mykjåland verzichten und warf für sie die erst 19-jährige Isabell Herlovsen ins kalte Wasser. Gegen Ghana hatte sie mit ihrem Treffer bereits angedeutet, dass sie sich stark fühlt. Dennoch eine mutige, am Ende aber goldrichtige Entscheidung von Berntsen. Denn Herlovsen bot eine bärenstarke Leistung und war nicht nur wegen ihres Tores die Spielerin des Spiels.

Die Anfangsphase gehörte klar den Gastgeberinnen. Sie gewannen mehr Zweikämpfe im Mittelfeld, setzten besser nach und kamen zu den ersten Torchancen durch Ma Xiaoxu (10. und 21.) und Bi Yan (23.). Doch Bente Nordby im norwegischen Tor war stets sicher zur Stelle. Nach gut 25 Minuten hatten die Chinesinnen ihr Pulver erst einmal verschossen, die Norwegerinnen kamen nun besser ins Spiel und versuchten, die Kontrolle zu übernehmen.

Aus dem zunehmenden Druck ergaben sich nun Fehler auf chinesischer Seite. Den gravierendsten, der Wang Kun in der 32. Minute unterlief, bestrafte sogleich Isabell Herlovsen. Die Chinesin hatte die Flanke Leni Larsen Kaurin locker abfangen wollen und die in ihrem Rücken heraneilende Herlovsen zu spät gesehen. Herlovsen staubte vorbei und netzte zur Führung ein.

Bente Nordby

Bente Nordby war heute eine vielbeschäftigte Torfrau und hielt tadellos.

Archivbild: Nora Kruse

Ein frustrierender Zwischenstand für den Gastgeber, der aus zahlreichen Chancen kein Tor gemacht hatte. Die Effizienz sprach klar für Norwegen. Doch was blieb den Asiatinnen übrig? Sie stürmten natürlich weiter engagiert, in letzter Konsequenz aber zu ungestüm nach vorne. Die Norwegerinnen ließen ihnen dabei reichlich Platz. Die imposante Kulisse in Wuhan schien sie nicht kalt zu lassen. Und auch die sonst


so stabile Ingvild Stensland leistete sich ungewohnt viele Abspielfehler.

Eben jene Stensland hatte sieben Minuten nach dem Wiederanpfiff die größte Chance auf die schnelle Zwei-Tore-Führung auf dem Fuß. Aus knapp 25 Metern zog sie wuchtig ab, doch Zhang Yanru konnte das Leder mit einer grandiosen Parade noch an die Latte und damit zur Ecke ablenken. Das war es aber auch schon mit der norwegischen Offensivherrlichkeit.

Die Chinesinnen übernahmen jetzt wieder das Kommando, die Norwegerinnen leisteten sich viele Unkonzentriertheiten und standen auch im Strafraum alles andere als sicher. Doch das schon gegen Neuseeland offensichtlich gewordene eklatante Manko der Chinesinnen, die Schwäche im Abschluss, blieb ihr treuer Begleiter. Pan Lina (59.) per Distanzschuss und Yan Bi (61.) scheiterten als nächstes.

Han Duan, Kerstin Stegemann

Han Duan (l. gegen Kerstin Stegemann) vergab Chancen, die für zwei Spiele gereicht hätten.

Archivbild: Nora Kruse

Bjarne Berntsen merkte, wie die Partie zu kippen drohte und der Ball nur noch in eine Richtung rollte. Mit Lise Klaveness für Lene Larsen Kaurin, die auf der rechten Seite nicht den gewohnten Druck entwickeln konnte, kam Lise Klaveness in die Partie. Entlastungsangriffe hatten dennoch weiterhin Seltenheitswert. Zwei gelbe Karten binnen kurzer Zeit für die bis zu diesem Spiel noch nicht verwarnten Norwegerinnen verdeutlichen, dass das Spiel auf des Messers Schneide stand.

Dass es am Ende beim 1:0 für Norwegen blieb, hatten die Nordeuropäerinnen nicht ihrem eigenen Vermögen, sondern mehr dem Unvermögen der Chinesinnen zu verdanken, bei dieser Fülle an Chancen zum Torerfolg zu kommen. Die 2:0-Führung, die Ragnhild Gulbrandsen in der 88. Minute nach Stensland-Ecke auf dem Kopf hatte, wäre deshalb auch unverdient gewesen.

Ein mühevoller Sieg für Norwegen, bei denen man rätseln kann, ob die große Kulisse sie gelähmt hat. Diejenige, die damit am besten klarzukommen schien, war ausgerechnet die junge Isabell Herlovsen. Gegen Deutschland werden die Sympathien des Publikums verteilt sein. Doch


Norwegen muss sich steigern und die Ballverluste minimieren. Das steht fest.

Volker Lieberum sprach nach dem Spiel noch kurz über Internet mit Torschützin Isabell Herlovsen. Hier das Statement von Isabell:

Isabell Herlovsen

Isabell Herlovsen bot eine starke Leistung und schoss das goldene Tor für Norwegen.

Archivbild: Nora Kruse

"Es hat uns allen unheimlichen Spaß gemacht, Fußball zu spielen. Besonders, da so viele Zuschauer im Stadion anwesend waren. Da wir die ganze Spielzeit gekämpft haben, denke ich, dass wir auch verdient gewonnen haben. Im Fußball musst du Tore schießen, um zu gewinnen, und wir haben dieses Tor geschossen. Ich finde, dass alle meine Mitspielerinnen heute gute Arbeit geleistet haben.

Für mich persönlich war es fantastisch, denn ich habe noch niemals vor so vielen Leuten gespielt. Ich bin so glücklich, dass Bjarne (Berntsen, Norwegens Nationaltrainer, Anm.) mir vertraut hat und ich von Beginn an spielen durfte. Dass ich dann noch das Tor geschossen habe, ist wirklich großartig. Die chinesische Abwehrspielerin ging etwas weg vom Ball und ich dachte mir, den könntest du doch erreichen. So nahm ich das Leder und schoss das Tor."

China

Zhang Yanru - Li Jie, Wang Kun, Xie Caixia (71. Zhang Ouying), Bi Yan, Pan Lina, Han Duan, Ma Xiaoxu, Pu Wei, Liu Yali, Zhang Tong (75. Liu Sa)

Norwegen

Bente Nordby - Ane Stangeland Horpestad, Gunhild B. Følstad, Ingvild Stensland, Camilla Huse, Trine Rønning, Solveig Gulbrandsen (75. Lene Storløkken), Isabell Herlovsen (93. Marit Fiane Christensen), Leni Larsen Kaurin (64. Lise Klaveness), Ragnhild Gulbrandsen, Marie Knutsen

Tore:
0:1 Herlovsen (32.)

Gelbe Karten: Kun Wang - Følstad, Rønning, R. Gulbrandsen

Schiedsrichterin: Gyoengyi Gaal (Ungarn)

Zuschauer: 52.000

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