Fansoccer-Logo

Weltmeisterschaft 2007, 2. Spieltag Gruppe C

Fußball zum Zungeschnalzen

Australien - Norwegen 1:1 (0:1)

Von Katja Öhlschläger

15.9.2007   Nach dem 2:2-Unentschieden zwischen den USA und Nordkorea am Dienstag meinten viele, das sei so eine Art vorweggenommenes Endspiel gewesen. Es spricht für die Qualität dieser Weltmeisterschaft, dass das heutige Gruppenspiel zwischen Australien und Norwegen dieser Auftaktpartie in nichts, aber auch gar nichts nachstand.

Der erste Auftritt der Matildas gegen Ghana, bei dem sie herzerfrischenden Offensivfußball boten, und die Akribie, mit der Trainer Tom Sermanni sein Team auf jeden neuen Gegner einzustellen weiß, ließen viel erwarten. Norwegen hatte nach einem 0:1-Halbzeitrückstand gegen Kanada in der zweiten Hälfte zu seiner Turnierform gefunden und wollte daran sofort anküpfen.

Leni Larsen Kaurin

Leni Larsen Kaurin war ein ständiger Unruheherd auf der rechten Seite und bereitete den Führungstreffer vor.

Archivbild: Beate Wolter

Das gelang der Mannschaft von Trainer Bjarne Berntsen, die zuvor lange um den Einsatz von Torfrau Bente Nordby zittern musste, auch sofort. Dabei kam ihnen allerdings auch das Spiel der Australierinnen entgegen, die ihrerseits ebenfalls überhaupt keine Lust auf ein taktisches Geplänkel hatten. Sermanni hatte seine Mannschaft - um alle frisch zu halten - gleich auf sechs Positionen verändert, was beweist, auf welch großes Spielerreservoir er zurückgreifen kann. Sally Shipard und Joanne Peters, eigentlich zwei wichtige Stützen, fehlten verletzt. Auch Lisa De Vanna und Sarah Walsh, die beide gegen Ghana erfolgreich waren, saßen zunächst nur auf der Bank. Für sie bekamen die große Kate Gill und Joanne Burgess das Vertrauen. Bjarne Berntsen stellte auf zwei Positionen um. Marie Knutsen durfte für Lene Størlokken ran, Camilla Huse für Siri Nordby.

Ohne jegliches Abtasten kamen beide Mannschaften sofort zu ersten Chancen. Die erste Collette McCallum nach drei Minuten mit einem Distanzschuss, der mit viel Schmackes über die Latte strich. Auf McCallum ruhten nach dem Ausfall von Shipard und Peters im Mittelfeld die größten Hoffnungen. Und die 21-Jährige, gegen Ghana schon zur Spielerin des Spiels gewählt, war einmal mehr die überragende Spielerin auf dem Platz. An fast allen Offensivaktionen war sie beteiligt. Manager der Bundesliga - Augen auf bei Australiens Nummer 14!

Der ohnehin schon temporeichen Begegnung gab es weiteren Auftrieb, dass bereits nach fünf Minuten der Ball zum ersten Mal in den Maschen zappelte. Leni Larsen Kaurin, die vor zwei Wochen in Mainz Nadine Angerer per Flanke schon nach 40 Sekunden überwunden hatte, arbeitete sich auf der rechten Seite gekonnt durch und bediente Ragnhild Gulbrandsen mustergültig. Diese verwertete souverän und kam damit schon zu ihrem zweiten Turniertor. Vier Minuten später hatte Kapitänin Cheryl Salisbury per Kopf die Chance auf den Ausgleich, köpfte aber über das Torgehäuse.

Chancen gab es von nun an im Minutentakt. Das Mittelfeld wurde


schnell überbrückt, beide Teams schenkten sich an Offensivdrang und Kampfgeist nichts. In der 14. Minute wäre Gulbrandsen beinahe ihr drittes Turniertor gelungen, doch ihr Kopfball nach Flanke von Larsen Kaurin ging daneben. Nur fünf Minuten waren vergangen, da setzte sich McCallum im Strafraum nach Zuckerpass von Heather Garriock scheinbar mühelos gegen Ane Stangeland Horpestad und Trine Rønning durch, fand in der Mitte aber keine Abnehmerin. Im direkten Gegenzug tanzte dann wieder Larsen Kaurin ihre Gegenspielerinnen aus, fand allerdings ebenfalls keine Abnehmerin. Ein Raunen im weiten Rund folgte auf das nächste. In dieser Begegnung war Pfeffer drin.

In der 22. Minute musste Bente Nordby gegen Joanne Burgess ihre Reaktionsschnelligkeit unter Beweis stellen, die Australierin hatte per Direktabnahme abgezogen. Fünf Minuten später ballerte wieder Solveig Gulbrandsen Richtung Tor, doch ihr Schuss ging über den Kasten von Melissa Barbieri. Die nächste Chance gehörte Camilla Huse, die bei ihrem WM-Debüt eine starke Partie bot und sich ebenso häufig wie erfolgreich ins Offensivspiel einschaltete. Ihr Schlenzer mit dem Außenrist ging jedoch knapp am Tor vorbei.

Huse und Larsen Kaurin stachen bei Norwegen besonders hervor, während bei den Matildas Collete McCallum und die ungemein laufstarke Heather Garriock das Spiel antrieben. McCallum (35.) und Garriock (38.) waren es denn auch, die die nächsten Schüsse in Richtung Bente Nordby abgaben. Doch sie waren nicht von Erfolg gekrönt. Die letzten Minuten vor der Pause gehörten dann wieder den Norwegerinnen. Melissa Wiik stand in der 44. Minute schon einschussbereit im Straraum, doch Lauren Colthorpe kam in allerletzter Sekunde noch herbeigerutscht und spitzelte das Leder zur Ecke.

Nach dem Seitenwechsel kam bei Norwegen Lene Mykjåland für Melissa Wiik und bei Australien die doppelte Torschützin aus dem Ghana Spiel, Lisa De Vanna, für Daniella Small ins Spiel. Tom Sermanni setzte also um, was er angekündigt hatte. Mit De Vanna und Walsh die vielleicht besten Stürmerinnen als Joker einzusetzen. Der zweite Spielabschnitt begann so stürmisch, wie der erste aufgehört hatte. McCallum (47.) und Dianne Alagich (50.) kamen zu ersten Torgelegenheiten, auf der Gegenseite donnerte die gerade erst eingewechselte Mykjåland den Ball aus halblinker Position und 18 Metern Torentfernung an den Pfosten.

Camilla Huse

Camilla Huse konnte sich bei ihrem ersten WM-Auftritt für weitere Aufgaben empfehlen.

Archivbild: Beate Wolter

Die Aufregung hatte sich noch nicht gelegt, kam die eingewechselte De Vanna zur mit Abstand besten Chance der Matildas. An der Mittellinie startend, setzte sie sich wieselflink gegen Horpestad und Gunhild Følstad durch, spitzelte die Kugel an Nordby vorbei, musste aber entsetzt mit ansehen, wie der Ball nur den Pfosten traf. Australien erspielte sich nun nach und nach


Vorteile und erarbeitete sich ein klares. Chancenplus. De Vanna und McCallum trieben das Spiel unermüdlich an, Salisbury war bei Standards (59.) stets gefährlich. Weitere Chancen durch De Vanna und Walsh folgten, doch sie brachten nichts Zählbares ein.

Ragnhild Gulbrandsen

Ragnhild Gulbrandsen erzielte die frühe Führung für Norwegen und damit schon ihren zweiten Turniertreffer.

Archivbild: Volker Lieberum

Gerade in dem Moment, als sich Norwegen langsam wieder berappelte, gelang den Matildas dann doch noch der späte, aber hochverdiente Ausgleich. Erneut Lisa De Vanna war es, die die Matildas dem Traum vom Viertelfinale einen großen Schritt näherbrachte. Ausgebufft und kaltschnäuzig ließ sie die erfahrene Ane Stangeland Horpestad mit zwei Körpertäuschungen aussteigen und zog unhaltbar mit voller Wucht ins rechte obere Eck ab. Was für ein Treffer! Bis zum Schlusspfiff bemühten sich beide Teams um einen zweiten Treffer, wobei Australien die Norwegerinnen an den Rand einer Niederlage brachte. Doch Salisburys Kopfball in der 90. Minute ging knapp links daneben.

Insgesamt ein leistungsgerechtes 1:1 in einem hochklassigen, dramatischen Spiel mit zahlreichen Torrraumszenen. Ohne jegliche Verwarnung übrigens. Unentschieden, das zeigte diese Partie, können richtig viel Spaß machen. Norwegen hat vor dem letzten Spieltag gegen den vermeintlich schwächsten Gegner Ghana nun beste Chancen, die Gruppe als Sieger zu verlassen.

Für Australien war der Punktgewinn Gold wert, reicht ihnen doch nun gegen Kanada schon ein Unentschiden. In der heutigen Verfassung sollte für beide Mannschaften jeder mögliche Viertelfinal-Gegner aus der Gruppe D schlagbar sein. Zwischen dem müden Kick zwischen Brasilien und erstaunlich unmotivierten Chinesinnen in Wuhan und dem Frauenfußball-Thriller in Hangzhou klafften jedenfalls Welten.

Australien

Melissa Barbieri - Dianne Alagich, Cheryl Salisbury, Heather Garriock, Thea Slatyer - Alicia Ferguson, Collette McCallum, Lauren Colthorpe (76. Caitlin Munoz), Danielle Small (46. Lisa De Vanna) - Kathryn Gill (61. Sarah Walsh), Joanne Burgess

Norwegen

Bente Nordby - Ane Stangeland Horpestad, Gunhild B. Følstad, Ingvild Stensland, Camilla Huse, Trine Rønning, Solveig Gulbrandsen (86. Lene Størlokken), Melissa Wiik (46. Lene Mykjåland), Leni Larsen Kaurin (74. Guro Knutsen), Ragnhild Gulbrandsen, Marie Knutsen

Tore:
0:1 R. Gulbrandsen (5.)
1:1 De Vanna (83.)

Gelbe Karten: -

Schiedsrichterin: Niu Huijun (China)

Zuschauer: 33.835

Zur WM-Seite

Zur FanSoccer-Startseite