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Weltmeisterschaft 2007

Die Schwächen aufgezeigt bekommen

Japan - England 2:2 (0:0)

Von Nora Kruse

11.09.2007

Es ist nicht die gleiche Gruppe, aber das gleiche Ergebnis: Nach dem USA-Spiel am Morgen stand es auch zwischen Japan und England am Ende 2:2. Und die 95 Minuten in Shanghai zeigten, dass Statistiken zwar interessant sind, aber ein Spiel dann doch nicht entscheiden.

Ein Verhältnis von 19:10 Schüssen, 9:4 bei den Torschüssen, 8:2 bei Eckbällen – all das kann die englische Mannschaft aus ihrem ersten WM-Auftritt nach 1995 mitnehmen. Ein Eis backen kann sie sich davon nicht, denn ein entscheidender Punkt fehlt noch: 4:0 in Freistößen für Japan – zwei davon trafen ihr Ziel; das war ausreichend, um den ersten WM-Punkt aller Zeiten gegen ein europäisches Team einzufahren.
Dabei gehörte die erste Chance des Spiels auch gleich den Japanerinnen, als drei englische Abwehrspielerinnen es nicht schafften, Eriko Arakawa aufzuhalten, die aus zentraler Position an der Strafraumgrenze den Kasten von Rachel Brown nur knapp verfehlte. Es war die erste Gelegenheit, in der die Engländerinnen Schwächen in der Hintermannschaft offenbarten, während Japan zu Beginn sehr gut organisiert schien. Die „Three Lions“, die mit den bewährten Flügelspielerinnen Karen Carney auf rechts und Rachel Yankey auf der linken Seite begannen, hatten von beiden Seiten Mühe, sich entscheidend in den japanischen Strafraum zu spielen.
Die Japanerinnen standen eng beim Gegner, womit dieser Probleme hatte. Konnten die Engländerinnen dagegen das Spiel aus dem Mittelfeld heraus aufbauen, wurden sie insbesondere über die linke Seite gefährlich, waren im Abschluss aber zu ungenau. So in der 15. Minute als Yankey links einen Alleingang startete, auf Eniola Aluko spielte, die in die Mitte weitergab, wo allerdings keine Mitspielerin zu finden war. Aluko zeigte auch in der Folgezeit, in der ihre Mannschaft immer stärker wurde, ein engagiertes Spiel, konnte den Ball jedoch nicht im Tor unterbringen. Nachdem Kelly Smith in der 17. Minute im Mittelfeld drei Japanerinnen ausgeschaltet hatte und auf Aluko passte, vollendete sie mit einem recht harmlosen Ball auf Torhüterin Miho Fukumoto. In der 39. Minute wurde diese von Aluko umspielt, doch auch das leer stehende Tor traf die Stürmerin von Chelsea nicht.
Das englische Team, in dem Carney und Yankey mittlerweile die Seiten getauscht hatten, zeigte schöne und gefährliche Spielzüge nach vorne. In der Abwehr bekamen sie jedoch deutliche Schwächen aufgezeigt, wie in der 26. Minute, als Aya Miyamas Fernschuss den Weg durch die komplette Hintermannschaft fand, von Brown jedoch entschärft wurde. England war nach hinten alles andere als unverwundbar, die Japanerinnen waren allerdings nicht in der Lage, genug Druck aufzubauen, um daraus Profit schlagen zu können.


Stattdessen kamen die Engländerinnen auch in der letzten Viertelstunde über Yankey, Katie Chapman und Smith zu einigen Torchancen, waren im Abschluss aber zu schwach.
Zu einer wirklichen Dominanz der Engländerinnen entwickelte sich die zweite Hälfte, die Probleme aus der ersten blieben jedoch dieselben: hohe Fehlpassquote und mangelnde Chancenauswertung. Carney kehrte auf ihre angestammte rechte Seite zurück und entwickelte sich zum Dreh- und Angelpunkt. Dennoch waren es die Japanerinnen, die in der 55. Minute zum Torerfolg kamen, als Miyama einen Freistoß direkt verwandelte. Damit hatte ihre Mannschaft dem Gegner einen spürbaren Schock versetzt. Im Gegensatz zu vielen Spielen in der Vergangenheit zeigte die Mannschaft von Hope Powell jedoch, dass sie sich wieder aufbauen kann, nach etwa zehn Minuten hatte sie zurück gefunden, gab das Ruder danach nicht mehr aus der Hand, traf jedoch das Tor nicht.
Carney scheiterte frei vor Fukumoto, Smith traf per Fernschuss das Außennetz, Aluko schoss im Fünfmeterraum die Schulter einer Abwehrspielerin an und nach Carneys Vorbereitung über rechts ging Yankeys Kopfball in der 69. Minute links am Kasten vorbei. Kurz zuvor versuchten es die Japanerinnen, die sich keine entscheidenden Chancen mehr erarbeiten konnten, per Fernschuss, doch Brown zeigte sich hellwach.
In der 81. Minute hatte das Leiden der Engländerinnen ein Ende, Regisseurin Smith übernahm selbst die Initiative, hängte zwei Japanerinnen ab und traf zum hochverdienten Ausgleich. Nur zwei Minuten später küsste sie ihre Schuhe erneut, wieder war es ein Alleingang, der ihrer Mannschaft die Führung bescherte. Auf der linken Seite spielte sie Hiromi Isozaki aus und ließ auch Kozue Ando und Azusa Iwashimizu keine Chance. Fukumoto konnte den ersten Schuss der Londonerin noch abwehren, beim Nachschuss war sie machtlos.

Kelly Smith brachte ihr Team zurück ins Spiel und noch etwas weiter.

Archivbild: Nora Kruse

Sprachlos waren dagegen die Engländerinnen zehn Minuten später. Nachdem sich Brown verletzt hatte, als sie gegen Arakawa klären wollte, spielte sie den Ball beim Einwurf etwas


benommen direkt ihrer Gegenspielerin zu. Die Japanerin war dadurch augenscheinlich nicht weniger überrumpelt als die englische Abwehr, zeigte sie doch einmal mehr, dass ihre Mannschaft im Herausspielen der Chancen deutliche Mängel aufwies. Doch kurz darauf verdeutlichte ihr Team ebenfalls, dass man Punkte auch ohne zwingende Chancen gewinnen kann. In der fünften Minute der Nachspielzeit bekam Japan erneut einen Freistoß zugesprochen, erneut schoss Miyama, erneut traf sie das Ziel.

Freistöße hat Hiroshi Ohashi mit seiner Mannschaft ausreichend trainiert, andere Schwachstellen bleiben.

Archivbild: Nora Kruse

Es war ein Unentschieden, das für Japan mehr als glücklich war, das das Team aber genauso wenig weiter bringt, wie seine Gegnerinnen. Dennoch haben beide Mannschaften ihre Schwächen aufgezeigt bekommen, die es bis zum nächsten Spiel abzustellen gilt: Während die Japanerinnen unter Druck wenig zum eigenen Spielaufbau leisten, und sich somit kaum Chancen herausspielen können, haben die Engländerinnen an Passgenauigkeit auf engem Raum, Chancenauswertung und Abwehrleistung zu arbeiten. Und am Verhalten bei gegnerischen Standards.

Statistik

Japan
Fukumoto, Isozaki (86. Nagasato), Kinga (46. Ando), Miyamoto (71. Hara), Sakai, Arakawa, Sawa, Iwashimizu, Miyama, Ohno, Utsugi

England
Brown, A. Scott (89. Johnson), Stoney, Chapman, White, Phillip, Carney, Williams, Aluko (74. J. Scott), K. Smith, Yankey

Tore
1:0 Miyama (55.)
1:1 K. Smith (81.)
1:2 K. Smith (83.)
2:2 Miyama (95.)

Gelbe Karten
Chapman, K. Smith

Schiedsrichterin
Kari Seitz (USA)

Zuschauer 27.146

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