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Weltmeisterschaft 2007 2. Spieltag Gruppe A

Japan wieder mit Last-Minute-Tor

Japan - Argentinien 1:0 (0:0)

Text von Tom Schlimme

14.9.2007   Eigentlich sollte Japan eine Sonderregelung beantragen, immer nur die Nachspielzeit spielen zu müssen, denn in diesen wenigen Minuten dürfte Japan die erfolgreichste Mannschaft bei dieser WM stellen. Nach dem kaum noch für möglich gehaltenen Ausgleich gegen England in der letzten Minute der Nachspielzeit gelang dem Team von Trainer Hiroshi Ohashi diesmal nach torlosen 90 Minuten in der Nachspielzeit noch der Siegtreffer gegen Argentinien.

Nach dem sich Argentinien im Eröffnungsspiel der WM gegen Deutschland die höchste Niederlage der WM-Geschichte geleistet hatte, hat wohl niemand mit einem so knappen Ausgang des Spiels der „Albiceleste” gegen Japan gerechnet. Argentiniens Trainer Carlos Borrello hatte Keeperin Vanina Correa, deren beiden Eigentore zwar offiziell als Tore ihrer Gegenspielerinnen gerechnet werden, nichtsdesto- trotz aber auf ihre Kappe gehen, auf der Ersatzbank gelassen und durch die erfahrenere Romino Ferro ersetzt. Auch sonst wurde bei Argentinien auf einigen Positionen umgestellt, so blieb Mittelfeldstar Rosana Gomez komplett draußen.

Trotzdem mußte Borrello erneut einen nervösen Beginn seiner Mannschaft mit ansehen, schon nach 2 Minuten und 10 Sekunden donnerte seine Kapitänin Eva Gonzales den Ball bei einer missglückten Abwehr unhaltbar an den eigenen Torpfosten. Fast schon wieder ein Eigentor, dem jungen argentinischen Team war die Verunsicherung nach der Klatsche gegen Deutschland anzumerken. Doch Japan konnte aus dieser Verunsicherung kein Kapital schlagen, und langsam fingen sich die Argentinierinnen. In der 20. Minute brauchten sie noch Glück, als ein Kopfball von Yuli Nagasato am Tor vorbeiging, doch dann erspielte sich auch Argentinien die ersten Chancen.

Eva Gonzales

Eva Gonzales, trotz ihres Beinahe- Eigentores in der 2. Spielminute nicht nur die große Stütze in der argentinischen Abwehr, sondern auch bei jeder Standardsituation für Argentinien am Ball

Bild: Martin Kochem

In der 25. Minute kam Maria Potassa, von Analia Almeida freigespielt, im japanischen Strafraum zum Schuss, doch weit vorbei. Ansonsten neutralisierten sich beide Teams nun weitgehend schon im Mittelfeld, Torge-


legenheiten blieben Mangelware, und so ging es torlos in die Pause. Japan zeigte sich zwar spielerisch deutlich überlegen, doch die Stürmerinnen Nagasato und Shinobu Ohno kamen kaum einmal in den argentinischen Strafraum.

Homare Sawa

Mit zunehmender Spieldauer übernahm Homare Sawa im japanischen Mittelfeld da Zepter

Bild: Nora Kruse

Nach dem Seitenwechsel hatte dann sogar Argentinien eine starke Phase und übte richtig Druck auf das japanische Tor aus. Almeida ließ drei Japanerinnen stehen, drang dabei in der 49. Minute in den Strafraum ein, doch ihr Schuss ging dann am Tor vorbei. Es dauerte gute zehn Minuten, bis die Japanerinnen ihre Gegnerinnen wieder einigermaßen in den Griff bekamen, doch eigene Torgelegenheiten konnten sie sich nun nicht mehr erarbeiten.

So plätscherte die Partie dahin bis zur 70. Minute, als ein Schuss von Nagasato so etwas wie eine kleine Schlussoffensive einläutete. Hart, aber genau auf Ferro geschossen, konnte die argentinische Keeperin den Ball mit wenig Mühe parieren. Doch die japanischen Spielerinnen wurden nun von der unermüdlichen Homare Sawa, die ob zentral, ob rechts, ob links überall zu finden war, nach vorne getrieben, mal mit langen Bällen, mal mit klugen Dribblings und kurzen Pässen.

Argentinien mußte gewinnen, um sich eine Chance auf das Viertelfinale zu erhalten, ein Unentschieden war zu wenig, und so konterten nun auch die Argentinierinnen mit größerem Risiko, wodurch zwar Räume für Japan frei wurden, aber auch Chancen für Argentinien entstanden. Deren Mittel- feldspielerin Fabiana Vallejos trieb den Ball nach vorne, sah Japans Torhüterin Miho Fukumoto schlecht postiert und schoss aus vollem Lauf aus gut 30 Metern an den Pfosten. 1:1 nach Pfosten- schüssen, doch es blieb beim 0:0 nach Toren.

Spielentscheidend sollte letztlich eine Einwechselung auf japanischer Seite werden und die Hoffnung der Argentinierinnen, vielleicht doch noch den für sie so wichtigen Siegtreffer erzielen zu können, die sie leichtsinnig werden ließ. Trainer Ohashi brachte nämlich in der 79. Minute Yukari Kinga für Kozue Ando, also eine Abwehrspielerin für eine Abwehrspielerin. Scheinbar also ein


positionsbezogener Wechsel. Doch Kinga präsentierte sich als Rechtsaußen, ohne dass die Argentinierinnen dies in ihrem Sturmdrang realisierten. Schon in der Minute nach ihrer Einwechselung ließ Kinga auf dem rechten Flügel ihre Gegenspielerin aussteigen, ihren knallharten Schuss hielt Ferro mit gutem Reflex.

In der 85. Minute tanzte der Ball dann auf der argentinischen Torlinie, nachdem wiederum Kinga aus spitzem Winkel zum Kopfball gekommen war, doch um Haaresbreite ging auch dieser Kopfball noch einmal vorbei. So ging man dann torlos in vier Minuten Nachspielzeit. Die Argentinierinnen hätten vom Englandspiel der Japanerinnen gewarnt sein müssen, doch sie machten auf, drängten nach vorne, obwohl Japan in den letzten Minuten eigentlich die spielbestimmende Mannschaft geworden war. Schon in der ersten Minute der Nachspielzeit bekam erneut Kinga mutterseelenallein den Ball am rechten Strafraumrand - ihre Gegenspielerin war ihr nicht gefolgt - und schoss erneut kräftig genau auf Ferro. Diese ließ nur abklatschen, Nagasato konnte abstauben, Tor für Japan, Spiel gelaufen. Erneut brachte also ein Torwartfehler Argentinien auf die Verliererstraße, allerdings liegt der größere Fehler für mich auf dem linken Flügel der Argentinierinnen, die die eingewechselte Kinga etwa 12 Minuten einfach gewähren ließen.

Fazit: Japan enttäuscht und gewinnt mit Mühe und Glück im zweiten schlechten Spiel der Gruppe A des Tages und hält sich die Chance auf das Viertelfinale offen, England hat nach diesem Spieltag wieder etwas bessere Karten als erwartet, und Argentinien ist ausgeschieden, hat aber gezeigt, dass man, wenn man nicht wie gegen Deutschland ins offene Messer rennt, durchaus mit mittelstarken Mannschaften mithalten kann.



Japan

Fukumoto - Isozaki, Yano (50. Utsugi), Ando (79. Kinga), Iwashimizu - Miyamoto, Sakai, Sawa, Miyama - Nagasato, Ohno (57. Arakawa

Argentinien

Ferro - Gonzales, Chavez, Perez, Huber (53. Ojeda), Quinones (65. Mendieta), Mandrile, Vallejos, Potassa (77. Manicler), Almeida, Pereyda

Tor:
1:0 Nagasato (90+1.)

Gelbe Karten: Isozaki

Schiedsrichterin: Dagmar Dankova (Tschechien)


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