Von Nora Kruse
27.09.2007
Seit 450 Minuten ohne Gegentor, die beste WM-Torschützin aller Zeiten in den eigenen Reihen, den höchsten WM-Sieg
überhaupt erzielt und die erste Mann- schaft, die als Titelverteidiger ins Finale einziehen kann. Der Nationalmannschaft
gelingt in China derzeit ein Rekord nach dem anderen, nach dem 3:0 über Norwegen greift sie nun nach dem Titel.
Die ehemalige Bundestrainerin Tina Theune-Meyer lobte einmal an ihrer Mannschaft, dass diese in der Lage sei, immer
noch eine Schippe draufzulegen. Die WM zeigt, was das „TTM“ meinte: Nach einer erfolgreichen - aber spielerisch nicht
unbedingt überzeugenden - Vorrunde traf die DFB-Auswahl im Viertel- und Halbfinale auf die hochkarätigen Gegner aus
Nordkorea und Norwegen, zwei Mannschaften mit völlig unterschiedlichen Spielsystemen und von Beginn an mit Titelchancen
angereist. Die Mannschaft von Bundestrainerin Silvia Neid war in der Lage, zuzulegen und schickte beide Teams überraschend
hoch mit 3:0 nach Hause. Selbst Vize-Europameister Norwegen machte es dem Weltmeister nur in der ersten Halbzeit schwer.
Die Deutschen dürften das Spiel in Mainz in guter Erinnerung gehabt haben, schossen die Norwegerinnen doch gleich mit dem
ersten Angriff den Führungstreffer. Gegensteuern war angesagt, Deutschland begann druckvoll. Bereits in der ersten Minute
versuchte es Sandra Smisek per Weitschuss. Drei Minuten später konnte Norwegens Torhüterin Bente Nordby eine Flanke von
Kerstin Garefrekes nicht entschärfen, hatte jedoch Glück, dass die Abwehr den Ball aus dem Strafraum schlagen konnte. Die
ersten knapp 20 Minuten gehörten dem DFB-Team, das Smisek nach 15 Minuten erneut hätte in Führung bringen können. Nach
einem Foul von Leni Larsen Kaurin an Simone Laudehr trat Renate Lingor den Freistoß, den Smisek per Kopf über das Tor
setzte.
Anschließend kam Norwegen jedoch besser ins Spiel und erarbeitete sich in der recht ausgeglichenen ersten Hälfte ein
leichtes Chancenübergewicht. Ingvild Stensland versuchte es in der 19. Minute mit einem Weitschuss, den Torhüterin Nadine
Angerer jedoch parieren konnte. Nur eine Minute später flankte Marie Knutsen von der rechten Seite. Ragnhild Gulbrandsen
gewann das Kopfballduell gegen Annike Krahn, vefehlte den Kasten jedoch.
Es waren keine „Hundertprozentigen“, die sich die Norwegerinnen erarbeiteten, dennoch wirkten sie spritziger, beweglicher
und schneller, wenn sie in Ballbesitz kamen. Sofort wurde auf Angriff umgeschaltet und meist waren nicht mehr als drei
Stationen nötig, um das Mittelfeld zu überbrücken – im gegnerischen Strafraum trafen sie jedoch auf die erneut stark
spielende Angerer. In der 21. Minute klärte sie gegen Kaurin zur Ecke, zwei Minuten später entschärfte sie einen Schuss
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Solveig Gulbrandsen.
In der 42. Minute machten sich die Norwegerinnen ihren starken Auftritt jedoch zunichte. Birgit Prinz konnte sich auf der
linken Seite durchsetzen und ihr Schuss, der als Flanke in den Fünfmeterraum gedacht war, wurde von Trine Rønning per Kopf
in den eigenen Kasten gelenkt. Fast im direkten Gegenzug hatte Rønning die Chance zum Ausgleich. Nach einem Eckball
entwickelte sich in der in diesem Spiel besser agierenden - aber noch immer nicht souveränen - deutschen Abwehr, ein
Durcheinander. Ariane Hingst konnte auf der Linie klären, ihre Mitspielerinnen waren jedoch nicht in der Lage, den Ball aus
dem Strafraum zu befördern. Nach einem Ausflug auf die linke Seite wurde er erneut hineingegeben, Rønning kam zum Kopfball,
Angerer war zur Stelle. Wäre der Ausgleich gelungen, hätte das Spiel vielleicht eine andere Wende genommen, aber obwohl die
Norwegerinnen in der zweiten Hälfte mehr Druck hätten machen müssen, gaben sie das Spiel dort völlig aus der Hand.
Pechvolgel Trine Rønning: Sie brachte ihr Team in Rückstand.
Archivbild: Beate Wolter
Die deutsche Mannschaft kam motiviert aus der Kabine, bereits nach einer Minute war es erneut Prinz, die sich auf der
rechten Seite gegen sämtliche Gegenspielerinnen durchsetzen konnte und auf Smisek flankte. Die Frankfurter Stürmerin kam
frei zum Schuss, setzte den Ball jedoch über das Tor. Drei Minuten später behielt Fatmire Bajramaj im Mittelfeld die
Oberhand, spielte auf die rechte Seite zu Smisek, deren Hereingabe auf Prinz jedoch das Außennetz traf.
Die norwegische Abwehr, die aus so erfahrenen Spielerinnen, wie Ane Horpestad besteht, agierte alles andere als souverän
und hatte insbesondere mit Prinz Probleme, die es immer wieder alleine mit dem Gegner aufnahm – und dabei meistens
erfolgreich war. Die deutsche Abwehr, der in der ersten Hälfte aufgezeigt wurde, dass auch sie mit dem schnellen und
direkten Spiel der Norwegerinnen Probleme bekommt, wurde dagegen kaum noch gefordert. Die Nordländerinnen waren
überraschend ungefährlich, stattdessen hätten Kerstin Garefrekes in der 60. Minute, und Smisek zwei Minuten später, weitere
Treffer für das DFB-Team erzielen können. Garefrekes wurde jedoch im letzten Augenblick von Rønning gestoppt, Smisek
schoss einmal mehr nach Flanke von Prinz am Tor vorbei.
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Estes Turniertor für "Joker" Martina Müller.
Archivbild: Nora Kruse
Nach 72 Minuten führten die deutschen Bemühungen zum verdienten 2:0. Nach Vorarbeit der enorm stark spielenden
Prinz, die im Strafraum die Oberhand gegen die Abwehr behielt und ück auf Kerstin Stegemann spielte, traf diese mit
einem Heber über die Abwehr den Innenpfosten, von wo der Ball ins Tor sprang. Drei Minuten später kam auch Martina
Müller zu ihrem ersten Turniertreffer. Die Stürmerin nutzte eine Unachtsamkeit von Siri Nordby,
lief dieser den Ball ab und ließ Bente Nordby im Tor keine Chance.
Auch ein 4:0 wäre für die deutsche Mannschaft nicht möglich gewesen, Bajramaj traf in der 78.
Minute nur die Latte. Die Norwegerinnen kamen kurz vor dem Abpiff durch einen Kopfball von Ragnhild Gulbrandsen und
einen flachen Schuss von Knutsen noch zu Chancen, die Angerer jedoch beide entschärfen konnten. Insgesamt war Norwegen in
der zweiten Hälfte zu harmlos. Deutschland stand kompakt und hatte den Gegner zu jeder Zeit unter Kontrolle, sodass es
insgesamt ein vielleicht überraschend hoher - aber verdienter - Sieg des Weltmeisters ist, der nun alle Chancen hat, einen
weiteren Rekord zu erzielen: als erste Mannschaft den Titel zu verteidigen.
Statistik
Deutschland
Angerer, Stegemann, Krahn, Bresonik (81. Minnert), Behringer (40. Bajramaj), Smisek (65. Müller), Prinz, Lingor, Laudehr, Hingst, Garefrekes
Norwegen
B. Nordby, Horpestad, Følstad (48. S. Nordby), Stensland, Huse, Rønning, S. Gulbrandsen (56. Storløkken), Herlovsen (46. Klaveness), Larsen Kaurin, R. Gulbrandsen, Knutsen
Tore
1:0 Rønning (42./ET)
2:0 Stegemann (72.)
3:0 Müller (75.)
Gelb
Larsen Kaurin
Schiedsrichterin
Dagmar Damkova (Tschechien)
Zuschauer 53.819
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