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Weltmeisterschaft 2007, Viertelfinale

Deutschland mit Glück und Können

Deutschland - Nordkorea 3:0 (1:0)

Text von Tom Schlimme

22.9.2007   Mit Können, weil Deutschland vor allem im Mittelfeld letztlich überlegen war, und mit Glück, weil die Tore für Deutschland genau in den richtigen Momenten fielen und Nordkoreas Stürmerinnen beste Chancen vergaben, erreichte die deutsche Nationalmannschaft das Halbfinale bei dieser WM 2007 durch einen 3:0 Erfolg gegen Nordkorea. Nicht zuletzt auch dank einiger sehr guter Momente der deutschen Torfrau Nadine Angerer gelang es, auch im vierten Spiel bei dieser WM ohne Gegentor zu bleiben - noch nie zuvor hat bei einer Frauenfußballweltmeister- schaft eine Mannschaft ohne ein einziges Gegentor das Halbfinale erreicht!

Bei aller gebotenen Wertschätzung für diese großartige Leistung des deutschen Teams soll nicht verschwiegen werden, dass längst nicht alles rund lief in diesem Viertelfinale. Die sonst so starke Birgit Prinz kam kaum einmal an den Ball und wenn, blieb sie meist deutlich hinter ihren Möglichkeiten zurück. In der Abwehr brannte es vor allem gegen Ende der Partie einige Male lichterloh, der Kommentator der ARD sprach vom „Schwimmbad deutsche Abwehr&rdquo, und man kann ihm schwerlich widersprechen, was diese letzte Phase des Spiels angeht.

Die Zahl der vom deutschen Team herausgespielten Torgelegenheiten war auch nicht gerade hoch, dafür klappte es aber mit der bei dieser WM auch schon geschmähten Chancenauswertung. Deutschland hatte nur wenige Chancen und nutzte die meisten davon. Letztlich kommt es beim Fußball aufs Toreschießen an, und das Team von Bundestrainerin Silvia Neid präsentierte sich so wieder einmal als ein Gegner, den sich niemand wünscht bei einer WM, zumindest nicht vor dem Finale. Sowohl körperlich als auch technisch stark, mit einem taktischen Konzept, das funktioniert hat, braucht Deutschland wahrlich niemanden zu fürchten.

Renate Lingor

Renate Lingor machte nicht nur ihr viertes Tor bei dieser WM, sie fing auch sehr viele Bälle ab und zeigte ein gutes Spiel

Archivbild: Beate Wolter

Schon in der Anfangsphase war das deutsche Mittelfeld mit der nach ihrer Gelbsperre wieder im zentralen Mittelfeld aufgebotenen Simone Laudehr, die, genau wie ihre Partnerin Renate Lingor, eine sehr gute Leistung bot, deutlich überlegen. Sowohl Laudehr wie Lingor konzentrierten sich zu diesem Zeitpunkt aber auf das Abfangen von Bällen, was ihnen gut gelang. Die Norkoreanerinnen behielten den Ball nicht lange in den eigenen Reihen in diesen ersten 10 Minuten und kamen kaum aus der eigenen Hälfte heraus. Allerdings war die deutsche Überlegenheit am Strafraum vorbei, der letzte Pass kam nicht und Torgelegenheiten blieben aus.

Kerstin Garefrekes war in der achten Minute die erste, die einen Hauch von Gefahr versprühte, doch ihr Schuss ging einen halben Meter am rechten unteren Eck vorbei. In der elften Minute dann plötzlich eine Riesenchance für


Nordkorea, nach einem Fehler von Ariane Hingst in der Innenverteidigung mußte Keeperin Angerer mit Klassereflex gegen Ri Un Gyong retten, der Nachschuss von Kim Yong Ae ging vorbei. Wenig später kam Nordkorea zu einer Ecke, Angerer mit der Faust, Nachschuss abgeblockt. Dann in der 15. Minute Prinz endlich einmal mit Platz und Anlauf, doch gegen zwei Nordkoreanerinnen schoss sie dann hoch über das Tor.

Nadine Angerer

Nationalkeeperin Nadine Angerer hielt die Null hinten auch im vierten Spiel bei dieser WM

Archivbild: Tom Schlimme

Nordkorea im Mittelfeld nun gleichwertig bis leicht überlegen, präsentierte sich aber nicht torgefährlich genug. Kil Son Hui setzte sich rechts gegen Linda Bresonik durch, ließ aber dann einen schwachen Abschluss folgen. Kurz darauf hielt Angerer einen zum Glück erneut schwachen Schuss von Kim Yong Ae. Eine sehr schöne Szene hatte Smisek auf der anderen Seite, als sie mit einem Flugkopfball nach Flanke der heute wieder stärkeren Melanie Behringer das Außennetz traf. Prinz wieder mit gutem Lauf gegen drei Abwehrspielerinnen, die letzte war eine zuviel, Nachschuss Laudehr über die Latte.

Es war in dieser ersten Halbzeit ein spannendes und hochklassiges Spiel, die Nordkoreanerinnen waren der berühmte „erwartet starke Gegner” und zeigten, wieso sie sich in der „Todesgruppe” B gegen Schweden durchsetzen konnten. Gute Chance für Prinz dann in der 41. Minute, endlich hat sie Platz, Bresonik läuft links, Prinz zu Bresonik, diese mit guter Flanke zurück in die Mitte, Prinz gelingt mit dem Kopf ein guter Aufsetzer, doch knapp am Tor vorbei. Doch zwei Minuten später machte es Kerstin Garefrekes besser. Nach einem guten Lauf gegen zwei Nordkoreanerinnen blieb sie zwar einen Moment lang hängen, eroberte sich aber den Ball sofort zurück und schoss mit links ins lange Eck - unhaltbar für Jon Myong Hui!

Mit dieser durchaus verdienten knappen Führung ging es in die Pause, aus der beide Mannschaften in unveränderter Aufstellung wieder auf den Platz kamen. Das Spiel ging ausgeglichen weiter, allerdings in den ersten zehn Minuten ohne weitere Torgelegenheiten. In der 55. dann ein Steilpass auf Kil Son Hui, gefährliche Situation, doch Annike Krahn klärte souverän. Wenig später wieder ein Steilpass, diesmal auf Ri Kum Suk, Angerer mußte aus dem Tor kommen und klären, Zusammenprall, nach kurzer Behandlungspause konnten beide aber weitermachen. Es war nicht das einzige Mal in dieser Partie, das Angerer beim Herauslaufen Kopf und Kragen riskieren mußte, doch sie tat das mutig und souverän, ohne ihre Gegenspielerinnen dabei zu foulen.

Nordkorea zeigte jetzt mit frühem Stören und hoher Laufbereitschaft eine ähnlich starke Leistung wie im ersten Gruppenspiel gegen die USA, doch die deutschen Spielerinnen hielten dagegen. In


der 60. Minute warf sich Sonu Kyong Sun in einen schönen Fernschuss von Lingor, den Eckstoß brachte Behringer gefährlich herein, Keeperin Jon Myong Hui klärte mit Mühe zur nächsten Ecke. Dann wieder zwei Riesengelegenheiten für Nordkorea in der 65. und 66. Minute, jetzt wäre der Ausgleich durchaus verdient gewesen! Doch nachdem eben noch die deutsche Keeperin Angerer mit einer schönen Parade gerettet hatte, kamen Lingor und Smisek im Strafraum Nordkoreas zu einem Doppelpass, Lingor guckte die Torhüterin aus und traf genau ins lange Eck. Unhaltbar! Das war die Vorentscheidung, und kein Zufall, dass Smisek hier die Vorarbeit geleistet hatte, denn schon die ganze Partie über hatte Smisek mit guten Zuspielen ihre Mitspielerinnen in Szene gesetzt.

Als dann Annike Krahn wenig später einen Eckball mit der Hüfte etwas glücklich ins koreanische Tor bugsierte, war die endgültige Entscheidung gefallen. Jetzt ging es nur noch darum, ob Deutschland das Halbfinale wirklich ohne Gegentor erreichen sollte. Dies gelang, auch weil Nadine Angerer Nordkoreas Stürmerin Yong Pok Sim den Ball in höchster Not noch vom Kopf holen konnte. Auch Kerstin Stegemann mußte noch einmal in letzter Sekunde klären, Nordkorea gab keineswegs auf, sondern drückte weiter nach vorne und war jetzt deutlich überlegen. In der 90. Minute wieder Riesenchance für Yong Pok Sim, doch sie verschoss. In der 4. Minute der Nachspielzeit hielt Angerer noch einmal gegen Ri Kum Suk. Leider schien es mir, als hätte sich in den letzten 10 Spielsekunden Simone Laudehr noch verletzt, das wäre für mich der größte Wermutstropfen nach diesem starken Spiel der deutschen Mannschaft, wenn Laudehr, die ihre Wichtigkeit für das Team heute deutlich unterstreichen konnte, im Halbfinale ausfallen würde!

Simone Laudehr

Hoffentlich kann Simone Laudehr im Halbfinale auflaufen, nachdem sie nach einigen rüden Attacken den Platz mit schmerzverzerrtem Gesicht verließ. Links die Dänin Cathrine Paaske Sörensen.

Archivbild: Beate Wolter



Deutschland

Angerer - Stegemann, Krahn, Hingst, Bresonik (77. Minnert) - Laudehr, Lingor, Behringer, Garefrekes - Prinz, Smisek (73. Müller)

Nordkorea

Jon Myong Hui - Om Jong Ran, Sonu Kyong Sun, Kong Hye Ok, Song Jong Sun Ri Un Gyong, Kim Yong Ae (50. Kim Kyong Hwa), Ri Un Suk, Ri Kum Suk (74. Yong Pok Sim), Kil Son Hui

Tore:
1:0 Garefrekes (43.)
2:0 Lingor (67.)
3:0 Krahn (72.)

Gelbe Karten: Song Jong Sun

Schiedsrichterin: Tammy Ogsten (Australien)

Zuschauer: 38.000


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