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Weltmeisterschaft 2007, 3. Spieltag Gruppe A

Durch Arbeitssieg ins Viertelfinale

Deutschland - Japan 2:0 (1:0)

Von Katja Öhlschläger

17.9.2007   Der deutschen Nationalmannschaft ist durch einen 2:0-Erfolg über Japan die Qualifikation für das Viertelfinale als Gruppenerster gelungen. Der Sieg des amtierenden Weltmeisters geriet über die gesamte Spieldauer nie ernsthaft in Gefahr. Lediglich nach dem Seitenwechsel konnten die Asiatinnen ihre Angriffsbemühungen verstärken. Alles in allem ein Arbeitssieg ohne spielerischen Glanz, der bei besserer Chancenauswertung noch höher hätte ausfallen können, vielleicht sogar müssen.

Bundestrainerin Silvia Neid hatte vor dem letzten Gruppenspiel noch kurzfristig ihre Aufstellung umstellen müssen, nachdem sich Saskia Bartusiak im gestrigen Abschlusstraining eine Adduktorenzerrung zuzog. Bartusiak sollte die gelbgesperrte Simone Laudehr im zentralen Mittelfeld ersetzen. Für sie kam nun Kerstin Garefrekes im zentralen Mittelfeld neben Renate Lingor zum Einsatz. Petra Wimbersky nahm dafür Garefrekes' angestammten Platz auf der rechten Seite ein. Japans Trainer Hiroshi Ohashi musste Stürmerin Eriko Arakawa zunächst auf der Bank lassen. Sie war leicht angeschlagen und sollte als Joker zum Einsatz kommen.

Birgit Prinz

Birgit Prinz gelang das erlösende 1:0.

Archivbild: Beate Wolter

Die deutsche Mannschaft erwischte einen guten Start und kam schon nach wenigen Minuten zu hochkarätigen Chancen. In der 4. Minute kam Wimbersky nach einer schönen Kombination von Prinz und Smisek frei vor Torfrau Miho Fukumoto zum Schuss, schoss diese aber zu zentral an und vergab somit eine exzellente Gelegenheit auf eine frühe und befreiende Führung. Für diese hätte zwei Minuten später um ein Haar Kerstin Garefrekes gesorgt. Nach Vorlage von Smisek geriet ihre Flanke von der linken Seite zum Torschuss, segelte aber über das Tor.

Nach diesem vielversprechenden Start blieb die deutsche Mannschaft zwar klar feldüberlegen, verzettelte sich aber zunehmend in ihren Angriffsaktionen. Fehlpässe häuften sich, der letzte Pass kam oftmals nicht an. Japan blieb allerdings im Offensivspiel so harmlos, dass keine beunruhigende Gefahr drohte. Eine Kopfballchance von Homare Sawa in der 13. Minute konnte Annike Krahn etwas glücklich im Strafraum klären. Das war es dann aber auch schon an Angriffsaktionen der Japanerinnen.

Miho Fukumoto

Miho Fukumoto war ihrer Mannschaft ein sicherer Rückhalt.

Archivbild: Florian Büchting

Erneut waren es die quirligen Smisek und Wimbersky, die mit einem feinen Doppelpass in der 20. Minute die nächste Großchance für Wimbersky herausspielten. Wimbersky schloss aus spitzem Winkel ab, scheiterte allerdings erneut an der stark aufgelegten Fukumoto. Den daraus resultierenden Eckball brachte Renate Lingor herein, und während die Verwirrung im Strafraum groß war, schaltete die dreimalige Weltfußballerin Birgit Prinz am schnellsten. Aus kurzer Distanz schoss sie zur wichtigen Führung ein.

Nach dem Führungstreffer blieb das Bild das gleiche. Das Spiel bestimmte die deutsche


Mannschaft. Zu der nötigen Lockerheit im Abschluss, um den Vorsprung auszubauen, hatte das 1:0 allerdings nicht geführt. In der 32. Minute ging ein Kopfball von Prinz nach Eckball von Lingor knapp links daneben. Eine Minute darauf lief Garefrekes frei auf Fukumotos Kasten zu und passte uneigennützig zu Smisek. Diese kam jedoch einen Schritt zu spät und verpasste die Chance zum 2:0.

Nachdem in der 40. Minute ein Kopfball von Smisek an die Latte gegangen war und zwei Minuten später ein Fernschuss von Behringer unglücklich von Smisek ins Tor aus verlängert wurde, blieb es zur Pause beim 1:0. Eine verdiente Führung und ein Schritt in die richtige Richtung. Von einer Leistung, die die Konkurrenz beeindrucken könnte, war die deutsche Elf allerdings noch weit entfernt.

In der Kabine hatte Coach Ohashi seine Spielerinnen offenbar nochmal eindringlich daran erinnert, dass sie zwingend den Weg nach vorne suchen mussten, um überhaupt noch minimale Chancen auf das Viertelfinale zu haben. Zumindest erwischten die Asiatinnen nach dem Seitenwechsel den besseren Start. In einigen Situationen zeigte die deutsche Abwehr Schwächen im Stellungsspiel und war durch weite Bälle durchaus verwundbar. Die beste Gelegenheit hatte in der 59. Minute die eingewechselte Arakawa, die das japanische Offensivspiel beleben konnte. Ihr galt ein weiter Ball von Sawa in den Strafraum, den Nadine Angerer im deutschen Tor antizipiert hatte. Angerer kam aus ihrem Kasten gestürmt und traf ihre Gegenspielerin mit angewinkeltem Knie so unglücklich, dass diese verletzt ausgewechselt werden musste. Eine grenzwertige Szene, in der Schiedsrichterin Correa auch auf Elfmeter hätte entscheiden können.

Petra Wimbersky

Petra Wimbersky kam durch die Verletzung von Saskia Bartusiak in die Startelf, arbeitete viel, vergab aber zu viele Großchancen.

Archivbild: Beate Wolter

Es schien der Knockout für die Japanerinnen gewesen zu sein. Arakawa hatte dem japanischen Spiel neues Leben eingehaucht. Nach ihrer Verletzung kehrten die Asiatinnen zu ihrer Harmlosigkeit aus dem ersten Spielabschnitt zurück. Doch auch von deutscher Seite kam nicht mehr viel. Ein Schussversuch der eingewechselten Lira Bajramaj in der 66. Minute war bis 15 Minuten vor Schluss die einzige nennenswerte Szene.

Eine Viertelstunde vor Schluss war es wieder einmal Wimbersky, die nach toller Vorlage von Smisek per Direktabnahme kurz vor der Torlinie zum Abschluss kam - und vergab. So agil die Frankfurterin war und so gut sie Garefrekes auf der rechten Seite - auch durch ihren Zug zum Tor - vertrat. Sie muss sich den Vorwurf gefallen lassen, mit ihren Chancen zu fahrlässig umgegangen zu sein.

Hiromi Isozaki

Hiromi Isozaki verschuldete kurz vor Spielende den Elfmeter für Deutschland.

Archivbild: Florian Büchting

Weniger als Vollstreckerin, denn als Vorlagengeberin und emsige Wühlerin hatte auch Sandra


Smisek überzeugt. Für die gegen Ende müde Frankfurterin kam für die letzten 15 Minuten die Wolfsburgerin Martina Müller zum Einsatz und nutzte ihre Chance. Direkt nach ihrer Einwechslung tanzte sie Azusa Iwashimizu auf der rechten Seite gekonnt aus und flankte präzise auf den Kopf von Prinz, der ein zweites Tor am heutigen Tage jedoch verwehrt blieb. Dennoch hatte sie durch ihren ersten Treffer in der ersten Halbzeit Michelle Akers mit ihrem 13. Tor bei Weltmeisterschaften überholt und ist nun alleinige WM-Rekordtorschützin.

Martina Müller

Martina Müller kam zu einem Kurzeinsatz, holte dabei einen Elfmeter heraus und sorgte für viel Schwung.

Archivbild: Beate Wolter

Vier Minuten vor dem Spielende wusste Hiromi Isozaki Müller nur noch durch ein Foul zu stoppen. Da dies im Strafraum geschah, entschied Correa korrekt auf Strafstoß. Renate Lingor ließ sich nicht bitten und besorgte sicher den 2:0-Endstand.

Damit zieht die deutsche Mannschaft ohne Gegentreffer als Gruppenerster ins Viertelfinale ein und trifft am Samstag um 11 Uhr in Wuhan (live bei ARD und Eurosport) auf den Zweiten der Gruppe B. Das werden wahrscheinlich Nordkorea oder die USA sein. Nigeria und Schweden bräuchten morgen hohe Siege, um noch den Sprung unter die letzten Acht zu schaffen.

Um auch das Halbfinale zu erreichen, ist bei der deutschen Mannschaft allerdings eine Leistungssteigerung nötig. Die Abwehr wurde kaum geprüft, schien wie gegen England jedoch nicht immer sattelfest, sobald der Gegner mit weiten und schnellen Kombinationen zum Erfolg zu kommen suchte. Die Abstimmung zwischen Ariane Hingst und Minnert-Ersatz Annike Krahn klappt allerdings schon fast fehlerfrei.

Das Spiel über die Außenpositionen war heute der Pluspunkt im deutschen Angriffsspiel, die Chancenauswertung freilich blieb mangelhaft. Einer guten ersten Halbzeit ließ der Titelverteidiger eine durchschnittliche zweite folgen. Vielleicht auch, um Kräfte zu schonen und keine Verletzugen zu riskieren. Wie groß das Steigerungspotenzial ist? Wir werden es am Samstag sehen.

Deutschland

Nadine Angerer - Kerstin Stegemann, Ariane Hingst, Annike Krahn, Linda Bresonik - Renate Lingor, Kerstin Garefrekes - Petra Wimbersky, Melanie Behringer (57. Fatmire Bajramaj), Birgit Prinz - Sandra Smisek (78. Martina Müller)

Japan

Miho Fukumoto - Hiromi Isozaki, Yukari Kinga, Azusa Iwashimizu, Rumi Utsugi - Miyuki Yanagita, Ayumi Hara, Tomoe Sakai, Homare Sawa, Aya Miyama (46. Eriko Arakawa/63. Shinobu Ohno) - Yuki Nagasato (76. Tomomi Miyamoto)

Tore:
1:0 Prinz (21.)
2:0 Lingor (86./FE)

Gelbe Karten: Garefrekes, Müller - Sakai

Schiedsrichterin: Adriana Correa (Kolumbien)

Zuschauer: 33.835

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