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Weltmeisterschaft 2007, 2. Spiel Gruppe A

Es bleibt spannend

Deutschland - England 0:0

Von Tom Schlimme

14.9.2007   Wer nach dem 11:0 der deutschen Elf über Argentinien einen Durchmarsch des deutschen Teams wenn nicht durch die ganze WM, dann doch wenigstens durch die Gruppe A, erwartet hatte, sieht sich eines Schlechteren belehrt. Im zweiten Gruppenspiel gegen England hätte das Team von Bundestrainerin Silvia Neid schon den Gruppensieg klar machen können, doch es blieb über die komplette Spielzeit bei einer Nullnummer, so dass jetzt das dritte Gruppenspiel gegen Japan die Entscheidung über den Gruppensieg bringen muss.

Die Platzverhältnisse waren miserabel, der Platz - sowieso zu spät vor der WM eingesät - vom Regen völlig aufgeweicht, durch drei Spiele bereits sehr mitgenommen, dazu regnete es über die längste Zeit des Spiels in Strömen. Bedingungen, die einer technisch starken und auf Kombinationsfußball ausgerichteten Mannschaft wie Deutschland mehr zusetzen mußten, als dem kampfstarken Team aus England, das sich vor allem aufs Verteidigen des eigenen Kastens konzentrierte.

Faye White

Typische Szene: Kerstin Garefrekes allein im englischen Strafraum gegen fünf Engländerinnen, Faye White köpft den Ball aus der Gefahrenzone

Bild: Martin Kochem

So wurde der hohe Sieg vom Montag zum Fluch, denn alle Erwartungen waren auf Deutschland gerichtet, England konnte sich am Ende über die überstandene Nullnummer freuen und auch das Spiel entsprechend defensiv gestalten, ohne dass daran auch nur ein Hauch an Kritik geübt werden würde. Doch all dies kann keine Entschuldigung sein für ein schwaches Spiel der deutschen Mannschaft. Vor allem in der ersten Halbzeit verlief die Partie zwischen dem hohen Favoriten und dem Außenseiter völlig ausgeglichen, und erst im zweiten Teil der zweiten Halbzeit war Deutschland dann überlegener, ohne jedoch daraus zählbare Vorteile gewinnen zu können, was schlicht damit zu erklären ist, dass kaum echte Chancen herausgespielt wurden.

Kelly Smith

Von Kelly Smith ging das ganze Spiel über Gefahr für das deutsche Tor aus. Allerdings war sie damit eine Ausnahme im englischen Team! Hier im Zweikampf mit Annike Krahn, die ihre Aufgabe gut löste

Bild: Martin Kochem

Die für die verletzte Sandra Minnert ins deutsche Team gerückte Annike Krahn löste ihre Aufgabe in der Innenverteidigung gut, überhaupt stand das deutsche Team hinten sicher, wie auch Silvia Neid gegenüber dem ZDF lobend erwähnte. Doch England spielte auch nur mit einer Spitze, Kelly Smith, die in mehren Szenen ihre Gefährlichkeit andeuten konnte, aber je nach Situation meist von Krahn, aber auch von Hingst oder den anderen Abwehrspielerinnen gut gestoppt werden konnte. Englische Angriffe über die Flügel gab es das ganze Spiel über keinen einzigen, so dass man von einem echten Test der deutschen Abwehr nicht wirklich sprechen kann.


Freistoß Birgit Prinz

Auch bei Standards, wie hier bei einem Freistoß, getreten von Birgit Prinz, wußte die deutsche Mannschaft gegen England nicht zu überzeugen

Bild: Martin Kochem

Leider vernachlässigten auch die deutschen Spielerinnen heute das Flügelspiel, was aber vor allem der Stärke der englischen Abwehr zuzuschreiben war. Sowohl Melanie Behringer auf links gegen Alex Scott als auch Kerstin Garefrekes auf rechts gegen Casey Stoney konnten sich kaum einmal durchsetzen und Flanken nach innen ziehen, was noch gegen Argentinien so einfach gelungen war. Aber auch in der Mitte stand Englands Innenverteidigung mit den starken Faye White und Mary Phillip so sicher, dass deutsche Chancen Mangelware blieben.

Casey Stoney

Casey Stoney, links in der englischen Viererkette, machte Kerstin Garefrekes heute schwer zu schaffen

Bild: Nora Kruse

So spielte sich das Spiel hauptsächlich im Mittelfeld ab. Deutschland bekam nach Fouls eine Reihe von Freistößen aus aussichtsreichen Positionen in der Nähe des gegnerischen Strafraums zugesprochen, doch keine der gezeigten Varianten sorgte für Gefahr für das von Rachel Brown sicher gehütete englische Gehäuse. Glücklicherweise blieben auch die - weniger zahlreichen - englischen Freistöße ohne Wirkung. Auch eine Unsicherheit der deutschen Keeperin Nadine Angerer, die im Herauslaufen einen Ball verpasste und mit dem Kopf gerade noch so neben das eigene Tor lenkte, wurde nicht bestraft.

Birgit Prinz, auf der natürlich immer wieder die größten deutschen Hoffnungen liegen, wurde, genau wie die zweite Spitze Sandra Smisek, in der ersten Halbzeit kaum angespielt und in der zweiten immer noch viel zu wenig. Immerhin gelang Prinz dann in der 71. Minute ein schöner Doppelpass mit Smisek, doch White konnte den Torschuss im Strafraum noch entscheidend stören, eine Szene, bei der sich beide Spielerinnen verletzten, aber dann zum Glück doch weiterspielen konnten. Für positive Akzente auf deutscher Seite sorgte die in der 62. Minute für Behringer eingewechselte Lira Bajramaj, doch gefährliche Schüsse aufs Tor gelangen auch ihr nicht.

In der 75. Minute setzte Bajramaj Garefrekes gut in Szene, doch Chapman warf sich heldenhaft in deren Schuss und verhinderte die deutsche Führung. Wenig später Freistoß Renate Lingor, gefährlich flach vor das englische Tor, doch wieder konnte eine Abwehrspielerin noch zur Ecke klären. Gegen Ende


der Partie, bei nun nachlassender Kraft auf Seiten der Engländerinnen, wurde die deutsche Mannschaft sichtbar stärker, doch was soll werden gegen Gegner, die selber auch die Kraft für 90 Minuten auf höchstem Niveau haben, wie USA, Nordkorea oder andere starke Mannschaften?

Rachel Brown

Englands Keeperin Rachel Brown bot eine gute Leistung und hielt ihren Kasten sauber, ohne dabei einen „unhaltbaren” entschärfen zu müssen

Bild: Nora Kruse


Die beste Chance des Spiels hatte dann in der 82. Minute Kerstin Garefrekes nach einem schönen Pass der heute auch nicht gerade überzeugenden Lingor. Garefrekes kam im Strafraum aus kurzer Distanz zum Schuss, doch Brown bekam noch die Fäuste dazwischen, keine der nachschussbereiten Spielerinnen erwischte den Abpraller. Es gibt Tage, da führen solche Szenen unerbittlich zum Tor! Doch heute blieb es beim 0:0, ein Ergebnis, welches dem deutschen Team letztlich nicht schadet, bedauerlicher sind da schon die drei gelben Karten, für Krahn, Bajramaj und Simone Laudehr, die im nächsten Gruppenspiel wegen nun schon zweier Gelber Karten wird pausieren müssen.




Deutschland

Angerer - Stegemann, Krahn, Hingst, Bresonik - Laudehr, Lingor, Garefrekes, Behringer (62. Bajramaj) - Prinz, Smisek

England

Brown - A. Scott, Phillip, White, Stoney - Chapman, Williams, J. Scott, Carney (55. Yankey), Asante, Smith

Tore: Keine

Gelbe Karten: Chapman, Williams / Krahn, Laudehr, Bajramaj

Schiedsrichterin: Jenny Palmquist (Schweden)

Zuschauer: 28.000


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