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Weltmeisterschaft 2007, 1. Spiel Gruppe A

Rekorde ohne Gnade

Deutschland - Argentinien 11:0 (5:0)

Text von Tom Schlimme

10.9.2007   „Bekommen Sie da nicht Mitleid mit den Argentinierinnen?”, wurde Steffi Jones im Fernsehen vom Reporter gefragt, und Jones konnte dies ohne Skrupel verneinen. Argentinien hatte angekündigt, den Deutschen ein Spiel zu liefern, bei dem sie nicht viel Spaß haben würden. Doch am Ende sprachen der Gesichtsausdruck und die grün-blasse Gesichtsfarbe ihres Trainers Carlos Borrello eine deutliche Sprache. Deutschland hatte mit einem satten 11:0 einen neuen Rekord bei einer WM aufgestellt.

Nebenbei holte sich auch noch Birgit Prinz mit drei Toren und nun insgesamt 12 Toren bei Welt- meisterschaften einen weiteren Rekord in ihre ohnehin große Sammlung, indem sie so an Bettina Wiegmann vorbeizog, die bisher mit 11 Toren die meisten deutschen Treffer bei Weltmeisterschaften erzielt gehabt hatte. Prinz liegt jetzt in der weltweiten Wertung gleichauf mit der Amerikanerin Michelle Akers, die ebenfalls 12 Tore bei Weltmeisterschaften erzielen konnte. Doch auch jenseits aller Rekorde war es schlicht ein gutes Spiel der deutschen Nationalmannschaft.

Besuch in einer Schule

Ihr Besuch löste große Begeisterung aus: Die deutschen Nationalspielerinnen Anja Mittag, Lira Bajramaj und Annike Krahn (am Tisch v.l.) beim Besuch der deutschen Schule in Shanghai vor einigen Tagen

Bild: Veronika Becker

Dabei hatte das Team durchaus nervös begonnen. Keeperin Nadine Angerer leistete sich gleich zu Beginn einen unnötigen Abspielfehler, und auch den Feldspielerinnen war der hohe Druck, unter dem die Mannschaft stand, anzumerken. Da war es schon günstig, einen Gegner zu haben, der das Eis selber brechen half. Freistoß Renate Lingor in der 10. Minute, Sandra Smisek aus der Drehung aufs Tor, abgewehrt zur Ecke. Die getreten von Melanie Behringer von links faustete Argentiniens Keeperin Vanina Correra unbedrängt ins eigene Tor.

Stadion Shanghai

Das imposante Stadion in Shanghai von außen

Bild: Berthold Becker

Es war aber keineswegs so, dass sich die deutliche deutsche Überlegenheit nur aus Schwächen der Argentiniereinnen ergeben hätte, was beim zweiten Tor in der 17. Minute sehr deutlich wurde. Da schlug Kerstin Stegemann einen Freistoß aus der eigenen Hälfte diagonal über den halben Platz und Kerstin Garefrekes donnerte die Kugel volley ins Netz.

Ludmila Manicler

Ludmila Manicler wurde leider erst in der 53. Minute eingewechselt, sorgte aber noch einmal für etwas frischen Schwung im insgesamt dürftigen Angriffsspiel Argentiniens

Archivbild: Martin Kochem

Auch das dritte Tor war eine feine Leistung: Linda Bresonik mit gutem


Deutsche Frauenfußball Nationalmannschaft

Die Startformation vom Spiel gegen die Schweiz vom 22.8.2007 war auch heute die Elf der Wahl von Bundestrainerin Silvia Neid:
Oben v.l.: Sandra Minnert, Nadine Angerer, Linda Bresonik, Kerstin Garefrekes, Birgit Prinz.
Unten v.l.:Kerstin Stegemann, Ariane Hingst, Sandra Smisek, Renate Lingor, Melanie Behringer, Simone Laudehr

Bild: Volker Lieberum

Auge auf Behringer, die läßt Argentiniens Libero Eva Gonzales aussteigen und vollendet mit knallhartem Schuss. Die meisten Tore wurden aber über die Außen herausgespielt, wo Melanie Behringer auf der linken und Kerstin Garefrekes auf der rechten Seite jeweils Bomben-Leistungen ablieferten, sich immer wieder durchsetzen und perfekte Pässe nach innen geben konnten.

So fiel das 4:0 nach Flanke von Garefrekes von rechts auf Birgit Prinz, die sich eingerahmt von zwei Gegnerinnen trotzdem mit dem Kopf durchsetzen konnte. Beim 5:0 war dann Simone Laudehr Vorbereiterin von rechts, erneut Prinz vollendete in der Mitte. Das 6:0 von Renate Lingor resultierte aus einem Nachschuss von der Strafraumgrenze, den Lingor herrlich an Correa vorbei in die Ecke zirkelte. Auch beim 7:0 war die heute endlich wieder starke Lingor maßgeblich beteiligt, ihren Freistoß konnte Correa geradeso mit den Fingerspitzen an den Pfosten lenken, von wo er zu Smisek prallte, die ohne Mühe abstauben konnte.

Birgit Prinz

Mannschaftsdienlich und trotzdem noch selber drei Tore geschossen: Birgit Prinz (Nr.9) verwandelt hier sicher zum 8:0

Bild: Martin Kochem

Das 8:0 durch Prinz fiel dann wieder nach Vorarbeit über den linken Flügel (Flanke Behringer), das 9:0 durch Smisek nach einem Steilpass von Garefrekes genau in die Gasse, wobei Smisek den Ball aus vollem Lauf in die Maschen donnerte und damit bewies, dass sie nicht nur abstauben, sondern auch gefährlich schießen kann. Ein Abstauber war dann allerdings wieder das 10:0 durch Smisek nach Vorarbeit von Garefrekes, und zur Krönung folgte dann noch eine direkt verwandelte Ecke von Lingor zum 11:0.

Man kann nach solchen Spielen nie sagen, war man selbst so gut oder der Gegner so schlecht. Argentinien zeigte nach vorne einige wenige gute Ansätze, bei denen die deutsche Abwehr einigermaßen sicher, aber keinesfalls unverwundbar aussah. Hinten hat sich die Formation mit Libero hinter der Abwehr wohl überholt, so spielte Borrello der deutschen Mannschaft in die Karten, weil damit erst die Räume frei wurden, in die Deutschlands Spielerinnen dann stoßen konnten. Doch sieht man sich das Alter der argentinischen Leistungsträger- innen an, oder besser deren Jugend, dann wird klar, dass mit diesem Team noch zu rechnen sein wird - in Zukunft, bei dieser WM wohl noch nicht. Ausgerechnet eine ihrer erfahrensten Spielerinnen, Regiesseurin Rosana Gomez, enttäuschte heute am meisten.

Heute wurde wohl auch deutlich, wie die „Wunschelf” von Bundestrainerin Silvia Neid aussehen dürfte: Hinten links mit


Linda Bresonik in der Viererkette, die ein gutes Spiel machte, hinten sicher und nach vorne mit vielen Impulsen, wirkte sie für mich auch keineswegs verschenkt, wie viele befürchten, sondern kann ihre ganze Klasse auf dieser im modernen Spiel sehr wichtigen Position einbringen. Simone Laudehr als letzte Spielerin im zentralen Mittelfeld vor der Viererkette dürfte mit ihrer heutigen Leistung diese Position erst einmal vor der spät eingewechselten Saskia Bartusiak sicher haben. In der dritten noch offenen Position - vorne im Sturm - hat Sandra Smisek heute sicher auch Punkte machen können, doch nicht so eindeutig, dass nicht auch Petra Wimbersky, Anja Mittag oder Martina Müller noch in Frage kämen.

Eigentor Correa

Das 11:0: Renate Lingor hatte von links einen Eckball aufs Tor gezirkelt, Argentiniens Keeperin Vanina Correa fiel mit dem Ball ins Tor. Sandra Minnert (13) und Saskia Bartusiak (3) können zum Jubeln abdrehen, Gabriela Chavez (4) am kurzen Pfosten bleibt nur noch die Möglichkeit, entsetzt zu blicken

Bild: Martin Kochem



Deutschland

Angerer - Stegemann, Minnert, Hingst, Bresonik - Laudehr (74. Bartusiak), Behringer (67. Wimbersky), Garefrekes (83. Mittag), Lingor - Prinz, Smisek

Argentinien

Correa - Gonzales, Cotelo, Chavez, Barbitta, Huber (74. Mandrile), Vallejos, Gomez (65. Pereyra), Quinones, Almeida (53. Manicler), Potassa

Tore:
1:0 Behringer/Eigentor Correa (12.)
2:0 Garefrekes (17.)
3:0 Behringer (24.)
4:0 Prinz (29.)
5:0 Prinz (45.+1.)
6:0 Lingor (50.)
7:0 Smisek (56.)
8:0 Prinz (59.)
9:0 Smisek (70.)
10:0 Smisek (79.)
11:0 Lingor/Eigentor Correa (90.)

Gelbe Karten: Gomez, Chavez, Gonzales, Quiones / Laudehr, Bartusiak

Schiedsrichterin: Tammy Ogston (Australien)

Zuschauer: 29.000


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