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Weltmeisterschaft 2007, 1. Spiel Gruppe D

Chinesinnen mit Gewaltschüssen erfolgreich

China - Dänemark 3:2 (1:0)

Text von Tom Schlimme
Archivbilder von Nora Kruse

12.9.2007   So sehr die Däninnen auch mit Schiedsrichterin Dianne Feirerra-James (Französisch- Guyana) haderten, die auch in meinen Augen einseitig für China pfiff, am Ende war der knappe chinesische Sieg doch nicht der Schiri zuzuschreiben, sondern der zögerlichen ersten Halbzeit, die Dänemark geboten hatte - und der Fähigkeit der chinesischen Spielerinnen, den Ball auch aus Entfernungen außerhalb des Strafraums mit unglaublicher Wucht in die Maschen zu dreschen. Das muss man den Chinesinnen erst mal nachmachen!

Vor über 50.000 Zuschauern im Stadion von Wuhan begannen beide Teams die Partie nervös mit vielen Ballverlusten und Fehlpässen. In der ersten halben Stunde gelang kaum einmal eine Kombination über mehr als drei Stationen. In den ersten 10 Minuten erspielte sich dann die Heimmannschaft aus China, getragen von der großen Kulisse, mehr und mehr Vorteile. Dänemark kam nur zu zwei viel zu schwachen Schüssen von der Strafraumgrenze ( Maiken With Pape und Johanna Rasmussen), China hatte bis zur 10. Minute schon mit vier Eckstößen für Gefahr vor dem Kasten von Heidi Johannsen gesorgt.

Han Duan

Chinas Stürmerin Han Duan, in der ersten Halbzeit eine der besten ihrer Mannschaft

Die dänischen Spielerinnen kamen in dieser ersten halben Stunde mit dem schnellen Pressing ihrer Gegnerinnen nicht zurecht, verloren viel zu schnell den Ball und versuchten in ihrer Bedrängnis viel zu oft, das Mittelfeld einfach mit langen Bällen zu überbrücken, doch diese wurden fast immer eine leichte Beute für die chinesischen Abwehrspielerinnen.

Pu Wei

Abwehrspielerin Pu Wei fing so manchen dänischen Pass ab

Auf dänischer Seite konnte sich in der ersten Phase vor allem Torhüterin Johannsen auszeichnen, die bei den Ecken sicher wirkte, in der 17. Minute einen flachen Fernschuss von Ma sicher hielt und in der 22. Minute einen Freistoß von Bi Yan ohne Mühe entschärfen konnte. Wenig später mußte die dänische Keeperin dann aus kurzer Distanz vor der quirligen Han Duan abwehren. Vor dem chinesischen Tor rutschte Pape an einer Flanke von Julie Rydahl Bukh knapp vorbei. Und dann gab es jenen Freistoß von der Strafraumgrenze, der symptomatisch für das Spiel werden sollte:

Katrine Pedersen hatte bei ihrer Abwehraktion gegen Bi Yan ganz klar den Ball getroffen, danach aber auch das Bein ihrer Gegenspielerin berührt. Ein Freistoß, den man nicht unbedingt geben mußte. Entfernung und Position waren gefährlich, zentral kurz vor der Strafraumgrenze. Alle erwarteten einen Schuss von Bi Yan, doch aus dem Hintergrund


rauschte Chinas Spielführerin, Abwehrchefin Li Jie, heran und versetzte dem Ball eine solche Geschwindigkeit, dass Keeperin Johannsen kaum zucken konnte, da zappelte er schon hinter ihr im Winkel.

Heidi Johannsen

Die dänische Torhüterin Heidi Johannsen, sicher bei hohen Bällen und mit guten Reflexen, doch bei drei Weitschüssen war sie machtlos

China kombinierte nun sicherer, Dänemark weiter nervös und mit langen Bällen. Für Gefahr vor dem chinesischen Tor sorgte eigentlich vor allem Chinas Torhüterin Han Wenxia, die immer wieder hohe Bälle unterlief und sich das ganze Spiel hindurch eine Serie von Patzern leistete. Doch Pape, die den Ball nach einem Fehler von Han Wenxia auf den Kopf bekam, köpfte weit vorbei, später wurde in einer ähnlichen Situation, als der Ball sogar im Tor landete, abgepfiffen, weil die Schiri ein Foul gesehen haben wollte. Gefährlicher waren die Angriffe der Chinesinnen, so in der 38. Minute, als nach einer Flanke von Zhou Gaoping Han Duan nur um Ballbreite am Pfosten vorbeiköpfte.

Cathrine Paaske Sørensen

Cathrine Paaske Sørensen gelang der Ausgleichstreffer zum kaum noch für möglich gehaltenen 2:2, doch die Freude währte nicht lange

Erst gegen Ende der ersten Halbzeit wurde Dänemark stärker, doch da war es schon zu spät, es ging mit dem Rückstand in die Pause. Nach dem Seitenwechsel erst mal wieder China mit einer Großchance, doch Ma kommt nicht an den Ball, Johannsen klärt. 49. Minute, Ecke Dänemark, die chinesische Keeperin wieder mit Unsicherheit, aber Situation abgepfiffen zur Rettung Chinas. Direkter Gegenzug, schneller Konter auf Bi Yan, die schießt ein paar Meter vor dem Strafraum aus vollem Lauf, der Ball wird noch leicht abgefälscht und landet unhaltbar für Johannsen im Netz. 2:0 für China, das war nun bei aller leichten Überlegenheit doch des Guten zu viel!

Doch schon in der nächsten Minute kam Dänemark wieder zu einer Ecke, wieder Han Wenxia im Blindflug, Anne Dot Eggers Nielsen kam mit dem Kopf dran, Anschlusstreffer nur eine Minute nach der scheinbar sicheren chinesischen Führung! Dänemark spielte nun endlich sicherer, kombinierte auch im Mittelfeld, konnte die Partie ausgeglichen gestalten. Doch es wirkte schon etwas verzweifelt, wie die dänischen Spielerinnen dem Rückstand hinterher rannten, bei vielen kleinen Entscheidungen immer wieder benachteiligt vom Schiedsrichterteam, das auch in Fragen, ob ein Ball im Aus war oder wer ihn ins Aus gespielt hatte, regelmäßig im Zweifel für China entschied.


Klar, dass China jetzt Platz zum Kontern fand, so in der 69. Minute, als die ansonsten eher unauffällige Ma im Strafraum links an Gitte Andersen vorbeizog, doch für eine Flanke geriet ihr Ball zu hoch, für einen Schuss zu ungenau, und so strich das Leder an Freund und Feind vorbei ins Aus. Super jedoch wenig später ein Hackentrick von Ma auf Bi Yan, deren Schuss knapp vorbei ging. Dänemark wechselte in der 74. Minute aus, Trainer Kenneth Heiner-Møller brachte nun endlich Dänemarks erfolgreichste Stürmerin Merete Pedersen und mit Stine Kjær Dimun gleich noch eine Stürmerin, und der Druck aufs chinesische Tor wurde größer. In der 87. Minute, als alles schon danach aussah, als würden die dänischen Bemühungen erfolglos bleiben, dann doch noch Tor für Dänemark: Kjær Dimun mit Flanke von rechts, Cathrine Paaske Sørensen mit dem Kopf ins Tor. Riesenjubel bei den Däninnen, doch die Freude währte keine Minute, schon im direkten Spielzug nach dem Anstoß kam Song Xiaoli etwa 3 Meter vor der Strafraumgrenze an den Ball und ihr gelang ein weiterer Sonntagsschuss. Wieder kam der Ball so hart und platziert aufs Tor, dass man Keeperin Johannsen nicht den Hauch eines Vorwurfs machen kann. Eher den Feldspielerinnen, die in der Freude über den Ausgleich die nötige Konzentration vermissen ließen.

Fazit: China mit einer Torhüterin, mit der man normaleweise als Verlierer vom Platz geht, mit Fernschüssen, die jede Torhüterin der Welt bezwingen können, mit Schiedsrichterin und natürlich dem eigenen Publikum im Rücken. Dänemark lange Zeit zu unsicher, nicht torgefährlich genug und mit Schwächen im Spielaufbau vor allem im Mittelfeld.

Anne Dot Eggers Nielsen

Anne Dot Eggers Nielsen erzielte den Anschlusstreffer zum 1:2 nur eine Minute nach der scheinbar sicheren chinesischen Führung



China

Han Wenxia, Li Jie (92. Liu Yali), Wang Kun, Xie Caixia, Bi Yan, Pan Lina, Han Duan, Ma Xiaoxu, Pu Wei, Qu Feifei (57. Song Xiaoli), Zhou Gaoping (68. Zhang Ying)

Dänemark

Heidi Johannsen, Mia Olsen, Katrine Pedersen, Gitte Andersen, Bettina Falk Hansen, Cathrine Paaske Sørensen, Julie Rhydal Bukh, Maiken With Pape, Anne Dot Eggers Nielsen, Johanna Rasmussen (74. Stine Kjær Dimun), Mariann Gajhede Knudsen (74. Merete Pedersen)

Tore:
1:0 Li Jie (29.) 2:0 Bi Yan (50.) 2:1 Nielsen (51.) 2:2 Sørensen (87.) 3:2 Song Xiaoli (88.)

Gelbe Karten: Sørensen, Pape (beide wegen Meckerns)

Schiedsrichterin: Dianne Feirerra-James (Französisch-Guyana)

Zuschauer: 50.800


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