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Weltmeisterschaft 2007, 2. Spieltag Gruppe DMarta zu stark für ChinaBrasilien - China 4:0 (1:0) | ||
Text von Tom Schlimme15.9.2007 Angetrieben von 50.000 Zuschauern ging WM-Gastgeber China, in der Weltrangliste drei Plätze hinter Brasilien eingestuft, als heimlicher Favorit in dieses Spiel, nicht zuletzt dank der starken Leistung im Spiel gegen Dänemark. Das Team aus dem Reich der Mitte begann auch stark, doch am Ende gab es einen zumindest in dieser Höhe völlig unerwarteten 4:0 Kantersieg für Brasilien - dank Marta, die zwei Tore selber erzielte und die anderen beiden Treffern wunderbar vorbereitete. Schon nach vier Minuten brannte es im brasilianischen Strafraum, Wang Kun kam sträflich frei zum Kopfball, den sie leichtfertig vorbeiköpfte. Beide Mannschaften schenkten sich nichts, beide Abwehrreihen waren meist auf dem Posten, so dass sich ein spannendes Spiel ankündigte, welches vor allem im Mittelfeld geführt wurde. Daniela, gegen Neuseeland mit einem Fernschuss erfolgreich, kam in der 13. Minute auch gegen China zum Schuss, doch ihr wirklich harter Schuss kam genau auf Torhüterin Han Wenxia, die den Ball festhalten konnte. Nach einer Viertelstunde knallte eine Chinesin etwa vom Elfmeterpunkt aus den Ball an die Latte des brasilianischen Tores, Brasilien konnte sich in dieser Szene über mangelndes Glück nicht beklagen. Aber damit waren die Torgelegenheiten für China noch lange nicht vorbei: Song Xiaoli mit knallhartem Schuss aus ca. 10 Meter Entfernung, doch Brasiliens Keeperin Andreia wehrte mit Klassereflex zur Ecke ab. Aus der resultierte dann ein schneller Konter für Brasilien, doch Marta wurde rechtzeitig per Foul gestoppt von Pu Wei, die dafür zurecht die Gelbe Karte gezeigt bekam. So wogte das Spiel in dieser ersten halben Stunde hin und her, Brasilien wirkte leicht überlegen, aber die beiden besten Chancen bis jetzt hatte China gehabt. ![]() Abwehrspielerin Pu Wei rettete auf Kosten einer gelben Karte gegen Marta mit einem Foul Brasilien blieb meist weiter mit Fernschüssen gefährlich, so durch Formiga aus über 20m, hart und gut in die Ecke gezielt, doch Han Wenxia hielt souverän. Fast schien es, als solle es mit einem gerechten 0:0 in die Pause gehen, da kam ein langer hoher Ball steil aus der brasilianischen Abwehr zu Marta, die eben noch so gut haltende Han Wenxia lief etwas übermotiviert früh aus dem Tor, Marta spielte sie aus und schob in das leere Tor ein. Ein Tor, wie es |
außer Marta nicht viele schießen können, ihre Schnelligkeit kam hier genauso zum Tragen wie ihre technischen Fähigkeiten bei der Annahme dieses schwer zu kontrollierenden Balles und beim Schuss, zu dem sie sehr wenig Zeit hatte, weil zwei Chinessinnen im Anrennen waren. ![]() 2 Tore, 2 Assists: Die Weltfußballerin Marta war heute eine Klasse für sich So günstig der Zeitpunkt dieses Tores für Brasilien auch war, es sollte noch besser kommen: nur zwei Minuten nach der Pause spielt Marta ihre Sturmpartnerin Cristiane genial frei, diese ging alleine mit dem Ball aufs Tor und verwandelte eiskalt ohne Han Wenxia auch nur den Hauch einer Chance zu lassen. Aber es kam tatsächlich noch schlimmer für China. In der 49. Minute landete ein Abwurf von Han Wenxia bei Marta, die konnte mit dem Ball am Fuß frei aufs Tor laufen, genau im richtigen Moment zu Cristiane abgeben, und schon stand es 3:0. Halb ein Geschenk der chinesischen Torhüterin, halb eine weitere geniale Leistung von Marta, die die Wurfrichtung der Keeperin geahnt hatte und im richtigen Moment dazwischen gesprescht war. Damit war fünf Minuten nach der Halbzeitpause eine in den ersten 40 Minuten völlig offene Partie plötzlich entschieden. Die Chinesinnen wirkten jetzt geschockt und verunsichert. Zwei Brasilianerinnen konnten sich im Strafraum gegen sechs Chinesinnen durchsetzen und wiederum Marta kam zu einem Schuss an den Pfosten. China eine Zeit lang völlig von der Rolle, Brasilien haushoch überlegen. Erst nach einer Stunde Spielzeit fing sich das Team aus China langsam wieder. Ein Schuss von Han Duan ging zwar weit vorbei, war aber doch so etwas wie ein Lebenszeichen. Doch die brasilianische Abwehr stand weiter sicher, und während der Fernsehkommentator noch schwadronierte, dass im Frauenfußball drei Tore wenig seien und Wenden im Spielverlauf häufig, da gab Marta eine weitere Kostprobe ihres Könnens. Allein hakelte sie im Strafraum nahe der Torauslinie gegen drei Chinesinnen, ließ sich aber nicht vom Ball trennen, sondern lief mit dem Ball ein Stück vom Tor weg, drehte sich plötzlich und schloss mit einem wunderbaren Schuss ins lange Eck ab. Eine weitere feine Einzelleistung, die den letzten chinesischen Widerstand endgültig erstickte. Das war in der 70. Minute gewesen, Brasilien konnte die Partie dann locker herunter spielen, ohne dass China noch einmal gefährlich wurde. Man fragt sich jetzt natürlich schon, was war mit dieser chinesischen Mannschaft los, die im Vergleich |
zum Spiel gegen Dänemark viel von ihrem Esprit und Kampfgeist vermissen ließ. Ich habe dafür zwei Erklärungen: erstens ist Marta eine Klasse für sich und konnte die Chinesinnen genau im entscheidenden Moment überrumpeln. Zweitens war es keine Katastrophe für China, dieses Spiel zu verlieren. Ein chinesischer Sieg im letzten Gruppenspiel gegen Neuseeland kann eingeplant werden, während ein hoher Sieg von Dänemark gegen Brasilien recht unwahrscheinlich erscheint, und so kann China das Viertelfinale immer noch recht locker erreichen. Wenn auch nur als Gruppenzweiter, und das mag die chinesischen Spielerinnen zumindest unbewußt vielleicht davon abgehalten haben, das letzte aus sich heraus zu holen. ![]() Selten konnte Cristiane bei ihrem Gastspiel in Deutschland so glücklich lachen wie hier im Trikot von Turbine Potsdam, doch in der Nationalmannschaft Brasiliens gelingen ihr die Tore wieder wie vom Fließband
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