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Weltmeisterschaft 2007, 3. Spieltag Gruppe C

Salisbury schießt Australien ins Glück

Australien - Kanada 2:2 (0:1)

Von Katja Öhlschläger

20.9.2007   Spannung bis zur letzten Sekunde - das ist das, was Fußball ausmacht. Für die Partie Australien - Kanada traf das ohne Einschränkung zu. 2:2 hieß es nach 93 Minuten in einer Begegnung, die wegen ihrer Ausgeglichenheit auch keinen Sieger verdient hatte. Hängende Köpfe gab es trotzdem. Der Punktgewinn reichte den Kanadierinnen, die noch bis zur 92. Minute geführt hatten, nicht für den Einzug ins Viertelfinale. Australien, das für seine Passivität in Durchgang zwei beinahe bestraft worden wäre, wird am Sonntag der Gegner Brasiliens sein.

Dabei hätte es für die Mannschaft des norwegischen Trainers Even Pellerud gar nicht besser anfangen können. Noch nicht einmal eine Minute war gespielt, da vollendete Melissa Tancredi eine schöne, schnelle Kombination über mehrere Stationen mit einem Heber über Melissa Barbieri hinweg zur frühen Führung für Kanada. Die Unkonzentriertheiten in der australischen Abwehr wurden sofort bestraft. Ja, die Canucks schienen weiterhin auf Fehler zu lauern und wollten möglichst rasch das zweite Tor nachlegen. In der 8. Minute schnappte sich Christine Sinclair auf der linken Seite das Leder und bediente die Schützin zum 1:0, Melissa Tancredi. Diesmal verfehlte sie ihr Ziel jedoch. Drei Minuten später versuchte es Rhian Wilkinson - daneben. Ein starker Beginn der Kanadierinnen!

Gut 20 Minuten dauerte es, bis sich die Matildas aus der Umklammerung der Kanadierinnen lösten und ihrerseits zu Torgelegenheiten kamen. In der 22. Minute ging ein Fernschuss von Sally Shipard weit vorbei. Nach und nach näherten sich die Australierinnen beim Abschluss dem Aluminium, Sarah Walsh traf es in der 30. Minute. Auf der rechten Seite kam sie im Strafraum zum Schuss und platzierte die Kugel fast genau ins Eck. Aber nur fast, und so blieb es auch nach dem Doppelversuch von Walsh und Collette McCallum zwei Minuten später, den Erin McLeod im kanadischen Gehäuse prächtig entschärfte, beim 1:0 für Kanada.

Jodi-Ann Robinson

Jodi-Ann Robinsons Kopfball in der 70. Minute landete nur am Pfosten. Das wäre das 2:1 für Kanada gewesen!

Archivbild: Nora Kruse

Australien war jetzt dem Ausgleich näher als Kanada seinem zweiten Tor. Joanne Peters, Collette McCallum und Sarah Walsh trieben das Spiel der Elf von Tom Sermanni engagiert an. Um ein Haar wären diese Angriffsbemühungen Sekunden vor dem Pausenpfiff noch belohnt worden. Doch Joanne Peters 20-Meter-Schuss strich am Pfosten vorbei. Zur Pause war also Kanada weiter.

Doch Tom Sermanni hatte noch Lisa De Vanna, die Top-Jokerin des Turniers, auf der Bank sitzen. Wie


geplant kam sie in der zweiten Spielhälfte in die Partie. Lauren Colthorpe musste für sie weichen. Die Anfangsminuten gehörten den Matildas. Die Kanadierinnen kamen in Bedrängnis und wussten sich in der 53. Minute nur noch mit einem Foul zu helfen. McCallum trat zum Freistoß an und schlenzte das Leder gekonnt mit dem linken Fuß über die Mauer ins rechte Toreck. Ein Tortänzchen gab es als Sahnehäubchen oben drauf.

Kurz darauf kam es zu einem Zusammenprall mit Folgen. Kanadas Torfrau Erin McLeod und Caitlin Munoz prallten unglücklich zusammen. McLeod musste einige Minuten behandelt werden, spielte bis zur 79. Minute, in der Taryn Swiatek sie schließlich doch ersetzen musste, aber weiter. Was sie sah, muss ihr gefallen haben. Die Kanadierinnen verstärkten wieder ihren Druck. Die klare Führung Norwegens im Parallelspiel war bekannt, es musste also ein Sieg her.

Die beste Gelegenheit der zweiten Hälfte hatte in der 70. Minute die kurz zuvor eingewechselte Jodi-Ann Robinson. Nach einer schönen Flanke der überragenden Kara Lang landete ihr Kopfball aber nur am Pfosten. Zwei Minuten später war es wieder Lang, die diesmal mit einem Distanzschuss scheiterte. Australien verhielt sich nun viel zu passiv, der Führungstreffer für Kanada schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Ein harmloser Schussversuch der eingewechselten Joanne Burgess in der 74. Minute war das einzige Lebenszeichen der Matildas.

Taryn Swiatek

Taryn Swiatek ersetzte die verletzte Erin McLeod erfolgreich. Doch in der 91. Minute war sie chancenlos.

Archivbild: Nora Kruse

Kanada blieben noch zehn Minuten. Sinclair scheiterte per Kopfball, die Minuten liefen runter. Alles spielte nun Australien in die Karten, doch fünf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit wurde der Einsatz Kanadas belohnt. Candace Chapman verlängerte einen Eckball maßgenau auf den Kopf von Kapitänin Sinclair. Diese kam kurz vor der Torlinie zum Kopfball und erzielte das 2:1. Australiens Keeperin Melissa Barbieri hätte in dieser Situation unbedingt die Kopfball-Verlängerung von Chapman abfangen müssen.

War das der Knockout für Australien? Oder sollte vielleicht Lisa De Vanna erneut ein wichtiger Ausgleichstreffer gelingen? In der 88. Minute versuchte sich McCallum per Freistoß. Doch diesmal hatte sie nicht so genau gezielt wie noch 35 Minuten zuvor. Nun lief die Nachspielzeit. Drei Minuten gab Schiedsrichterin Gyoengyi Gaal der Partie noch. Drei Minuten, die die Australierinnen zu nutzen wussten. Energisch arbeitete sich De Vanna auf der linken Seite an ihren Gegenspielerinnen vorbei bis in den Strafraum und schlug einen Haken, noch einen, und passte schließlich quer zu Kapitänin Cheryl Salisbury. Die Abwehr, die sich erfolglos fast nur auf De Vanna konzentriert hatte, war nicht zur Stelle. Salisbury zog ab und katapultierte die Sermanni-Elf in letzter Sekunde doch noch ins Viertelfinale.


Die Kanadierinnen, vor allem die Sekunden vor dem Ausgleich ausgewechselte stärkste Spielerin Kanadas, Kara Lang, waren untröstlich. Sie hatten in keinem ihrer Gruppenspiele schlecht gespielt. Gegen Norwegen hatten sie erst geführt und dann lange das Unentschieden gehalten.

Cheryl Salisbury

Cheryl Salisbury gelang der entscheidende Treffer in der Nachspielzeit.

Archivbild: Sue Barrett

Ghana ließen sie keine Chance und gegen Australien schrammten sie haarscharf an den nächsten drei Punkten vorbei. Kanada, die wohl stärkste der ausgeschiedenen Mannschaften. In den schwächeren Gruppen A und D, das wage ich zu behaupten, hätten sie sich durchgesetzt.

Australien hingegen, das es durch dieses Stahlbad geschafft hat, dürfte nun ein mehr als schwerer Gegner für die - unverständlicher Weise - allseits hochfavorisierten Brasilianerinnen sein. Ihre schnellen Spitzen können jedem Gegner Probleme bereiten. Und ihr Minimalziel haben sie auch erreicht. "Ich werde nicht selten nach vorn beordert, wenn wir zurück liegen. Allerdings könnte es sein, dass dies das erste Mal war, dass die Taktik auch aufgegangen ist!", jubelte Torschützin Salisbury. Mal sehen, was sich Sermanni für die Selecao ausdenkt.

Australien

Melissa Barbieri - Kate McShea, Dianne Alagich, Cheryl Salisbury, Heather Garriock, Caitlin Munoz (62. Joanne Burgess), Sarah Walsh, Joanne Peters (76. Alicia Ferguson), Collette McCallum, Sally Shipard, Lauren Colthorpe (46. Lisa De Vanna)

Kanada

Erin McLeod (79. Taryn Swiatek) - Tanya Dennis, Rhian Wilkinson, Diana Matheson, Candace-Marie Chapman, Martina Franko, Randee Hermus, Christine Sinclair, Melissa Tancredi (68. Jodi-Ann Robinson), Kara Lang (92. Brittany Timko), Sophie Schmidt

Tore:
0:1 Tancredi (1.)
1:1 McCallum (53.)
1:2 Sinclair (85.)
2:2 Salisbury (92.)

Gelbe Karten: McCallum - Hermus

Schiedsrichterin: Gyoengyi Gaal (Ungarn)

Zuschauer: 29.300

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