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Mädchenfußball

Von 0 auf eins – die C-Mädchen des FC Wilmersdorf

Probleme des Mädchenfußballs und wie man sie lösen kann

13.1.2006   Mädchenfußball hat es oft schwer. Doch es gibt Beispiele, die Mut machen. Eines davon schildert unser Leser Ullrich Hoppe, der am Beispiel des FC Wilmersdorf in Berlin einerseits die Probleme schildert, mit denen sich fußballspielende Mädchen (und ihre Eltern) häufig auseinander setzen müssen, andererseits aber auch zeigt, wie diese Probleme zumindest teilweise gelöst werden konnten. Uns würde sehr interessieren, ob andere ähnliche Beo- bachtungen machen konnten!

Von Ullrich Hoppe

Wenn Jungs Fußball spielen, fangen sie mit spätestens 4 Jahren an, gehen in einen Fußball-Verein, müssen sich gegen hundert andere durchsetzen, und wenn sie gut sind bekommen sie später vielleicht mal viel Geld dafür. Auf jeden Fall bekommen auf dem Weg dahin Training von gut ausgebildeten, engagierten Trainern.

Spielerinnenkreis

Trikots und Rituale wie bei den Großen: Die Mädchen des FC Wilmersdorf vor Spielbeginn

Bild: Ullrich Hoppe

Wenn Mädchen Fußball spielen wollen, versucht man erst mal es ihnen auszureden. Wenn sie gar keine Ruhe geben, kommen sie mit sechs in einen Fußball-Verein, in dem außer ihnen nur Jungs spielen, in eine Jungs-Mannschaft. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: sie sind energisch (oder besessen?) genug sich durchzusetzen und schaffen die Jahre bis zur U15, dann werden sie wie Jungs trainiert und bekommen gutes Training. Wer sich so hart durchsetzen kann, wird später vielleicht mal eine Birgit Prinz und bekommt für den ersten Europameistertitel ein Kaffee- service... oder das Mädchen verliert die Lust am Fußball, weil es sich nicht nur gegen hundert andere durchsetzten muss, sondern gegen hundert JUNGS. Die Alternative ist, der (Jungs-) Fußball-Verein leistet sich den Luxus einer Mädchen-Mannschaft, wo sie ungestört rumkicken kann und fürs Image macht sich das heutzutage auch ganz toll, Mädchen im Verein zu haben. Aber Leistungsmannschaften findet man dort eher selten.

Was hat das mit uns zu tun? Irgendwann stellten einige Mädchen in einigen Berliner Vereinen fest, dass ihnen das Training nicht mehr reicht. Sie sahen, dass Jungs im gleichen Verein ein ganz anderes Training


Spielerinnen

Zufriedene Gesichter: Diesen Mädchen macht der Fußball wieder richtig Spaß!

Bild: Ullrich Hoppe

erhielten. Manche Kickerinnen hatten es selbst jahrelang mitgemacht und es sogar bei den D-Junioren in eine Leistungs- mannschaft geschafft. Ab der C-Altersklasse war nun Schluss damit. Da einige Berliner Mädchen Lust auf leistungsorientiertes Training hatten, und sich ein Vater mit Trainerschein, zuviel Freizeit und Motivation fand, begann man, erstmal unabhängig vom Vereinstraining einen dritten Trainingstag einzulegen. Das Training war nicht mehr so unterhaltsam, denn zum Quatschen war keine Zeit mehr, aber danach fühlte man sich endlich richtig gut. Das sprach sich herum, denn auch in anderen Vereinen war man nicht wirklich mit dem Training zufrieden.

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Zum Ende der Saison 2004/2005 fanden sich beim FC Wilmersdorf 11 Mädchen, die ein leistungsorientiertes, anspruchsvolles Training wollten zu einem neuen C-Mädchen-Team zusammen. Der FC Wilmersdorf wurde gewählt, da der motivierte Vater dort schon die A-Jungs trainierte, da war er sowieso schon zwei Tage in der Woche auf dem Platz. Eine weitere Grund, der für Wilmersdorf sprach, war der Jugendleiter, der sich sofort für die Mädchen begeisterte, sie neu (!) einkleidete und half wo es ging. Bereits am Ende der alten Saison wurde nur noch „im neuen Verein“ trainiert, in den letzten Wochen der Sommerferien gab’s ein Trainingslager und einige Testspiele, vorwiegend gegen Jungs. Zum Saisonbeginn waren alle fit und motiviert. Als die Mannschaft am Spielbetrieb teilnahm waren es 15 Mädchen, spielen durften davon aber nur elf. Den anderen versagten die abgebenden Vereine die Freigabe. „Aus disziplinarischen Gründen“,


„auch nicht für Geld“, einigen Vereinen konnte die Spielfreigabe wenigstens für Geld oder durch den Wechsel von Jungs abgekauft werden. Aber auch die ersten Neuzugänge waren zu vermelden. Die Mannschaft wuchs zusehend, es kamen immer mehr Mädchen, die vorher nur mal so oder in der Schule Fußball gespielt hatten.

Der Spielbetrieb verläuft erwartungsgemäß erfolgreich, bis zur Winterpause wurde kein Spiel verloren, es gab ein Unentschieden und nur 5 Gegentore. Jeden Monat gibt es ein Trainingsspiel gegen die 2. C-Jungs, immer noch der Maßstab für die Mannschaft. Und wenn mal alle fit sind, wird es auch da den ersten Sieg geben!

Inzwischen sind es 35 Mädchen geworden, zuviel für eine Mannschaft und auch zu unterschiedlich im Leistungsstand. Es wurde also eine zweite Mannschaft ausgegliedert, betreut von einem ehemaligen Jungs-Trainer. Dieses Team, bestehend aus den jüngeren Jahrgängen, wird in der nächsten Saison die neue C-Mannschaft bilden, das diesjährige Team steigt komplett in die B auf. Im Kader spielen derzeit elf U14 und U15-Auswahlspielerinnen, von denen drei erst in der laufenden Saison in die Auswahl berufen wurden und seit November 05 hat es auch eine der Mädels in die U15-Nationalmannschaft geschafft. Ziel der meisten Mädchen ist, es ihr dorthin zu folgen.

Noch zwei Jahre werden die Mädels miteinander kicken dürfen, dann müssen sich ihre Wege trennen, denn der 1.FC Wilmersdorf hat keine Frauenmannschaft. Würde diese neu formiert, müssten sie in der untersten Spielklasse anfangen. Aber bis dahin sind ja noch zweieinhalb Jahre Zeit...


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