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Das Frauenfußball-Magazin



1984 - 2009

25 Jahre Frauenfußball bei TuRa Brüggen

Ein Urgestein des Frauenfußballs am Niederrhein zieht Bilanz

Text von Marion Kehren

09.08.2009   Es ist Sonntag der 2. August 2009, 13:00 Uhr, als das Jubiläumsturnier der Frauenabteilung des TuRa Brüggen mit einer Überraschung für die Zuschauer angepfiffen wird. Die erste offizielle Damenmannschaft des Vereins, aus dem Gründungsjahr, spielte gegen eine Alt-Herrenmannschaft in Gummistiefeln! Natürlich war dies eine ausgefallene Gaudi, die zu vielen Lachern einlud. 25 Jahre Frauenfußball am linken Niederrhein, ein guter Grund stolz zu sein! Der Veranstalter hatte sich sehr viel Mühe gegeben, diesen Anlass gebührend zu feiern. Bereits am Tage zuvor fand ein großes Mädchenturnier für U13, U15 und U17 Gruppen statt. Am Sonntag stand, nach der „Oldie-Einlage”, noch das große Frauenturnier auf dem Programm, welches der Gastgeber am Ende das Tages für sich entscheiden sollte.

Streng genommen gehen die Anfänge des Frauenfußballes in Brüggen sogar bis in den Anfang der 70-iger Jahre zurück, als der Frauenfußball in Deutschland sogar noch verboten war. Die Brüggener Damen kickten aus Spaß in einer Freizeitmannschaft. Widererwarten kamen bereits damals mehrere hundert Zuschauer zu Besuch, besonders wenn Derbys auf dem Programm standen. In jenen Zeiten standen weniger die Ergebnisse im Vordergrund als vielmehr die Freude am Fußballspielen. Doch nach vielen Spielen im „Untergrund” stellte man sich zurecht die Frage, wie es um die Sicherheit der Frauen bei eventuellen Verletzungen und versicherungstechnischen Fragen bestellt war. So entschied man sich schlussendlich doch, sich dem Verein TuRa (Turn – und Rasensport) Brüggen anzuschließen.

TuRa 1970iger

Hobby-Damenmannschaft aus den 70igern

Bild: TuRa Brüggen

Als im April 1984 die Frauenfußballabteilung endgültig gegründet wurde, rechnete wohl niemand damit, dass dieser Verein einmal damit Geschichte schreiben würde. Was Anfangs eher belächelt wurde und eigentlich „nur” zum Spaß sein sollte entpuppte sich, nach anfänglichen Berg- und Talfahrten, als eines der Aushängeschilder des Vereins. Mittlerweile sind die Frauen- und Mädchenmannschaften weit über die Grenzen des Fußballverbandes Niederrheins hinaus ein Begriff und man kann sich über mangelnden Nachwuchs nicht beklagen.

TuRa 1984

1. Damenmannschaft aus dem Gründungsjahr 1984

Bild: TuRa Brüggen

Die 21-jährige Spielerin Jennifer (Jenny) Hermans aus dem aktuellen Kader der 1. Mannschaft kann über die alten Geschichten nur schmunzeln. „Es ist schon lustig sich die alten Geschichten anzuhören, vor allem weil ich ja eine der alten Spielerinnen noch kenne... und wie die alle aussahen! Dass Frauenfußball verboten war, konnte ich mir als Kind nie vorstellen, weil es für mich immer selbstverständlich war zu spielen. Mein Vater hat mich einfach zum Training der Jungs mitgenommen und irgendwann fing ich auch an zu kicken.”

Jenny Hermans

Keine Angst zeigt Jenny Hermans in der Abwehr und nimmt die Herausforderung an. Die 21-jährige schmunzelt gern über die Geschichten, die die Älteren zu erzählen haben

Bild: Katrin Müller

Ihre Stürmerkollegin Petra Heines (41) hat hingegen noch eine ganz andere Zeit im Frauenfußball erlebt. Was für die jungen


TuRa Brüggen 2009

Ein Foto mit Geschichtswert: 2. Mannschaft, Gründungsmannschaft sowie rechts die aktuelle 1. Frauenmannschaft

Bild: Katrin Müller

Spielerinnen heutzutage als normal erscheint, war selbst in den 80igern noch nicht wirklich umzusetzen. „Als Kind schon durfte ich mit meinem Vater das Bökelbergstadion in Mönchengladbach besuchen. Dort lernte ich den Fußball kennen und lieben. Ich selber habe dann mit 20 gedacht, dass Frauenfußball auch was für mich wäre. Aber bedingt durch Ausbildung und Kinder habe ich erst mit 30 Jahren tatsächlich angefangen aktiv zu spielen”, lacht Petra.

So unterschiedlich die Starts der beiden in den Frauenfußball verliefen, so unterschiedlich auch die Reaktionen von außen. Während Jennys Bekanntenkreis ihre Kickerei als völlig normal empfindet, hatte Petra in den Anfängen doch mehr mit Vorurteilen zu kämpfen als mit Zuspruch. Dennoch ließ auch sie sich nicht von ihrem Hobby abbringen. „Geändert hat sich in den letzten Jahren definitiv die Akzeptanz dafür, dass Frauen Fußball spielen dürfen. Ich hatte oft den Eindruck, dass man von mir dachte, ich dürfte so einen Sport als Frau nicht ausüben, weil es eben nicht "fraulich" ist und den Männern dieser Sport vorbehalten sein sollte,” so Petra weiter.

Petra Heines

Petra Heines macht auch heute noch ihre Gegnerinnen zu Slalomstangen. Die heute 41-jährige hat überhaupt erst mit 30 Jahren angefangen, aktiv zu spielen!

Bild: Katrin Müller

Die positive Resonanz auf den Frauenfußball bei TuRa erhöhte sich schlagartig, als man im Jahre 2000 in die Landesliga aufstieg. Aber damals wurde von Seitens des Vereines ein großer Fehler gemacht. Man hatte es versäumt, sich zeitig mit dem Thema Nachwuchs zu beschäftigen, und so fehlte der komplette Unterbau für die Frauenmannschaft. Es drohte das jähe Ende des Frauenfußballes in Brüggen. Nach diversen Zuläufen aus anderen Vereinen konnte der Spielbetrieb, nach kurzer Unterbrechung, wieder aufgenommen werden. Mittlerweile verfügt der Verein über mehrere Mädchenmannschaften, die kontinuierlich aufgebaut werden. Der Erfolg der Brüggenerinnen lies nicht lange auf sich warten. In der Saison 2007/2008 stieg die erste Frauenmannschaft, in beeindruckender Manier, wieder in die Landesliga auf und 2008/2009 meldete der Verein erstmals eine zweite Frauenmannschaft an und auch die Mädchenmannschaften verzeichneten erste Erfolge.

TuRa 2000

Freude pur beim Aufstieg in die Landesliga im Jahre 2000

Bild: TuRa Brüggen

Jenny ist stolz auf ihr Brüggen:” Seit wir wieder aufgestiegen sind, hat sich viel getan. Am Anfang waren wir eher Mitläufer und man hat uns akzeptiert, aber mehr auch nicht. Mit dem Aufstieg sind wir interessanter geworden. Es kommen immer mehr Zuschauer, weil die Spiele nicht mehr 21:0 enden und langweilig sind. Es gibt spannende und interessante Spiele. Man hört immer öfter das die Zuschauer sagen, wir seien so gut geworden und das es richtig spannend sei, uns zuzusehen. Natürlich könnte die Resonanz noch besser sein, vor allem aus den eigenen Reihen, aber das wird


schon noch, wir arbeiten dran!” Aber auch Petra ist blickt zuversichtlich in die Zukunft des Vereins:” Bei TuRa sind wir jetzt das "Aushängeschild" und das wird sogar von den Männern gerne betont! Ich bin froh, dass ich bis jetzt durchgehalten habe und diese Zeit genießen konnte.”

Juxspiel

Einstieg in das Jubiläumsturnier zum 25-jährigen Bestand der Frauenfußballabteilung in Brüggen: Die Spielerinnen der aller ersten offiziellen Damenmannschaft traten gegen die Altherren an - die in Gummistiefeln spielten!

Bild: Katrin Müller

In der letzten Saison sorgte die erste Mannschaft bereits für genug Gesprächsstoff, als man äußerst knapp den Aufstieg in die Niederrheinliga verpasste. So bildetete Petra zusammen mit ihrer Stürmerkollegin Sandra Albertz (bekannt aus der Frauenbundesliga) ein brandgefährliches Sturmduo und auch in der Abwehr zeigte man eine konstant gute Leistung. Als „Bonbon” zum Jubiläum schwirrt den Frauen in der kommenden Saison etwas ganz Besonderes im Kopf herum: Der Aufstieg in die Niederrheinliga! „Das wäre ein Traum”, schwärmt Petra und bleibt dennoch realistisch. „Wir werden unser Bestes geben und schauen was passiert”, stellt Jenny klar.

Petra Heines und Sandra Albertz

Das Sturmduo Petra Heines und Sandra Albertz will auch in dieser Saison die Abwehr der Gegner durcheinander wirbeln. Vielleicht gelingt ja sogar der Aufstieg in die Niederrheinliga!

Bild: Katrin Müller




Im Namen von FanSoccer möchte ich mich recht herzlich für die tolle und unkonventionelle Zusammenarbeit bei Petra Heines, Jenny Hermanns und für die zur Bereitstellung der Fotos bei Heinz Offermanns und Verena Görtz bedanken. Mit dieser Hilfe ist es uns möglich, auch einmal untere Ligen näher zu betrachten. Wir wünschen dem TuRa Brüggen für die Zukunft alles Gute und hoffen, dass die Mädchen- und Frauenmannschaften bald ihre eigene Homepage bekommen.




Früherer Bericht:
Sandra Albertz blickt zurück


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