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Fortuna Dilkrath geht die Luft aus

Rückzug aus der Regionalliga-West

Bericht und Nachforschungen von Stephan Tegründe und Marion Kehren, Fotos von Marion Kehren

17. September 2011
- Die Spatzen pfiffen es schon länger vom Dach der Fortuna aus Dilkrath, aber keiner wollte es ehrlich zugeben. Am zweiten Spieltag der aktuellen Saison wurden nun jegliche Spekulationen bestätigt und der Verein verkündete offiziell den Rückzug aus der Regionalliga-West. Somit steht nach nur zwei Spieltagen Fortuna Dilkrath als erster Absteiger der dritthöchsten Spielklasse fest.

DJK Fortuna Dilkrath am Saisonende 2010 - Aufstieg in die Regionalliga-West

Glückliche Zeiten: Am Ende der Saison 2009/2010 feierte die Fortuna aus Dilkrath noch, nach 10-jähriger Abstinenz, den Wiederaufstieg in die dritthöchste Spielklasse.

Norbert Pollen und Oliver LörschWas war passiert? Nach der (im Februar (!!!) erfolgten Ankündigung des damaligen Trainers Oliver Lörsch, den Verein am Ende der Saison verlassen zu wollen, hatte es die Vereinsführung schlichtweg verpasst für einen geeigneten und kompetenten Nachfolger zu sorgen, die Basisstrukturen beizubehalten und Beziehungen zu pflegen. Der Coach wollte mehr Nähe zu seiner Familie und nicht jeden Tag zig Kilometer zwischen Arbeitsstelle, Dilkrath und Duisburg auf der Straße verbringen. „Ich sah meinen kleinen Sohn kaum noch, daher habe ich den Verein frühzeitig über meinen Wunsch nach Vertragsauflösung informiert. Eigentlich gab dies dem Verein genug Zeit, einen Nachfolger für mich zu suchen, den Kader aufzubauen und so auch die Möglichkeit zu haben, die kommende Saison in einem ruhigen Fahrwasser zu halten, “ so Lörsch in einer jetzigen Stellungnahme an FanSoccer. Aber es kam noch schlimmer für den Verein. Berufliche Gründe waren auch der Grund für den Rückzug des sportlichen Leiters Norbert Pollen. Noch war zwar Zeit genug sich mit den Gegebenheiten auseinander zu setzen, aber es geschah nichts.

Nach zähem Kampf gelang den Dilkratherinnen in der letzten Saison ein glücklicher Klassenerhalt, und der Pechvogel war die SG Lütgendortmund, die absteigen musste. Zu diesem Zeitpunkt muss dem Vorstand aus Dilkrath schon klar gewesen sein, dass man in der kommenden Saison die Spielklasse nicht wird halten können. Noch vor dem letzten Spieltag der abgelaufenen Saison präsentierte Dilkraths Frauenfußball-Chef Heinz-Josef Pascher seinen neuen Chefcoach Siegfried Köstler. Der ehemalige Bundesligaprofi ist zwar ein erfahrener Coach, verfügt aber weder über das nötige Know-how im Frauenfußball noch über die nötigen Vereinsbeziehungen. Überdies nahm er mehrere Angebote Lörschs, sich mit ihm zusammenzusetzen und ihn bei seinen ersten Aktivitäten im Verein und der Akquise neuer Spielerinnen zu unterstützen, nicht an. Zu diesem Zeitpunkt krachte es bereits mächtig im Spielerinnengebälk und erste Wechselabsichten wurden laut. Unbeirrt von den Irrungen und Wirrungen behielt Pascher die Kontenance und philosophierte über die kommende Saison.

14 Tage später (18. Juni 2011) schien die Situation auf dem VereinsgeländeBirgit Klein bereits zu eskalieren, als nur eine kleine Anzahl von Spielerinnen zum ersten Training erschien. Nichts war es mit den großen Versprechungen, eine schlagfertige Mannschaft auf die Beine zu stellen und diverse Neuverpflichtungen präsentieren zu können. Ganz im Gegenteil!

Mit Yvonne Osten und Eva Heinen (beide Ziel unbekannt), Monika Gruteser und Nadja Steinborn (beide FCR 2001 Duisburg II), Michaela Dresen (Bayer 04 Leverkusen II) und Katrin Hardt (berufsbedingt) hatten sich bereits mehrere Leistungsträgerinnen verabschiedet. Gegenüber der Rheinischen Post machte sich die langjährige Mittelfeldspielerin Birgit Klein mal richtig Luft. "Das war ja wohl der größte Witz, den wir uns bislang haben bieten lassen müssen. Seit Ende der 90er Jahre bei Fortuna aktiv. Die verbliebenen Spielerinnen haben gedacht, dass uns jetzt eine vernünftige Mannschaft für die neue Saison und auch die angeblichen Neuen präsentiert würden - und dann das. Für mich steht fest, dass ich nicht mehr für Fortuna spielen werde. Ich habe keine Lust, mich mit einer nicht einmal landesligatauglichen Mannschaft in der Regionalliga jedes Mal abschlachten zu lassen. Und ich weiß, dass einige, die auch beim ersten Treffen in dieser Woche dabei waren, ähnlich denken.“

Lt. Klein wurden die ersten Spielerinnengespräche erst zwei Wochen vor Saisonende geführt – viel zu spät um eine schlagfertige Mannschaft zu bilden." Spätestens, als Trainer Oliver Lörsch bekannt gab, dass er zum FCR Duisburg gehen werde, war klar, dass viele, die er von Borussia Mönchengladbach (FanSoccer berichtete) mit nach Dilkrath gebracht hatte, den Verein wohl verlassen würden, “ so Klein weiter. Die ersten Gespräche mit den Spielerinnen für die neue Saison haben erst zwei Wochen vor Saisonende stattgefunden. "Meine Güte, wir spielen in der Regionalliga und haben gute Spielerinnen", meint die 27-Jährige. "Da will man doch wissen, wie es weitergeht. Wir wussten doch alle schon vor vielen Wochen, dass zig Spielerinnen von anderen Vereinen abgeworben wurden, weil wir nie etwas gehört haben.“  Eine weitere Spielerin, die nicht genannt werden möchte, ergänzt: „Der Vorstand hatte es zwischenzeitlich sogar abgelehnt mit uns zu sprechen, obwohl Herr Lörsch Herrn Pascher darum gebeten hatte und auch eine entsprechende Zusage bekam. Wir haben uns einfach nicht mehr ernst genommen und völlig überfahren gefühlt.“

Logo DJK Fortuna DilkrathUnfähigkeit der Vereinsführung? Es sieht fast danach aus; denn längst hätte man einschreiten müssen, um die Schieflage der ersten Mannschaft noch zu retten. Trauriger stimmt dabei die Tatsache, dass man zu diesem Zeitpunkt noch die Mannschaft hätte abmelden können und wäre eine Liga tiefer wieder neu durchgestartet und Lütgendortmund wäre nicht abgestiegen. Doch die Vereinsführung wartete zu lange und so verstrich die Meldefrist 30.6. Nach Rückfrage bei Fußballverband Niederrhein bestätigte man uns, dass mit diesem Stichtag alle Aktionen jeglicher Art nicht mehr berücksichtigt werden würden - trauriger und großer Verlierer dabei bleiben die Dortmunder.

Und was sagt Fortuna Dilkrath dazu? Seit einigen Tagen gibt es eine offizielle Stellungnahme des Vereins auf der Vereinshomepage. Aber ehrlich gesagt bekommt man beim Lesen eher den Eindruck als wäre es ein ärmlicher Versuch um Ausreden zu ringen. Fakt ist, dass man sich vor zwei Jahren auf einen Husarenritt eingelassen hatte und mit der Verpflichtung von Lörsch fast einen kompletten Kader (15 Spielerinnen) der Borussia aus Mönchengladbach (Spielerinnen der 1. + 2. Mannschaft sowie 2 Spielerinnen aus der damaligen U-17) zu sich holte. Mit dem Aufstieg in die Regionalliga hat sich der Verein nicht nur kostenmäßig völlig übernommen und wird sich jetzt wieder in die Liga einsortieren, die sie organisatorisch und kostenmäßig stemmen können, so die Aussage des Gesamtvereinskoordinator  Stephan Laumen gegenüber der Rheinischen Post in einem weiteren Interview. Letztendlich sind die Spielerinnen die Leidtragenden, der Ruf des Frauenfußballes und die SG Lütgendortmund ist der große Verlierer.



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