Relegation zur 2. Bundesliga 2005

Germania verspielt gute Ausgangsposition

Germania Wiesbaden : VfL Sindelfingen II 1:4 (1:2)

 

Von Nora Kruse (Text und Fotos)

19.06.2005

Durch das Oberligen-System im Süden ist am Ende einer Saison noch nicht klar, wer in die 2. Bundesliga aufsteigen wird, die besten Mannschaften müssen in die Relegation. In diesem Jahr kämpften dadurch die zweite Mannschaft des VfL Sindelfingen (Oberliga BaWü) und das Team der SG Germania Wiesbaden (Oberliga Hessen) um den Aufstieg. Für die Wiesbadenerinnen war es ein bisschen Glück, in die Relegation gekommen zu sein, der Top-Club in Hessen war Jügesheim, der jedoch keine Lizenz für die höhere Spielklasse beantragt hatte.
Das Hinspiel in Sindelfingen endete 1:1, Sindelfingen musste also angreifen, um – wie ihre erste Mannschaft – im nächsten Jahr eine Liga höher spielen zu dürfen.

Und genau das tat das Team von Holger Rohde. Bereits in der ersten Minute setzte sich Kerstin Waidelich (ein Import aus der ersten Mannschaft) im gegnerischen Strafraum durch. Die hessische Abwehr konnte den Ball nicht aus dem Strafraum befördern, Waidelich schoss jedoch rechts am Kasten vorbei.
Die Partie spielte sich in den ersten Minuten fast völlig in der Wiesbadener Hälfte ab, die Hessinnen kamen kaum kontrolliert über die Mittellinie. Doch trotz dieser optischen Überlegenheit konnte das Team aus Sindelfingen hier keinen Profit schlagen, da die Mannschaft in Sachen „dummen Fehlern“ der aus Wiesbaden zunächst in nichts nachstand. Auf beiden Seiten versprangen die Bälle bei der Annahme, Pässe landeten im Aus – der Spielfluss litt.

In der 14. Minute dann der erste kontrollierte Angriff der Germania. Kathrin Heinz flankte von der rechten Seite in den Strafraum, wo die komplette Hintermannschaft aus Sindelfingen nicht gut aussah. Der Ball konnte nicht kontrolliert werden, Sandra Finkenauer stand bereit und brachte das Runde ins Eckige. 1:0 für die Gastgeberinnen. Dem bisherigen Spielverlauf entsprach das nicht, aber das interessierte auf Wiesbadener Seite verständlicherweise keinen.

Nina Müller (r.) im Zweikampf mit Kathrin Heinz. Mühe, an den Wiesbadenerinnen vorbeizukommen, hatten die Gäste heute kaum.

Impulse für Wiesbaden brachte der Führungstreffer jedoch keine, Sindelfingen war weiter die bestimmende Mannschaft. In der 17. Minute verteidige Torfrau Vanessa Handrick mit einer Glanzparade die Führung. Sindelfingens Katja Hahn zog aus der zweiten Reihe voll ab – gepasst hätte er.

Bei den Wiesbadenerinnen fehlte die Bewegung im Spiel. Die Spielerinnen rückten von hinten nicht nach, hatten die Spielerinnen einmal die Mittellinie überquert,

Verdienter Sieger und Aufsteiger in die 2. Bundesliga: das Team des VfL Sindelfingen II

waren sie vorne alleine, hatten keine Anspielstationen und Sindelfingen wurde kaum in Bedrängnis gebracht.Auch die Abstimmung stimmte nicht. Teilweise waren Spielerinnen bereits im Rückwärtsgang, ihre Teamkolleginnen wollten sie aber nach vorne schicken – die Bälle verendeten im Leeren.

Tanja Hees, hier im Zweikampf mit Clarisse Etong (r.), war an diesem Tage nicht zu stoppen und brachte ihr Team in der ersten Hälfte auf die Siegerstraße.

Der verdiente Ausgleich für Sindelfingen fiel dann nicht aus dem Spiel heraus, sondern durch einen von Schiedsrichterin Elke Günthner zurecht gegebenen Foulelfmeter in der 34. Minute. Tanja Hees (ebenfalls ein Import aus der ersten Mannschaft) hatte keine Mühe und verwandelte souverän.
Bis zur Halbzeit wollten es die Sindelfingerinnen dann noch einmal wissen und machten Druck. Andrea Krüger schoss, nach Vorarbeit von der sehr gut spielenden Waidelich, in freier Schussposition knapp am Kasten vorbei. Hees machte es in der Nachspielzeit besser. Sie setzte sich im Mittelfeld durch, hängte die hessische Abwehr ab und lief frei auf Torhüterin Handrick zu. Diese hätte in solch einer Situation aus dem Kasten kommen müssen, wartete jedoch förmlich, bis Hees bei ihr angekommen war – diese ließ sich die Chance nicht nehmen, die Gäste führten 2:1.

Auch nach der Halbzeit war Sindelfingen die spielbestimmende Mannschaft. Gute Möglichkeiten von Wiesbaden, wie ein Freistoß in der 48. Minute, wurden nicht genutzt, sondern ins Leere geschossen.
Nur eine Minute später hatte Waidelich auf Seiten Sindelfingens nach einem Abwehrfehler von Yasmin Kurt die Möglichkeit zur höheren Führung, Handrick rettete jedoch.

Beklagte man in der ersten Halbzeit noch die fehlende Bewegung im Wiesbadener Spiel, war es jetzt kurzfristig andersherum. Den Wiesbadenerinnen fehlten nicht die Anspielstationen, weil keine Mitspielerin mitlief, sondern weil sie jetzt förmlich alle so schnell nach vorne stürmten, dass im Mittelfeld ebenfalls keine mehr da war. Es lief einfach nicht. Die Wiesbadenerinnen bekamen Spielerinnen, wie Waidelich oder Hees, nicht in den Griff und so griffen sie eben schon mal zu härteren Mitteln. Hatten sie in der ersten Halbzeit schon einen Elfmeter verursacht, sah Torhüterin Handrick in der 67. Minute wegen einer Notbremse an Hees gleich die rote Karte.


Allgemein war das Spiel voller Unterbrechungen, Elke Günthner hatte bei diesem Spiel, in dem mit Haken und Ösen gekämpft wurde, allerhand zu tun.

Wiesbadens Ersatztorhüterin Josy Landgraf durfte vier Minuten nach ihrer Einwechslung gleich das erste Mal hinter sich greifen. Waidelich spielte sich nach Vorarbeit von Krüger durch die gegnerische Abwehr und zog ab. Landgraf war mit den Fingerspitzen noch dran, konnte dem Ball jedoch nicht die entscheidende Wendung geben.

Das Spiel war gelaufen, von Wiesbaden kam in den letzten 20 Minuten nichts mehr, stattdessen erhöhte Waidelich in der 85. Minute per Kopf noch zum 4:1. Während die Spielerinnen auf der Sindelfinger Bank schon einmal die Wassereimer für die obligatorische Dusche des Trainers heran schafften, bewunderten die Zuschauer in der 87. Minute noch eine sehr schöne Kombination über Silke Gebert, die zu Hees auf der rechten Seite passte. Diese spielte zurück in der Mitte zu Gebert, welche den Ball dann allerdings direkt in die Arme von Landgraf schoss.

Dann der Abpfiff durch Elke Günther, die Sindelfingerinnen rannten aufs Spielfeld und feierten sich und ihren Trainer. Alles in allem haben sie an diesem Tage hochverdient gewonnen, Wiesbaden hatte zu keiner Zeit die Mittel, dagegen zu halten.

Riesen Freude nach Abpfiff beim VfL...

Aufstellungen:

Wiesbaden:
Handrick, Kerperin, Ritz, Etong (68. Landgraf), Weyershäuser (45. Kiren), Heinz, Martin, Schnell (Moknine), Kurt, Brauer, Finkenauer

Sindelfingen:
Sandmann, Bartels, Gebert, Gentges, A. Müller, Krüger, Vopper (60. N. Müller), Rettich (76. Heller), Waidelich, Hahn, Hees

Tore:
1:0 Finkenauer (14.)
1:1 Hees (34./FE)
1:2 Hees (45+1)
1:3 Waidelich (71.)
1:4 Waidelich (85.)

gelbe Karten: Kiren - Rettich

rote Karte: Handrick

Schiedsrichterin: Elke Günthner (Bamberg)

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