von Fuxi (Text und Bilder)
27.08.2006
Das Wetter verhieß schon nichts Gutes: Es regnete in Strömen, und die Luruper A-Junioren hatten schon um elf Uhr das Johnny-Arfert-Sportfeld in Hamburg-Lurup ungepflügt. Dementsprechend tief war auch das Geläuf. Zusammen mit den Personalsorgen beider Mannschaften musste man ein Spiel befürchten, das der Liga nicht gerecht werden würde. Daran lag es allerdings nicht, dass sich nur rund 50 Zuschauer auf die Anlage an der Flurstraße verirrten. Schuld daran dürfte auch das etwas mehr als eine Stunde nach Abpfiff beginnende Bundesliga-Heimspiel des HSV in der wenige Kilometer entfernten AOL-Arena gewesen sein.
Die Gäste boten zu Beginn gerade einmal elf Spielerinnen im 3-2-3-2-System auf. Da keine gelernte Torfrau zur Verfügung stand, musste die Allesmacherin in den Kasten: Spielertrainerin und Ex-Bundesligaspielerin Marcia Merchant stellte sich zwischen die Pfosten. Davor verteidigte eine dreiköpfige Abwehr aus den beiden HSV-Neuzugängen Birka Edler und Sarah Halac, sowie Lara Rapp. Im defensiven Mittelfeld sollten Lisa Hagemann und Neuzugang Janna Schäfer (ebenfalls vom HSV) abräumen. Davor agierte eine offensive Dreierreihe mit den beiden letztjährigen HSV-Juniorinnen Sinah Schmolzi und Edvina Gara, dazu rechts Ann-Marie Ludwig. Hinter der einzigen Spitze Jennifer Schult agierte die quirlige Meike Scharrenberg etwas zurückgezogen. Der SV Lurup setzte vor Torhüterin Vanessa Karlsdorf auf eine Viererkette mit Mareike cevic, Susann Kunkel, Tammy Hentze und Julia Hoffmann. Das Mittelfeld war rautenförmig aufgebaut mit Juliane Reimann links, Katharina Höffgen defensiv-zentral, Valentina Netzlaw rechts und Susanne Ebel offensiv hinter den beiden Spitzen Anne Mander und Johanna Wetsch. Verzichten musste Lurups Coach vor allem auf Bianca Naleppa.
Traf mit einem schönen Freistoß dank gütiger Mithilfe der gegnerischen Torfrau: Hamburgs Wandervogel Meike Scharrenberg (TSV Nahe)
Fußballästheten wurden an diesem Tag schon von Beginn an enttäuscht. Vieles spielte sich nicht nur im Mittelfeld ab, sondern auch noch in einem etwa 30 Meter breiten Korridor um den Mittelpunkt. Dafür waren die Zweikämpfe intensiv geführt. Als Lurup erstmals über die Flügel spielte, sprang dabei die erste Chance heraus: Netzlaw brachte den Ball flach von rechts herein, TSV-Abwehrchefin Edler fälschte ab, Mander ließ den Ball prallen, aber der Schuss von Ebel verfehlte das Tor. Da waren 12 Minuten gespielt. Der TSV Nahe beschränkte sich vorwiegend auf Abwehrarbeit. Ein Vorstoß in der 18. Minute brachte einen Freistoß aus etwa 30 Metern ein. Lurups Keeperin Karlsdorf hatte wohl nicht damit gerechnet, dass die kleine Meike Scharrenberg direkt abziehen würde, und wurde für ihren Stellungsfehler bitter bestraft: Der Ball flog über sie hinweg und landete im Tor, Karlsdorf ernüchtert auf dem Allerwertesten. Anscheinend wusste sie nicht um den Ruf Scharrenbergs, von der Kenner des Hamburger Frauenfußballs wissen, dass die routinierte Offensivspielerin immer wieder für solche Dinger gut ist. Nahe ging überraschend in Führung.
Und die Gäste setzten nach. Scharrenberg setzte Schult ein, die auch an Karlsdorf vorbei ging, aber zu weit abgedrängt wurde, und Abwehrchefin Kunkel rettete zum Einwurf. Lurup legte dann aber einen Zahn zu. Reimann schloss ein Dribbling vor dem Strafraum mit einem Schuss ab, der rechts vorbei ging. Die beste Chance entstand, als Ebel Wetsch steil schickte. Merchant verließ ihr Tor, aber Wetsch war schneller, spitzelte den Ball aufs Tor, prallte dann unglücklich mit der Behelfstorfrau zusammen und blieb mit Schmerzen im Oberschenkel. Aber der Ball ging nicht ins Tor, Edler klärte vor der Linie. Und für Wetsch ging es weiter. Bei Lurup musste man eine mangelnde Raumaufteilung konstatieren. Zwischen Defensive und Offensive klaffte immer wieder ein Loch, das Mittelfeld rückte zu weit auf. Nahe probierte es mit entlastenden Steilpässen. Aber Lurup hatte mehr vom Spiel. Ein Freistoß von Mander ging abermals vorbei (27.). Dann köpfte Kunkel einen Eckball von Höffgen klar daneben. Danach vernaschte Wetsch Halac, passte diagonal in den Strafraum, doch Ebels Schuss wehrte Hagemann mit starkem Einsatz ab.
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So ging es häufig zur Sache: Anne Mander (Nr. 11) behauptet hier sich und den Ball im harten Kampf gegen Nahes Kapitänin Lisa Hagemann.
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Lurup suchte weiter den Weg nach vorn, krankte aber an zündenden Ideen und am schwachen Abschluss. Die Abwehr der Gäste war zudem aufmerksam genug. Das sorgte für Frust und Farbe im Spiel: SVL-Verteidigerin Hoffmann empörte sich über eine Einwurfentscheidung der insgesamt schwachen Schiedsrichterin, knallte den Ball auf den Boden und bekam die erste Gelbe Karte gezeigt. Es sollten noch insgesamt fünf dazu kommen. Zunächst bekam Nahe wieder einen Freistoß aus ähnlicher Distanz wie beim 0:1 zugesprochen. Karlsdorf hatte daraus gelernt und blieb nun auf der Linie. Scharrenbergs Versuch kam zu kurz, und Kunkel köpfte zur Ecke (36.). Kunkel war auch an der nächsten Szene beteiligt. Sie bediente Reimann am Strafraum. Rapp spitzelte zunächst noch weg, aber der Ball landete bei Mander. Die steckte durch, Reimann war frei vor Merchant und traf zum verdienten 1:1 ins lange Eck (39.).
Kurz vor der Pause wurde es nochmal hektisch. Für ein Foul an Schäfer sah Torschützin Reimann den gelben Karton. Schmolzi schickte eine Minute vor dem Gang zum Pausentee Scharrenberg hinter der Abwehr steil. Verfolgt von Kunkel, marschierte sie zum Strafraum durch, brachte aber nur noch einen schwachen Schuss zustande, den Karlsdorf fangen konnte. Im direkten Konter schickte Mander Wetsch auf die Reise, die aber wurde noch im Mittelfeld per Grätsche unfair gebremst. Doch statt der von den Luruper Fans geforderten Roten gab's nur die Gelbe Karte für Halac. Glücklich, aber korrekt, denn neben Halac war noch Edler mitgelaufen, und Wetsch war auch nicht auf direktem Weg zum Tor. So blieb es zur Pause beim 1:1 in einer über weite Strecken unansehnlichen Partie. Weiter spielte sich vieles im Mittelfeld zentral ab, die dort entstandene Enge ließ keinen Spielfluss zu. Zudem stand Nahe in der Defensive recht gut, vor allem Kapitänin Hagemann putzte einiges vor der Abwehr weg. Vor allem regierten Kampf und Krampf auf niedrigem spielerischen Niveau zwischen den personell gebeutelten Teams. Bei Nahe fiel vor allem Scharrenberg auf, von Sturmspitze Schult hingegen war nichts zu sehen. Lurups Beste bis dato waren Ebel und Mander.
Engagiert geführte Zweikämpfe gab es oft. Hier köpft Nahes Rapp (re.) den Ball vor Lurups Reimann weg.
Zur zweiten Halbzeit wechselte Lurups Coach Jonny Burmeister aus, brachte Almut Kästner für die verwarnte Julia Hoffmann. Zunächst war auch die Defensive gefordert, denn es gab wieder Freistoß aus der Distanz. Wieder rund 30 Meter. Wieder Scharrenberg. Der Ball kam rechtzeitig vor Karlsdorf runter, Aber - hoppla! - die Torhüterin ließ das Leder wie eine heiße Kartoffel fallen! Schult reagierte am schnellsten, staubte ab und brachte die Segebergerinnen wieder in Front (50.). Der Frust bei den Gastgeberinnen wuchs und äußerte sich in Mecker-Gelb für Wetsch. Nach einer Stunde spitzelte Halac das Leder von Höffgens Fuß, Wetsch nahm ihn mit, aber der Abschluss wurde von Torhüterin Merchant geblockt. Nahe setzte nun auf Konter, stand noch tiefer und versuchte, die Räume enger zu machen. Lurup behielt seine Linie bei: Durch die Mitte. Kein Wunder also, dass immer wieder ein rettendes Abwehrbein dazwischen war. Netzlaws 22-Meter-Schuss hielt Merchant fest. Der SVL musste mehr tun. Jetzt kam eine neue Stürmerin: Ülgen Köksal wurde für Ebel eingewechselt. Lurup jetzt mit drei Spitzen.
Noch zwanzig Minuten waren zu spielen. Kunkel donnerte einen Freistoß aus 18 Metern drüber. Für ein Foul an Mander wurde Schäfer verwarnt. Eine Viertelstunde vor Schluss gab es Eckball für Lurup. Höffgen brachte ihn herein, Wetsch köpfte, aber eine Gästespielerin verhinderte den Ausgleich. Erneuter Eckball von Höffgen, diesesmal auf Mander. Deren Kopfball wehrte Schmolzi noch auf der Linie ab, eine Mitspielerin blockte den Nachschuss von Köksal, aber dann schoss Reimann zum 2:2 ein (74.). Das Tor öffnete die Partie wieder. Nahe verdaute das 2:2 gut, aber mit schnell schwindenden Kräften hatten die Hamburgerinnen wieder den Vorteil,
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den sie zum Siegtreffer nutzen wollten. Die letzte Verwarnung der Partie sah Edler nach Foul. Beide Mannschaften hatten bis dato viel einstecken müssen. Erst in der Nachspielzeit wechselte der TSV Nahe. Gesa Lorenzen war vom Spiel der zweiten Mannschaft eingetroffen und ersetzte Sinah Schmolzi in der 2. Minute der Nachspielzeit. Direkt im Anschluss gab es Freistoß für Lurup. Hentze schlug den Ball lang in den Strafraum, Höffgen verlängerte, aber Merchant rettete mit einer Glanztat zur Ecke. Die brachte Netzlaw auf den Kopf von Mander. Wieder war Merchant zur Stelle, tauchte ab und sicherte ihrem Team den Punkt in der Fremde.
Wieder patzt Vanessa Karlsdorf im Luruper Tor...
Das 2:2 war für Nahe durchaus schmeichelhaft. Lurup machte lange Zeit das Spiel, verstand es aber nicht, die Chancen besser herauszuarbeiten, vor allem über die Flügel. Das besserte sich erst mit der Einwechslung von Köksal. Ansonsten lag der Großteil des Geschehens im Spielfeldzentrum. Trotz der Luruper Überlegenheit im Ballbesitz liefen sich die Hanseatinnen wiederholt fest, sie behielten ihre Linie fast über 90 Minuten. Der Spielfluss blieb auf der Strecke Nahe reichten zwei Freistöße und eine erschreckend schwache Luruper Keeperin zu zwei Toren, während sie selbst hinten zweimal die Übersicht verloren. Unter dem Strich bleiben vier Tore in einem Spiel, das weder Sieger noch Tore verdient hatte. Spielerisch lieferten beide keine Werbung für die von einigen als "Klopperliga" verschrieene Frauen-Regionalliga Nord ab. Den fußballerischen Regenbogen an diesem verregneten August-Nachmittag suchten die 50 Zuschauer jedenfalls vergebens. Lurups Beste an diesem Tag waren die wuselige Johanna Wetsch und Abwehrchefin Susann Kunkel, bei Nahe konnten neben der schwierig zu verteidigenden Meike Scharrenberg noch am ehesten Lisa Hagemann und Birka Edler überzeugen.
Nutzte einen Abwehrfehler des TSV Nahe zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich: Lurups Mittelfeldrennerin Katharina Höffgen
Aufstellungen
SV Lurup
Vanessa Karlsdorf - Mareike Cevic, Susann Kunkel, Tammy Hentze, Julia Hoffmann (46. Almut Kästner) - Juliane Reimann, Katharina Höffgen, Valentina Netzlaw - Susanne Ebel (68. Ülgen Köksal) - Johanna Wetsch, Anne Mander
TSV Nahe
Marcia Merchant - Birka Edler - Sarah Halac, Lara Rapp - Lisa Hagemann, Janna Schäfer - Sinah Schmolzi (90. Gesa Lorenzen), Edvina Gara, Ann-Marie Ludwig - Meike Scharrenberg, Jennifer Schult
Tore
0:1 Scharrenberg (18.)
1:1 Höffgen (39.)
1:2 Schult (50.)
2:2 Reimann (74.)
Gelbe Karte: Hoffmann, Höffgen, Wetsch / Halac, Schäfer, Edler
Schiedsrichterin:
Nadine Lange (TV Meckelfeld)
Zuschauer:
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