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Oberliga Bayern, 17. Spieltag am 02. April 2006

Nervenkrimi trotz 4:0-Halbzeitführung

SV 67 Weinberg – SC Regensburg 3:4 (0:4)

Text und Bilder von Stefan Münz

28.4.2006   Anmerkung der Redaktion: Der Aufstieg in die zweite Liga wird im Süden unter den drei Qualifizierten aus Baden Württemberg, Bayern und Hessen ausgespielt. Wir werden sicherlich über einige der anstehenden Relegationsspiele berichten. Bevor es soweit ist, hier aber schon einmal der Spielbericht des womöglich entscheidenden Spiels der Saison in der "Bayernliga", in dem sich der SC Regensburg gegen den Mitfavoriten SV Weinsberg einen Vorsprung für die Teilnahme an der Aufstiegs- Relegation als bayrischer Vertreter gesichert hat. (Die zweite Mannschaft des FC Bayern München, derzeit Tabellenzweiter, wurde nicht für die zweite Liga gemeldet).

Allein der Tabellenstand versprach ein Spiel höchster Spannung, ein Spiel für die Fans, sowohl negativ als auch positiv, wo man mit seiner Mannschaft leiden konnte, wenn nicht musste, und sich umgekehrt auch sehr freuen durfte. Dieses Spitzenspiel versprach allerdings nicht nur viel, sondern hielt auch das, was es versprach.

Beide Mannschaften zeigten schon zu Beginn, dass sie zu Saisonende in die 2. Liga aufsteigen wollen. So gab es schon in der zweiten Spielminute die erste Torszene durch Weinbergs Jugendnationalspielerin Katharina Baunach, welche Anfang März mit der U 17 in den USA ein Trainingslager verbrachte, und jetzt mit einem mit viel Effet getretenen Freistoß aufs Tor von Jelena Rudan, die den Ball aber festhalten konnte, eine erste Duftmarke setzte. Wenig später nach einer Flanke von Marion Koller war es auf der anderen Seite Melanie Scheid, die die Führung für den SC Regensburg auf dem Fuß hatte.

Spielszene

Impression vom Spitzenspiel der Bayernliga - das Spiel war besser als das trübe Wetter!

Viele Torszenen, die zu klaren Einschussmöglichkeiten führten gab es in den folgenden zehn Minuten nicht mehr zu sehen, bis sich auf der rechten Seite die Regensburger U 18-Bayernauswahl-Spielerin Nadine Kraus durchsetzte, auf Scheid weitergab und die keine Probleme hatte, Kristina Höhn im Gehäuse der Weinbergerinnen, zu überwinden. Das neunte und vielleicht wichtigste Saisontor von Scheid wurde mit großem Jubel im Regensburger Lager gefeiert, das ging ja super los! Nur drei Minuten später legte Scheid nach: nach einem Alleingang durch die gegnerischen Abwehrreihen ließ sie auch die Torfrau stehen und schob zum 0:2 ein. Bis dahin waren erst 15 Minuten gespielt, und Weinberg hatte bis auf den Freistoß zu Spielbeginn keine nennenswerte Tormöglichkeit gehabt. Obwohl das 0:2 eine relativ sichere Führung bot, geizte der SCR nicht, sondern setzte nach, jedoch gelang es ihnen erst einmal nicht, daraus weiteres Kapital zu schlagen.

Aber auch die Mannschaft des SV Weinberg konnte keine Verbesserung des Spielstandes zu ihren Gunsten bewirken, da die Regensburger Abwehr sehr stabil stand und die Weinberger Stürmerinnen Meike Wischgoll und Sabrina Knoblich in der ersten Hälfte kaum zur Entfaltung kommen ließ, und wenn mal doch, dann konnte Rudan sicher die Torchance des Gegners unterbinden, so zum Beispiel einen Freistoß von Knoblich in der 28. Minute.

Mitte der ersten Halbzeit spielte Regensburg etwas weniger druckvoll, kam aber immer noch zu Chancen. Nadine Staudt konnte gerade noch vor ihrer heute herausragenden Regensburger Namensvetterin Kraus zur Ecke


Teams

Die beiden Aufstiegs-Favoriten aus der Bayernliga vor dem Spiel

klären, dabei standen standen dann Diana Schreiber und Scheid frei, aber Höhn konnte abwehren. Nach einer neuerlichen Ecke von Kraus, die diese mustergültig für Spielführerin Diana Papp auflegte, markierte diese per Kopf das dritte Tor für den SC, was gleichzeitig ihr sechster Saisontreffer war. Kurz vor dem Pausenpfiff überschlugen sich dann noch einmal die Ereignisse: erst hat Weinbergs Knoblich nach einem Abwehrfehler von Papp den Anschlusstreffer auf dem Fuß, sie zielt aber am Tor vorbei, auf der Gegenseite blockt die Weinberger Abwehr einen schnell über Stefanie Fink und Sandra Johanni vorgetragenen Konter ab, Scheid kommt ein bisschen zu spät, holt aber immerhin einen Eckball heraus. Wie schon zuvor tritt ihn Nadine Kraus, Diana Papp macht ihren kleinen Fehler mehr als doppelt wieder wett und trifft zum 0:4. Mit diesem zu diesem Zeitpunkt auch in der Höhe völlig verdienten Resultat ging es auch in die Kabinen.

Der SV Weinberg musste nun reagieren, wollten sie sich die Chance auf den Aufstieg erhalten. Kurz nach der Pause passierte es schon: Weinbergs zweite Jugendnationalspielerin Christina Schellenberg, die beim U 19-Turnier in La Manga in allen drei Spielen zum Einsatz kam, umkurvte Jelena Rudan, und schob zum 1:4 (47.) ein. Zur Aufholjagd war geblasen, denn ab jetzt spielte nur noch der SV 67 Weinberg. Hinzu kam, dass die Regensburgerinnen ihren Gegenspielerinnen im Gegensatz zur ersten Hälfte viel mehr Platz ließen, was vielleicht auch eine Folge der schwindenden Kräfte war, denn die erste Halbzeit hatte sehr viel Kraft gekostet. Wie dem auch sei, die Mannschaft des SC stand viel zu weit von ihren Gegnerinnen weg, welche nun kräftig Druck nach vorne machten, da sie ihre Chance witterten.

Nadine Kraus

Regensburgs Mittelfeldmotor Nadine Kraus, hier bei einer Verletzungspause, bot eine hervorragende Leistung

Aus diesem Dauerdruck konnte sich die Elf von Günther Brandl eigentlich kein einziges Mal mehr richtig befreien, bei den Vorstößen in Halbzeit zwei kamen die SC-Frauen höchstens zehn Meter vor die Strafraumgrenze des Gegners, auch die Einwechslung frischer Stürmerinnen brachte kaum Entlastung. Anna Friedrich wirkte in ihren wenigen Zweikämpfen ziemlich platt, Scheid trat nur noch durch die Verwarnung wegen Ballwegschlagens in der Hälfte des Gegners in Erscheinung (ca. 75.).

Der SV Weinberg, hätte dieses Spiel durchaus noch drehen können, hätten sie in diesem Spiel die sich ihnen bietenden vielen Chancen konsequent genutzt. Doch zum Glück für die Vertretung aus der Donaustadt reichte es für die Fränkinnen nur mehr für zwei weitere Treffer an diesem Sonntag Abend. Das 2:4 in der 72. Minute


erzielte Knoblich mit einem Heber von links ins kurze Eck über Jelena Rudan hinweg, die ein wenig zu zögerlich aus ihrem Tor kam. Den dritten Treffer für den SV Weinberg legte Simone Göppel der eingewechselten Nadine Stadelmann (oder war es die ebenfalls in der zweiten Hälfte neu ins Spiel gekommene Anna Hopfengärtner?), auf den Fuß, die aus etwa sieben Metern Entfernung der Regensburger Torfrau Jelena Rudan keine Abwehrchance ließ (88.).

Alles in allem war es ein verdienter Erfolg für die Mädels Regensburg, vor allem auf Grund der sehr starken ersten Hälfte des Spiels, wo man die Gastgeberinnen über weite Strecken kontrollierte. Der SV Weinberg kam erst ins Spiel, als Regensburg ob der klaren Führung einen Gang zurückschaltete. Die Regensburgerinnen müssen aber noch lernen, bei einem Gegentor nicht gleich in Panik zu geraten, sondern das „Ding“ ruhig herunterzuspielen, dabei auch enger bei den Gegnerinnen bleiben. Obwohl es letzten Endes ein Zittersieg für Regensburg war, gibt ein Sieg gegen einen der hartnäckigsten Konkurrenten in jedem Falle Auftrieb für die restlichen Spiele der Saison. Ein Spiel, das sicher nicht so schnell vergessen werden wird, vor allem, wenn Regensburg nun sogar den Aufstieg schafft. Tolle Werbung für den Frauenfußball war es auf jeden Fall. Viele Tore und Torszenen, große Spannung zu fast jeder Zeit des Spiels – machen einfach Appetit auf mehr, am liebsten in der zweiten Liga!

Spielszene

Von links: Stefanie Fink (3), Sandra Johanni, Diana Schreiber (11), Christina Schellenberg (6).

SV 67 Weinberg:

1 Kristina Höhn - 2 Janina Walter, 3 Ramona Rank (46. 12 Stefanie Hopfengärtner), 5 Nadine Staudt - 10 Katja Lieb (60. 14 Simone Göppel), 6 Christina Schellenberg, 7 Karin Hofmann, 15 Katharina Baunach, 8 Sonja Kienzler - 11 Sabrina Knoblich, 9 Meike Wischgoll (68. 13 Nadine Stadelmann)

SC Regensburg:

1 Jelena Rudan - 10 Diana Papp – 2 Anna Gruber, 9 Kristina Gruber – 11 Diana Schreiber, 3 Stefanie Fink (70. 12 Anna Friedrich), 8 Marion Koller, 6 Helen Pöhlmann (86. 13 Alexandra Messner), 4 Nadine Kraus, 5 Sandra Johanni – 15 Melanie Scheid (82. 14 Kathrin Rothaug)

Tore:
0:1 Melanie Scheid (12.)
0:2 Melanie Scheid (15.)
0:3 Diana Papp (38.)
0:4 Diana Papp (45.)
1:4 Christina Schellenberg (47.)
2:4 Sandra Knoblich (72.)
3:4 Nadine Stadelmann / Anna Hopfengärtner (88.)

Schiedsrichter: Matthias Neumann (Ansbach) ohne Assistenten


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