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Verbandsliga Hamburg

Vizemeister gefunden

Niendorfer TSV - SV Wilhelmsburg 1:0 (0:0)

Bilder und Text von Fuxi

17.5.2006   Der Hamburger Meister steht steht ja schon eine ganze Weile fest: Der SV Lurup nimmt an der Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord teil. Aber wer wird Vizemeister? Diese Frage wurde erst an diesem letzten Spieltag geklärt. Der Vorjahresmeister Niendorfer TSV, in der Aufstiegsrunde am Überraschungsaufsteiger TSV Nahe gescheitert, empfing als Zweiter den aufstrebenden Tabellendritten SV Wilhelmsburg.

Das Spiel war ein Duell vermeintlich antiquierter Systeme. Der SV Wilhelmsburg setzte vor Torhüterin Sabine Pahlke auf Manuela Ranke als Libera hinter den drei Verteidigerinnen Nadine Müller, Bianca Mahncke und Petra Waltje. Im Mittelfeld spielte eine Dreierkette aus Ramona Bittner, Dorota Mews und Nadine Riedesel. Den Dreiersturm besetzten Janine Thormählen, Stefanie Gremm und Anja Kawohl. Der Niendorfer TSV setzte ein klassisches 3-5-2 dagegen. Vor Torhüterin Kerstin Wunder spielte Nicole Huwald als Libera, daneben die Verteidigerinnen Anna Pötter und Gabi Harms. Vor der defensiven Mittelfeldreihe aus Janine Witt, Mareike Beck und Satu Antilla sollten Simone von Palubicki und Birte Schulz für Offensivdruck sorgen und den Sturm aus Anika Behrens und Saskia Breuer unterstützen.

Spielszene

Das Duell zwischen Wilhelmsburgs Thormählen und Niendorfs Beck (rechts im Bild) entschied die kleine Beck für sich.

Von Beginn an war die Partie vom Mittelfeld geprägt. Zunächst erarbeitete sich der Gast leichte Vorteile. Nach einem Eckball von Riedesel köpfte Thormählen drüber (7.). Die Eckengeberin fiel zu Beginn durch trickreiche Spielweise und starke Ballbehandlung auf, insgesamt blieb es aber fruchtlos. Erst nach 21 langen Minuten hatte Niendorf seine erste Möglichkeit. von Palubicki setzte einen Freistoß aus 25 Metern über das Tor. Aus dem Spiel heraus herrschte beiderseits Flaute. Beide Teams spielten mit angezogener Handbremse. Es wurde fleißig abgetastet. Die Trainerbänke beurteilten das Spiel bis dato unterschiedlich: Während der Trainer des Niendorfer TSV lautstark Anweisungen gab, brachte sein Gegenüber aus Wilhelmsburg kaum ein Wort heraus.

Spielszene

Hoher Einsatz an der Seitenlinie: Wilhelmsburgs Anja Kawohl mit hohem Bein gegen NTSV-Verteidigerin Anna Pötter.

Die erste gute Spielszene gab es nach geschlagenen 32 Minuten. von Palubicki gewann ein Laufduell mit Kawohl, bediente Breuer, aber die schoss aus spitzem Winkel links vorbei. Eine Minute später schickte Antilla Birte Schulz in den Strafraum, die zog aus gleicher Position ab - mit dem gleichen Ergebnis. Niendorf zog etwas das Tempo an, übernahm die Initiative und dominierte. Aber es ging torlos in die Pause. Auch, weil Thormählen die letzte Chance der ersten Hälfte nicht nutzen konnte. Einen hohen Ball von Riedesel köpfte Gremm weiter zur Stürmerin. Die zögerte aber im Abschluss zu lange und brachte die Kugel gegen Huwald grätschend nur schwach Richtung Tor. Wunder, einstmals im ersten Bundesligateam des HSV Mannschaftskollegin von Thormählen, konnte das Schüsschen problemlos aufnehmen. Eine Hiobsbotschaft gab es aber für NTSV-Trainer Javier Navarro: Abwehrspielerin Anna Pötter musste mit einer Rückenverletzung raus. Kurz vor dem Seitenwechsel kam die dritte ehemalige HSV-Bundesligaspielerin Claudia Schulz herein.

Über weite Strecken war diese träge Partie mit wenigen gelungenen Aktionen gewürzt.


Spielszene

Nach Fischers Lattentreffer kann Wilhelmsburg mit Mühe klären. Unverständlich: Trotz der Torwartbehinderung durch Breuer und Fischer wurde die Aktion nicht abgepfiffen. Hier hatten die Blauen noch Glück.

Niendorf forcierte mal für fünf Minuten das Tempo, ließ aber schnell wieder nach. Es fehlte beiden die Konsequenz. Die Wilhelmsburgerinnen taten sich gegen die dichte Abwehr der Gastgeberinnen schwer. Sowohl Thormählen als auch Riedesel hatte der Vorjahresmeister gut im Griff. Mareike Beck machte ihre Aufgabe als Schaltstation im zentralen defensiven Mittelfeld ausgezeichnet, arbeitete gut nach hinten und vorn.

Die zweite Hälfte kam nur langsam in Schwung. In der 55. Minute schoss Beck schwach aufs Tor. Beim Niendorfer TSV verließ dann Antilla das Feld, und es kam Sabine Fischer. Niendorf wurde besser. Fischer versuchte es nach Zuspiel von Breuer, fand aber nur die Torhüterin. Kurios wurde es eine Minute später, als sich Beck mit Ball gegen Thormählen durchsetzte und die sich noch während des Antritts lauthals über die Gangart der Gastgeberinnen beschwerte. Nach Doppelpass mit Breuer schoss Beck dann drüber (58.). Binnen 60 Sekunden wechselte nun Wilhelmsburg zweimal aus: Erst kam Eniola Olasanya für Riedesel, dann Lydia Zeiger für Gremm. Und es geschah etwas nach vorn. Mews bediente rechts die gerade eingewechselte Zeiger, und deren Aufsetzer ging links vorbei. Es tat sich mehr in Strafraumnähe. Spielerisch war dennoch oft Stückwerk präsent.

Tanja Wunder

Niendorfs Altmeisterin Tanja Wunder bekam im Tor nicht viel zu tun. Schwester Kerstin (spielt auch in Niendorf) ist Hamburgs U18-Verbandstrainerin

Wilhelmsburg kam selten in die Niendorfer Hälfte. Der NTSV hatte jetzt seine stärkste Phase. Und wieder war Beck beteiligt. Breuer trieb den Ball durch das Mittelfeld, gab an Birte Schulz weiter. Die sah Beck in den Strafraum starten und passte ihr in den Fuß. Völlig frei kam die kleine Defensivspielerin zum Schuss, Pahlke griff am Ball vorbei, aber der traf nur den Pfosten (64.). Auf der Gegenseite brachte Thormählen nur einen schwachen Distanzschuss zustande. Anders Niendorf. Breuer behauptete sich rechts gegen Kawohl und flankte. Fischer verpasste, Behrens versprang der Ball, Fischer und Wilhelmsburgs Müller leisteten sich ein Grätschenduell im Fünfmeterraum, und von Fischer landete der Ball im Toraus.

Dann nahmen sich beide Mannschaften eine Auszeit. In der 81. Minute brachte von Palubicki einen Eckstoß direkt aufs Tor, Pahlke klatschte zur Seite ab. Kollektiv wähnte Wilhelmsburg den Ball schon im Toraus, aber Behrens setzte nach, spielte zurück zu von Palubicki. Deren hohe Flanke konnte Fischer im Kopfballduell zwar nicht aufs Tor bringen, aber sie konnte ihn zu Breuer weiterleiten. Deren Ablage zog Claudia Schulz stamm mit dem schwächeren rechten Fuß links vorbei. Die Gefährlichkeit des entthronten Meisters bestand hauptsächlich aus Standards. Eine Ecke von Claudia Schulz landete in der 89. Minute auf der Stirn von Fischer - Latte! Der Abpraller kam in hohem Bogen kurz vor der Linie wieder runter, aber irgendwie schaffte es Wilhelmsburg, doch noch zu klären. Das Spiel lief trotz Fouls an der Torhüterin im Fünfmeterraum weiter. Es schien so, als konnte Niendorf noch zulegen. Aber es brauchte etwas


Glück zum Sieg. Schiedsrichter Milanovic ahndete ein Foul von Witt gegen Büttner im rechten Mittelfeld nicht. Witt passte zu von Palubicki. die startete durch, bediente Birte Schulz, die lief genau entgegengesetzt Richtung Elfmeterpunkt, zog aus zehn Metern ab und traf mit links oben im Winkel - das späte 1:0 in der ersten Minute der Nachspielzeit! Die Bank des SV Wilhelmsburg erzürnte sich. Hatte sie sich während der letzten halben Stunde immer häufiger über den Schiedsrichter mokiert, warfen sie ihm nun vor, sein Ziel erreicht zu haben. Aufgrund des Fouls von Witt war der Treffer auch irregulär. Insgesamt war aber der Schiedsrichter, der ein paar härtere Aktionen Niendorfs falsch beurteilte, nicht so schlecht, wie Wilhelmsburg ihn machte.

Spielszene

Manuela Ranke (Wilhelmsburg) klärt hier vor den Augen von Mews (Nr. 4), Müller (Nr. 3) und den Niendorferinnen Breuer (Nr. 12) und Birte Schulz (Nr. 9)

Der Tabellendritte konnte nicht mehr antworten. Im Gegenteil. von Palubicki prüfte nochmal Pahlke im Tor (90.+3). Unter dem Strich war der Sieg für Niendorf glücklich, aber verdient. Sie waren phasenweise stärker, brauchten aber eine Fehlentscheidung des Spielleiters zum entscheidenden Treffer. Kämpferisch konnte man den Südhamburgerinnen keinen Vorwurf machen, unter dem Strich war es aber in der Offensive zu dürftig. Am Ende fehlten den Gästen auch die Kraft und die Mittel zum Zulegen. Niendorf hingegen steigerte sich. Insgesamt war es aber kein Spiel, das den Tabellenplätzen beider Teams gerecht wurde. Dafür war zuviel Krampf in den Aktionen. Man konnte meinen, die meisten Spielerinnen beider Teams bettelten um die Sommerpause.

Torjubel

TOR! In der Nachspielzeit knipst Niendorfs Kapitänin Birte Schulz den Siegtreffer. Hier wird sie von Saskia Breuer geherzt, während Sabine Fischer begeistert applaudiert.



Niendorfer TSV:

K. Wunder - Huwald - Pötter (45. C. Schulz), Harms - Witt, Beck, Antilla (56. Fischer) - von Palubicki, B. Schulz - Behrens, Breuer

SV Wilhelmsburg:

Pahlke - Ranke - Müller, Mahncke, Waltje - Büttner, Mews, Riedesel (58.Olasanya) - Thormählen, Gremm (59. Zeiger), Kawohl

Tor:
1:0 B. Schulz (90.+1)

Schiedsrichter: Milanovic (Eintracht Lokstedt)

Zuschauer: 15 Karten: keine


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