Landespokalfinale Schleswig-Holstein

Früh loslegen und siegen

TSV Nahe - Holstein Kiel 0:3 (0:2)

Text und Bilder von Fuxi

23.5.2005    In der Geschichte jedes Pokalfinales gibt es gute und schlechte Spiele, eindeutige und spannende, ansehnliche Spielzüge und Treterei. Manchmal aber liegt ein Klassenunterschied allein in der Länge des Tiefschlafes. Die ganz eigenen Pokalgesetze hatten sowohl der gastgebende TSV Nahe - beim 2:0 über Titelverteidiger FFC Oldesloe - wie auch Holstein Kiel - beim eher knappen 4:0 bei Sechstligist TSV Siems - erfahren. In diesem Spiel hatten sie keine Gültigkeit.

Nahes Coach Christopher Foley hatte mit Verletzungspech zu kämpfen. Ausgerechnet Torjägerin "Daisy" Schult fehlte, Stammkeeperin Julia Hinrichs konnte ebenso nicht mitspielen. Zweitliga-Aufsteiger Holstein Kiel musste auf Svenja Nefen verzichten. Foleys Team sollte eine Woche vor dem Beginn der Aufstiegsrunde locker beginnen. So locker allerdings hatte er sich das nicht vorgestellt. Nach nicht mal zwanzig Sekunden spielte Justine Pank den Ball den Strafraum der Gastgeber, im Zweikampf mit Miriam Summa kam Sandra Bannas zu Fall und dank des Pfiffes von Schiedsrichter Thomas Schubring zu einem umstrittenen Strafstoß. Den verwandelte U19-Welt- meisterin Nina Jokuschies per Kullerball zum 0:1.

Nahes Korthals (re.) wird von Perez-Traulsen (li.) und Jokuschies gestoppt

Wer dachte, dass Nahe jetzt gewarnt war, sah sich getäuscht. Zu weit aufgerückt, liefen die Naherinnen in einen Konter. Nicole Baumgart spielte diagonal Pank frei - TSV-Coach Foley monierte hier Abseits -, vor TSV-Ersatzkeeperin Sarah Feist legte die U17-Nationalspielerin quer, und Bannas drückte die Kugel zum 0:2 nach nur drei Minuten über die Linie! Nahes Kickerinnen begannen zu zögerlich, geradezu schläfrig, und standen zu weit von den Gegenspielerinnen entfernt. Kiel spielte schnell, und einzig Feist war es zu verdanken, dass es nicht schon nach 6 Minuten 0:3 stand. Im Doppelpass mit Baumgart freigespielt, scheiterte Bannas an der reaktionsschnellen Schlussfrau. Inzwischen war Nahe nach einer Verletzung der guten Verteidigerin Susanna Bürger nur zu zehnt. Es dauerte dreizehn Minuten, bis Foley mit Stephanie Harkess wieder komplettierte. Auch Kiel musste früh wechseln: Als sich Justine Pank eine Knöchel- verletzung zuzog, kam Sabine Pürwitz herein.

Die verletzte U17-Nationalspielerin Justine Pank und Nationalelf-Kollegin Tina Plessen (Oldesloe)

Das Spiel verflachte. Kiel zog sich zurück, ließ Nahe kommen. Die Gastgeber wachten auf, standen in der Abwehr jetzt auch sicherer. Einzig die Fouls häuften sich auf beiden Seiten. Nach 26 Minuten zirkelte Ex-Bundesligaspielerin Birte Knop einen Naher Freistoß aus 25 Metern knapp über die Mauer und ebenso knapp über den linken Torwinkel. Holstein startete nur noch sporadische Konter. Bannas verzog einen Schuss nach einer halben Stunde. Nach 33 Minuten gab es erneut Freistoß für Nahe durch Knop. Der allerdings war zu schwach, um Diana Duwensee


Pokalsieger Holstein Kiel

ernsthaft zu prüfen. Kurz vor der Pause verzog TSV-Mittelfeld- spielerin Patricia Soder per Außenrist. Insgesamt war es aber zu wenig, was die harmlose Mannschaft aus Nahe gegen Kiel auszurichten vermochte. Der Noch-Regionalligist machte es allerdings auch clever, stellte die Räume zu und hielt sich so schadlos.

Nahe mit Pech beim Abschluss

Der zweite Durchgang begann fast wie der erste. Aber eine Pürwitz-Flanke köpfte Baumgart schwach aufs Naher Tor. Feist hatte kein Problem damit. Nahe suchte weiterhin den Weg nach vorn. Nach Ecke von Knop konnte keine TSVerin das Gewühl vor dem Tor nutzen, und Soders Distanzschuss ging klar über die Latte. Auf der anderen Seite probierte es Jokuschies frech mit einem Heber aus spitzem Winkel, den Feist jedoch trotz Stellungsfehler akrobatisch rauswischte. Es passierte wenig um und zwischen den Strafräumen - außer Fouls, denn davon gab es reichlich. Am vielversprechendsten waren noch Knop-Freistöße.

Feist kratzt Baumgarts (Nr. 9) Kopfball von der Linie

Nach einer Stunde kam bei Kiel Julia Oberst für die angeschlagene Siri Thomsen, und eine Viertelstunde vor Schluss verließ TSV-Spielführerin Gesa Lorenzen das Feld für Anne Struck. Kiel wurde in seinen Gegenstößen zum Ende wieder etwas aktiver. Nach Ecke von Pürwitz kratzte Feist einen Baumgart-Kopfball mit toller Reaktion von der Linie (77.). Und auch Tessa Schildt konnte die Naher Schlussfrau nicht per Kopf überwinden (78.). Einer blieb das Schusspech treu: Nicole Baumgart. Da vertändelte Miriam Summa schon den Ball, aber Baumgarts Schuss landete wieder in Feists Armen.

Summa (am Ball) vertändelt gegen Baumgart

Die Partie strebte ihrem Ende entgegen. Doch als Kiels Schildt in Minute 82 nach Thomsen (Kiel) und Eike Peters (Nahe) die dritte gelbe Karte des Spiels sah, war immer noch eine Viertelstunde zu spielen. Denn wegen der vielen Unterbrechungen gab Schieds- richter Schubring sieben Minuten drauf. Sieben Minuten, die nur Kiel zu nutzen verstand. Holstein hielt den konzeptlosen Gegner vom


eigenen Tor weg. Und in der dritten Minute der Nachspielzeit setzte Schildt den Schlusspunkt: Ihr Freistoß kam aus 35 Metern vom linken Flügel hoch und direkt aufs Tor. Feist, die mit einer Flanke gerechnet hatte, hatte nur noch das Nachsehen.

Feist hat das Nachsehen beim 0:3

Der Pokalsieg für gegentorlose Kielerinnen ging dank einer abgeklärten Leistung und Cleverness schon in Ordnung, fiel aber zu hoch aus. Beide Mannschaften lieferten eine insgesamt schwache Partie ab: Kiel auf Regionalliga-, Nahe auf Verbandsliganiveau. Das war der entscheidende Unterschied. Nahe verpennte das Spiel und hatte nach drei Minuten schon verloren. Das Hauptaugenmerk liegt für die Frauen aus dem Kreis Segeberg aber ohnehin auf der Aufstiegsrunde. Dort wollen sie gegen den Niendorfer TSV aus Hamburg und Bremens Vizemeister Geestemünder SC aus Bremerhaven am 29. Mai und 5. Juni das vorantreiben, was Trainer Foley seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren begonnen hat. Holstein Kiel freut sich hingegen auf die zweite Bundesliga und die erste Runde im DFB-Pokal, die die ehemaligen Spielerinnen von Holstein- Vorgänger Schilksee schon kennen: 2001 hauten sie als Verbandsligist die Zweite des HSV mit 6:1 aus dem Cup...

"Holstein Woman"-Kapitänin Sandra Bannas bei der Pokalübergabe

TSV Nahe:

Sarah Feist - Marcia Merchant - Susanna Bürger (18. Stephanie Harkess), Miriam Summa - Katrin Grabert, Birte Knop, Eike Peters - Patricia Soder, Gesa Lorenzen (73. Anne Struck), Martina Rohde - Wiebke Korthals

Holstein Kiel:

Diana Duwensee - Tessa Schildt, Svenja Wölki, Rosa Perez-Traulsen, Stefanie Mohr - Siri Thomsen (62. Julia Oberst), Christina Krabbe, Nina Jokuschies, Justine Pank (16. Sabine Pürwitz) - Nicole Baumgart (90.+3 Siri Thomsen), Sandra Bannas

Schiedsrichter: Thomas Schubring (SV Weede)

Tore:
0:1 Nina Jokuschies (1./Foulelfmeter)
0:2 Sandra Bannas (3.)
0:3 Tessa Schildt (90.+3)

gelbe Karten: Eike Peters / Siri Thomsen, Tessa Schildt

Zuschauer: 180


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