Regionalliga Nord

"Das ist ein räudiges Spiel!"

TSV Nahe - TSG Burg Gretesch 2:0 (2:0)

Text und Bilder von Fuxi

18.10.2005    Zwei Nachholspiele gab es an diesem DFB-Pokal-Sonntag. Eines davon war das Duell des Tabellenvierten TSV Nahe gegen den Vorletzten TSG Burg Gretesch. Die Osnabrückerinnen hatten am vergangenen Wochenende mit einem 4:3 gegen den SV Hastenbeck überraschend die rote Laterne abgegeben. Beim TSV Nahe, das mit nur einer Niederlage sogar auf Aufstiegskurs liegt, mussten sie allerdings mit elf Spielerinnen auskommen. Der TSV Nahe musste krankheits- bedingt auf Torjägerin Jennifer Schult verzichten.

Dennoch war Nahe offensiv besetzt: Vor Keeperin Sarah Feist agierte eine Dreierkette mit Patricia Soder zentral, Miriam Summa und Susanna Bürger. Davor sollten die Ex-Bundesliga- spielerinnen Marcia Merchant und Birte Knop im defensiven Mittelfeld die Spieleröffnung ankurbeln. Dazu kamen mit Katrin Grabert und Lisa Hagemann zwei offensive Flügel- spielerinnen mit Meike Scharren- berg in der Zentrale. Den Sturm bildeten Janine Kulow und Wiebke Korthals.

Ähnlich formiert war auch Bug Gretesch. Vor Jessica Janssen verteidigten Andrea Krüssel, Linda Stijl und Claudia Platen. Das Mittelfeld besetzten Jennifer Flaspöhler, Nina Biedermann und Johanna Beermann defensiv, Kadriya Yildiz und Birgit Hengstmann offensiv. Im Angriff sollten Barbara Rust und Shanty Skriskandajarah für Gefahr sorgen.

Vom Anstoß weg spielte Nahe offensiv, arbeitete zunächst aber mit Distanzschüssen, die kaum Gefahr versprühten. Burg Gretesch stand tief, setzte auf Konter. Die erste Naher Möglichkeit bestand in einem Freistoß von Knop aus 29 Metern, der knapp über die Latte flog (2.). Nach einer Viertelstunde trieb Hagemann die Kugel vom eigenen Strafraum zum gegnerischen, spielte dort Stijl aus, doch Janssen warf sich ihr vor die Füße und sicherte das Leder. Offensivaktionen der Gäste gab es kaum, und so gab der TSV Nahe weiter den Ton an. Sie attackierten früh. So auch Scharrenberg nach 20 Minuten. Sie eroberte den Ball, legte nach links ab, und Wiebke Korthals hatte keine Mühe, Janssen zum verdienten 1:0 zu überwinden.

Wiebke Korthals

Wiebke Korthals erzielt das 1:0

Das Führungstor schien dem TSV Sicherheit zu geben. Korthals probierte es vier Minuten später von der Strafraumgrenze, doch die Torhüterin war präsent. Janssen sollte noch einige Male geprüft werden und beweisen, dass sie Beste ihres Teams an diesem Tag war. Doch nicht nur an ihr scheiterte Nahe, sondern auch an der eigenen Ungenauigkeit. Kulow vergab nach langem Ball von Knop von der Strafraumgrenze. Ihre nächste Prüfung bestand Janssen in der 35. Minute. Aus halbrechter Position zog Korthals ein Solo an, ihren Schuss patschte Janssen über die Latte. Und als 60 Sekunden später Scharrenberg nach Merchant-Zuspiel über sie lupfen wollte, war sie wieder mit den Fingern dran. Das Tor schien seit dem 1:0 wie vernagelt.

Wieder nur eine Minute später brachte Knop einen Freistoß von rechts herein, Janssen wehrte mit dem Fuß ab und schoss dabei Scharrenberg an den Schädel. Die anschließende Klärung von Yildiz war zu kurz, Hagemann nahm den Ball zehn Meter vor dem Tor an und jagte ihn stramm aus


Zweikampf

Heißer Zweikampf zwischen Birgit Hengstmann und Birte Knop

halbrechter Position in die Maschen - das 2:0. Janssen war chancenlos. Beim Versuch, vielleicht doch noch abzuwehren, verdrehte sie sich und musste mit Rückenproblemen behandelt werden. Sie machte weiter, obwohl die Schmerzen sie bis zum Spielende weiter behindern sollten.

Flaspöhler klärt vor Hagemann

Jennifer Flaspöhler klärt vor Lisa Hagemann

Auf der Gegenseite hatte nun Burg Gretesch seine erste Torgelegen- heit. Hengstmann legte einen Freistoß für Krüssel auf, und mit dem Hammer aus der dritten Reihe hatte Nahes Schlussfrau Feist mehr Mühe, als ihr lieb war. Sie lenkte den Schuss mit einer Hand an die Latte und fing den Ball erst, als Soder den Abpraller hoch zurückgeköpft hatte. Bis zur Pause gab es noch zwei Chancen für Nahe, aber TSG-Verteidigerin Platen zielte über das eigene Tor und in einer Doppelchance brachten weder Hagemann noch Kulow aus Nahdistanz die Kugel zum dritten Mal unter. Die Partie war einseitig. Nahe hatte die bessere Spielanlage, musste aber eigentlich mehr Tore machen. Vom Ergebnis her war das Spiel noch offen. Im Vorwärtsgang aber war es Stückwerk von Burg Gretesch, technische Mängel traten offen zu Tage.

Sriskandarajah (re.) setzte sich gegen Knop und Bürger durch

Shanty Sriskandarajah (re.) setzte sich gegen Birte Knop und Susanna Bürger durch

Die zweite Halbzeit bot zunächst das gleiche Bild. Nahe im Marsch Richtung Osnabrücker Tor. Aber sowohl Knop als auch Kulow vergaben. Die Partie verflachte merklich. Ungenauigkeiten kamen auf, klare Aktionen waren Mangelware. Nach einer Stunde wechselte der TSV. Stephanie Harkess ersetzte Susanna Bürger in der Verteidigung, und die glücklose Janine Kulow machte Platz für Eike Peters. Meistens wird es ja bestraft, wenn man seine Chancen auslässt, und die TSG war in der 64. Minute nah dran. Einen Freistoß von Flaspöhler verpassten Freund und Feind, doch die überraschte Sarah Feist konnte mit den Fingern gerade noch dran, und Summa klärte dann endgültig. Entsprechend erregt war TSV-Coach Christopher Foley auch über die schlecht zusammen hängenden Aktionen seines Teams: "Das ist ein räudiges Spiel!" Schüsse, wie der von Korthals aus 18 Metern über den Kasten, waren die Ausnahme. Es regierte der Zufall auf beiden Seiten. Burg Gretesch konnte, Nahe wollte nicht besser, wie es schien. Viele Fehlpässe, Ballverluste, Stockfehler und Einwürfe prägten den zweiten Durchgang. Beide waren ideenlos.

Ein Highlight dieser zweiten 45 Minuten war ein Lattentreffer nach einem Knop-Freistoß von rechts. Da waren schon 75 Minuten vorbei.


Nahe schien sich noch etwas zu fangen, weil Libera "Pizzi" Soder jetzt nach vorn stürmte. Sie bediente Scharrenberg, aber deren Schuss parierte Janssen mit dem Fuß, hielt sich danach wieder einmal den Rücken. Vier Minuten vor dem Ende knallte Hagemann eine Freistoßvorlage von Merchant volley zwei Meter drüber. Die letzte Aktion war ein schwacher Kopfball von Peters nach Knop-Flanke. Janssen hielt, und damit die Niederlage im Rahmen.

Die letzte Chance vergibt Eike Peters per Kopf

Die letzte Chance vergibt Eike Peters per Kopf

TSV-Coach Foley war nicht hundertprozentig zufrieden, bemängelte fehlende Cleverness und überhastete Abschlüsse. Seine Mannschaft war sich nach dem 2:0 scheinbar zu sicher, nutzte die spielerische Überlegenheit nicht aus. Sie forderten den Gegner nicht genügend und waren nicht gefordert. Zudem nahm er die Routiniers Knop und Merchant in die Pflicht, die zu offensiv arbeiteten. Foley erkannte auch an, dass Burg Gretesch sich mit seinen geringen Mitteln gut verkauft hatte, auch wenn sich sein Team dem Tempo des Gegners angepasst hatte. Und in der Tat hatten die Osnabrückerinnen aus der Personalmisere das Beste und es Nahe durch kompakte Defensivbemühungen schwer gemacht. So blieb unter dem Strich Zufriedenheit mit der Punkteausbeute und eine Warnung vor dem Blick auf die Tabelle.

 Foley nimmt Knop ins Gebet

Manöverkritik: Foley nimmt Knop ins Gebet

TSV Nahe:

Sarah Feist - Miriam Summa, Patricia Soder, Susanna Bürger (62. Stephanie Harkess) - Katrin Grabert, Birte Knop, Marcia Merchant, Lisa Hagemann - Meike Scharrenberg - Wiebke Korthals (77. Gesa Lorenzen), Janine Kulow (62. Eike Peters)

TSG Burg Gretesch:

Jessica Janssen - Andrea Krüssel, Linda Stijl, Claudia Platen - Jennifer Flaspöhler, Nina Biedermann, Johanna Beermann - Kadriye Yildiz, Birgit Hengstmann - Shanty Sriskandarajah, Barbara Rust

Tore:
1:0 Wiebke Korthals (20.)
2:0 Lisa Hagemann (37.)

gelbe Karte: Marcia Merchant (TSV Nahe, 62. Minute, Foulspiel)

Schiedsrichter: Markus Dahms (Hamburg)

Zuschauer: 80


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