Oddset-Pokal - Achtelfinale

Großer Erfolg für einen kleinen Verein

VfL Lohbrügge - Hamburger SV II 0:9 (0:4)

Text und Bilder von Fuxi

14.12.2005

Für den Dritten der Bezirksliga 3 gab es nur ein Ziel: Nicht zu hoch zu verlieren. Immerhin lagen zwischen ihnen und dem Gegner, Regionalligist HSV II., drei Spielklassen. Der hatte in Runde 1 den Bezirksligaclub UH-Adler mit 10:0 rausgeworfen und auch den unbequemen Verbandsligazweiten SV Wilhelmsburg 1:0 geschlagen. Nun mussten sie also an diesem Sonntagmorgen bei ungemütlicher Kälte an den östlichen Stadtrand Hamburgs zum VfL Lohbrügge. Der hatte immerhin in der zweiten Runde den klassenhöheren 1. Norderstedter FC mit den Ex-HSVerinnen Martina Rohde und Tanja Bohns aus dem Pokal gekickt.

Für HSV-Trainerin Claudia von Lanken war das letzte Pflichtspiel des Jahres 2005 ein guter Anlass, auch mal die spielen zu lassen, die im Laufe der Hinrunde wenig Einsatzzeit bekommen hatten. Keeperin Claudia Choinowski, Monique Müller und Topscorerin Denise Lehmann blieben ganz zuhause, Vanessa Schröer sah wie auch Mareike Geidies von außen zu. Dafür spielte Ersatzkeeperin Jenny Weber im Tor, davor eine Dreierkette mit Cathérine Knobloch, Vanessa Hamed und Vanessa Bastin. Davor räumte Christine Thoma ab. Das Mittelfeld besetzten Johanna Borkowski, Carina Wolfgramm, Christina Arp und Vanessa Vonau in einer Viererreihe, davor stürmten Gina Heinßen und Ex-Nationalspielerin Miriam Scheib.

Gina Heinßen

Diese Flanke von Gina Heinßen fand keinen Abnehmer

Die Aufstellung sorgte beim Gastgeber für Irritationen: Da ihnen einige Spielerinnen nicht bekannt waren, wähnten sie Akteurinnen aus der dritten Mannschaft im HSV-Kader und wollten vorsorglich Protest einlegen. Dass die dritte HSV-Mannschaft zeitgleich in Duvenstedt um den Einzug ins Viertelfinale kämpfte und das Regionalligateam durchaus mehr als nur 13 Spielerinnen umfasst, war den VfL-Verantwortlichen wohl entgangen. Die setzten ein 4-1-3-2 dagegen. Vor Torhüterin Friederike Wiener verteidigten Stefanie Kellermann, Janina Prahs, Nina Riedel und Alev Tepe. Vor der Kette sollte Christina Peters zentral abräumen. Das Mittelfeld besetzten Jelena Lange, Jeanette Prahs und Sarah Scherer, davor sollten Jane Riecke und Sandra Ziemann die Rothosen unter Druck setzen.

Friederike Wiener

Friederike Wiener nach der Abwehr eines Schlenzers von Heinßen

Der HSV erarbeitete sich in der Anfangsphase eine Reihe von Chancen. Scheib verzog aus 16 Metern knapp, Thoma traf aus der Distanz die Latte, und als Arp sich in der 7. Minute rechts durchsetzen und auf Scheib zurück passen konnte, verwandelte die Ex-Nationalspielerin im Nachschuss zum 0:1. Aber auch der VfL hatte schon die Möglichkeit zur Führung gehabt, als die schnelle Jane Riecke bei einem Konter über halblinks an Hamed vorbei stürmte, aber Torhüterin Weber nicht überwinden konnte (4.). Der HSV hingegen machte das Spiel und schnürte die Gastgeber in der eigenen Hälfte ein.

Auch nach dem 0:1 war ihnen das Schussglück nicht hold. Aber es war teilweise schön anzusehen. Ein Highlight war eine herausgespielte Möglichkeit für Miriam Scheib. Bastins Steilpass rechts auf Vonau brachte der Neuzugang von rechts herein, Scheib hielt den Ball zweimal am Elfmeterpunkt mit dem Rücken zum Tor hoch, drehte sich, verfehlte aber den rechten Pfosten um Zentimeter. Zudem scheiterten Arp, erneut dreimal Scheib, Heinßen und Wolfgramm innerhalb der ersten 25 Minuten an VfL-Keeperin Wiener. Die bekam an diesem Vormittag viel zu tun. Doch mit ihren unerschrockenen Angriffen machte sie Defizite in der Strafraumbeherrschung wieder wett. Und sorgte für Verzweiflung bei Scheib. Es sollte ein kleines Privatduell werden, denn nicht einmal aus fünf Metern brachte die


VfL Lohbrügge

Der Bezirksligist VfL Lohbrügge feierte das 0:9 wie einen Sieg mit Sekt und Tanz

HSVerin das Leder ein zweites Mal an Wiener vorbei.

Manchmal war es aber auch ein leichter Hauch von Unvermögen. Arp krönte ein Solo mit einer Flanke, die Scheib aus drei Metern neben den Kasten köpfte (26.). Danach traf Borkowski nach Steilpass von Thoma nur die Latte. Der HSV hatte unglaubliches Schusspech. Lohbrügge stand tief, versuchte so, es dem Favoriten so schwer wie möglich zu machen, und stellte sich dabei nicht mal dumm an. Aber das war nicht das Problem des Regionalligisten, der immer wieder spielerisch einen Weg in den Strafraum fand - das Problem lag im Abschluss. In der 29. Minute erlöste Arp aber ihr Team. Nach einer abgewehrten Ecke kam Wolfgramm in Ballbesitz, hob hinter rausrückende Gastgeber an den Elfmeterpunkt, wo Arp aus abseitsverdächtiger Position an Wiener vorbei zum 0:2 einschoss (29.). Danach hatten die Rautenträgerinnen weitere Chancen. Aber Scheib vergab innerhalb von 80 Sekunden dreimal gegen die Torhüterin. Als der Ball in der 36. Minute nach einer Vonau-Hereingabe an ihr vorbei ging, landete er kurz darauf im Tor: Wolfgramm verlor das Duell gegen Riedel, aber Borkowski nutzte den Ballgewinn mit einem Heber aus 19 Metern über Wiener hinweg zum 0:3.

Vor der Pause hatte aber auch Lohbrügge noch eine Gelegenheit. Diesesmal ging es über Jeanette Prahs, die Ziemann in Position brachte. Der Schuss aus 16 Metern halbrechts war allerdings dankbar für HSV-Keeperin "Krake" Weber, die, gemessen am Klassenunterschied, dennoch häufiger als vermutet in Ballbesitz kam. Ein Torwartfehler aber brachte dann das 0:4. Scheibs Hereingabe verpassten noch Freund und Feind, Heinßen wollte dann links im Strafraum Janina Prahs täuschen, aber die fälschte den Schussversuch ab. Der Ball kam als Bogenlampe am Elfmeterpunkt herunter, Wiener wollte klären, verließ die Linie, aber kam gegen Arps Kopfball zu spät, und der Ball landete in den Maschen (43.). Dass sich der HSV schwer tat, lag an der Chancenverwertung, denn vor allem in der Ballbehandlung spiegelte sich doch der Klassenunterschied wieder. Ein höheres Ergebnis verhinderte allerdings auch die junge Schlussfrau des VfL. Der HSV war vor dem Tor zu unkonzentriert. Aber Lohbrügge schlug sich dennoch gut und sorgte mit Kontern über Riecke für Alarm in der HSV-Abwehr.

Kurios und sympathisch war das Verhalten der VfL-Balltreterinnen in der Pause: Aus der Kabine dröhnte lautstarker Gesang zum Lied "Moskau" von Dschinghis Khan - die Lohbrüggerinnen feierten schon in der Halbzeit! Das sorgte durchaus für Erheiterung bei den Zuschauern. Zum Wiederanpfiff nahm HSV-Trainerin von Lanken Vanessa Bastin vom Feld. Dafür kam Sarah Halac herein, eine weitere Spielerin mit wenig Praxiserfahrung. Und der Auftakt in den zweiten Durchgang verhieß das erwartete Schützenfest. Nach Pass von Thoma kam der Klärungsversuch von Riedel genau zu Borkowski, und die verwandelte aus kurzer Distanz zum 0:5 (48.).

Der HSV probierte es weiter spielerisch. Nach einem Pfostentreffer von Borkowski, bei dem

Friederike Wiener, Nadine Odzakovic

Wiener fängt einen Eckball vor der einköpfbereiten Nadine Odzakovic ab

die Torhüterin wieder die Finger im Spiel gehabt hatte, netzte Heinßen einen Thoma-Pass mit etwas Glück zum 0:6, als er Wiener unter dem Körper durchrutschte (51.). Auf der Gegenseite war Riecke beim Steilpass von Lange drei Meter im Abseits, doch der Pfiff blieb aus. Der Schuss ging knapp links am Pfosten vorbei. Besser machte es Gina Heinßen für den HSV. Sie stand bei Arps Steilpass ebenfalls im Abseits, auch hier pfiff der


schwache Schiedsrichter nicht, aber Heinßen verwandelte zum 0:7.

Danach verflachte die Partie. Der HSV schaltete etwas zurück, ohne Lohbrügge aus der eigenen Hälfte zu lassen. Aber es sprang vorerst kein weiteres Tor und keine Chance heraus. Inzwischen war Nadine Odzakovic für Chancentod Miriam Scheib gekommen, und beim VfL Lohbrügge verließ Stefanie Kellermann für Katja Francke in der 73. Minute das Feld. Zwischenzeitlich schien das Spiel jetzt etwas offener. Arps Schlenzer lenkte Wiener über die Latte, auf der Gegenseite störte Hamed die nach Pass von Ziemann gestartete Riecke gerade noch so entscheidend beim Torschuss, dass Weber sicher halten konnte. In der 83. Minute erzielte der HSV aber doch das 0:8. Zunächst wurde Odzakovics Schuss noch abgewehrt. Den nachfolgenden Eckball verlängerte Hamed per Kopf zu Odzakovic, und der Joker schoss aus neun Metern ein. Danach verpassten nochmal Odzakovic per Kopf in Bedrängnis und Arp nach Solo die erneute Erhöhung.

Vanessa Vonau, Stefanie Kellermann

Vanessa Vonau (HSV, li.) läuft Stefanie Kellermann im Rücken davon

Zwei Minuten vor dem Ende misslang ein Klärungsversuch des VfL. Borkowski dribbelte links ihre Gegenspielerin aus und passte quer. Vonau zog aus der Drehung ab, der Schuss wurde abgeblockt und kam zu Vonau zurück. Beim zweiten Versuch schlenzte sie aus sechs Metern aufs lange Eck und wurde durch ein Handspiel von Scherer um den Torerfolg gebracht. Immerhin: Es gab Elfmeter, aber der Schiedsrichter war gegenüber der Sünderin gnädig, beließ es bei gelb. Zum fälligen Strafstoß trat Jenny Weber an - die Torhüterin des HSV. Wie Lehrmeisterin claudia von Lanken. Die hatte jedoch einige Male verschossen, und auch VfL-Keeperin Wiener war in der richtigen Ecke, konnte jedoch nicht entscheiden abwehren. Das 0:9 war der Schlusspunkt.

Der HSV hatte souverän gesiegt, wenngleich sie nach 60 Minuten die Zügel schleifen gelassen hatten. Der VfL in Person von Trainerin Birgit Hoch war zufrieden und monierte insgesamt drei Abseitstore, zumindest einmal berechtigterweise. Und so feierte ihr Team ausgelassen wie einen Sieg, dass es sich gegen den Zweitliga-Aufstiegskandidaten gut verkauft und ein zweistelliges Resultat vermieden hatte. Dafür konnten sie sich auch beim HSV bedanken, der in Weihnachtsstimmung aus seiner Überlegenheit zu wenig machte. Beste Lohbrüggerinnen waren Torhüterin Wiener und Stürmerin Riecke, beim HSV Strippenzieherin Christine Thoma, Vanessa Vonau und Gina Heinßen.

VfL Lohbrügge:

Friederike Wiener - Stefanie Kellermann, Janina Prahs, Nina Riedel, Alev Tepe (46. Katharina Rosien) - Christina Peters - Jelena Lange, Jeanette Prahs, Sarah Scherer - Jane Riecke, Sandra Ziemann

Hamburger SV II:

Jennifer Weber - Cathérine Knobloch, Vanessa Hamed, Vanessa Bastin (46. Sarah Halac) - Christine Thoma - Johanna Borkowski, Carina Wolfgramm, Tina Arp, Vanessa Vonau - Miriam Scheib (57. Nadine Odzakovic), Gina Heinßen

Tore:
0:1 Scheib (7.)
0:2 Arp (29.)
0:3 Borkowski (36.)
0:4 Arp (43.)
0:5 Borkowski (48.)
0:6 Heinßen (51.)
0:7 Heinßen (59.)
0:8 Odzakovic (83.)
0:9 Weber (89./FE)

Gelbe Karte: Scherer

Zuschauer: 60

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