Regionalliga Nord

Unter Wert geschlagen

Hamburger SV II - Mellendorfer TV 6:1 (2:0)

Text und Bilder von Fuxi

05.12.2005    Ein echtes Topspiel bekamen die gerade einmal 60 Zuschauer an der Hamburger Hagenbeckstraße zu sehen: Tabellenführer HSV empfing einen Mitkonkurrenten um den Aufstieg, den Mellendorfer TV. Zusammen mit dem TSV Nahe ist Mellendorf das Überraschungsteam der Liga. Die Niedersachsen haben mit Nina Hall eine würdige Nachfolgerin für die zum HSV gewechselte Tessa Rinkes gefunden. Die wäre heute auf der anderen Seite dabei gewesen, wenn es nicht für die Bundesligamannschaft beim FCR Duisburg um den Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale gegangen wäre.

So stand bei den Rothosen Claudia Choinowski zwischen den Pfosten. Davor eine sehr erfahrene Viererkette mit Vanessa Bastin, Ex-Nationalspielerin Miriam Scheib, Youngster Anna Steckel und Vanessa Schröer. Das Mittelfeld besetzten Johanna Borkowski links, Monique Müller zentral, Stefanie Vogelwiesche rechts und offensiv-zentral Christine Thoma. Davor im Sturm: HSV-Toptorjägerin Denise Lehmann und die kleine Nadine Odzakovic. Der Mellendorfer TV

Wiebke Korthals

U17-Nationalspielerin Jana Kieras (Nr. 15) schickt Silke Homeier (Nr. 12) auf die Reise

setzte ein 3-5-2 dagegen. Vor Nina Hall verteidigten Kristina Ringe, Manuela Steffens und Maren Cöster. Die Flügel im Mittelfeld besetzten Despina Aidinidou links und Filiz Heilmann rechts, dazu in der Mitte Janine Schneider und Junioren-Nationalspielerin Jana Kieras. Die beiden Spitzen Kerstin Strelow und Torjägerin Jennifer Horwege sollte als Spielmacherin Silke Homeier mit Pässen füttern.

Beide Teams schienen mit offenem Visier zu kämpfen, und man freute sich schon auf ein echtes Topspiel. Schneiders 30-Meter-Freistoßklebe konnte Choinowski in der 2. Minute entschärfen. Auf der Gegenseite köpfte Odzakovic freistehend eine Lehmann-Flanke deutlich vorbei (3.). Aber der muntere Beginn täuschte, denn die Partie verflachte schnell. Beide hatten ihre Warnschüsse abgegeben und waren nun zunächst auf sichere Defensive erpicht. Der HSV erarbeitete sich ein Übergewicht an Ballbesitz, Mellendorf setzte auf Konter. Ein Ballverlust von Müller brachte Homeier in Ballbesitz. Deren langen Ball hatte HSV-Verteidigerin Bastin eigentlich sicher, aber durch einen Fehler kam Horwege an die Kugel, drosch aus 23 Metern drauf. Choinowski sicherte ihn sich aber.

Nach 25 Minuten bekamen die Hanseatinnen mal Platz zum Kombinieren. Vogelwiesche bediente rechts Odzakovic. Vor Homeier passte die wiederum in die Mitte. Müller kam vor Torhüterin Hall an die Kugel, legte sie vorbei und wurde dann selbst unsanft gestoppt. Schiedsrichterin Sandra Pansch verhängte den fälligen Strafstoß, ließ die gelbe Karte aber gnädigerweise stecken. Denise Lehmann trat an und verwandelte sicher zum 1:0. Das beflügelte die Rothosen scheinbar, denn sie kamen wieder. Diesesmal über Borkowski auf dem linken Flügel. An der Seitenlinie bot sich Lehmann an, bekam den Ball und flankte sofort mit links. Im Strafraum verschätzte sich Hall, sprang unter der Kugel durch, so dass Vogelwiesche volley zum 2:0 versenken konnte (27.). Ein tolles Tor der jungen Mittelfeldspielerin, die auch schon Bundesligaluft schnuppern durfte.

Der Doppelschlag saß beim Mellendorfer TV erstmal tief. Sie rückten in der Abwehr immer wieder weit auf und spielten auf Abseits. Meistens klappte das auch. In der 37. Minute nicht. Da blieb beim Heber von Scheib auf Schröer der Pfiff aus, und die Ex-Bundesligaspielerin hatte die Möglichkeit, auf 3:0 zu erhöhen. Aber vielleicht wartete auch sie auf den Pfiff, denn sie lupfte einige Meter am Kasten vorbei. Schwach, und vielleicht auch ein Grund, warum sie noch nicht auf die Bühne des Oberhauses zurückgekehrt ist. Ihr Team operierte oft mit hohen, langen Bällen, scheiterte aber immer wieder an der eigenen Ungenauigkeit oder der Fahne des Schiedsrichter-Assistenten. Über die Flügel ging wenig. Hinten standen die Hamburgerinnen allerdings sicher. Bis zur 39. Minute. Ein Freistoß von Heilmann kam hoch in den Strafraum, eine Verteidigerin sprang am Ball vorbei, und plötzlich war Horwege frei. Sie schlug aber am Ball vorbei. Der HSV klärte zu kurz, postwendend


Denise Lehmann

Denise Lehmann verwandelt sicher zum 1:0

kam die Kugel von Homeier zurück, aber Horwege traf sie aus der Drehung nicht richtig, und so strich ihr Schuss am Pfosten vorbei. Eine haarige Szene im Strafraum des Tabellenführers.

Zwei Möglichkeiten gab es noch vor der Pause. Nach präzisem Zuspiel von Bastin hinter die Abwehr gab Schröer von rechts herein, Odzakovic war einen Tick schneller als Hall, konnte aber nicht kontrolliert abschließen und pallte mit der MTV-Keeperin zusammen, die, nachdem eine Mitspielerin geklärt hatte, behandelt werden musste. In der Nachspielzeit rutschte dann Strelow an einer Hereingabe von Homeier vorbei. Insgesamt führte der HSV nicht unverdient, wenngleich Mellendorf bei schnellen Gegenstößen gefährlich war. Aber die Gäste blieben immer wieder an der erfahrenen Abwehr hängen. Meist wurde Jennifer Horwege als Alleinunterhalterin gesucht. Beim HSV gingen viele Angriffe durch die Zentrale. Das Mittelfeld wurde meist überbrückt, so dass Monique Müller und Christine Thoma nur wenige Ballkontakte hatten. Hier standen die Gäste sehr kompakt.

Monique Müller vor Janine Schneider

Monique Müller vor Janine Schneider

Zur zweiten Hälfte kam bei Mellendorf Jessica Kaiser für Homeier ins Spiel. Doch die nächste Möglichkeit hatten die Rothosen. Mit einem einfachen Steilpass hebelte Lehmann die Abwehr aus, Odzakovic nahm den springenden Ball mit der Stirn mit, legte quer auf Müller, und die ehemalige Bundesligaspielerin lupfte die Kugel bedrängt über Hall hinweg zum 3:0 ins Tor (48.). Die Vorentscheidung? Nicht nach Ansicht des MTV. Nach Ablage von Horwege zog Kieras mit links aus 20 Metern ab und traf ins lange Eck zum 3:1 (51.). Choinowski war hier wie Hall in der Szene zuvor ohne Chance.

Aber Hamburg antwortete prompt. Im Mittelfeld köpfte Schröer den Ball hoch raus, Müller verlängerte mit der Stirn, Odzakovic startete durch und ließ Hall keine Abwehrmöglichkeit - 4:1 (60.). Das Spiel war schon jetzt entschieden. Zwar gab sich der Gast aus Niedersachsen nicht auf, fand aber kein Mittel gegen einen nun souveränen HSV. Im Gegenteil. Steffens' Freistoß aus 23 Metern ging klar drüber. Der HSV war da zielgenauer. Carina Wolfgramm war gerade 5 Sekunden für Schröer auf dem Feld und durfte gleich mitjubeln. Denn Borkowskis Einwurf von links hob Lehmann vor den

Sriskandarajah (re.) setzte sich gegen Knop und Bürger durch

Ein Tor, eine Vorlage: Nadine Odzakovic (hier mit Kristina Ringe)

Strafraum, Steckel war aufgerückt und nahm ihn volley. Hall streckte sich, war mit den Fingerspitzen noch dran, lenkte den Ball an die Unterkante der Latte, und von dort sprang er doch hinter die Linie - 5:1 (63.). Ein Klassetor der Abwehrspielerin, die ihren dritten Saisontreffer erzielte. Und gleich raus musste: Bei einer Grätsche hatte sie von ihrer Gegenspielerin einen Tritt in die Wade bekommen. Christina Arp kam für sie. Thoma ging dafür zurück in die Verteidigung.


Der HSV zog nun sein Spiel auf. Nach Ablage von Borkowski zog Thoma mit links ab, scheiterte aber an Hall. Aber die Abwehrspielerin sollte ihre zweite Chance bekommen. Ein Konter. Borkowskis

Miriam Scheib

Eine der Besten: Ex-Nationalspielerin Miriam Scheib

Pass erlief Odzakovic. Deren Querpass blieb unter Mithilfe der Hüfte von Steffens vor Thoma liegen, die aber völlig verzog. Nach zwei weiteren Wechseln (Catharina Matthies für Strelow bei Mellendorf, Vanessa Hamed für Lehmann beim HSV) scheiterte Arp nach Zuspiel von Scheib am Außennetz. Immerhin: Mellendorf steckte nicht auf. Sie trugen einen Angriff kombinierend bis in den Strafraum, aber Horwege wurde auf den letzten Drücker abgegrätscht. Den folgenden Eckball spielte Kaiser kurz auf Kieras. Die drehte sich um ihre Gegenspielerin, schlenzte aufs lange Eck und zwang Choinowski zu einer sehenswerten Flugparade (79.). Der Schlusspunkt war aber dem Aufstiegsaspiranten vorbehalten. Borkowski bediente Scheib steil. Die Führungsspielern tauchte halblinks frei vor Hall auf, täuschte sie, ging rechts vorbei und schob zum 6:1 ein (84.). Der Endstand.

Mellendorf war nicht so schlecht, wie es das Ergebnis aussagte, verkaufte sich gut. Das Ergebnis fiel um zwei Tore zu hoch aus. Allerdings passte es spielerisch selten, und die Chancenverwertung des HSV war an diesem Tag wirklich erschreckend gut. Nach vorn war es zu wenig, was die Gäste boten. Der HSV stand hinten mit wenigen Ausnahmen zu gut, war schwer zu knacken. Nach vorn zahlte sich die variable Spielweise der Gastgeberinnen aus, die im zweiten Durchgang vermehrt die Flügel einsetzten und dennoch mit langen Bällen vorwiegend auf Odzakovic die Mellendorfer Abwehr auseinanderrissen. Beste Hamburgerinnen waren dann auch neben Odzakovic noch Müller, Scheib und Steckel, bei Mellendorf waren es Kieras und Horwege, die sich noch am ehesten für Höheres empfehlen konnten.

 Vanessa Schröer

Vanessa Schröer mit einem langen Flankenball

Hamburger SV II:

Claudia Choinowski - Vanessa Bastin, Miriam Scheib, Anna Steckel (65. Christina Arp), Vanessa Schröer (63. Carina Wolfgramm) - Johanna Borkowski, Monique Müller, Stefanie Vogelwiesche - Christine Thoma - Denise Lehmann (75. Vanessa Hamed), Nadine Odzakovic

Mellendorfer TV:

Nina Hall - Kristina Ringe, Manuela Steffens, Maren Cöster - Despina Aidinidou, Janine Schneider, Jana Kieras, Filiz Heilmann - Silke Homeier (46. Jessica Kaiser) - Kerstin Strelow (72. Catharina Matthies), Jennifer Horwege

Tore:
1:0 Denise Lehmann (25./FE)
2:0 Stefanie Vogelwiesche (27.)
3:0 Monique Müller (48.)
3:1 Jana Kieras (51.)
4:1 Nadine Odzakovic (60.)
5:1 Anna Steckel (63.)
6:1 Miiriam Scheib (84.)

Gelbe Karte: Maren Cöster

Schiedsrichter: Markus Dahms (Hamburg)

Zuschauer: 60


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