Landesliga Hamburg

Spiel für die Tordifferenz

SV Eidelstedt - Hamburger SV III. 0:9 (0:4)

Bilder und Text von Fuxi

6.12.2005    Der Tabellenführer HSV III war zu Gast beim Schlusslicht SV Eidelstedt. Gerade drei Tore hatten die Gastgeberinnen vor diesem Spiel erzielt und 49 kassiert. Null Punkte, vierzehn Zähler Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz - die Aussichten für den ehemaligen Eisenbahnerverein waren nicht gerade rosig. Und dann kam der HSV mit einer Bilanz von 48:16 Toren aus 12 Partien an den Redingskamp. Obwohl die Anzahl der Gegentore zumindest etwas Hoffnung verbreiten durfte, schließlich war das der höchste Wert in den Top-5 der Liga.

Es war ein Spiel der minimalen Kader: Der SV Eidelstedt hatte nur elf, der HSV zwölf Akteurinnen mitgebracht. Die Gastgeberinnen wollten den HSV mit kompakter Defensive ärgern. Vor Torhüterin Malia Pein stand Libera Cordula Gaulke. Davor mit Hatise Elibal und Kim Fedde zwei Verteidigerin und Vorstopperin Silja Helfers. Das Mittelfeld bildete eine Viererkette aus Natalia Buchsbaum, Petra Linning, Jasmin Kroiß und Sandra Höhlein. Im Sturm traf der HSV auf eine alte Bekannte: Neben Anna Wetsch stürmte Saskia Okkens, bis 2003 in der B-Mädchen- und Landesliga-Mannschaft des HSV. Die setzte ein 3-4-3 dagegen. Vor Torhüterin Sabine Gercken flankierten Annemarie Dworaczek und Susanne Giehler ihre Libera, Kapitänin Susanne Schreiber. Das Mittelfeld bestand ebenfalls aus einer Kette mit Janina Hübner links, Cathérine Knobloch und Brigitte Krause zentral, sowie Manuela Laukat rechts. Im Sturm sollten Carola Raetz auf links und Claudia Schlichting rechts Mittelstürmerin Anja Lassen füttern.

Tor durch Knobloch

Cathérine Knobloch (verdeckt) erwischt Torfrau Pein auf dem falschen Fuß - das 0:3

Das Spiel begann verhalten. Und der Underdog hatte die erste Möglichkeit. Nach Steilpass von Höhlein versuchte es Kroiß mit einem Heber aus 17 Metern, doch den fing Gercken im HSV-Tor ab. Ihre Vorderleute taten sich auf dem unebenen Boden schwer. Eidelstedt stand kompakt. Dazu kamen einige Abspielfehler und Ungenauigkeiten. Die aber stellten sie in der 12. Minute ab. 30 Meter vor dem Tor spielte Lassen Raetz an. Die drehte sich, und als Helfers ihr zuviel Platz ließ, schlenzte sie den Ball aus 24 Metern oben links ins kurze Eck - 0:1. Der Bann war gebrochen, denn zwei Minuten darauf jagte Schlichting Buchsbaum den Ball im rechten Mittelfeld ab und spielte in die Mitte. Dort stand Lassen nach Ansicht des Schiedsrichters nicht im Abseits, zog allein auf das Tor zu und schob zum 0:2 ein.

Tor durch Lassen

Anja Lassen netzt das 0:4

In der Folgezeit verlor das Spiel an Klasse. Zufälliges Gebolze mit Ballbesitzwechseln im Sekundentakt und wenig Strukturiertes fand im Mittelfeld statt. Minimal-Fußball. Das änderte sich erst in der 32. Minute, als Gaulke den HSV mit einem Distanzschuss wieder aufweckte, den Gercken zur Ecke abwehren konnte. Die HSV-Torhüterin war mit angebrochenem Arm ins Spiel gegangen - eine Verletzung, die sie sich beim Spiel gegen Altona 93 zugezogen hatte. Auf der Gegenseite brachte eine Standardsituation das 0:3. Einen Eckball von Schlichting köpfte Laukat Richtung Tor, Cathérine Knobloch gab dem Ball den entscheidenden Stoß und versenkte gegen die Laufrichtung der Torfrau (35.). In der 40. Minute war der Doppelschlag mit einer schönen Kombination perfekt: Knobloch schickte Schlichting auf rechts, deren Flanke bekam Lassen auf den Fuß, und der Rest war Formsache. Nachdem nach einer ähnlichen Szene Lassen aus 16 Metern mit links nur die Latte getroffen hatte, war Pause. Der HSV führte verdient. Der


Tor

Annika Rode macht ihren dritten Treffer

Tabellenstand spiegelte sich auch auf dem Platz phasenweise wieder, obwohl der SV Eidelstedt bis zum 0:3 nicht wie ein Team mit null Punkten agierte. Zwei Treffer des HSV sahen die Gastgeberinnen aus Abseitsposition erzielt. Der HSV war überlegen und überstand die Schwächephase zwischen der 15. und 30. Minute schadlos.

Jasmin Kroiß und Annemarie Dworaczek

Der SV Eidelstedt, hier Jasmin Kroiß (li.) gegen Annemarie Dworaczek, hatte einen schweren Stand gegen die Dritte des HSV

Der zweite Durchgang begann, wie er aufhörte: Mit HSV-Möglichkeiten. Raetz drehte sich um Fedde und zog aus 20 Metern ab, aber die unsichere Torhüterin Pein griff sich den Ball im Nachfassen. Auf der anderen Seite probierte es Gaulke mit der Pieke aus 25 Metern, aber Gercken hatte kein Problem. Der HSV konterte. Aus Abseitsposition lief Lassen nach einem Steilpass auf das SVE-Tor zu, doch ihr Heber landete auf dem Tornetz. Dann kam beim HSV eine B-Juniorin ins Spiel: Annika Rode ersetzte Janina Hübner, die wohl ihre letzte Partie für den HSV absolvierte: Sie verlässt die Rothosen zur Winterpause. Taktisch bedeutete der Wechsel, dass Rode in die Spitze ging und Lassen zurück ins Mittelfeld rutschte.

Zum Heißlaufen brauchte Rode gerade sechs Minuten: Von der Grundlinie spielte Raetz das Leder zurück auf Rode. Die dribbelte Helfers aus und lupfte aus zehn Metern mit dem schwächeren linken Fuß über Pein hinweg in die Maschen - 0:5 (58.). Andere Seite, gleiches Spiel in der 66. Minute: Schlichting bediente Laukat rechts, kurzer Pass zurück, Lupfer von Rode mit rechts - 0:6. Davor hatte Schlichting mit einem Kullerball das Tor knapp verfehlt. Es spielte nur noch eine Mannschaft, und das war der Tabellenführer. Eidelstedt ergab sich in Lamentiererei. Dann stand Anja Lassen wieder im Mittelpunkt des Geschehens. Nach Pass von Rode setzte sich Laukat im Zweikampf durch. Ihren Heber klatschte Pein vor die Füße von Lassen. Aber was machte die: Nach schulmäßiger Ballannahme drosch sie das Runde aus sechs Metern ans Außennetz! Aber schlimm war das an diesem Tag nicht, zumal diese vergebene Chance auch etwas Gutes hatte: Annika Rode kam zum Hattrick. Lassen selbst schickte sie aus der eigenen Hälfte hinter der Abwehr auf die Reise, und freistehend vor Pein schob die schnelle Nachwuchshoffnung den Ball an der Torhüterin vorbei ins kurze Eck - 0:7 (76.).

Petra Linning

Petra Linning (SVE) klärt vor Raetz (Nr. 7)

Und sie hätte sogar noch draufsatteln können. Zwei Minuten später erarbeitete sie sich an der Mittellinie den Ball zog aufs Tor, aber der Schuss aus 15 Metern unter Bedrängnis landete knapp neben dem Pfosten. In der 79. Minute war sie wieder zur Stelle. Einen Rückpass von Laukat nahm sie an, legte ihn an Gaulke vorbei, aber zielte genau auf die


Torhüterin. Besser machte es Lassen. Und wie! Nach Zuspiel von Raetz setzte sie sich zur Grundlinie durch und gab zurück. Krause versägte völlig, und der Ball landete halbrechts bei Laukat. Deren Abschluss aus 14 Metern ging neben das Tor, aber da stand Lassen noch drei Meter vor der Linie, hielt den Fuß rein - und das Leder rauschte parallel zur Torlinie auf die rechte Seite, anstatt ins Tor! Schlichting setzte nach, flankte zurück auf Lassen, und die brachte den Ball mit einem der ganz seltenen Kopfballtreffer ihres Fußball-Lebens aus drei Metern über die Linie - 0:8 (82.). Warum einfach, wenn es auch schwierig geht?

Brigitte Krause, am 0:8 irgendwie beteiligt, hatte im Abschluss nicht ihren besten Tag. Als Rode drei Gegenspielerinnen ausgetanzt und ihr den Ball mustergültig serviert hatte, brachte sie nur einen schwachen Schuss auf die Torhüterin zustande. Nein, der Schlusspunkt war der Jüngsten vorbehalten. Schlichtings Eckball in der 89. Minute war eigentlich ganz schlecht geschossen, kam kniehoch noch vor dem ersten Pfosten an. Aber Rode hatte das irgendwie geahnt. Sie erlief den Ball und zog ihn, umringt von drei Abwehrspielerinnen, trocken aus sieben Metern zum 0:9 in die Maschen (89.). Der Endstand, denn der letzte Heber von Krause nach Zuspiel von Lassen landete bei der Torhüterin.

Anja Lassen

Diese Chance lässt Anja Lassen aus ! [66. Minute]

Der HSV siegte verdient. Bis zur Pause hatte sich Eidelstedt ordentlich verkauft, lamentierte aber in der zweiten Halbzeit zunehmend und ergab sich dann in sein Schicksal. Der HSV spielte ruhiger als zu Beginn und zog sein Spiel auf. Die Hereinnahme von Straßenfußballerin Rode (erst seit 3 Monaten im Verein) belebte das Spiel und sorgte im Angriff für mehr Gefahr. Der Wiederaufstieg in die Verbandsliga rückt damit wieder ein Stück näher.

Annika Rode

Annika Rode erzielt das 0:9

SV Eidelstedt:

Malia Pein - Cordula Gaulke - Hatise Elibal, Silja Helfers, Kim Fedde - Natalia Buchsbaum, Petra Linning, Jasmin Kroiß, Sandra Höhlein - Saskia Okkens, Anna Wetsch

HSV III.:

Sabine Gercken - Annemarie Dworaczek, Susanne Schreiber, Susanne Giehler - Janina Hübner (52. Annika Rode), Cathérine Knobloch, Brigitte Krause, Manuela Laukat - Carola Raetz, Anja Lassen, Claudia Schlichting

Tore:
0:1 Carola Raetz (12.)
0:2 Anja Lassen (14.)
0:3 Cathérine Knobloch (35.)
0:4 Anja Lassen (40.)
0:5 Annika Rode (58.)
0:6 Annika Rode (66.)
0:7 Annika Rode (76.)
0:8 Anja Lassen (82.)
0:9 Annika Rode (89.)


 Zur FanSoccer-Startseite