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Regionalliga Süd

Jedes Spiel ein Endspiel

Ein Aus- und Rückblick auf die Regionalliga Süd zur Winterpause

Von Christian Heidler

11.02.2008   Als am 08.09.2007 die erste Begegnung der Regionalliga Süd ausgetragen wurde, begann nicht nur eine neue Saison, es war auch der Start einer neuen Liga. Denn nach dreijähriger Unterbrechung erinnert nicht mehr allzu viel an die alte, mit Einführung der 2. Bundesliga eingestellte Regionalliga Süd. Der stärkste Stallgeruch haftet noch dem TSV Jahn Calden an, der während der vierjährigen Existenz der Liga, dieser immerhin für zwei Spielzeiten angehörte, nämlich in ihrer Premierensaison 2000/01 und auch am Ende, dem Spieljahr 2003/04. Mit dem FC Bayern München II (Saison 2002/03) und dem VfL Sindelfingen (Spielzeit 2003/04 – allerdings noch mit der ersten Garde) finden sich nur noch zwei weitere Vereine, die bereits mit der alten Regionalliga Süd Bekanntschaft gemacht hatten.

Für sieben von insgesamt nur 10 teilnehmenden Vereinen ist die Regionalliga also Neuland. Dementsprechend schwer war auch eine Einschätzung der Leistungsstärke der Teams aus Baden (1), Württemberg (2), Südbaden (1), Bayern (3) und Hessen (3) vor Saisonbeginn. Das sieht nun zur Winterpause schon etwas anders aus. Nach 10 Spieltagen steht München mit einem drei Zähler betragenden Vorsprung an der Tabellenspitze, gefolgt von den vier punktgleichen Teams aus Calden, Augsburg, Löchgau und Sindelfingen (je 19 Punkte). Dahinter reihen sich Weinberg (16) und Karlsruhe (15) ein, ehe mit einigem Abstand die drei Kellerkinder Wiesbaden (8), Hegau (4) und Jügesheim (2) die Tabelle vervollständigen.

Als heißer Aufstiegskandidat galt von vorne herein Bayern München II, auch wenn Trainer Wolf Wild die Vorgabe vorsichtiger formulierte und tiefstapelnd vom „Minimalziel Klassenerhalt“ sprach. Schon in der letzten Bayernliga-Saison wurde aber alles daran gesetzt, die Mannschaft zu Meisterschaft und Aufstieg zu führen. Ersteres gelang, als aber im ersten Relegationsspiel gegen den späteren Aufsteiger ASV Hagsfeld unter all den in der 2. Mannschaft eingesetzten Bundesligaspielerinnen auch eine nicht spielberechtigte darunter war, verbaute sich der Verein den greifbaren Aufstieg selbst. Wie stark die Bayern-Reserve auch ohne übermäßige Anleihen aus der Ersten ist, zeigte sich in der Relegation beim Auswärtssieg über den zweiten Konkurrenten aus Jügesheim. Und der derzeitige Platz 1 in der Tabelle spricht ohnedies für sich.

Birgit Leitner

Birgit Leitner, Ersatztorhüterin der Erstligamannschaft des FC Bayern München, holt sich in der Zweiten Spielpraxis und trägt mit ihren Leistungen sicher auch zur Tabellen- führung in der Regionalliga Süd bei

Bild: Tom Schlimme

Mit dem Überbau der Bundesligamannschaft und dem Unterbau einer starken U 17 (Deutscher B-Juniorinnen Vizemeister 2007) haben die „kleinen“ Bayern gute Voraussetzungen, für jedes Spiel eine schlagkräftige Mannschaft aufs Feld führen zu können. Zwar mußte der Verein in der Sommerpause einige Abgänge verzeichnen (insbesondere zum Stadtrivalen Wacker München), die Zugänge sind jedoch vielversprechend: Carolina Pini ist als junge italienische Nationalspielerin sicherlich die spektakulärste Neuverpflichtung.


Bayern München - TGM Jügesheim

Im Juni 2007 bei der Relegation zur 2. Bundesliga waren sie noch auf Augenhöhe, inzwischen trennen Bayern München II (Tabellenerster, hier in weiß) und den TGM/SV Jügesheim (Tabellenletzter, hier in rot) „Welten“

Bild: Dieter Henkel

Mit 4 Treffern ist die Stürmerin derzeit auch die erfolgreichste Torschützin ihres Teams.

Viktoria Schnaderbeck und Carina Wenninger stehen da aber kaum nach. Beide Spielerinnen fanden den Weg vom österreichischen Erstligisten LUV Graz an die Isar und können auf erste Einsätze in der U 19 und der A-Natio ihres Heimatlandes verweisen. Unter den 31 Spielerinnen, die bislang in den Punktspielen zum Einsatz kamen, gehören Pini und Wenninger zusammen mit Andrea März und Neuzugang Sonja Kienzler (vom SV 67 Weinberg) zu den Aktiven mit der meisten Spielzeit. Übrigens ist fast jede zweite Bundesligaspielerin des FC Bayern bereits für die Reserve aufgelaufen. Etwa 20% der Einsatzzeiten entfallen bislang auf die Schützlinge von Sissy Raith.

Turbulent ging es bislang beim TSV Jahn Calden zu. Nach dem Auftaktsieg in Löchgau setzte es drei Niederlagen in Serie, darunter eine deftige 0:7-Packung in Weinberg. Die Verletztenmisere machte dem Team bei seinem kleinen Kader zu schaffen und vielleicht vermochte auch Trainer Manfred Rauschenberg nicht mehr die nötigen Impulse zu verleihen. So muß es wohl der Verein gesehen haben, der sich von Rauschenberg nach neunjähriger, überwiegend erfolgreicher Arbeit (darunter drei Jahre in der 2. Bundesliga Nord) aus „gesundheitlichen und beruflichen Gründen“ mitten in der Hinrunde trennte und mit Bernd Menzel einen neuen Coach präsentierte. Motivation und Erfolg kehrten an den Kaiserplatz zurück und die Nordhessinnen kämpften sich vom Tabellenkeller wieder in die Spitzengruppe zurück. Der ursprünglich angestrebte Wiederaufstieg ist damit wieder im Bereich des Möglichen.

Arlene Rühmer

Arlene Rühmer hat bei Jahn Calden voll eingeschlagen und ist mit 6 Toren derzeit treffsicherste Spielerin der Mannschaft

Bild: Christian Heidler

Punktgleich und mit der gleichen Tordifferenz wie Calden belegt der TSV Schwaben Augsburg derzeit einen beachtlichen 3. Platz. Unter Übungsleiter Markus Thrämer stieg das Team zwei mal in Folge auf. Für das laufende Spieljahr wird ein Mittelfeldplatz angestrebt. Trotz des Abgangs der Juniorinnen-Nationalspielerin Anika Höss zum TSV Crailsheim stehen die Aktien für die Schwäbinnen aus dem Freistaat also nicht schlecht. Ja, wenn es weiterhin so gut läuft, dann könnte möglicherweise am Ende der Saison im Ernst-Lehner-Stadion noch der


dritte Aufstieg in Folge gefeiert werden!

Annika Höss

Annika Höss wurde beim TSV Schwaben Augsburg Juniorinnen-Nationalspielerin, spielt jedoch seit dieser Saison beim Erstligisten TSV Crailsheim

Bild: Tom Schlimme

Nach höherem hatte man auch beim FV Löchgau gestrebt, 2006 scheiterte der Verein auf dem Sprung zur 2. Bundesliga aber am SC Regensburg. Als Tabellendritter der Oberliga Baden-Württemberg gelang dem Klub aus dem Kreis Ludwigsburg im Folgejahr der Aufstieg in die Regionalliga. Dort wollen die Württemberger erst mal Fuß fassen. Der Klassenerhalt soll mit der 21-jährigen Studentin Stefanie Schuster gelingen, die als Spielertrainerin die Nachfolge von Axel Süßlin angetreten hat. Schuster ist nicht nur im Besitz des benötigten C-Scheins, sie sammelte bereits erste Trainermeriten mit den B-Mädchen des Vereins. Schon zum dritten mal in Folge holte der für seine gute Nachwuchsarbeit bekannte Verein mit den B-Juniorinnen inzwischen den württembergischen Pokal. Kein Wunder, daß Schuster, die nebenbei auch im Trainerteam des Württembergischen Fußballverbandes arbeitet, einige dieser vielversprechenden Talente in die 1. Mannschaft eingebaut hat. Mit einem Polster von 11 Punkten auf einen potentiellen Abstiegsplatz und einem positiven Torverhältnis dürfte das Vorhaben Klassenverbleib schon nahezu verwirklicht sein.

Alexa Gantner

Jungtalent Alexa Gantner ist aus den USA zurück und verstärkt wieder ihren FC Löchgau

Archivbild: Tom Schlimme


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