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Text und Bilder von Christian Heidler
14.06.2011
Die Landesmeister (ersatzweise die Meisterschaftszweiten) aus den sechs Mitgliedsverbänden des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) spielen alljährlich die Aufsteiger in die Regionalliga Nordost aus sofern sie denn wollen und können. Nicht jeder sportlich qualifizierte Klub will sich das Abenteuer Regionalliga antun, gilt es doch neben einer wettbewerbsfähigen Mannschaft auch organisatorische und finanzielle Rahmenbedingungen auf die Beine zu stellen. Insbesondere weite Fahrten im großflächigen Regionalverbandsgebiet können einen erheblichen Kostenfaktor darstellen wenn man nicht gerade in Berlin beheimatet ist (relativ zentrale Lage, viele Derbys). Doch anders als in vielen Jahren zuvor war das Interesse an der Relegation dieses Jahr besonders hoch, fehlte doch lediglich eine Bewerbung aus Sachsen-Anhalt.
Umso trauriger stimmte da eine Meldung von Anfang Mai, wonach der NOFV gleich drei Bewerbern die Zulassung an den Aufstiegsspielen verweigere. SC 03 Weimar (Vizemeister Thüringen), BSV Al Dersimspor (Berlin) und HSV Fortuna Friedersdorf/Gussow (Brandenburg) hätten die Voraussetzungen für die Teilnahme am Spielbetrieb der Regionalliga nicht erfüllt, da sie nicht über eine laut Spielordnung geforderte Nachwuchsmannschaft verfügten (mind. D-Juniorinnen-Mannschaft im laufenden Spielbetrieb und keine Spielgemeinschaft). Neben dem Chemnitzer FC (Sachsen) und SV Hafen Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) wäre somit nur noch der nachrückende Berliner Vizemeister FSV Spandauer Kickers 1975 „im Geschäft“ gewesen.
Nach einer erneuten Überprüfung der Bewerbungsunterlagen erhielt Weimar dann doch noch die Zulassung. Am 18. Mai vermeldete der Verband schließlich, daß Al Dersimspor eine Ausnahmegenehmigung erteilt werde, wenn der Verein bis 30. Mai eine B- oder C-Mädchenmannschaft für die kommende Saison anmelde. Hintergrund für den Sinneswandel beim NOFV soll wohl der Umstand gewesen sein, daß die Kreuzberger ihre D-Mädchen dem Nachbarverein Türkiyemspor Berlin zur Verfügung gestellt und die Spielordnung mißverstanden hatten.
Letztlich durften sowohl Al Dersimspor als auch Spandau einen Aufstiegsplatz gemeinsam mit Rostock in einer Einfachrunde ausspielen. Im ersten Match setzten sich die Spandauer Kickers knapp mit 1:0 bei Hafen Rostock durch. Caro Stern verwandelte einen an ihr selbst verschuldeten Foulelfmeter zum Tor des Tages. Christi Himmelfahrt folgte dann das Berliner Derby. Mehr als 300 Zuschauer pilgerten bei sonnig-warmen Wetter an den westlichen Stadtrand und wurden Zeugen eines guten und hochklassigen Spiels, das fast alles zu bieten hatte vor allem Spannung und Emotionen. SpaKi überzeugte zunächst mit Tempo und der schöneren Spielanlage und ging folgerichtig mit 1:0 in Führung. Kerstin Straka, Ex-Tennis-Borussin und Torschützin vom Dienst, erzielte den Treffer, der alsbald von der anderen Nr. 19, Zeynep Kucak, zum Einstand beantwortet wurde. Nach dem Seitenwechsel konnte der Kreuzberger Anhang sogar das zweite Tor seines Teams bejubeln. Ein Strafstoß für Spandau brachte den Kickers noch den Ausgleich ein, der angesichts der zahlreicheren und klareren Chancen (u.a. zwei Lattentreffer) am Ende trotzdem zu wenig war. Freude dagegen bei den Gästen, die ob des Ausgangs auch die unnötige gelbrote Karte für Kucak verschmerzen konnten.
Das Remis in Staaken bedeutete für die spielfreien und punktlosen Hanseaten das Ende aller Hoffnungen auf einen Aufstieg im 50. Jahr des Vereinsbestehens. So hatte der Berliner Meister in seinem auf den Laskersportplatz verlegten Heimspiel keine große Mühe mit den Frauen aus Rostock Zwei Tore der an „Kugelblitz“ Ailton erinnernden Susu Al-Agha und eines von Burcu Kocabiyikoglu machten den heißersehnten Aufstieg des Teams von Spielertrainerin Mehtap Ardahanli perfekt. Nach dem BSC Agrispor ist der BSV Al Desimspor der zweite türkische Verein aus Berlin, dem der Sprung in die Regionalliga geglückt ist. Bleibt freilich zu hoffen, daß Al Dersimspor in der 3. Liga eine bessere Rolle spielen wird als der Kreuzberger Nachbar seinerzeit. In der Spielzeit 1999/2000 erlitten die Frauen von Agrispor nämlich 21 Niederlagen bei 22 Punktspielen und waren somit lange Zeit der schlechteste Regionalligist der Geschichte ehe heuer Tennis Borussia II mit null Punkten diesen Rekord einstellte.
Den zweiten Aufstiegsplatz sicherte sich der Chemnitzer FC im Südduell gegen den SC 1903 Weimar denkbar knapp. Im Hinspiel sorgte Loreen Schmidt in der 82. Minute für das Tor des Tages für die „Himmelblauen“, die zwei Minuten später Tina Heimpold per Ampelkarte verloren. Beim Rückspiel im Stadion Am Lindenberg konnte der SC 1903 Weimar kurz nach dem Pausentee das Gesamtresultat zunächst ausgleichen (1:0 Sandra Busch), der CFC war aber erneut in der 82. Spielminute erfolgreich. Louisa Lindner bugsierte den Ball mit dem Bauch über die Torlinie. Etwa 40 mitgereiste Anhänger feierten den Wiederaufstieg des Rekordauf- und absteigers der Regionalliga Nordost.
Fotos:
oben: Die Startelf des späteren Aufsteigers BSV Al Dersimspor beim Relegationsspiel in Spandau
mitte: Das Team des Berliner Vizemeisters FSV Spandauer Kickers 1975 vor dem Derby
unten: Der Elfmeter für SpaKi führt zum Ausgleich
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