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Regionalliga Nord
120 Quadratkilometer Spitze
Die Regionalliga Nord im September und Oktober | ||
Text und Bilder von Fuxi11.11.2005 Zwei Monate liegt mein letzter Regionalliga-Bericht zurück, und die Tendenzen der ersten zwei Spieltage haben sich vollauf bestätigt. Mit Ausnahme von drei Ausreißern ist die Liga sehr ausgeglichen. Favoriten stehen oben, die Aufsteiger mischen mit und drei Teams kämpfen gegen den Abstieg. Viel getan hat sich in der dritthöchsten Spielklasse also im Norden nicht. Und dennoch ist das aktuelle Tabellenbild eine Überraschung. Am heißesten ist der Kampf um den Aufstieg in die 2. Bundesliga Nord. Zwischen dem Ersten der noch schiefen Tabelle, dem TSV Nahe, und dem Tabellensechsten TuS Büppel liegen gerade einmal fünf Punkte. Besonders dominant ist hier die "Metropolregion Hamburg" vertreten. Die drei Top-Teams TSV Nahe, FFC Oldesloe und HSV II. trennen jeweils maximal 20 Kilometer und zwei Zähler. Erstgenannter Verein ist das Team der Stunde. Der Aufsteiger mischt mit einer homogenen Truppe um die Routiniers Birte Knop und Marcia Merchant die Liga auf und erklomm durch die Spielverlegung des HSV-Auftritts in Mellendorf erstmals die Tabellenspitze. Das hätte ihnen auch schon eine Woche zuvor gelingen können, als der HSV spielfrei war. Dass es nicht so kam und somit der TSV in Schlagdistanz blieb, verdankte der Bundesliga-Nachwuchs ausgerechnet einer Ehemaligen, die die Rothosen in der Saison 2004/2005 schon nach wenigen Wochen wieder verlassen hatte, um zu ihrem Stammverein zurückuzukehren: Lefke Boysen erzielte Lefke Boysen, zurückgekehrt vom HSV zu Jahn Delmenhorst
quasi mit dem Schlusspfiff in Nahe den Ausgleich zum 1:1 für Jahn Delmenhorst. Das kostete Nahe die Spitze, und, einen Sieg beim Mellendorfer TV vorausgesetzt, brachte der HSV-Zweiten die Möglichkeit auf Platz 1 zurück. Unzufrieden ist Nahes Coach Christopher Foley dennoch nicht. Obwohl der Klassenerhalt mit inzwischen 19 Punkten und 16 Zählern Vorsprung auf einen Abstiegsplatz längst in trockenen Tüchern ist, ist für ihn der Aufstieg kein beherrschendes Thema. Im Gegenteil: Er warnt sein Team vor dem Blick auf das Tableau. ![]() Nahes Coach Foley ist selten so grimmig
Aber auch so spielen sie um die Meisterschaft. Abgesehen von der baumlangen Torjägerin Denise Lehmann verfügt der HSV über ein ausgesprochen treffsicheres Mittelfeld. Allerdings schwächelten sie zuletzt und fuhren gegen Oldesloe ein glückliches 2:1 ein. Danach hatten sie drei Wochen Pause, bedingt durch die |
Spielszene der Partie Hamburger SV - FFC Oldesloe (letzte Saison) | |
Spielverlegung gegen Mellendorf und den Länderpokal. Die erwartete Dominanz zeigt der Absteiger jedoch nicht. Immerhin hat der HSV die Topspiele gegen alle Aufstiegskandidaten (Ausnahme: Mellendorf) gewonnen. Auch gegen den FFC Oldesloe. Der Tabellenzweite, der damit schon das zweite Spitzenspiel verlor und nur gegen die Teams außerhalb des Hamburger Speckgürtels gewinnen kann (Ausnahme: Ahlerstedt/Ottendorf), konnte die Niederlage aber gut verkraften und rehabilitierte sich mit einem 7:0 gegen Burg Gretesch, das zuvor gegen den TSV Nahe fünf Tore weniger kassiert hatte. Und auch das folgende Spiel in Büppel wurde wieder ein Sieg. Torgefährlichkeit ist das große Plus der Stormarnerinnen. Die 26 Treffer teilen sich zehn Spielerinnen, angeführt von Theresa Blum (7) und Neuzugang Marialiiza Kranz (6). Aber auch Altmeisterin Claudia Wenzel, die sich seinerzeit im DFB-Pokalfinale 2001/2002 im Dress des HSV von Welt-Torjägerin Birgit Prinz vorführen lassen musste, kommt nach ihrem Comeback bereits auf vier Tore, die sie überwiegend per Freistoß erzielte. Eine krasse Entwicklung gibt es beim SV Ahlerstedt/Ottendorf. Anne Schaarschmidt führt mit 8 Buden die interne Liste vor Anne-Marie Schwartau (6) und Ivonne Flösser (3) an, aber bei "nur" erzielten 22 Mannschafttoren insgesamt wird schnell klar, wie man den SVAO besiegen kann: Man muss den Sturm aus dem Spiel nehmen. 17 von 22 - das sind 77 Prozent, für die nur drei Spielerinnen verantwortlich sind. Aber: Insgesamt schlägt sich der Tabellenfünfte exzellent. Nach dem Start gegen die beiden Kellerkinder der Liga wurden die nachfolgenden Partien gegen Oldesloe und Büppel verloren. Die Fieberkurve des SV lässt klare Tendenzen erkennen: Wenn es gegen Aufstiegsaspiranten geht, gehen die Punkte weg, gegen Clubs im unteren Mittelfeld und in der Abstiegszone gibt es Siege. Zuletzt zwei in Twist und gegen Delmenhorst. Dagegen wurden die Partien gegen Oldesloe und Mellendorf verloren. Mehr als das scheint Ahlerstedt/Ottendorf auch nicht zu können, denn nach acht Partien stehen 5 Siege und 3 Niederlagen zu Buche.
![]() Jennifer Flaspöhler (Burg Gretesch, vorn) gegen Lisa Hagemann (TSV Nahe)
Abgerutscht ist hingegen der TuS Büppel. Nach dem 5. Spieltag und einem 2:0 gegen Jahn Delmenhorst noch auf Rang zwei, platzierten sich die Grün-Weißen mittlerweile nur noch auf Platz 6. Allerdings steht die Partie in Twist noch aus. Nach dem 9:0 gegen Burg Gretesch folgten drei Siege in Serie und ein klares 0:4 gegen Nahe. Und nach dem 0:2 gegen Oldesloe ist der Titelgewinn in weite Ferne gerückt. Zwar beträgt der Rückstand auf Nahe nur 5 Punkte, aber zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich schon sagen, dass zwei Niederlagen und zwei Unentschieden, also 10 verlorene Punkte, in einer Hinrunde schon immens viel sind, will man um den Aufstieg ein Wörtchen mitreden.
HSV-Torjägerin Denise Lehmann
Davon weit entfernt sind die SG Schamerloh und Jahn Delmenhorst. Auch Schamerloh war schon mal Zweiter, nachdem sie am 3. Spieltag die FSG Twist mit 4:1 geputzt hatten. Nach Platz drei am fünften Spieltag allerdings begann der Weg ins Mittelfeld mit einem 1:5 in Oldesloe. Danach folgten zwei weitere Pleiten mit mindestens vier Gegentoren gegen Mellendorf (0:5) und Ahlerstedt/Ottendorf (2:4). Jahn Delmenhorst hat den umgekehrten Weg eingeschlagen. Am 4. Spieltag fuhren sie durch ein 3:0 gegen Schlusslicht Burg Gretesch den ersten Dreier ein, aber es folgten zunächst zwei weitere Rückschläge: Dem 0:2 in Büppel folgte eine böse 1:5-Heimpleite gegen Ahlerstedt/Ottendorf. Dann aber legten sie den Schalter um |
und holten in den folgenden Partien fünf Zähler. Darunter war die Last-Minute-Überraschung in Nahe. Das 2:2 gegen Twist und das 4:2 gegen Hastenbeck waren dann auch Pflichtpunkte. Federführend war hier Lefke Boysen, die allein in den letzten beiden Partien zweimal traf und ihre Qualität nachweisen konnte, auf die der HSV offenbar verzichten konnte.
![]() Anna Steckel, Stammspielerin bei HSV II
Während Delmenhorst sich auf den Weg ins gesicherte Mittelfeld macht, sind die letzten drei Teams akut gefährdet. Angeführt werden sie von der FSG Twist, die jedoch noch ein Nachholspiel gegen Büppel bestreiten muss. Wieder so ein Team, gegen das sich Topteams schwer tun. Mellendorf (2:1) und Oldesloe (2:0) entgingen der Blamage, HSV II. erwischte es schon am 3. Spieltag. Twist rang den Hanseatinnen ein 2:2 ab. Den bislang einzigen Sieg verzeichnete die Germania im Kellerduell gegen Burg Gretesch. Die ist trotz schlechtestem Angriff und schwächster Abwehr der Liga (5:38 Tore aus 8 Partien) nicht Letzter. Grund dafür war ein Sieg im Kampf um die berühmte rote Laterne gegen den SV Hastenbeck. Ein geschichtsträchtiges Spiel: Alice Toscani machte die ersten beiden Tore für die Osnabrückerinnen. Nach dem Anschlusstreffer von Ex-Junioren-Nationalspielerin Bianca Sauer erhöhte Birgit Hengstmann, Schützin des ersten Saisontores gegen Twist, auf 3:1. Bianca Sauer schlug zurück und markierte per Doppelpack das 3:3. Und sie hatte sogar ihren vierten Treffer auf dem Fuß, scheiterte nach Osnabrücker Handspiel vom Elfmeterpunkt. Das bestrafte Alice Toscani ihrerseits mit ihrem eigenen dritten und damit dem 4:3-Siegtor. Somit war der Wechsel am Tabellenende perfekt. Wenigstens das. Denn sowohl Burg Gretesch als auch Hastenbeck blieben den Abstiegsplätzen, die sie nach dem 4. Spieltag inne hatten, treu. Und das ist schon kurios, denn die höchsten Debakel hatte eigentlich Burg Gretesch: 0:8 beim HSV am 1. Spieltag, 0:4 in Ahlerstedt/Ottendorf, 0:9 gegen den TuS Büppel, 0:7 gegen den FFC Oldesloe. Die deutlichsten Ergebnisse für Hastenbeck waren ein 2:7 gegen Oldesloe und ein 0:5 gegen den HSV. Dagegen waren sie in Mellendorf mit 3:4 und gegen Büppel mit 1:2 nah am Punkt. Bislang reichte es jedoch nicht zu Zählbarem.
Die Tabelle des 9. Spieltags ähnelt der sechs Runden zuvor. Absteiger dieser zwei Monate ist die SG Schamerloh, die fünf Plätze einbüßte. HSV II., Oldesloe, Mellendorf, Nahe und Ahlerstedt/Ottendorf blieben nicht nur in der oberen Tabellenhälfte, sondern auch mehr oder weniger geschlossen zusammen im Aufstiegskampf. Gewinner in der zweiten Tabellenhälfte ist Jahn Delmenhorst, das 8 Punkte aus 6 Spielen holte. Das Nachholspiel zwischen dem Mellendorfer TV und HSV II. am 4. Dezember kann eine kleine Vorentscheidung bringen. Wenn Mellendorf verliert, sind sie mit fünf Punkten Rückstand ebenso wie Ahlerstedt/Ottendorf nur Außenseiter. Siegen sie, komprimiert sich das Feld auf vier Kandidaten im Abstand von zwei Punkten. Alle haben dabei eines gemeinsam: Viele junge Talente mit wenigen Routiniers. Es könnte eine unheimlich spannende Saison werden, in der jeder Topclub jeden anderen schlagen kann. Der HSV macht die "Big Points", versagt dann aber bei den vermeintlich "Kleinen". In der Hinsicht sind Nahe, Oldesloe und Mellendorf konstanter etwas, auch wenn. In den Topspielen hielt sich allein der HSV in seinen beiden Spielen schadlos, allerdings auf heimischem Geläuf. Zwei haben die Rothosen in der Hinrunde noch vor sich. Bereits alle vier hinter sich hat Oldesloe - mit durchschnittlichem Ergebnis: Pleiten gegen HSV II. und Nahe, Siege gegen Mellendorf und Ahlerstedt/Ottendorf. Nahe musste sich in drei Spielen lediglich dem Absteiger geschlagen geben. Und dass Mellendorf nur gegen Ahlerstedt/Ottendorf siegen konnte, zeigt deutlich die Relationen auf. Das schwerste Programm zum Hinrunden- und Saisonende hat der HSV vor sich. Trotzdem bleiben die Rautenträgerinnen neben den "Nachbarinnen" aus Nahe und Oldesloe die Favoritinnen - besagte 120 km². Fehler kann sich eigentlich keiner leisten und doch wieder alle, weil alle Fehler machen. Aber wer macht den entscheidenden? | |