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Frauenfußball in Schleswig-Holstein
Der Norden taut auf
Über den Aufschwung zwischen den Küsten | ||
| Von Fuxi 10.5.2005 Seit dem Abstieg des Schmalfelder SV 1997 war der HSV die Macht im Norden. Doch jetzt spürt der Bundesligist den Atem dreier Clubs aus Schleswig-Holstein im Nacken: Holstein Kiel, FFC Oldesloe und TSV Nahe. Drei kleine Vereine mit großen Ambitionen, die dem Noch-Primus seine Vormachtstellung bereits jetzt streitig machen. Besonders im Kampf um junge Nachwuchstalente. Aber woher kommt diese plötzliche Belebung? Blickt man auf die Tabelle der 1. Bundesliga, scheinen die Relationen klar: der HSV ist die Nummer 1 in Norddeutschland, während sich der VfL Wolfsburg aus dem Oberhaus verabschiedet. Seit dem ersten Aufstieg 1997 haben die Hamburger den Niedersachsen, die ehemals als WSV Wolfsburg-Wendschott auftraten, Stück für Stück den Rang abgelaufen. Aber die Hanseaten sind damit vom Jäger zum Gejagten geworden. Früher waren in der Regionalliga die Spiele gegen Victoria Gersten und die Derbies gegen Grün-Weiß Eimsbüttel die einzigen echten Prüfungen. Von schleswig-holsteinischen Clubs gab es höchstens Punkte. Bestes Beispiel dafür war die verlustpunktfreie Saison 1999/2000. Doch der Frauenfußball in der Region erlebt derzeit einen qualitativen Aufschwung. Drei Vereine machen sich daran, den HSV vom Thron zu stoßen: Holstein Kiel, FFC Oldesloe und TSV Nahe. ![]()
Szene aus dem Landespokal Viertelfinalspiel zwischen Oldeslohe und Nahe Einen Spielbericht hierzu gibt es hier: Bild: Fuxi
Auf den ersten Blick schon. Der Einblick in tiefere Zusammenhänge offenbart mehr. Zum einen waren die Bedingungen beim Wittenseer SV nicht für Regionalliga-Spitzenfußball ausgelegt, und so erreichten gute Spielerinnen nicht ihre Leistungsgrenzen. Der Mini-Platz in Groß Wittensee war allein als Kuriosum schon eine Auswärtsfahrt wert. Beim TSV Schilksee lag der Fall etwas anders: Sie durften nicht aufsteigen, weil der Club nicht die nötigen Gelder für den Regionalliga-Spielbetrieb zusammen bekam. Qualitativ wurde hochwertig gearbeitet, was als bestes Beispiel HSV-Stürmerin Kathrin Patzke beweist. Unter diesen Voraussetzungen - und ohne die vier in die zweite Bundesliga aufgestiegenen Topteams aus Gersten, Timmel, Wolfenbüttel und HSV II. - konnte man schon davon ausgehen, dass Holstein nicht unbedingt Kellerkind würde, zumal mit den Ex-HSVerinnen Tessa Schildt und Johanna Staade und auch die Junioren-Nationalspielerinnen Nina Jokuschies (U19) und Justine Pank (U17) weitere Verstärkungen integriert werden konnten. Einziger Stolperstein auf dem Weg der "Störchinnen" in die 2. Bundesliga: Der fehlende Unterbau. Ohne B-Juniorinnen keine Lizenz. Und gerade in diesem Punkt macht sich Holstein durch das "Wildern" bei den Nachbarvereinen derzeit unbeliebt. Ende offen. |
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| Lange hatte Holstein Kiel allerdings einen Verfolger aus dem gleichen Bundesland an der Hacke: den FFC Oldesloe. Im Jahr 2000 vor den Toren Hamburgs gegründet, marschierte der Club aus Stormarn bis in die Regionalliga-Spitze durch. Das "Geheim-"Rezept hier: Erfahrung. Denn mit Mirja Herrmann, Nicole Schadwell, Manuela Bleck, Claudia Wenzel und der fünfmaligen A-Nationalspielerin Thekla Krause standen im Aufstiegsjahr nicht weniger als fünf ehemalige Bundesligaspielerinnen im Aufgebot. Dazu kamen Talente wie etwa die U17-Nationalspielerin Christina Plessen. Zur Saison 2004/2005 kamen weitere Verstärkungen. Eine war U17-Nationalspielerin Josephine Hinz von der VSG Stapelfeld, die sich gegen den HSV entschied. Mit ihr kamen Theresa Blum und Gina Buchwald von den B-Juniorinnen des vor den Osttoren Hamburg gelegenen Clubs. Beide wurden feste Größen. Aus den eigenen Reihen rückte U15-Nationalspielerin Svenja Fritz nach. Insgesamt wurde der Kader gut und homogen verstärkt. Die Konsequenz daraus war Platz 2 zu Weihnachten. Mittlerweile hat sich allerdings etwas geändert. Coach Reinhardt Lindner, der angekündigt hatte, am Saisonende aufzuhören, wurden beim Angebot des Männer-Verbandsligisten TSV Bargteheide keine Steine in den Weg gelegt. Claudia Wenzel übernahm seinen Job an der Linie. Die Bedingung dafür: Sie hörte auf. Seitdem fehlt sie auf dem Feld. Die frühere Abwehrchefin des Hamburger SV war eine wichtige Figur und immer für ein Tor gut. Ihre Rolle zu übernehmen, fällt noch so mancher aus der jungen Garde schwer. Nach dem 0:5 beim SV Hastenbeck am 26. März 2005 war der FFC Oldesloe sogar auf Platz drei abgerutscht und musste seine Hoffnungen auf die 2. Bundesliga für dieses Jahr begraben. Wahrscheinlich wäre es für den inzwischen wieder Zweiten, der sich im Winter auch von Offensivspielerin Jessica Freelandt trennte, weil sie nicht in der Bezirksligamannschaft kicken wollte, auch zu früh gewesen.
Eine Mannschaft, die kräftig mithalf, den Abwärtstrend des FFC zu bestätigen, ist der TSV Nahe. Der kleine Verbandsligist, zwischen Bad Segeberg und Hamburg, haute den FFC auf dessen eigener Anlage mit 2:0 aus dem Pokal. Aber Kenner waren kaum verwundert, denn der TSV ist so etwas wie das Abbild des FFC. Auch hier gab es einen Durchmarsch (20 Spiele in der Bezirksliga bei 20 Siegen) mit bekannten Ex-Bundesliga-Größen wie Marcia Merchant (Heike Rheine) oder Birte Knop und Martina Rohde (beide HSV) und Talenten wie Bezirksliga-Torjägerin Jennifer "Daisy" Schult (41 Tore im Aufstiegsjahr), Stürmerin Wiebke Korthals (ehemals HSV-B-Juniorinnen) oder dem starken Eigengewächs Eike Peters auf dem rechten Flügel. Und wie in Oldesloe geht viel über Teamgeist und angenehme Atmosphäre. Dem TSV Nahe war - im Gegensatz zum HSV - eine Birte Knop mit 31 Jahren nicht zu alt für derzeit 19 Torvorlagen. Auch die mehrmonatige Abwesenheit von Marcia Merchant, die in schöner Regelmäßigkeit im Winter ein Männerteam auf Jamaika coacht und sich schon an den Männern des Nachbarn TuS StuSie versuchte, verkraftete die Mannschaft gut. Und so verwundert es denn auch kaum, dass der TSV nach 20 Spielen 20 Siege und 78:14 Tore aufweist, längst die Meisterfeier hinter sich hat und sich auf die Aufstiegsrunde vorbereitet. In selbiger geht es gegen die Meister aus Hamburg und Bremen.
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In Bremen, der kleine Blick sei erlaubt, ist mal wieder ATS Buntentor der Primus. Zwar seit 2 Jahren ohne Nationalspielerin Sarah Günther, die jetzt vom HSV zum 1.FFC Frankfurt wechselt, gibt der Club in Bremen den Ton an, dicht gefolgt vom Bremerhavener Club Geestemünder SC. Im Vorjahr war es der Polizei SV Bremen, der auch dank der vier Hochstufungen zur zweiten Bundesliga in die Regionalliga aufstieg - und sich nach einer halben Saison wieder Vom Spielbetrieb abmeldete. Vor dem letzten Spieltag hat Buntentor zwei Punkte und drei Tore Vorsprung auf Geestemünde - ein Unentschieden reicht also wohl nicht. In der Verbandsliga Hamburg ist hingegen alles klar. Der Niendorfer TSV führt die Tabelle zwar nur mit einem Punkt vor Grün-Weiß Eimsbüttel an, hat aber ein Spiel weniger als der Ex-Regionalligist. Der verzichtet zudem, wie schon im Vorjahr, auf die Teilnahme an der Aufstiegsrunde, genauso wie die Grandplatzspezialistinnen des drittplatzierten SC Eilbek. Niendorf hat einen guten Kader: Neben den "alten Hasen" Tanja und Kerstin Wunder (beide ehemals HSV-Regionalliga) und Tanja Tomczak (Schmalfeld) darf man dort auch Simone von Palubicki - vor der Fusion mit Schilksee beim Wittenseer SV - und Tanja Huwald (Zweitliga-Aufsteiger MTV Wolfenbüttel) bestaunen. Nicht zuletzt auch Regionalliga-Aufsteigerin Gabi Harms (TuS Büppel). Und eines kann sich Trainer Javier Navarro auf die Fahne schreiben lassen: ein 5:0 auswärts beim "Über-"Team von GW Eimsbüttel. Aber auf dem Weg zur Nummer 2 in Hamburg muss der Niendorfer TSV erstmal am SV Lurup vorbei. Der schickt sich gerade an, in der Regionalliga zu bleiben. Ein Unternehmen, das jedoch vor dem Scheitern steht. Nur 9 Punkte holten die Frauen an die Flurstraße und sind damit Letzter. Ein Punkt und 45 Tore fehlen dabei zum rettenden Ufer, an dem derzeit noch der Minimalist TSG Burg Gretesch (10 Punkte, 8:28 Tore) steht und noch ein Nachholspiel in Westerstede hat. Burg Gretesch fuhr am letzten Wochenende einen 2:0-Sieg gegen den kriselnden SV Hastenbeck ein und schoss sich so auf Platz 10, während Lurup beim Tabellenführer Kiel 0:7 verlor. Aber: eine Chance bleibt, falls Burg Gretesch das vorletzte Spiel gegen Delmenhorst verliert: am letzten Spieltag kommt es in Osnabrück zum Showdown der beiden. Wer verliert, steigt ab. Es wird ein spannender Frühsommer. Allein die Aufstiegsrunde mit dem TSV Nahe, Niendorfer TSV und voraussichtlich ATS Buntentor wird interessant. In jedem Fall dürfen sich die Frauenfußball-Fans in Norddeutschland über guten Sport in der neuen Saison freuen. Und beim HSV spürt man auch schon den schleswig-holsteinischen Atem im Nacken... | |