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Bericht von Marion Kehren
11. Juni 2012 - Und wieder ist eine Saison, mit vielen Höhen und Tiefen, in Liga zwei vorbei. Von den fünf Emporkömmlingen der letzten Saison haben es gerade einmal 3 Aufsteiger geschafft sich in der zweiten Liga zu halten. Doch die Nachfolger drängen bereits und springen nun auf den Zug Richtung zweite Liga auf, während der Mellendorfer TV, überraschender Weise der FCR 2001 Duisburg II, der viel umjubelte VfL Borussia Mönchengladbach und der FV Löchgau den Rückzug in die jeweilige Regionalliga antreten müssen.
Der Mellendorfer TV erlebte sein gefürchtetes Déjà-vu und läuft nun sogar Gefahr komplett auseinander zu brechen. Nach der desolaten Saison mit lediglich 4 Punkten und einem Torverhältnis von 19:122 ging es im Sturzflug zurück in die nächst tieferer Spielklasse. Zahlreiche Spielerinnen haben bereits angekündigt nicht mehr für den Verein in der Regionalliga antreten zu wollen. Das überraschende AUS der Zweitligavertretung aus Duisburg ist ebenfalls kaum zu verstehen, in den letzten Jahren war das Ausbildungsteam stets in der oberen Hälfte der Tabelle wieder zu finden … und nun der Totalabsturz. Auch hier bedarf es nun dringend eines Neuaufbaus. Mit einem einjährigen Zwischenbesuch der Fohlinnen aus Mönchengladbach hatte wohl auch keiner gerechnet, denn ursprünglich war angedacht die Mannschaft längerfristig in der zweiten Liga zu etablieren. Aber spätestens mit dem Abgang des Erfolgstrainers Friedel Baumann während der Saison war klar, dass hier hinter den Kulissen etwas im Argen liegt. Nur der FV Löchgau, als vierter im Bunde, stellt mit seinem Abstieg keine wirkliche Überraschung dar. Nach den zahlreichen Abgängen im letzten Jahr und den internen Unstimmigkeiten fand das Team nie wirklich Ruhe und verabschiedet sich mit mickrigen 5 Punkten und einem grausigen Torverhältnis von 22:101 in die Regionalliga.
Aber es klopfen bereits neue Vereine an die Zweitligatüre und wir wollen euch nun die fünf Kandidaten einmal näher vorstellen:
Nord: Die Störche sind zurück
Zwei Spieltage vor Schluss war es immer noch relativ spannend im hohen Norden. Am drittletzten Spieltag vergaben die Holstein Women oder besser gesagt Holstein Kiel den Matchball zum vorzeitigen Aufstieg, als sie gegen die abstiegsbedrohten Gäste des SF Wüsting-Altmoorhausen nicht über ein 1:1 hinaus kamen und den Vorsprung auf den engsten Verfolger Bergedorf 85 nicht vergrößern konnten.
Bergedorf, das vor der Saison als Meisterschaftsfavorit Nummer eins gehandelten worden war, musste sich mächtig anstrengen um die vier Punkte noch zu egalisieren. Denn nur mit einem Sieg konnten die Elstern den Vorsprung der Kielerinnen auf einen Punkt verkürzen. Bei einem Unentschieden standen die Chancen für die Kielerinnen um Cheftrainer Christian Fischer gut, den sofortigen Wiederaufstieg in die 2. Frauen-Bundesliga Nord zu realisieren. Der Tabellendritte Hamburger SV II wies hingegen fünf Punkte und zehn Tore weniger auf dem Konto aus. So kam es am vorletzten Spieltag zum großen Showdown in Hamburg-Bergedorf, als die beiden direkten Tabellennachbarn aufeinander trafen. Mit einem 1:0 Sieg durch Julia Kibbel machte das Team von Trainer Christian Fischer den Aufstieg vorzeitig perfekt. „Eine hervorragende Leistung unserer Mannschaft nach dem Abstieg und dem personellen Umbruch. Ich freue mich riesig!“, sagte Fischer unmittelbar nach dem Aufstieg in Bergedorf. Mit einer beeindruckenden Serie von zehn Spielen ohne Niederlage in 2012 katapultierte bewiesen die Holstein Women, warum sie verdient in die zweithöchste Spielklasse einziehen.
Nordost: Wiedersehen macht Freude
Nach zweijähriger Abstinenz und vielen Änderungen schickte sich ein alter Bekannter, der SV BW Hohen-Neuendorf, wieder an, sich in der zweiten Liga zurück zu melden. Vorbei die Zeiten des Missmanagements, der Zerwürfnisse, des Trainergerangels und dem Theater hinter den Kulissen. Mit Sven Thoß holte man sich 2010 keinen unbekannten Trainer, denn der Coach trainierte zuvor Tennis Borussia Berlin und bis vor einem Jahr den 1. FC Lokomotive Leipzig. Letzten Saison verfehlte man den Aufstieg nur knapp und so sollte es in diesem Jahr besser werden.
Um in dieser Saison am Ende tatsächlich ganz oben zu landen und somit in die 2. Bundesliga aufzusteigen, verstärkten sich die Blau-Weissen in der Winterpause noch einmal. So kehrte mit Henrike Schödel, die im Sommer aus gesundheitlichen Gründen eine Pause einlegen musste, eine Spielerin zurück, die bei Turbine Potsdam groß geworden war und bereits über Zweitligaerfahrung verfügte. Als weiteres verpflichtete Thoß Jasmine Moschko, die lange Zeit bei Tennis Borussia Berlin kickte. Aber trotz allem wurde die Luft in den letzten Wochen immer dünner. Zehn Punkte betrug der Vorsprung von Blau-Weiss Hohen Neuendorf in der NOFV-Regionalliga auf Platz 2 dann folgten ein Unentschieden gegen Aue (1:1) und eine 2:3-Niederlage beim BSV Al Dersimspor. Dadurch schmolz der Vorsprung auf fünf Punkte. Doch dann fanden die Blau-Weissen in die Erfolgsspur zurück und sicherten sich am vorletzten Spieltag mit einem 0:5 Sieg über den 1. FFV Erfurt und einem 5-Punkte-Vorsprung vorzeitig die Meisterschaft vor der Zweitvertretung des 1. FC Lokomotive Leipzig.
Süd: Fußballkrimi bis zum Schluss
Ein Kopf-an-Kopf Rennen bis zum Schluss boten sich der SC Sand und der SV 67 Weinberg. Zwei Tage vor Saisonende betrug der Punkteunterschied zwischen den beiden Kontrahenten nur ein mickriges Pünktchen. Eine Woche zuvor hatte Sand überraschender Weise sein Heimspiel gegen den starken Aufsteiger TSV Schwaben Augsburg mit 0:1 verloren und damit die Tabellenführung an den SV Weinberg abgeben müssen, da diese zeitgleich mit 8:1 gegen den designierten Absteiger Germania Pfungstadt gewonnen hatten.
Am letzten Spieltag der Regionalliga-Süd musste Weinberg im Sander Kühnmattstadion antreten und die Partie hielt das, was sich die heimischen Fans von ihr versprochen hatte. Von Beginn an zeigte sich Sand konzentriert und gewillt, das Spiel unter Kontrolle zu bekommen. Es war wahrscheinlich die beste Saisonleistung seit dem Abstieg aus der zweiten Liga im vergangenen Sommer. Mit einem überlegenen 4:0 Heimerfolg, durch die Tore von Annika Niemeier, 2x Désirée Schneider und Sinah Amann, gegen den bisherigen Tabellenführer SV 67 Weinberg sicherten sich die Frauen des SC Sand mit ihrem Coach Oliver Dewes schlussendlich die Meisterschaft in der Regionalliga Süd und den direkten Wiederaufstieg in die zweite Liga.
Südwest: Neuling hält Einzug
Zwei Spieltage vor Schluss stand zwar immer noch nicht der Aufsteiger aus der Regionalliga-Südwest fest, aber eines war 100% sicher: Es würde ein neuer Name auf der Landkarte auftauchen! Bis zum vorletzten Spieltag lieferten sich der SV Bardenbach und der SV Furpach einen erbitterten Kampf um die Tabellenspitze. Doch am vorletzten Spieltag wurden die Weichen in Bardenbach auf Aufstieg gestellt, als man im Direktvergleich Furpach eine mehr als bittere 0:5 Heimniederlage bescherte. Mit drei Punkten Vorsprung und einem Torverhältnis von 63:18 war somit der Aufstieg vor dem letzten Tag schon fest verbucht. Zweifache Torschützin übrigens keine Unbekannte, denn Ann-Kathrin Schinkel wechselte erst in der Winterpause vom Krisenclub 1. FC Lokomotive Leipzig zurück ins Saarland.
Früh hatte Spielertrainerin Nadine Dillenburger die Richtung angegeben, denn nach zwei Jahren in der Regionalliga sollte nun endlich der heiß ersehnte Aufstieg klappen. „Wir haben unseren Kader, der insgesamt 29 Spielerinnen umfasst, nicht nur in der Breite, sondern auch mit viel Qualität ergänzen können“, so die Trainerin Anfang der Saison. Insbesondere profitierte der SV von der Nähe zum 1. FC Saarbrücken. Nach deren Abstieg aus Liga 1 wechselten mit Vicky Hinsberger, Caroline Salm und Vanessa Skradde gleich drei Spielerinnen vom FCS in den Hochwald. Auch Dilleburger selber kickte viele Jahre für Saarbrücken, bevor sie ihre Zelte in Bardenbach aufschlug. Bardenbach hat aber auch noch einen weiteren Pluspunkt zu verbuchen, denn der Verein ist für seine gute Nachwuchsarbeit in der Region bekannt und geachtet. Viele junge Kickerinnen reißen sich darum in Bardenbach Fußball spielen zu dürfen.
Für den SV Bardenbach selber ist der Aufstieg in die 2. Bundesliga der bisher größte Erfolg in der Vereinsgeschichte. Knapp 230 Vereinsmitgliedern zählt der Club und wurde 1946 gegründet. Zurzeit unterhält der Verein neben diversen Herrenklassen zwei Frauenmannschaften, eine B-Juniorinnen Regionalligamannschaft, eine C- sowie eine D-Mädchenmannschaft. Bardenbach mit seinen 900 Einwohnern ist übrigens ein Stadtteil von Wadern im Landkreis Merzig-Wadern im nördlichen Saarland.
West: Recklinghausen ist wieder da
Aus Fehlern wird man klug dachte sich wohl auch Recklinghausens Coach Jörg Amthor nach dem letztjährigen schmerzlichen Abstieg aus der zweithöchsten Spielklasse. Zu wenig Kombinationsspiel, schlechte Absprachen und das Nichtnutzen der vorhandenen Chancen und Ressourcen waren wohl das Hauptproblem in der abgelaufenen Saison und die Gründe für den Abstieg. Dennoch konnte das Team größtenteils zusammen gehalten werden und wurde in manchen Positionen punktuell verstärkt (FanSoccer berichtete). Von Anfang an galt der FFC Recklinghausen als einer der Favoriten auf den Aufstieg, genauso wie der VfL Bochum 1848, der tunlichst im dritten Anlauf nun den Sprung in Liga zwei schaffen wollte. Waren es im letzten Jahr die Fohlinnen aus Mönchengladbach, musste man in der davorliegenden Saison den jetzigen Hauptgegner Recklinghausen schon einmal ziehen lassen … 2012 nun endlich eine Revanche??? Gespickt mit einigen Zweitligaspielerinnen u.a. Daniela Ließem, Janine Ganser und Lena Schüth strebte Bochums Coach Arthur Matlik in dieser Saison den heiß ersehnten Aufstieg an.
Die munteren Wechselspielchen an der Tabellenspitze hielten auch weiter an, bis zum vorletzten Spieltag der Regionalliga-West, denn dort trafen genau ebengenannte Teams im rewirpowerStadion in Bochum aufeinander. Mit 1:1 trennten sich im Topspiel der Frauen-Regionalliga, vor mehr als 400 Zuschauern, die Kontrahenten. Somit blieb es beim Zwei-Punkte-Vorsprung des FFC, dem im letzten Heimspiel gegen Bayer Leverkusen II, aufgrund des besseren Torverhältnisses, sogar ein Remis reichen sollte. Diesen Matchball lies sich das Team von Jörg Amthor auch nicht mehr nehmen und fegte die Werkself am Sonntag mit 4:0 vom Platz, während Bochum zeitgleich mit 1:0 in Ibbenbüren patzte. Somit steigt Recklinghausen, nach nur einem Jahr Abstinenz wieder in die zweithöchste Spielklasse auf.
Wir wünschen allen fünf Aufsteigern viel Erfolg in der kommenden Saison!
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