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Untere Ligen

Gekommen um zu bleiben!

Aufstieg in die 2. Liga - so spannend wie nie

Bericht von Marion Kehren

8. Juni 2011
   Noch nie qualifizierten sich die Aufsteiger in die 2. Bundesliga so spät wie in dieser Saison. Äußerst spannend zeigten sich besonders die Regionalligen West, Süd und Nord-Ost. Bei allen dreien wurde der Aufsteiger erst am letzten Spieltag ermittelt. Auch in diesem Jahr möchte FanSoccer euch die Aufsteiger einmal näher vorstellen.


Die erste und auch die zweite Liga sind bereits seit Wochen beendet und nun haben auch die Regionalligisten die Zielgerade erreicht. Und wie jedes Jahr steigen fünf Regionalligateams eine Etage höher. Bedingt durch die Abmeldung der zweiten Mannschaft des Hamburger SV (zweite Bundesliga-Nord) entfällt allerdings in diesem Jahr die Relegation und alle Meister steigen direkt in die zweithöchste Spielklasse auf.


Nord: Im zweiten Anlauf soll alles besser werden

Der Mellendorfer TV schaffte in einer Nachholpartie am 3. Mai 2011 den lang ersehnten Wiederaufstieg in die zweite Bundesliga. Gegen die SG Jesteburg gab sich das Team von Trainer Harald Seybusch keine Blöße und feierte mit einem 1:9 Kantersieg und einem nicht mehr einzuholenden Punktepolster die Rückkehr in die zweithöchste Spielklasse. Zugleich schafften die MTV-Frauen aber auch einen Vereinsrekord: 10 Siegen in Folge – das hatten sie bis dato noch nie in ihrem fünfjährigen Regionalligadasein geschafft. Einer Nationalspielerin dürfte der Aufstieg ihres alten Vereins besonders freuen: Torfrau Tessa Rinkes! Die jetzige Keeperin des Herforder SV wurde während ihrer Zeit beim MTV mit der U-19-Nationalmannschaft Vizeeuropameisterin und Weltmeisterin.

Bereits in der Saison 2007/2008 hatte man dieses Kunststück „Aufstieg“ fertig gebracht. Dort belegte die Mannschaft nach anfänglichen Startschwierigkeiten noch den 10. Platz und musste in die Abstiegsrelegation gegen den Tabellenzehnten der Südgruppe, dem FV Löchgau. Nach einem 1:1 im Hinspiel gewann Löchgau das Rückspiel in Mellendorf mit 1:0 und schickte den MTV zurück in die Regionalliga.

Aber dieses Mal will der Verein es besser machen. Das Team soll nach Möglichkeit bestehen bleiben und punktuell mit Spielerinnen aus der Region verstärkt werden, für große Sprünge ist kein Geld vorhanden. Zudem unterschrieb der zukünftige Zweitligist just einen Kooperationsvertrag mit dem Bundesligisten Hannover 96, mit dem Ziel der Leistungssteigerung des Trainings- und Spielbetriebes. Man ist gewarnt und möchte tunlichst kein Déjà-vu erleben. Bleibt zu hoffen, dass dieser Kooperationsvertrag nicht auch nur wieder eine Finte ist wie bei manch anderen Frauenvereinen; denn lt. DFB-Statuten sind die Männervereine dazu angehalten die Frauenvereine zu unterstützen, was aber noch lange nicht überall geschieht.


(Bild links: Mit einer kräftigen Sektdusche und viel Jubel wurde beim Mellendorfer TV der Aufstieg gefeiert. Foto: Michael Kunte)


Nordost: Kopf an Kopf-Rennen bis zum Schluss

Äußerst spannend ging es in diesem Jahr in der NOFV-Regionalliga zu. Mit dem SV Blau-Weiss Hohen Neuendorf, 1.FC Lokomotive Leipzig II und dem FF USV Jena II standen gleich drei mögliche Bewerber für die zweite Liga parat. Das Glück war auf der Seite der Jenaer, die es am letzten Spieltag selber in der Hand hatten. Mit einem 3:1 Sieg über den FC Erzgebirge Aue überholten sie am letzten Spieltag noch ihre Konkurrenten und verwiesen diese auf die Plätze zwei und drei.

Im Gegensatz zur Situation vor drei Jahren scheint man den Aufstieg diesmal wahrnehmen zu wollen. Damals nach der Saison 2007/08, als Jenas Zweite ebenfalls Regionalligameister wurde, verzichtete der FF USV auf den Aufstieg in die 2.Bundesliga, da der gleichzeitige Aufstieg  der ersten Mannschaft ins Oberhaus schon genug an organisatorischem und finanziellem Aufwand kostete und man sich nicht übernehmen wollte. Aber nun soll alles anders werden, auch wenn sich der Verein immer noch in unruhigen Zeiten befindet. Nach dem ganzen Hickhack der letzten Monate und jetzt mit der Aufgabe, zwei halbwegs angemessene Mannschaften zusammenzustellen, die beide nach Möglichkeit die Spielklasse halten sollen, hat sich der Verein viel vorgenommen. Dazu kommen nun auch höhere Aufwendungen für die Zweite, z.B. Fahr- und Übernachtungskosten. Es sieht fast so aus, als stehen und fallen beide Mannschaften mit der endgültigen Entscheidung über die Trainerdiskussion beim FF USV Jena. Wir erinnern uns: Noch agiert man nur mit einer Zwischenlösung mit Erlaubnis des DFB, die aber schnellstmöglich geändert werden soll.


(Bild rechts: Pokalübergabe an die überglückliche Kapitänin Dana Walther (Mitte) und Anne Pochert (die als eine der wenigen Spielerinnen bereits über Zweitligaerfahrung verfügt. Foto: Steffen Langbein)

Süd: Durchmarsch „par excellence“

Wenn mLaura Killan noch an Fußballmärchen glauben würde, so gäbe es mit Sicherheit eines aus Würzburg zu erzählen. Mit einem guten Konzept, punktueller Verstärkung des Teams und kontinuierlicher Arbeit schaffte der Verein ETSV Würzburg jetzt das Unmögliche: Den Durchmarsch von der Bayernliga in die 2. Bundesliga! Aber auch hier entschied sich der finale Erfolg erst auf der Schlussgeraden gegen die Mitkonkurrenten SV 67 Weinberg und FFC Wacker München. Weinberg und Wacker verloren beide ihre Partien gegen die Unterfranken und konnten diesen Punkterückstand nicht mehr aufholen. In 42 Punktspielen holte das Team um Trainer Gernot Haubenthal 37 Siege, 4 Unentschieden und nur 1 Niederlage.

Das Team scheint gut gerüstet und hatte bereits in den letzten Jahren Spielerinnen mit Erst- und Zweitligaerfahrungen verpflichtet. Neben Cecilia Gaspar (ehemals SG Essen-Schönebeck) wurde das Team größtenteils mit Spielerinnen des TSV Crailsheim (Daniela Held, Stefanie Kübler, Julia Manger, Carina Breunig, Martina Honecker) verstärkt. Alle wissen, dass in der zweiten Liga ein anderer Wind weht und die Anforderungen an Verein und auch an Spielerinnen zunehmen wird. Doch man scheut sich nicht davor, ganz im Gegenteil. Frischen Mutes und mit viel Selbstvertrauen im Gepäck marschiert man munter weiter in das Abenteuer 2. Liga. Ziel ist es nicht nur die Klasse zu halten, sondern man möchte sich möglichst schnell in der erweiterten deutschen Spitze etablieren. Um dies zu ermöglichen wurden bereits die ersten Neuverpflichtungen bekannt gegeben. Mit Anika Höß vom Hamburger SV wechselt gar eine Juniorenweltmeisterin nach Würzburg. Daneben verpflichtete man u.a. auch Romina Kuffner vom SC Freiburg. Aber es sollen noch mind. zwei „Hochkaräter“ folgen. Ein riesiger Pluspunkt für den ETSV ist mit Sicherheit die Anbindung an die große Universität, die den Kickerinnen neben dem Sport noch die Möglichkeit bietet, ein Studium zu absolvieren.


(Bild links: Durchmarsch von der Bayernliga in die 2. Liga, ohne Zwischenstop - Der Frankenexpress! Foto: ETSV)


Südwest: Alleinherrschaft in der Liga und im Pokal

Quasi eine Alleinherrschaft in der Regionalliga Südwest zelebrierte in dieser Saison die zweite Mannschaft vom Bundesligisten Bad Neuenahr. Von Anfang der Saison an drückte der SC 07 Bad Neuenahr II der Regionalliga Südwest seinen Stempel auf. Ab dem 2. Spieltag stand das Team von Coach Karl-Peter Stümper ununterbrochen an der Tabellenspitze und konnte auch in den Spitzenpartien nicht von den ärgsten Kontrahenten TuS Issel und 1. FFC Montabauer bezwungen werden. Die endgültige Entscheidung über den Aufstieg viel allerdings erst am vorletzten Spieltag, als Issel gegen Dirmingen mit 0:3 unterlag und die Kurstädterinnen sich gleichzeitig in Wörrstadt einen Punkt sichern konnten. Auch in der Torjägerinnensammlung gab die Zweitvertretung Neuenahrs ein gutes Gesamtbild ab. Mit Katharina Sternitzke (25 Tore) und Jasmin Stümper (21 Tore) belegten gleich zwei Spielerinnen die Plätze 1 und 2. Jana Sebastian (13 Tore) rundete das Gesamtbild in der Torschützinnenliste mit Position 8 ab. Das das Team keine Eintagsfliege ist und besonders durch eine geschlossene Mannschaftsleistung auffällt, zeigte sich erst vor wenigen Wochen, als man sich mit einem 5:2 Sieg über den TuS Issel zum sechsten Mal den „Rheinlandpokal“ holte.

Bad Neuenahr, als gestandener Frauenfussballverein, dürfte vor der zweiten Liga nicht bange sein, denn man verfügt über genügend Erfahrung und hochtalentierte Nachwuchskickerinnen. Mit einer hervorragenden Jugendarbeit gehören die Juniorinnenteams bundesweit zu den besten Nachwuchsmannschaften und erweisen sich seit Jahrzehnten als wahre Titelsammler.


(Bild rechts: Ausgelassene Freude am vorletzten Spieltag beim Auswärtsspiel in Wörrstadt, soeben hatte Bad Neuenahr II mit einem Unentschieden den letzten wichtigen Punkt für den Aufstieg gesichert. Foto: Guido Kölzer)

West: Besser als jeder Krimi

Gipfeltreffen auf dem Nebenplatz des rewirpowerStadions in Bochum (Fansoccer berichtete): Am letzten Spieltag der Regionalliga West kam es zum großen Showdown der beiden Aufstiegsaspiranten VfL Bochum 1848 und VfL Borussia MöncLaura Killhengladbach. Wie bereits in der letzten Saison (damals scheiterten gleich beide im Aufstiegskampf gegen den 1. FFC Recklinghausen) schenkten sich beide Teams nichts und wechselten sich während der Saison immer munter an der Tabellenspitze ab. Doch dieses Mal behielt die Borussia aus Mönchengladbach die Nerven und schlug im Direktvergleich, dank Leonie Zellmann und Eyline Lupprich, die Westfalen aus Bochum gleich zwei Mal.

Im zweiten Jahr als Cheftrainer bei der Borussia hat Friedel Baumann es nun geschafft und ein Team geformt, welches am Ende auch das ersehnte Ziel erreicht hat… und das pünktlich zur Frauenfußball-WM im eigenen Stadion, da lacht das Fohlenherz umso lauter. Wie weit Baumann sein Team wird halten können bleibt abzuwarten. Bis dato war Mönchengladbach nicht gerade für seine großen Investitionen im Frauen- und Mädchenbereich bekannt, ganz im Gegenteil. Aber jetzt muss investiert werden, denn ein großer Name reicht noch lange nicht aus, um die Konkurrenz in Angst und Schrecken zu versetzen. Aber wer weiß das nicht besser als der ehemalige Co-Trainer von Martina Voss-Tecklenburg in Duisburg? ... und vielleicht besteht ja dann auch die Möglichkeit die Spielerinnen einmal mit Trikots in der passenden Grösse auszustatten :-)

Bochums Trainer Thomas Reis hingegen, der den Verein zum Saisonende verlassen wird, schaffte es mit seinem Team auch im dritten Anlauf nicht, in die 2. Bundesliga aufzusteigen. Für seinen Nachfolger Arthur Matlik (ehemaliger Zweitligaspieler) wird es jetzt schwer werden, das Team aufs Neue zu motivieren und das gesetzte Ziel im nächsten Jahr wieder in Angriff zu nehmen.


(Bild links: Gladbachs Kickerinnen Rebecca Schröder und Pia Richter freuten sich diebisch über den 1:3 Sieg in Bochum und präsentierten prompt die eigens gebastelte Meisterschale. Foto: Marion Kehren)


2. Liga vor unsicherer Zukunft

Gerade die Entwicklung in der 2. Liga wirft doch einige Sorgenfalten auf die Stirn der Verantwortlichen. Um Geld einzusparen, werden vielerorts die Etats gekürzt und Spielerinnenverträge aufgelöst. Dies birgt allerdings auch einige Risiken, so sind die Spielerinnen ohne Vertrag nicht mehr krankenversichert und können jederzeit den Verein wechseln. Die Kostenlast hängt schwer auf den Schultern der Vereine, sodaß z.B. eine etablierte und traditionsreiche Mannschaft wie der Hamburger SV es vorzieht, seine 2. Mannschaft ganz zu streichen und aus dem Spielbetrieb abzumelden. In Duisburg und Bad Neuenahr versucht man daher selbstständig eigene Sponsoren für die zweite Mannschaft zu gewinnen, um den geschätzten Saisonetat von ca. 150.000,00 € halbwegs sichern zu können. Neuaufsteiger Bad Neuenahr II geht just mit diesem „Problem“ an die Öffentlichkeit und wirbt nun zudem auf der Internetplattform „Facebook“ um Spenden bei Freunden, Verwandten und Bekannten.







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