Untere Ligen2. Liga, wir kommen!Die Regionalligen auf der Zielgeraden | ||
Text von Christian Heidler 20.05.2010 Während für die Bundesligen nur noch der Ausgang der Relegation offen ist, sind auch in den Regionalligen bereits fast alle Würfel gefallen. Fünf Aufstiegsplätze zur 2. Bundesliga sieht die Spielordnung vor, die grundsätzlich von den Meistern der fünf Regionalligen beansprucht werden können. Die nachfolgende Rundschau gilt den (potentiellen) Aufsteigern und ihren Ligen. Dabei kann schon vorausgeschickt werden, dass in 2 Regionalligen die Saison bereits abgeschlossen ist und in weiteren 2 Staffeln der Aufsteiger bereits fest steht. Offen und äußerst spannend bleibt aber das Rennen im Westen!
Nord: Neuling aus der Boomregion
![]() Besarta Shabani (rechts) und der Mellendorfer TV haben den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga verpasst Das Oldenburger Münsterland gilt als Boomregion Niedersachsens. Und ein wenig spiegelt der Ballspielverein Cloppenburg von 1919 diesen Aufstieg mit seinen Frauen wider. Als der im Landkreis Cloppenburg belegene SV Höltinghausen gleich nach seinem Aufstieg in die Regionalliga 2007 Vizemeister wurde, war den Verantwortlichen schnell klar, dass in der Mannschaft das Zeug zu Höherem steckte. Da der Verein nicht über ausreichende Infrastruktur und finanzielle Mittel für die 2. Bundesliga verfügte, suchte man einen starken Verbündeten und fand ihn in der Kreisstadt. Nach dem Wechsel der Mädchen- und Frauenfußballmannschaften zum BVC ging es ab der Spielzeit 2008/09 unter dessen Wappen an das Projekt Aufstieg. Dabei mussten sie letztlich nur dem SV Werder Bremen den Vortritt lassen. Im zweiten Anlauf hat es jetzt aber geklappt! ![]() Andrea Görken als Zweitligaspielerin von Viktoria Gersten im Duell mit Ayleen Yaren von Tennis Borussia Berlin. Vielleicht gibt es diesen Zweikampf nächste Saison wieder - mit Görken im Trikot des BV Cloppenburg Zusätzlich steht der Verein ja auch noch im Finale des Niedersachsenpokals, den man kommendes Wochenende in Barsinghausen gegen den ATSV Scharmbeckstotel gerne auch noch gewinnen möchte. Für den DFB-Pokal ist Cloppenburg als Aufsteiger ohnedies schon qualifiziert. Nachdem die Männer des Vereins bereits 2006 im DFB-Pokal spielen konnten und nur knapp mit 1:0 dem damaligen Bundesligisten 1. FC Nürnberg unterlagen, hoffen auch die Frauen des BVC einen prominenten Gegner im Stadion an der Friesoyther Straße empfangen zu können. In der Liga dürfen sich die Fans, die BVCebras, auf so bekannte Namen wie Werder Bremen und Hamburger SV (II) aus dem Norden oder Turbine Potsdam (II) und vermutlich Lokomotive Leipzig aus dem Osten freuen. Weitere Saisonhöhepunkte sind dann sicherlich die Derbys gegen Viktoria Gersten. Von dort stießen übrigens mit Kim Schlösser, Sabrina Vogelpohl und Andrea Göken auch zweitligaerfahrene Spielerinnen zum BV Cloppenburg. Man darf gespannt sein, wie sich dieses neue Gesicht im bundesweiten Frauenfußball noch verstärken und präsentieren wird.
Nordost: Finanzen und Sportpolitik entscheiden den Aufstieg
Jens Kohnke war Erfolgstrainer und Ressortleiter der Frauen beim 1. FC Lübars. Nach dem Auswärtssieg in Erfurt am 18.04.2010 gab er den Rücktritt von all seinen Ämtern bekannt
Diese Begegnungen entscheiden zwar über den Ausgang der Meisterschaft, nicht jedoch über den Aufstieg in die 2. Liga. Aufgrund finanzieller Probleme hat das Ziehkind des Sächsischen Fußball-Verbandes nämlich keine Zweitligalizenz beantragt. Überhaupt gibt es beim einst so ambitionierten Leipziger FC 07 eine Zäsur. Die heftige Konkurrenz zum Lokalrivalen 1. FC Lokomotive Leipzig soll ein Ende finden. Ein Kooperationsvertrag zwischen beiden Vereinen öffnet dem 1. FC Lok das sächsische Leistungszentrum für Mädchen- und Frauenfußball am Leipziger Gontardweg und „schützt” ihn künftig davor, im LFC 07 eine Konkurrenz in der 2. Bundesliga zu bekommen. Des einen Leid ist des anderen Freud. In Lübars, wo es eine fast 40 Jahre währende Frauenfußballtradition gibt, wird man kommende Saison also keine Derbys mehr gegen Lichterfelde, Marzahn und Union Berlin bestreiten, sondern eine Klasse höher gegen Turbine Potsdam II und TeBe Berlin. Es |
wird übrigens mit der zweithöchsten Spielklasse die gleiche Ebene sein, auf der dann auch die Männer von Hertha BSC auf Punktejagd gehen werden. Schon jetzt spielen die Frauen von Lübars in den Trikots des Kooperationspartners. Ob Hertha angesichts des eigenen Abstiegs und seiner finanziellen Nöte in der Lage sein wird, seinem weiblichen „Patenkind” auch ausreichend unter die Arme zu greifen? Ob es nach den vereinsinternen Querelen bei Tennis Borussia einige Spielerinnen von Charlottenburg nach Reinickendorf zieht? Ob sich die „Hertha-Damen” länger als Union oder Hohen Neuendorf in der 2. Bundesliga behaupten kann? Zahlreiche Fragen begleiten den Weg von Lübars in das Fußball-Unterhaus.
Süd: Der Favorit schafft den Durchmarsch
![]() Hoffenheims U17-Nationalspielerin Stephanie Breitner am Ball, hier in einem Testspiel gegen den FV Löchgau im Sommer 2009. Nun werden die beiden Teams in der zweiten Liga Süd gegeneinander antreten! Doch zur Winterpause sah es für Hoffenheim noch gar nicht nach einem Spaziergang durch eine Liga aus, in der grundsätzlich jede Mannschaft in der Lage war, jeden zu bezwingen. Ausgerechnet Mitaufsteiger SG Germania Wiesbaden machte da den Hoffenheimerinnen den Platz an der Sonne streitig! Dass nicht alle Bäume gleich in den Himmel wachsen, das hatte die Elf aus dem Kraichgau spätestens nach dem 6. Spieltag realisiert, als man beim TSV Jahn Calden eine deftige 5:0-Klatsche kassierte. Beim nächsten Heimspiel folgte dann auch noch eine Niederlage mit 2:3 gegen den SV Weinberg. Fortan gab die TSG aber keine Punkte mehr gegen Aufstiegskonkurrenten ab, verlor lediglich beim 0:0 in Roßdorf noch mal 2 Punkte und enteilte dem Rest der Liga. Damit erfüllt sich der Wunsch des TSG-Mäzenen Dietmar Hopp sowohl im Männer- als auch im Frauenfußball auf Bundesebene präsent zu sein. Der Frauenfußball bei dem Dorfverein aus dem Rhein-Neckar-Kreis ist noch sehr jung. Bezieht man aber den Vorläufer SG Mühlhausen/St. Leon in die Betrachtung ein, so gibt es eine kurze, aber sehr erfolgreiche Geschichte bei dem Verein, der seit einigen Jahren sein Gründungsjahr 1899 etwas krampfhaft in den Vordergrund stellt. Die Wurzeln des Mädchen- und Frauenfußballs der TSG liegen im Jahr 2000 in St. Leon-Rot. Dort, wo ab 2004 das Jugendförderzentrum von Dietmar Hopp entstand, wurde eine ausgezeichnete Jugendarbeit verrichtet. Erste Früchte waren z.B. die Teilnahmen an der Süddeutschen Meisterschaft und Berufungen von Talenten in DFB-Auswahlmannschaften. Seit der Saison 2007/08 firmieren alle Mannschaften unter der TSG Hoffenheim. Um die erfahrene Sabrina Esslinger (geb. Rastetter) hat Cheftrainer Jürgen Ehrmann ein junges und hungriges Team formiert, das sich gewiss auch in der 2. Bundesliga behaupten wird.
Südwest: Rückkehr eines Altmeisters ![]() Sie trifft und trifft und trifft! Birgit Bernhart hat mehr als ein Drittel der mittlerweile 100 Ligatore für den 1. FFC 08 Niederkirchen diese Saison erzielt. Das Bild zeigt Bernhart in ihrer Zeit als Kapitänin der zweiten Mannschaft des 1. FFC Frankfurt, gegen die sie nun in der nächsten Saison spielen wird
Ein Drittel der erzielten Treffer geht alleine auf das Konto von Birgit Bernhart. Mit ihren 34 Einschüssen führt die Nr. 10, die zudem auch Co-Trainerin ihrer Mannschaft ist, die aktuelle Torschützenliste deutlich vor Dirmingens Ramona Weyrich an, die 28 mal ins Schwarze traf. In Silvana Arcangioli (16 Tore), Melanie Weber (14) und Nadine Anton (12) stehen Chefcoach Torben Meyer aber auch mehrere treffsichere Alternativen zur Verfügung. Mit Niederkirchen wird nun also ein klangvoller Name ins Blickfeld zurückkehren. Der 1. FFC 08 Niederkirchen ist schließlich Nachfolger des einst so erfolgreichen TuS Niederkirchen (Deutscher Meister 1993). Die Ausgliederung des Frauen- und
Mädchenfußballs in einen eigenständigen Verein war notwendig geworden, da der Altverein sich nicht mehr in der Lage sah, Bundesligafußball zu finanzieren und deswegen die Mannschaft trotz sportlicher Qualifikation nicht mehr für die Spielzeit 2008/2009 zur 2. Bundesliga meldete. Nach 2 Jahren in der Regionalliga kehrt Niederkirchen wieder auf die Bundesebene zurück.
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West: Spannender Dreikampf ![]() Den Niederrheinpokal hat Borussia Mönchengladbach gerade gewonnen. Nun soll die Meisterschaft in der Regionalliga West folgen Die Frauenfußball-Abteilung beim niederrheinischen Traditionsverein wurde 1995 mit Unterstützung des Managers Rolf Rüssmann gegründet. Vergangene Saison spielte die Borussia noch in der Verbandsliga und schaffte mit einem Torverhältnis von 132:14 den Regionalligaaufstieg. Der neue Übungsleiter Friedel Baumann war zuvor im Trainerteam des FCR 2001 Duisburg und kennt sich im Frauenfußball somit gut aus. Mit Eyline Lupprich weiß er die derzeit erfolgreichste Torschützin (20) der Liga in seinen Reihen. Mit dem 1. FFC Recklinghausen versucht sich ein weiterer Aufsteiger am Durchmarsch in die 2. Liga. Dem reinen Frauenfußballverein steht mit dem FC Schalke 04 ein starker Kooperationspartner zur Seite. Im Team von Trainer Oliver Schubert stehen auch einige Spielerinnen, die bereits in höheren Spielklassen aktiv waren wie z.B. Monique Langpohl, Carmen Israel oder Jennifer Balkenhol. Bekannteste Blau-Weiße ist die seit 2008/09 für Duisburg spielende U 17-Europameisterin Alexandra Popp. Carmen Israel spielte schon einmal mit der SG Wattenscheid 09 in der ersten Liga. Inzwischen tritt sie für den 1. FFC Recklinghausen gegen den Ball und kann sich noch Hoffnungen auf einen Aufstieg in die 2. Liga machen Aus Westfalen stammt auch der Dritte im Bunde, der TuS Harpen. Der Club aus dem Bochumer Norden weiß den großen Nachbarn VfL hinter sich und wird seine Mädchen- und Frauenfußballabteilung zusammen mit dem bisherigen Lokalrivalen SG Wattenscheid 09 beim VfL Bochum 1848 einbringen. Aus Harpen stammen u.a. die Nationalspielerinnen Petra Landers und Annike Krahn sowie Tanja Schulte, inzwischen Trainerin des Bundesligaaufsteigers Herforder SV Borussia Friedenstal. Aktuell stehen Spielerinnen wie Mirja Kothe, Hue-Man Cao oder Goalgetterin Carolin Ekamp für die Klasse des Vereins. Fraglich ist allerdings, ob sich Roger Dorny und seine Frauen wirklich über eine Meisterschaft freuen könnten. Der VfL hat nämlich beantragt, dass die Spielklassenzugehörigkeiten der Wattenscheider Mannschaften zum 01.07.2010 auf den VfL Bochum übertragen werden und nicht die von TuS Harpen – und die SGW ist gerade aus der 2. Bundesliga abgestiegen, selbst bei Gewinn der Meisterschaft durch Harpen könnte der VfL Bochum also nicht aufsteigen. ![]() Mirja Kothe spielte vor Jahren bereits einmal für die SG Essen-Schönebeck in der 1. Bundesliga, musste dann aber aus beruflichen Gründen kürzer treten und spielt inzwischen bei TuS Harpen. Die Meisterschaft in der Regionalliga West kann ihr Team noch holen, der Aufstieg würde damit aber nicht verbunden sein
Die 2. Liga wird professioneller
Selbst der Weg des Frauenfußballs vom SV Höltinghausen zum BV Cloppenburg macht deutlich, dass kleine Dorfvereine kaum noch den hohen Anforderungen an Bundesligafußball gewachsen sind. Vor allem bedarf es ausreichender finanzieller Ressourcen, wie das Negativbeispiel Leipziger FC 07 verdeutlicht. Wo es an Geld und guter Infrastruktur mangelt, da muß zumindest überdurchschnittliches Engagement gezeigt werden. Weil in Mischvereinen dem Frauenfußball nur selten die benötigte große Unterstützung gewährt wird, bleibt meist nur der Gang in einen eigenständigen FFC; so wie in Niederkirchen erfolgreich praktiziert.
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