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Das Frauenfußball-Magazin



Bundesligen und Regionalligen

Blick voraus und nach oben

Von Lizenzanträgen und (möglichen) Aufsteigern

Text von Christian Heidler

04.05.2009   Die laufende Saison ist noch gar nicht beendet, da geht schon der Blick voraus in die neue Runde. Wer wollte aufsteigen und wer hat dies schon geschafft oder steht kurz davor?

Die Zeiten, in denen für die höchsten Ligen alleine die sportliche Qualifikation maßgeblich war, sind auch im Frauenfußball längst Vergangenheit. Auch wirtschaftliche und technisch-organisatorische Voraussetzungen sind von den Klubs zu erfüllen, um am Spielbetrieb der Frauenbundesligen teilnehmen zu können. Zum Nachweis, dass eben diese Anforderungen für die Saison 2009/2010 erfüllt werden können, hatten die Vereine dem DFB-Ausschuß für Frauen- und Mädchenfußball entsprechende Unterlagen bis 2. März einreichen müssen.

Anja Roth und Sarah Karnbach

Einen spannenden Zweikampf um den Bundesligaaufstieg liefern sich im Süden der VfL Sindelfingen und der 1. FC Saarbrücken, hier personalisiert durch Anja Roth und Sarah Karnbach.

Bild: Roland Baumann

Um es vorweg zu nehmen, richtige Überraschungen hat es bei den Lizenzanträgen nicht gegeben. Alle Erstligisten und sämtliche Zweitligisten haben ihre Unterlagen eingereicht. Acht Zweitligisten haben sich auch für die Eliteklasse beworben. Aus der 2. Bundesliga Nord meldeten sich Tennis Borussia Berlin, FC Gütersloh 2000, Holstein Kiel und 1. FC Lokomotive Leipzig. Sportlich entschied sich das Rennen in der Nordstaffel endgültig am vergangenen Spieltag als TeBe durch einen 2:1-Sieg in Gütersloh auch die letzte theoretische Chance des nächsten aufstiegsberechtigten Rivalen zunichte machte. Berlin ist wieder erstklassig!

In der 2. Bundesliga Süd läuft noch ein packender Zweikampf um die Meisterschaft zwischen dem VfL Sindelfingen und dem 1. FC Saarbrücken, die beide nur ein Punkt voneinander trennt. Beide Vereine haben für die 1. Bundesliga gemeldet, genauso wie die bereits früh aus dem Aufstiegsrennen ausgeschiedenen Vereine SG Wattenscheid 09 und Bayer 04 Leverkusen. Da die direkten Duelle zwischen Sindelfingen und Saarbrücken bereits über die Bühne sind, hat es der VfL nun selbst in der Hand, die Rückkehr in die Eliteklasse perfekt zu machen.

 Christina Schellenberg und Pia Wunderlich

Christina Schellenberg, U20-Nationalspielerin, spielte vergangene Saison beim FC Bayern München auch in der 1. Bundesliga (hier im Zweikampf mit Frankfurts Pia Wunderlich), kehrte aber zum SV 67 Weinberg zurück und spielt nun um die Meisterschaft in der Regionalliga Süd mit.

Bild: Markus Römer

Interessant ist der Blick nach unten. Wer wird aus den fünf Regionalligen in die Zweitklassigkeit aufsteigen? Hier fielen am Wochenende einige (Vor-)Entscheidungen.

Mit dem 1. FC Köln steht bereits ein Aufsteiger fest, auch wenn man diesen Namen vergeblich unter den Mannschaften der Regionalliga West sucht. Dort führt nämlich der FFC Brauweiler Pulheim unangefochten und uneinholbar mit derzeit 18 Punkten Vorsprung auf Verfolger DJK Arminia Ibbenbüren, der - anders als der Zweite TuS Harpen - ebenfalls seine Lizenzunterlagen eingereicht hatte. Des Rätsels Lösung: Der Traditionsverein aus dem Kölner Großraum hat seine Frauenfußballmannschaften mit Wirkung zum 01.07.09 in den aus dem Männerfußball allseits bekannten FC mit dem Geißbockwappen überführt.

Auch aus dem Norden schickt sich ein großer Name an, in die 2. Bundesliga vorzustoßen. Hier hat sich nämlich der SV Werder Bremen lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem BV Cloppenburg geliefert. Nur diese beiden Vereine haben in der Regionalliga Nord noch Aufstiegschancen - andere Vereine hatten auch gar nicht erst für die 2. Liga gemeldet.


FC Gütersloh

Zu Saisonbeginn hatte das Team des FC Gütersloh 2000 noch den Aufstieg im Visier. Wer tatsächlich die Nordstaffel dominierte, darauf weist im Hintergrund die Zaunfahne hin: Glückwunsch Tennis Borussia Berlin!

Bild: Christian Heidler

Doch nach dem etwas unerwarteten Remis von Cloppenburg beim TV Havelse am Sonntag, dürfte Werder bei einem Dreipunktevorsprung und mit weitaus besserem Torverhältnis die Meisterschaft so gut wie sicher haben. Im Falle eines Bremer Aufstiegs würde dies übrigens den Durchmarsch des Teams von Trainerin Birte Brüggemann bedeuten - und den Sprung von Null auf zweite Liga nach nur zwei bestrittenen Spielzeiten seit Wiedereinführung des Frauenfußballs bei Werder.

Sarah Schmidt

Sarah Schmidt (links) führt die mannschaftsinterne Torschützenliste beim TuS Wörrstadt mit 18 Treffern an. Im Spiel gegen den SC Siegelsbach schoß sie den wichtigen Siegtreffer in der 94. Spielminute. Wörrstadt ist seitem heißer Anwärter auf die Meisterschaft in der Regionalliga Südwest

Bild: Nora Kruse

Und auch aus Richtung Nordosten wollte ein bekannter Name ans Tor der 2. Bundesliga klopfen: Hertha BSC Berlin. Allerdings quasi nur under cover, denn weder spielt Hertha in der Regionalliga Nordost, noch wird ein anderer Verein seine Spielberechtigung bereits für kommende Saison an diesen großen Hauptstadtklub übertragen. Mit der Kooperation, die zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Lübars besteht, sind die Weichen aber bereits in Richtung mittelfristige Überführung gestellt. Momentan wird den Nordberlinerinnen insbesondere finanziell unter die Arme gegriffen, so dass sie das Wagnis 2. Bundesliga überhaupt erst in Betracht ziehen konnten. Sportlich mußte Lübars, das bereits in Hertha-Leibchen die Rückrunde bestreitet, allerdings gerade die Segel streichen. Im Spitzenspiel gegen den Magdeburger FFC unterlag der Hauptstadtklub deutlich mit 0:3. Somit bleibt der MFFC das Maß aller Dinge. Das verlängerte Wochenende hatten die Sachsen-Anhaltinerinnen am Maifeiertag mit einem mühsam errungenen 1:0 im Nachholspiel gegen den Lichterfelder FC Berlin 1892, der selbst noch auf die Meisterschaft spekuliert hatte, erfolgreich eröffnet. Nachdem Zweitligaabsteiger FFV Neubrandenburg schon frühzeitig aus dem Titelkampf ausgeschieden war, hat sich der Kreis der Meisterschaftsanwärter durch die Siege der Elbestädter von vier auf zwei reduziert. Zwei Spieltage vor Saisonende hat Magdeburg nun bei 47 Punkten ein kleines Polster auf den einzig verbliebenen Konkurrenten Leipziger FC 07 (43). Zwar hat der vom heimischen Verband zur Förderung des sächsischen Mädchen- und Frauenfußballs aus der Taufe gehobene und ausgerechnet dem erfolgreichen 1. FC Lokomotive Leipzig vor die Nase gesetzte Klub am letzten Spieltag noch den Spitzenreiter zu Gast. Doch ist kaum damit zu rechnen, dass die Magdeburger zuvor ausgerechnet noch bei Schlußlicht FSV 02 Schwerin Federn lassen werden...

 1. FC Lübars

Ambitioniert startete der 1. FC Lübars in die Saison. Ob die Kooperation mit Hertha BSC Berlin eher Motivation oder Belastung war, bleibt offen. Der Meistertitel in der Regionalliga Nordost geht aber mit großer Sicherheit an Magdeburg.

Bild: Christian Heidler

Spannender ist die Situation in der Regionalliga Südwest. Mußten der 1. FFC 08 Niederkirchen und der 1. FFC Montabaur ihre Meisterschaftsambitionen bereits begraben, liefern sich doch der TuS Wörrstadt (48 Punkte) und der SC 07 Bad Neuenahr II (47) weiterhin ein packendes Fernduell. Während die Bundesligareserve der Kurstädter bereits in der Spielzeit 2006/2007 in der 2. Bundesliga kickte, würde ein Aufstieg des TuS Wörrstadt die Rückkehr eines Traditionsvereins auf die Bundesbühne bedeuten. Mit dem Namen TuS Wörrstadt verbinden sich insbesondere die erste deutsche Meisterschaft (1974) und die Pionierzeit nach Wiederzulassung des „Damenfußballs” durch den DFB. Zum


40jährigen Jubiläum der 1969 gegründeten Frauenfußballabteilung wäre ein come back das ideale Geburtstagsgeschenk. Aber auch dem im Frauenfußball gleich alten Traditionsverein SC 07 Bad Neuenahr würde ein Erfolg seiner 2. Mannschaft sehr zupaß kommen, zumal das Bundesligateam derzeit eher wenig Anlaß zur Freude gibt. Wenn es dumm kommt, wird Neuenahr Regionalligameister, kann aber wegen des Abstiegs der 1. Mannschaft nicht in die 2. Liga aufsteigen.

Die Regionalliga Süd erweist sich wie erwartet als sehr ausgeglichen und es ist daher nicht verwunderlich, dass aus ihren Reihen gleich fünf Vereine und somit die Halbe Liga Lizenzanträge stellte. Erst jetzt im Meisterschaftsendspurt zieht sich das Feld weiter auseinander und mit dem vergangenen Wochenende ist nun ein erster dieser Klubs endgültig von der Liste zu streichen. Gegen die „kleinen Bayern” mit 2:3 zu verlieren ist jedoch für den RSV Roßdorf keine Schande. Der Aufsteiger aus der Hessenliga spielte lange eine ausgezeichnete Rolle im Wettbewerb und stand sogar vorübergehend an der Tabellenspitze. Mit jeweils 29 Punkten wahren der TSV Jahn Calden und der SV 67 Weinberg weiterhin ihre Außenseiterchancen und lauern auf die Fehler des Karlsruher SC (32 Punkte) und Klassenprimus Bayern München II (33). Die verbleibenden 3 Spieltage verheißen noch einige „heiße Partien”, insbesondere für die Bayern-Reserve, die noch in Weinberg und gegen Calden anzutreten hat. Für den KSC könnte vor allem die letzte Begegnung zu einer ganz hohen Hürde werden, denn da müssen die Badener ins mittelhessische Roßdorf reisen.

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Spielertrainerin Nina Kirchhain (im Vordergrund) führte Aufsteiger RSV Roßdorf in die Spitzengruppe der Regionalliga Süd.

Bild: Tom Schlimme

Was gibt es sonst noch anzumerken? Zum einen, dass mit Bayern München und Bad Neuenahr zwei Erstligisten kurz davor stehen, ihre 2. Mannschaften in das Fußballunterhaus zu hieven. Da von den derzeitigen Reservemannschaften (Potsdam, Hamburg, Frankfurt und Duisburg) keine absteigen wird, könnte sich der Anteil der Zweitvertretungen für 2009/2010 auf ¼ aller Zweitligisten erhöhen. Viel mehr B-Teams dürften es aber mittelfristig nicht mehr werden, stehen doch derzeit nur der VfL Sindelfingen, FF USV Jena, 1. FC Saarbrücken, FC Gütersloh 2000 und die SG Essen-Schönebeck noch mit 2. Frauen in den Regionalligen.

Zum anderen: Nachdem Bayer Leverkusen sich bereits in die Frauenbundesliga „eingekauft” hat, können mit dem 1. FC Köln und Werder Bremen zwei weitere Vereine in den Frauenbundesligen Fuß fassen, die zwar im Männerfußball zu den Topvereinen zählen aber kaum (eigene) Tradition im Frauenfußball vorzuweisen haben. „Hertha-Lübars” wird kommende Saison sicherlich einen erneuten Anlauf nehmen und mit der TSG Hoffenheim und dem mit Schalke 04 kooperierenden 1. FFC Recklinghausen schicken sich auch schon die nächsten Profivereine an, ihre Frauen nach oben zu katapultieren.

Aber noch ist nicht alles entschieden, auch die Absteiger stehen ja noch nicht fest. Nächstes Wochenende wissen wir bestimmt schon wieder mehr.

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