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Regionalliga Süd

Mit der Leidenschaft im Bein

Teil 2 des Interviews mit Julia Zeuner beschäftigt sich mit ihrem Kreuzbandriß

Von Christian Heidler

09.07.2007

Du hast ja in der gerade abgelaufenen Saison nicht sehr viele Spiele bestritten. Erzähl noch mal warum.
Ich habe mir im Oktober das vordere Kreuzband meines linken Knies gerissen.

Wie ist es dazu gekommen? Hast du gleich gewußt, was passiert war? Was spürt man in dem Moment, wenn das Kreuzband reißt?
Es ist beim Training passiert und ohne Fremdeinwirkung. Wir haben Torschußtraining gemacht. Eine Spielerin kam auf mich zu und hat kurz vor mir eine Bewegung nach Außen gemacht. Ich wollte einige Schritte nach rechts machen und in dem Moment, wo ich mich mit dem linken Bein abstoßen will, ist das komplette Knie weggeknickt und es gab einen lauten Knall.
Eigentlich habe ich schon befürchtet, dass es diese Verletzung ist. Natürlich hatte ich noch ein bißchen Hoffnung, dass es vielleicht doch nicht so schlimm ist. Leider hat es sich nach der Kernspintomographie dann doch bestätigt.

Julia Zeuner, Caro Georgi

Teamgeist 1: Julia begleitet ihr Team auch zum Auswärtsspiel nach Neubrandenburg (hier zusammen mit Caro Georgi).

Foto: Christian Heidler

Du bist ja jetzt sicherlich Expertin zum Thema Kreuzbandriß. Was ist als Erste-Hilfe-Maßnahme zu tun, was später?
Ich denke, dass man so pauschal gar nicht sagen kann, was als „Erste-Hilfe-Maßnahme“ zu tun ist. Bei jedem verläuft die Verletzung anders. Manche Leute reißen sich das Kreuzband und merken es gar nicht. Auf jeden Fall kann kühlen nicht schaden.

Du hast dich im November operieren lassen. Was wird bei so einer OP gemacht? Gibt es dazu auch Alternativen?
Ich hatte quasi 2 OPs. Ende Oktober wurde eine Arthroskopie (Gelenkspiegelung) durchgeführt, in der das zerfetzte Kreuzband entfernt und der Meniskus geglättet wurde. Im November folgte dann die OP, in der ich mein „neues Kreuzband“ erhalten habe. Dazu wurde eine Sehne (Semitendinosussehne) aus meinem linken Bein verwendet und mit 2 Schrauben befestigt. Die Schrauben lösen sich nach einiger Zeit von allein wieder auf. Es gibt verschiedene OP-Techniken und mein Arzt hat bei mir diese angewendet.

Ich hatte während dieser langen Zeit schon manchmal den Gedanken aufzuhören, aber dazu spiele ich einfach viel zu gerne Fußball.


Julia Zeuner

Julia am Boden (nach der Niederlage am 17.09.06 bei Turbine Potsdam II).

Foto: Christian Heidler

Danach folgten Rehabilitationsmaßnahmen. Was wird da genau gemacht? Geschah das bei dir am Ort? Wie beeinflußte die Reha deinen Alltag, warst du krank geschrieben?
Die Reha habe ich in einem Therapiezentrum direkt in meinem Wohnort gemacht. Ab Januar arbeitete ich wieder und ging dann nach der Arbeit zur Reha. Dort wurden spezielle Übungen zum Muskelaufbau und zur Stabilität des Knies gemacht. Ich hatte das Glück, dass ich dies bei mir im Ort machen konnte und nicht noch irgendwo hinfahren mußte, da dies natürlich viel Zeit spart.

Julia Zeuner

Teamgeist 2: Auch die Ersatz-Nr. 1 Annika Tönniges wurde schnell in das Team integriert. Während Spielführerin Jacky Scheuren (ganz rechts) das Schiedsrichtergespann begrüßt, klatscht sich die Mannschaft vor dem Spiel noch einmal ab. V.l.n.r.: Simone Müller, Meike Pottebaum, Tina Rosek, Birgitt Austermühl, Caro Georgi, Sina Alexi, Leonie Klement, Torfrau Annika Tönniges und Miri Gernhardt (vor dem Spiel am 05.11.06 bei HSV II).

Foto: Christian Heidler

Dein Arbeitgeber ist ja auch Sponsor des TSV Jahn Calden, er hat vermutlich auch etwas Verständnis für deine Situation aufgebracht, oder?
Ja, mein Arbeitgeber hat schon viel Verständnis dafür aufgebracht. Man selbst macht sich sicherlich darüber ziemlich viele Gedanken, wenn man so lange Zeit ausfällt. Da wir ein recht kleines Unternehmen sind, ist man auf jeden Mitarbeiter angewiesen und man merkt dann natürlich sofort, wenn jemand fehlt.

Wie sieht es denn mit den finanziellen Auswirkungen deines Sportunfalls aus? Bleiben da Kosten, die du selbst zu tragen hast?
Die Kosten wurden von meiner Krankenversicherung übernommen. Da meine Krankenkasse ein spezielles Programm für Kreuzband-Patienten hat, mußte ich auch keinerlei Zuzahlungen leisten und zusätzlich hatte ich auch Anspruch auf 50 Therapie-Einheiten Reha, die von vielen Krankenkassen in der heutigen Zeit oft nicht mal mehr genehmigt wird.


Wie lange dauert es voraussichtlich, bis du wieder richtig fit bist? Gibt es da so was wie eine Faustformel?
Eine Faustformel gibt es nicht. Bei jedem verläuft der Heilungsprozeß unterschiedlich. Ich habe mir fest vorgenommen in der neuen Saison wieder auf dem Platz zu stehen und daran werde ich weiter arbeiten.

Manche Sportler hören schon nach dem ersten Kreuzbandriß mit dem Leistungssport auf, eine Nia Künzer hat schon vier Kreuzbandrisse erleiden müssen und spielt wieder in der 1. Bundesliga. Warum sind die Folgen so unterschiedlich oder ist das vornehmlich eine Frage des Willens?
Es kostet sehr viel Zeit, um wieder richtig auf die Beine zu kommen und vor allem muss man sehr viel Geduld aufbringen. Wenn du den Willen nicht hast, wieder anzugreifen und die Fußballschuhe zu schnüren, kannst du sowieso gleich aufhören. Ich hatte während dieser langen Zeit schon manchmal den Gedanken aufzuhören, aber dazu spiele ich einfach viel zu gerne Fußball. Es gibt einfach Tage, da denkst du positiv und dann wieder Tage, da kreisen nur negative Gedanken in deinem Kopf.
Weiterhin muss man bei uns unterscheiden, dass der Fußball eigentlich „nur“ unser Hobby ist. Der Beruf geht immer vor und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich bei einer erneuten so schweren Verletzung das Fußballspielen wohl aufgeben würde. Auch wenn mein Arbeitgeber viel Verständnis zeigt, hätte ich ein sehr schlechtes Gewissen, wenn ich im Job noch öfter so eine lange Zeit ausfalle.

Was war denn in deiner Lage belastender, die Reha-Übungen oder die erzwungene Passivität, da die Mannschaft deine Unterstützung im Abstiegskampf so gut hätte gebrauchen können?
Das Schlimmste war eindeutig, dass ich nur am Spielfeldrand stehen konnte und Zuschauen mußte. So mitten im Abstiegskampf, hätte ich natürlich lieber zwischen den Pfosten gestanden und versucht der Mannschaft zu helfen.

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