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Regionalliga Süd

Die Vollblutfußballerin

Teil 1 des Interviews mit Julia Zeuner vom TSV Jahn Calden

Von Christian Heidler

09.07.2007

Hallo Julia! Willst du dich den FanSoccer-Lesern erst mal selber kurz vorstellen?
Sehr gern, mein Name ist Julia Zeuner und ich bin 24 Jahre alt. Ich spiele seit meinem 5. Lebensjahr Fußball. Begonnen habe ich bei meinem Heimatverein TSV Immenhausen bei den Jungs. In 1998 bin ich zum TSV Jahn Calden gewechselt und hüte seitdem dort das Tor.

Erzähl mal, wie bist du denn überhaupt zum Fußball gekommen? Was war ausschlaggebend dafür dich auch dauerhaft diesem Sport zu widmen?
Mein Vater hat selbst auch Fußball gespielt. Dadurch bin ich von Beginn an auf Sportplätzen gewesen. Schon als meine Mutter mit mir schwanger war, schaute sie bei den Spielen meines Vaters zu - das hat wohl geprägt ;o) Nach „Mama“ und „Papa“ war mein erstes Wort „Ball“ und so war eigentlich schon klar, worauf es hinaus lief. Als ich mit dem Fußball in der F-Jugend begonnen habe, war ich in unserem Verein das einzige Mädchen, denn zu der Zeit war Mädchenfußball ja noch nicht so weit verbreitet. Ich war Stürmerin und habe ziemlich viele Tore geschossen.
Der Grund warum ich bei diesem Sport geblieben bin ist einfach, dass ich es ohne Fußball nicht aushalte. Es war und ist ein sehr großer Bestandteil meines Lebens und ich frage mich wirklich manchmal, was ich jetzt machen würde, wenn niemand den Ball erfunden hätte.

Julia Zeuner

Früh übt sich! Klein-Julia mit ihrem besten Freund, dem Ball, an ihrem 1. Geburtstag...

Foto: privat

Dann bist du also eine Vollblutfußballerin! Was waren denn bislang so die Höhepunkte in deiner Laufbahn?
Höhepunkte gab es mit Calden eigentlich sehr viele. Es begann mit einigen Oberligameister-Titeln, Hessenpokal-Siegen, es folgten der Aufstieg in die Regionalliga und diverse Spiele gegen Erstligisten im DFB-Pokal. Dies war eine sehr schöne Zeit, an die ich gern zurück denke. In 2004 folgte schließlich der Aufstieg in die neu gegründete 2. Bundesliga. Das war natürlich ein großes Ereignis für uns alle, erst recht, als wir dann im ersten Jahr gleich den 3. Platz belegten!
Mein absolutes Highlight war jedoch ein Spiel in der Bundesliga-Aufstiegsrunde im Jahr 2000. Gegner war mein Lieblingsverein, der FC Bayern München. Von dem Spiel in München wurde abends eine Zusammenfassung im Fernsehen gezeigt. Das war schon toll für unseren kleinen "Dorf-Verein" aus Calden! 1:0 haben wir geführt. Der gerechte Endstand war 3:1 für Bayern, das in dem Jahr dann auch in die 1. Liga aufgestiegen sind.

Gibt es auch Momente, an die du dich gar nicht gerne erinnerst?
Eigentlich kann ich da die komplette Saison 2006/2007 nennen. Erst habe ich mir im Oktober letzten Jahres einen Kreuzbandriß zugezogen und konnte den Rest der Saison nur noch als Zuschauer teilnehmen und letztendlich folgte dann sogar unser Abstieg aus der 2. Liga. Es ist wirklich bitter, wenn man in solchen Situationen der Mannschaft dann selbst nicht helfen kann.


Julia Zeuner

Julia Zeuner, Torhüterin des TSV Jahn Calden.

Foto: Christian Heidler

Auf deine Verletzung kommen wir noch zu sprechen. Bleiben wir aber noch bei deinem Verein: Du spielst nun schon deine 8. Saison beim TSV Jahn Calden. Was gefällt dir besonders an diesem Verein bzw. deiner Mannschaft? Was sollte eine Spielerin bewegen gerade nach Calden zu wechseln und nicht zu einem Konkurrenten?
Selbst nach unserem Abstieg in die Regionalliga sind wir immer noch die Mannschaft in der höchsten Spielklasse in Nordhessen. Eigentlich sollte jede Spielerin hier im Umkreis, die ein bißchen Talent besitzt, den Ehrgeiz haben, beim TSV Jahn Calden zu spielen.
Die vielen Jahre in Calden waren bisher super, egal welche Liga wir gespielt haben. Wir hatten immer eine tolle Mannschaft und die Organisation im Verein hat gut geklappt.

Julia Zeuner

...und 9 Monate später bereits mit Vorwärtsdrang.

Foto: privat

Das hört sich ja gut an! Aber man ist ja niemals so rundum zufrieden. Was würdest du dir wünschen, sollte sich bei deinem Verein noch verbessern?
Unser Sportplatz ;o) Ich freue mich immer, wenn wir auswärts spielen, denn dort sind die Plätze eigentlich immer besser als unserer. Aber bei so manchen Heimspielen wurde er schon mal zur „Geheimwaffe“. Wir sind es ja schließlich gewohnt darauf zu spielen.

Nach „Mama“ und „Papa“ war mein erstes Wort „Ball“ und so war eigentlich schon klar, worauf es hinaus lief.

Wie bist du mit dem Zuschauerzuspruch bei den Heimspielen zufrieden? Wie siehst du da Calden im Vergleich zu anderen Zweitligisten?
Manchmal könnten es schon ein paar mehr Zuschauer sein. Es kommt immer darauf an, welche Männer-Teams im Umkreis zur gleichen Zeit spielen. Es hängt auch davon ab, ob wir in den letzten Spielen gute oder schlechte Leistungen gebracht haben. Unsere treuesten Fans sind aber immer da, egal wie die Leistung war.
Es gab schon einige Zweitligisten, wo wesentlich weniger Zuschauer waren, als in Calden! Am genialsten war aber bisher das Spiel beim SuS Timmel am letzten Spieltag der Saison 2005/06. Für Timmel ging es noch um den Abstieg. Es waren 1.050 Zuschauer dort. Alle Zuschauer standen in 3er Reihen um den gesamten Sportplatz, denn eine Tribüne gibt es in Timmel nicht. Man hat sein eigenes Wort nicht verstanden, das war schon eine tolle Atmosphäre.

Selbst in der 1. Bundesliga gibt es ja nur wenige Ausnahmespielerinnen, die vom Fußball leben können. Du mußt also arbeiten, tust das bei einem Versicherungsmakler. Wie stressig ist das Beruf und Arbeit unter einen Hut zu bekommen? Wie sieht in der Saison der Wochenplan mit Training und Spielen aus?


Da ich geregelte Arbeitszeiten habe, lassen sich bei mir Beruf und Fußball ganz gut kombinieren. Ich arbeite im gleichen Ort, wo ich auch wohne und bis nach Calden sind es für mich nur 7 km; Somit ist es nicht ganz so stressig. Wir trainieren während der Saison drei Mal in der Woche.
Bei Auswärtsspielen geht eigentlich immer der gesamte Sonntag drauf. In der letzten Saison hatten wir bei den Auswärtsspielen eine Fahrt mit Übernachtung (Neubrandenburg).
In der neuen Regionalliga-Saison werden die Stecken allerdings nicht unbedingt kürzer, da wir mit Bayern und Baden-Württemberg die Süd-Gruppe bilden. Wir sind somit mit Abstand der nördlichste Verein.

Da bleibt ja dann nicht allzu viel Freizeit. Was machst du außer Beruf und Fußball noch? Hast du noch Zeit für andere Steckenpferde?
Das ist wahr, die restliche Freizeit ist schon sehr knapp. Ich verbringe diese dann meistens mit Freuden, weil die einfach alle viel zu kurz kommen. Allerdings bin auch mal ganz froh, wenn ich an einem trainingsfreien Abend einfach mal zu Hause faul auf dem Sofa liegen kann und meine Ruhe habe.

Julia Zeuner

Es war einmal...: Am ersten Spieltag hatten Julia Zeuner (3. v.l.) und ihre Teamkameradinnen am heimischen Kaiserplatz allen Grund zum Jubeln. Der TSV Jahn Calden wurde mit dem 7:1 Erfolg über den HSV II erster Tabellenführer in der Geschichte der 2. Frauen-Bundesliga, Staffel Nord

Foto: Stefanie Kempfe

Zurück zum Fußball-Alltag: Du wohnst ja nicht direkt in Calden, wie kommst du zum Kaiserplatz und wieder heim? Und wie ist das bei den jüngeren Spielerinnen, werden die von ihren Eltern kutschiert oder gibt es vielleicht Fahrgemeinschaften?
Ich wohne 7 km von Calden entfernt und fahre allein mit dem Auto. Teilweise werden unsere jüngeren Spielerinnen von ihren Eltern gebracht und abgeholt Die Mehrheit der noch führerscheinlosen Spielerinnen kommt jedoch mit Fahrgemeinschaften, die innerhalb der Mannschaft gebildet werden.

Schildere doch bitte mal einen Auswärtsspieltag. Wann mußt du da aufstehen, wie frühzeitig erscheint man am Spielort und was geht im Bus so ab? Es kommt immer darauf an, wohin wir fahren. In der letzten Saison sind wir teilweise schon um 5.30 Uhr oder 6 Uhr in Calden weggefahren. Bei diesen weiten Fahrten ohne Übernachtung sind wir in der Regel 2 Stunden vor Spielbeginn am Spielort, damit wir nach der langen Busfahrt noch genug Zeit haben die müden Knochen wieder in Schwung zu bringen und ein bißchen spazieren zu gehen. Die Zeit im Bus wird von allen Spielerinnen unterschiedlich genutzt. Anfangs schläft man meist noch ne Runde, manche lesen dann oder lernen für die Schule/Ausbildung oder wir spielen mit ein paar Leuten Kniffel oder Karten.

Zweiter Teil

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