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Dritte Ligen

Die Kraft des Südens

2007 kommt die Regionalliga Süd wieder

Text von Christian Heidler

18.5.2007   Mit der Spielzeit 2007/2008 kehrt die Regionalliga Süd bei den Frauen zurück und löst für die Region der Länder Baden-Württemberg, Bayern und Hessen die dortigen Oberligen als dritthöchste Spielklasse ab. Nachfolgend soll zunächst die Entwicklung des Südens und sein Gewicht innerhalb des DFB behandelt werden. Anschließend wird ein Blick auf die Situation in den drei Oberligen geworfen.

Als im Oktober 2005 der 25. Verbandstag des Süddeutschen Fußball-Verbandes abgehalten wurde, verlief die Tagung ziemlich unspektakulär. Rolf Hocke wurde als Vorsitzender des SFV bestätigt, DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger hielt ein vorausschauendes Grußwort und alle miteinander sahen erwartungsvoll der Fußballweltmeisterschaft 2006 im eignen Lande entgegen. Für Spannung sorgten lediglich die Frauen, für die es um die Wiedereinführung der Regionalliga Süd ging. Befürworter und Gegner standen sich bei dieser strategischen Entscheidung gegenüber.

Sabrina Rastetter

Sabrina Rastetter und der Karlsruher SC sind vom Abstieg bedroht. In der Regionalliga hat der KSC bisher noch nie gespielt

Bild: Martin Kochem

Das große Gefälle zwischen den Oberligen und der 2. Frauen-Bundesliga wurde von den Antragstellern argumentativ in den Mittelpunkt gestellt. Mit der Bündelung der besten süddeutschen Mannschaften in einer Regionalliga soll das Niveau gehoben werden und der Übergang von der Dritt- in die Zweitklassigkeit leichter fallen. Außerhalb des Südens bestehen schon überall Regionalligen als dritthöchste Spielklasse. Deren Meister steigen automatisch in die 2.Liga auf, während die Titelträger der drei süddeutschen Oberligen den Zweitligaaufsteiger bislang in einer Relegation ermitteln.

TSV Ludwigsburg

TSV Ludwigsburg (weiße Jerseys): Für die Regionalliga reicht es zwar nicht, aber Freundschaftsspiele gegen die Nationalelf Ägyptens sind auch nichts alltägliches...

Bild: Roland Baumann

Höheres Leistungsniveau versus höhere Kosten

Den Kritikern fehlt es derzeit noch an den nötigen „Strukturen im Frauenfußball.“ Zudem wurde zutreffend auf die finanziellen Belastungen hingewiesen, die mit der neuen Spielklasse auf die teilnehmenden Vereine zukommen. Geografisch deckt sich das Gebiet des SFV weitgehend mit dem Einzugsgebiet der Südstaffel der 2.Bundesliga. Das bedeutet weite und somit erheblich teurere Reisen. Während den Zweitligisten aus den Fernsehgeldern immerhin ein Zuschuß vom DFB gezahlt wird, können die künftigen Regionalligisten mit keinerlei Verbandsunterstützung rechnen.

Die Problematik ist nicht neu. Vor Einführung der 2. Bundesliga bildete von 2000 bis 2004 auch beim SFV eine Regionalliga den Unterbau zur Bundesliga. Den wirtschaftlichen Erfordernissen fühlten sich nicht alle sportlich qualifizierten Vereine gewachsen. Dies führte teils zum freiwilligen Rückzug von Klubs aus der Regionalliga Süd, teils zum Verzicht auf den Aufstieg in diese Liga. Mit Gründung der zweigeteilten 2. Frauen-Bundesliga wurde die Regionalliga vom SFV eingestellt.


Nina Kirchhain und Melanie Soyah

Nina Kirchhain (links) spielte bis 2005 noch beim Bundesligisten FSV Frankfurt. Inzwischen ist sie erfolgreiche Spielertrainerin des RSV Roßdorf und peilt nach dem Aufstieg aus der Landesliga gleich den Durchmarsch in die Regionalliga Süd an. Das Bild zeigt sie mit ihrer ehemaligen FSV-Mannschaftskollegin Melanie Soyah, die inzwischen auch den Weg nach Roßdorf gefunden hat, beim Hessenpokalviertelfinale am 17.5.07 in Frankfurt

Bild: Tom Schlimme

Erstaunlicherweise ging das Pro und Contra auf dem Verbandstag nicht quer durch die Landesverbände sondern war regional stark unterschiedlich gewichtet. So lehnten die Delegierten aus Baden, Südbaden und Württemberg den Antrag fast geschlossen ab wohingegen die Stimmberechtigten aus Bayern und Hessen überwiegend für den Antrag des Süddeutschen Spielausschusses votierten und diesem mit 84:36 Stimmen eine klare Mehrheit bescherten.

Julia Simic  und Nina Aigner

Julia Simic (l.) und Nina Aigner gehören zum Bundesligateam des FC Bayern München, wurden aber wie so manche Kollegin auch schon in der Bayernligamannschaft des FCB eingesetzt

Bild: Beate Wolter

Ab der Saison 2007/08 wird der Spielbetrieb nun in einer 10 Mannschaften umfassenden Regionalliga wieder aufgenommen. Als Qualifikationsjahr gilt die Serie 2006/07. Dem Grundsatz nach sollen vier Vertreter aus Bayern kommen, je drei Teams werden aus Hessen und Baden-Württemberg dazustoßen. Maßgebend für den Aufstieg ist die Plazierung in den jeweiligen Oberligen zum Saisonende. Die Regionalligaqualifikation wird allerdings noch durch den Austausch mit der 2. Liga beeinflußt. Während ein Oberligist für den SFV in die zweithöchste Spielklasse aufsteigen wird, können theoretisch in der Gegenrichtung bis zu vier Vereine aus der Zweitklassigkeit in die neue Regionalliga absteigen.

Aus der Südstaffel müssen mindestens zwei Vereine absteigen. Sollte bei der Relegation zwischen den Drittletzten der Nordstaffelvertreter obsiegen, gäbe es noch einen weiteren Absteiger. Sofern diese Vereine Landesverbänden angehören, die zum SFV gehören, müßten sie in die neue Regionalliga Süd aufgenommen werden. Zwei Spieltage vor Saisonende sieht es stark nach 2 Absteigern aus, die Mitgliedsverbänden des SFV angehören. Der Karlsruher SC (Baden) steht derzeit auf dem vorletzten Rang in der Südstaffel, hofft aber noch am FC Erzgebirge Aue vorbei ziehen zu können. Da beide Klubs am Sonntag unmittelbar aufeinander treffen, hat der KSC durchaus noch eine realistische, wenngleich doch kleine Chance, dem Direktabstieg zu entgehen. Mit dem TSV Jahn Calden (Hessen) spielt auch in der 2. Bundesliga Nord ein Verein aus dem Bereich des SFV – und steht bereits als Absteiger fest. Doch in welcher Liga wird der Verein 2007/2008 spielen?


Sonderfall Jahn Calden

Seine extreme geographische Randlage innerhalb des SFV-Gebiets veranlaßte Calden einst trotz Klassenerhalt nicht für die Regionalliga-Saison 2001/02 zu melden und nach seiner Hessenmeisterschaft 2002 auf den sportlich erreichten Aufstieg zu verzichten. Die nicht an Verbandsgrenzen festgelegte Aufteilung der 2. Bundesliga erwies sich hingegen für den Verein, der mit dem 5. Platz in der Regionalligaspielzeit 2003/04 den Zweitligaaufstieg schaffte, als wahrer Segen. Der Verein fand von Anfang an seinen Platz in der Nordstaffel und hatte somit eine günstige Zentrallage inne. Der Abstieg aus der 2. Bundesliga wirft die Frage auf, ob es am Kaiserplatz auch künftig noch leistungsorientierten Frauenfußball geben kann. Wie sollen noch zusätzliche Mittel für einen Drittligisten aufgetrieben werden, die dieser zur Etatdeckung bei steigenden Reisekosten und wegfallendem DFB-Zuschuß benötigt? Auch die zeitliche Belastung für die Spielerinnen durch die teilweise deutlich längeren Anreisen und häufiger notwendig werdenden Übernachtungen am Spielort sind nicht zu unterschätzen. Im Verein wurde deshalb auch der direkte Abstieg in die Oberliga Hessen erwogen. Eine endgültige Entscheidung ist wohl noch nicht gefallen. Der Verein versucht offensichtlich alles um genügend Mittel und Spielerinnen für die Herausforderung Regionalliga zusammen zu bekommen.

Simone Müller

Simone Müller ist ratlos. Wie wird es für den TSV Jahn Calden weiter gehen?

Bild: Christian Heidler

Bei nur einem Absteiger in die Regionalliga würde Bayern einen Startplatz einbüßen und wie Baden-Württemberg und Hessen 3 Aufsteiger aus der Oberligen entsenden. Ein weiterer Absteiger ginge zu Lasten Hessens. Sollte überraschend gar ein drittes Süd-Team in die Regionalliga absteigen, so müßte Baden-Württemberg einen weiteren Platz räumen, so daß nur Bayern 3 Aufsteiger stellen würde. Mit dieser Gewichtung will man den Mitglieder- bzw. Mannschaftszahlen im Frauenbereich bei den einzelnen Landesverbänden Rechnung tragen. Doch ehe die potentiellen Aufsteiger aus den Oberligen unter die Lupe genommen werden, soll noch ein Gedanke dem Kräfte(un)gleichgewicht bei den Regionalligen gewidmet werden.


Fortsetzung

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