| Text und Bilder von Fuxi
20.02.2012 Beim Hinrundenrückblick dürfen auch die höchsten Spielklassen der Länder im Norden nicht
fehlen, schließlich findet sich dort vielleicht nicht nur das eine oder andere interessante
Talent für die Regionalliga oder die Bundesligen. Es sind auch Clubs dabei, die nach Höherem streben. Zumindest in der zweiten Bundesliga gab es in den letzten Jahren eine aus
norddeutscher Sicht erfreuliche Entwicklung. Die Hochburgen sind nicht allein die Bundesligisten HSV und VfL Wolfsburg, auch andere Vereine versuchen, sich stark zu positionieren.
Vielversprechende Exemplare sind beispielsweise Werder Bremen und der FFC Oldesloe, deren zweite Mannschaften mittlerweile in der Regionalliga spielen. Mit dem VfL Wolfsburg II.
macht sich eine weitere Nachwuchsmannschaft aus Niedersachsen auf in diese Klasse, was für einen Bundesligaclub längst überfällig ist. Auch der SV Meppen II hat dieses Ziel. Und
während in Schleswig-Holstein ein Aufsteiger die Liga aufmischt, streiten sich hundert Kilometer südlich gleich drei Vereine darum, wer den Versuch starten darf, die dritte
Hamburger Mannschaft in der dritten Liga zu werden.
Mit neun Treffern ist Birte Schulz beste Schützin beim Hamburger Club
Duwo 08 (hier gegen Keeperin Katrin Schwing vom Hamburger SV III)
Schleswig-Holstein
Im nördlichsten Bundesliga sorgt ein No-Name für Aufsehen. Der TSV Ratekau schickt sich als Aufsteiger in dieser Saison an, den FC Riepsdorf nicht nur als Meister der
Schleswig-Holstein-Liga (entspricht der Oberliga) zu beerben, sondern auch als die Macht im Kreis Ostholstein, aus dem seinerzeit auch der Regionalligist SV Sereetz stammte. Was
die Spitze anging, ist allerdings noch der Kreis Segeberg mit dem Ex-Bundesligisten Schmalfelder SV die Nummer eins im Land, aktuell ist es der Kreis Stormarn. Schon am 2. Spieltag
sorgten die Ratekauerinnen im Derby gegen Riepsdorf für das erste Ausrufezeichen - sie gewannen mit 4:1 gegen die Mannschaft, die in der Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord an
Werder Bremen II. und dem SC Eilbek aus Hamburg gescheitert war. Eine 2:5-Pleite beim SSC Hagen Ahrensburg steckten sie schnell weg - es sollte die bis zum Winter einzige Pleite
bleiben. Binnen einer Woche verschafften sie sich Respekt. Zunächst lieferten sie bei Holstein Kiel II. wohl das "Spiel des Jahres", als sie zur Pause mit 4:2 führten und am Ende
mit 5:4 siegten. Eine Woche später putzten sie mit TuRa Meldorf einen Mitfavoriten auf die Aufstiegsrunde - und das gleich 4:0. Dank Torjägerin Nicole Körner, die nach fünfzehn
Treffern als Zweite der Torschützenliste hinter der Ahrensburgerin Maie Stein auch für die Wahl zu Schleswig-Holsteins Fußballerin des Jahres 2011 nominiert wurde, wiederholten sie
dieses Kunststück im Rückspiel mit einem 2:1 in Meldorf und sicherten sich bei sogar einem Spiel weniger mit drei Zählern Vorsprung die Herbstmeisterschaft vor dem SSC Hagen
Ahrensburg und TuRa Meldorf.
Die Ahrensburgerinnen starteten mit einem 0:2 in Henstedt-Ulzburg eher mäßig und mussten sich am 6. Spieltag in Riepsdorf mit 0:3 die Grenzen aufzeigen lassen. Im Rückspiel
allerdings drehten sie den Spieß um und siegten selbst mit 3:0. Zuvor waren sie Meldorf mit 1:2 unterlegen. TuRa selbst hatte ebenfalls einen wechselhaften Saisonstart erwischt.
Nach einem Sieg gegen Rot-Schwarz Kiel gab es beim SV Neuenbrook/Rethwisch ein torloses Remis, und am vierten Spieltag unterlagen sie durch ein Last-Minute-Tor bei Olympia
Neumünster mit 2:3. Zwei Wochen später war im Pokal gegen den gleichen Gegner früh Feierabend. Zwar gewannen sie die Hinspiele gegen Hagen Ahrensburg und den FC Riepsdorf, nach
einem 2:2 gegen den Vorletzten TSV Klausdorf, sowie 0:4 und 1:2 gegen Ratekau wird der Landesmeistertitel schwer. Die Titelverteidigung kann Riepsdorf hingegen nach schon fünf
Niederlagen aus zwölf Spielen abschreiben. Im DFB-Pokal schlug sich der Doublegewinner noch wacker und bot beim 0:1 dem Zweitligisten Werder Bremen Paroli. Auch der Saisonstart war
mit einer Niederlage gegen Ratekau noch ordentlich. Aus den letzten fünf Spielen sprang jedoch nur ein umstrittener Heimsieg gegen den Mittelfeldclub SV Henstedt-Ulzburg heraus -
diese Partie erfährt Ostermontag eine Neuauflage im Landespokal-Halbfinale. Doch die vier Pleiten gab es nicht nur gegen Meisteranwärter wie Ahrensburg und Meldorf, sondern auch
gegen Rot-Schwarz Kiel und TSV Klausdorf, die sich gegen den Abstieg wehren. Erster Kandidat auf den einzigen Abstiegsplatz (die FSG Goldebek/Arlewatt hatte in der Saison
zurückgezogen) ist der TSV Russee. Die vierte Mannschaft im Kreise der Kieler Clubs holte ihren einzigen Sieg beim SV Neuenbrook/Rethwisch und punktete ansonsten einmalig in
Klausdorf. Im Schnitt kassierte der TSV mehr als vier Treffer pro Spiel, allein neun in Meldorf und acht gegen den SSC Hagen Ahrensburg. Für den SV Henstedt-Ulzburg sollte es in
der zweiten Saisonhälfte noch kräftig nach oben gehen, nachdem sie mit Kathrin Patzke und Josefine Krengel zwei Aussortierte von Bundesligist Lok Leipzig neu begrüßen dürfen.
Hamburg
In der Hansestadt gibt es im Winter einen Dreikampf um die Spitze. Erwartungsgemäß ist der SC Eilbek als amtierender Meister wieder vorn mit dabei. Die mit erfahrenen Spielerinnen
gespickte Mannschaft von Javier Navarro, der früher Co-Trainer der HSV-Bundesligafrauen war, war im bisherigen Saisonverlauf siebenmal Tabellenführer und musste den Platz an der
Sonne nur durch das ausgefallene Topspiel beim Dritten Duwo 08 abgeben. Acht Spiele lang waren sie das Maß aller Dinge und gaben nicht einen einzigen Punkt ab. Und doch, am 9.
Spieltag war es die Überraschungsmannschaft der Liga, die sie erstmals bezwingen konnte. Angeführt von Ex-Bundesligaspielerin Catharina Schimpf, gelang es dem Bramfelder SV, sich
mit 3:1 durchzusetzen. Allerdings leidet der SCE auch unter Personalnot. Beim nachfolgenden 2:2 gegen Kellerkind Union Tornesch standen nur zwei Auswechselspielerinnen zur
Verfügung, und beim 2:2 auswärts in Fünfhausen war es die frühere HSV-Spielerin Tanja Bohns, die den Eilbekerinnen zugunsten ihres SC Vier- und Marschlande zwei Zähler abnahm.
Zudem war im Pokal bei Duwo 08 wieder einmal vorzeitig Endstation. Bramfeld setzte sich am letzten Spieltag nach einem 12:0 gegen die völlig überforderte FSV Harburg zum sechsten
Mal an die Spitze. Diesen Erfolg allein an Schimpf festzumachen, greift zu kurz. Ein Überteam ist der BSV ebenfalls nicht. So gab es zwischenzeitlich Niederlagen gegen Aufsteiger
TSC Wellingsbüttel und gegen Altona 93 aus dem Tabellenmittelfeld, aber eben auch Siege gegen Eilbek und gar mit 5:1 bei Duwo 08.
Letzterer Club aus dem Norden der Stadt startete eher durchwachsen mit Niederlagen gegen Eilbek und Bramfeld, kletterte dann aber sukzessive mit stabilen Leistungen - vom 2:2 gegen
Wellingsbüttel abgesehen - aus dem Mittelfeld hinter das Top-Duo auf Platz drei. Eine Schlüsselposition hat dabei die erfahrene Birte Schulz im offensiven Mittelfeld inne. Dahinter
haben der SV Wilhelmsburg und der Niendorfer TSV schon deutlichen Rückstand. Und spricht man über Wilhelmsburg, dann spricht man vor allem über eine Person: Janine Thormählen. Auch
sie trug schon in der Bundesliga die roten Hosen des HSV, und davon hat sie wenig eingebüßt. Von den 55 Toren, die der SVW nach 14 Spielen auf dem Konto hat - Ligahöchstwert -,
erzielte sie mit 27 fast die Hälfte. Allein viermal netzte sie gegen die Dritte ihres Ex-Clubs, aber auch gegen andere wie den SC Nienstedten, SC Vier- und Marschlande und FSV
Harburg. Den Vogel schoss sie jedoch im Rückspiel gegen Altona 93 ab, kurz nach einem 3:0 im Pokal: Beim 8:1 steuerte sie sieben Treffer bei. Aber - und auch das ist eine Wahrheit
- die Liga schwächelt insgesamt. Vor allem die FSV Harburg ist nach 14 Spielen mit 14 Niederlagen und einem Torverhältnis von 7:95 nur Punkte- und Torelieferant (drei Spiele
verloren sie zweistellig zu null, acht mit mehr als sechs Gegentreffern). So schlimm war es bei der Dritten des HSV, die sich aus vielen Spielerinnen der Landesligamannschaft und
2. B-Mädchen aus der Vorsaison zusammensetzt, nicht ganz, obwohl sie gegen Duwo 08 im Rückspiel mit 0:11 untergingen. 18 Tore sind der zweitschlechteste Ligawert, gleiches gilt für
die 44 Gegentore. Doch so langsam robbten sie sich wieder an das untere Mittelfeld heran, sieht man vom Duwo-Spiel ab. Aus den letzten sechs Spielen sammelten sie zehn Punkte ein,
unter anderem gegen Union Tornesch, das von oben in die Abstiegszone gerutscht ist, und in Wellingsbüttel. Zwischen dem Siebten, dem TSC Wellingsbüttel, und dem Elften Union
Tornesch liegen nach 14 Spieltagen gerade einmal fünf Punkte. Ausreißer gab es bei diesem kompakten Fünferblock, zu dem auch der SC V.-M. und der SC Nienstedten gehören, nur zu
Saisonbeginn.
Bremen
Nachdem Aufstieg von Werder Bremen II. in die Regionalliga gibt es in dieser Saison in jedem Fall einen neuen Titelträger als Bremer Meister. Die besten Aussichten haben dabei
(Noch-)Tabellenführer TS Woltmershausen und ATS Buntentor. Letztere kennen sich mit der Regionalliga aus: 2001 waren sie der letzte nicht-grün-weiße Bremer Club in der
Regionalliga. Der dritte Club im Bunde, Geestemünder SC, versuchte es 2006 mit der Aufstiegsrunde, scheiterte aber am Hamburger Vertreter SV Lurup. In dieser Saison sieht es für
den GSC jedoch nicht nach einer Neuauflage aus: Aus dem Spitzentrio sind sie die Mannschaft mit den meisten absolvierten Spielen und haben schon drei Niederlagen auf dem Konto.
Schon am zweiten Spieltag unterlagen sie dem aktuellen Tabellenzweiten ATS Buntentor mit 1:6, brachten ihnen immerhin eines von nur drei Gegentoren bei. Gegen Woltmershausen
unterlagen sie ebenso deutlich mit 0:4, im Rückspiel gegen Buntentor waren sie mit 0:3 unterlegen. Die ATS liegt punktgleich hinter Woltmershausen wegen eines weniger absolvierten
Spiels und der um vier Treffer schlechteren Tordifferenz. Das direkte Duell gab es bislang nicht, es wurde auf den 4. März verlegt. Seine einzige Niederlage kassierte das Team vom
Weserufer mit 2:3 beim ATSV Sebaldsbrück.
Die nur zehn Teams umfassende Verbandsliga Bremen teilt sich somit in drei Abschnitte. Hinter den drei Topteams, die derzeit nur drei Punkte trennen, folgt ein kompaktes
Vierer-Mittelfeld mit 17 bzw. 12 Punkten. Auch die Abstiegszone ist kompakt, angeführt von der zweiten Mannschaft der ATS Buntentor mit einem Punkt Vorsprung vor dem ersten
Abstiegsplatz hat, den der SC Borgfeld belegt. Der OSC Bremerhaven ist mit zwei Punkten aus elf Spielen Letzter. In jedem Fall aber ist die Liga unterhaltsam und torreich. In 52
Spielen fielen insgesamt 310 Tore, das sind fast sechs pro Spiel. Ausgerechnet im letzten Spiel vor der Winterpause trennten sich BTS Neustadt und ATSV Sebaldsbrück als einzige
0:0. Zweistellige Ergebnisse hingegen sind nicht selten. Sieben Mal stand auf einer Seite des Ergebnis-Doppelpunkts mehr als eine Ziffer. Am häufigsten traf es ATS Buntentor II,
die auch die höchste Niederlage kassierte, als die eigene Erste beim 14:1-Sieg gleich zum Saisonauftakt keine Gnade kannte. Acht Tore brachte ihnen allein Alexandra Karpe bei, die
zur Zeit 23 Treffer auf dem Konto hat. Beim 10:0 im Rückspiel traf Karpe "nur" viermal. Aber auch bei hohen Ergebnissen gab es durchaus Gegner, die sich wehrten. So führte BTS
Neustadt bei Sparta Bremerhaven am zweiten Spieltag bereits mit 5:0 zur Pause und nach einer knappen Stunde mit 7:0, ehe sie es schleifen ließen und Sparta auf 4:7 herankommen
ließen. Spannender machte es Eintracht Aumund im Spiel gegen die Spartanerinnen, als sie einen 1:2-Pausenrückstand ausglichen. Die Bremerhavenerinnen gewannen am Ende aber doch
6:3. ATS Buntentor II ärgerte den Geestemünder SC ebenfalls beim 4:7.
Niedersachsen
Das größte Bundesland des Nordens teilt seine Oberliga wegen der Weitläufigkeit in zwei Staffeln. Dabei ist die Niedersachsenliga Ost durchaus im Vorteil - die längste Fahrt
beträgt hier 155 Kilometer zwischen ESV Fortuna Celle und Sparta Göttingen. Nach dem Abstieg aus der Regionalliga Nord wurde die SG Jesteburg/Bendestorf in die West-Staffel
eingeordnet. Für Jes/Be bedeutet das lange Auswärtsfahrten: Die weiteste geht zur FSG Twist, ganze 250 Kilometer bis an die holländische Grenze - nach Emmen sind's nur 15
Kilometer, zur Grenze selbst nur zwei. Aus Twister Sicht ist die Strecke bis kurz vor Hamburg auch kein Kinderspiel, aber immer noch besser als Tagesreisen nach Wolfsburg (320
Kilometer), Braunschweig (290) und Upen (310). Gleiches gilt für die Auswärtsfahrten des TuS Büppel oder Blau-Weiß Papenburg nach Göttingen - kürzeste Strecke je 310 Kilometer,
aber für die Papenburgerinnen eine halbe Stunde weiter gegenüber einer 4-Stunden-Anreise über knapp 370 Kilometer. Die Ostclubs haben zudem den geringen Standortvorteil, dass bis
auf wenige Ausnahmen fast alle Teams entweder aus dem Großbereich Hannover oder dem Einzugsbereich der Autobahnen A2 und A7 stammen und der Staffelmeister somit zum Endspiel der
Niedersachsenmeisterschaft in der DFB-Sportschule Barsinghausen bei Hannover die kürzere Anreise hat.
Niedersachsenliga West
Die Weststaffel ist trotz der Einteilung weitläufiger. Eine Beobachtung, die jedoch nur regional zu sehen ist, denn nach 13 Spieltagen zeigt die Tabelle eine bemerkenswerte Dichte.
Zwischen Tabellenführer SV Meppen II. und der Sechstplatzierten FSG Twist liegen gerade einmal acht Zähler, und der Vorsprung der Zweitligareserve vor den Verfolgern SG
Jesteburg/Bendestorf und SV Heidekraut Andervenne beträgt nur einen bzw. drei Punkte. Auch ATSV Scharmbeckstotel und Lokalrivale Union Meppen sind noch in Schlagdistanz. Eine
Schwächeperiode darf sich die Mannschaft von Siggi Scheel also nicht leisten, wenn sie aufsteigen wollen. Der SVM hat jedoch auch wegen der Möglichkeit, auf nicht benötigte
Zweitligaspielerinnen zurückzugreifen, neben Jesteburg/Bendestorf die besten Aussichten auf die Teilnahme am Finale. Jes/Be zeigte eine bemerkenswerte Konstanz und belegte an allen
Spieltagen entweder Rang eins oder zwei - nur im letzten Spiel vor Weihnachten ging ihnen diese Dauerhaftigkeit ab, als sie bei Blau-Weiß Papenburg, dem Tabellenletzten seit dem
ersten Spieltag, mit 1:2 verdient verloren und sie den Platz an der Sonne an den SV Meppen abgeben mussten. Das Hinspiel hatten sie noch 5:1 gewonnen. Die anderen beiden
Niederlagen kassierten sie gegen die FSG Twist, damals Siebter, und im Topspiel gegen den ATSV Scharmbeckstotel - bemerkenswerterweise waren beide Ergebnisse mit drei Treffern
Unterschied und auf heimischem Geläuf. Scharmbeckstotel hielt sich jedoch nur eine Woche auf Rang zwei.
Tabellenführer SV Meppen II. hingegen war zeitweise Dritter. Nach drei Startsiegen gegen die drei Teams, die derzeit die letzten drei Plätze belegen, gab es ein 3:3 gegen Jes/Be.
Nach zwei Rückstanden brachte Zweitliga-Leihgabe Agata Marczynska Meppen in Front, aber Nina Felkner gelang noch der Ausgleich. In der Folge schwächelte die Reserve, unterlag 0:3
gegen Heidekraut Andervenne und 0:2 in Scharmbeckstotel. Ein irres Spiel gab es im Derby bei Union. Die Gastgeberinnen führten nach einer halben Stunde mit 2:0, ehe der SV
ausgleichen konnte. Kurz vor der Pause gelang Union jedoch erneut die Führung. Nach dem Ausgleich zum 3:3 lag der SV Meppen durch ein Eigentor von Martina Wotte vorne. Nur drei
Minuten später glich Linda Huser mit ihrem zweiten Tor zum 4:4 aus. Birgit Mantheys Treffer zum 5:4 nährte die Hoffnungen der Unionerinnen auf einen Sieg. Diese machte Jana Segeler
per Elfmeter zum 5:5 zunichte. Danach gab sich der SV Meppen keine Blöße mehr. Bemerkenswert ist auch die Steigerung von Heidekraut Andervenne. Aus den ersten vier Spielen holte
das Team gerade zwei Punkte und stand auf Abstiegsrang elf. Danach verlor Heidekraut aber nur noch einmal, mit 1:5 gegen Jesteburg/Bendestorf. Das 3:0 gegen Schlusslicht Papenburg
kam genau zum richtigen Zeitpunkt, um verlorenen Glauben an sich selbst zurückzubringen, denn nur eine Woche später schlugen sie den SV Meppen II. auswärts mit dem gleichen
Ergebnis. Im letzten Spiel vor Weihnachten bauten sie mit 2:0 bei Union Meppen ihre Siegesserie auf vier Erfolge aus und behaupteten den in der Vorwoche erklommenen dritten Rang.
Mit dreizehn Gegentreffern haben die Andervennerinnen die beste Abwehr der Liga, aber auch nur die siebtbeste Offensive.
Angesichts der Dichte in der Weststaffel sind einige Ergebnisse durchaus überraschend. Spielausgänge mit fünf oder mehr Treffern auf einer Seite sind kaum eine Seltenheit. Im
Schnitt fallen mehr als vier Tore pro Spiel. Ganze zehn waren es im Meppener Derby, ebenso viele waren es bei der Niederlage von Union Meppen gegen ATSV Scharmbeckstotel - nach
4:3-Halbzeitführung. Dem SV Kettenkamp gelang beim beim TSV Wallhöfen nach 1:3-Pausenrückstand der Ausgleich, ehe Wallhöfen zwei Treffer nachlegte. Kettenkamp konnte nur noch auf
4:5 verkürzen. Den höchsten Sieg schaffte die FSG Twist gegen Blau-Weiß Papenburg mit 9:1. Jasmin Veen erzielte vier ihrer zwölf Saisontore. Vor ihr in der Torjägerliste liegt
Linda Huser von Union Meppen mit 15 Treffern ganz vorn, gefolgt von der Jesteburgerin Andrea Jagusch (14). Veen ist Kettenkamps beste Versicherung gegen die Abstiegsgefahr: Nur
vier Punkte haben sie auf Platz acht Vorsprung auf den Vorletzten TuS Büppel. Nur Papenburg darf man mit einer Bilanz von einem Sieg und zwölf Pleiten wohl schon abschreiben.
Niedersachsenliga Ost
Klarer ist die Situation im Osten. Hier führt der VfL Wolfsburg II. die Liga an, mit 13 Siegen aus 13 Spielen. Führt man sich aber vor Augen, dass (Ex-)Bundesliga-Spielerinnen wie
Laura Vetterlein (8 Einsätze), Melissa Thiem (10), Pia Marxkord (12) oder Andrea Wilkens (11) zum Stammpersonal gehören, verwundert es letztlich kaum. Dass der zweitbeste Sturm und
die beste Abwehr der Liga allerdings in der Torschützenliste keine Rolle spielen, ist schon überraschend. Melissa Thiem ist mit zehn Toren Wolfsburgs beste Schützin und liegt doch
meilenweit hinter den beiden Cellerinnen Lisa Zimmermann (18) und Jana Voelker (16) zurück. Eintracht Celle ist die einzige Mannschaft, die Wolfsburg halbwegs Paroli bieten und
zweimal Platz eins belegen konnte. Aber die Eintracht hat im Gegensatz zum VW-Club schon drei Niederlagen auf dem Konto - Aufstieg praktisch ausgeschlossen. Die erste Pleite gab es
am 2. Spieltag gegen den direkten Konkurrenten. 70 Minuten lang hielt Celle mit, bis zur 40. Minute führten sie sogar 2:0, ehe Wolfsburg vor der Pause ausglich. Nach dem
Seitenwechsel erzielte der VfL einen Doppelpack, Zimmermann verkürzte. Binnen sieben Minuten zog Wolfsburg auf 7:3 davon, für den 4:7-Endstand sorgte wieder Zimmermann. Die anderen
beiden Pleiten kassierten die Cellerinnen beim Regionalliga-Absteiger aus Ahlten und vor der Winterpause beim Rückspiel in Wolfsburg, als sie 1:3 unterlagen. Dabei büßten sie
wieder eine Führung durch Inga Domrich ein, denn Lisa Förster, Melissa Thiem und Leni Larsen Kaurin drehten das Ergebnis im letzten Viertel noch um.
Der einzige Club, der hinter den beiden noch halbwegs mithalten kann, ist Ahlten. Der Rückstand auf Wolfsburg II. beträgt allerdings auch schon 14 Zähler. Zuletzt kamen sie über
ein 0:0 bei Grün-Weiß Hildesheim nicht hinaus. Es war ihr viertes Remis in dieser Saison, dazu kommen zwei Niederlagen gegen Wolfsburg II. und Hildesheim zu Saisonbeginn. Nach der
zweiten Pleite am dritten Spieltag, als sie erst in der Nachspielzeit beide Tore zum 2:3 erzielten, waren sie Elfter, nach sechs Spielen Achter. Sechs Siege in Folge, darunter eben
auch gegen Celle, brachten sie auf Rang drei. Das geht allerdings auch nur in einer Liga, in der zwischen Platz vier (TSV Limmer) und dem Letzten (HSC Hannover) gerade einmal acht
(!) Punkte liegen. Schon die Limmer-Damen haben eine negative Sieg-Niederlagen-Bilanz. Zu den nach dreizehn Spieltagen noch abstiegsbedrohten Vereinen gehören auch ehemalige
Regionalligisten wie die SG Schamerloh, SV Hastenbeck, Sparta Göttingen und SV Upen.
In den 77 Spielen fielen bisher satte 409 Tore. Damit hat die Niedersachsenliga Ost mit 5,3 den höchsten Toreschnitt aller vierten Ligen im Norden! Das ist allerdings auch kaum
verwunderlich, denn allein ein Drittel der Tore schossen Wolfsburg (66) und Celle (71) heraus. So gewann Fortuna Celle gleich zweimal mit 14:0, gegen den SV Gifhorn und HSC
Hannover. Das höchste Wolfsburger Ergebnis gab es beim 8:0 gegen den VfL Bienrode, als Celle den SV Upen mit dem gleichen Resultat schlug. Das wohl spektakulärste Spiel lieferten
wohl der SV Gifhorn und der VfL Bienrode im B4-Derby: Maren Klusmann traf früh doppelt zur 2:0-Führung für Gifhorn, Maren Nosseck, Nadine Fastnacht und Louisa Rapmund drehten für
Bienrode bis zur 38. Minute auf 2:3. Doch nur eine Minute später glich Madita-Maureen Weseloh für Gifhorn aus. Noch vor der Pause sorgte Fastnacht per Doppelschlag für eine
5:3-Führung der Gäste. Weseloh zum 4:5, Elena Viitainen zum 4:6 in der 53. Minute. Aber Gifhorn gab sich nicht auf, und tatsächlich schafften Klusmann und Daniela Glindemann noch
das 6:6. Ähnlich spektakulär war das 5:5 zwischen Sparta Göttingen und der TSG Ahlten. Den 0:1-Rückstand durch Carina Hoffmann drehte Sparta zur Pause, als Juliane Jühne und Inga
Grosse trafen. Nach der Halbzeit ging es erst richtig los: Maike Jeschor (58.) für Ahlten, Jühne für Göttingen (59.), Maike Dralle für Ahlten (60.) zum 3:3 nach einer Stunde.
Jühnes drittes Tor brachte Göttingen erneut in Führung. Anja Kanwischer und das zweite Tor von Hoffmann schienen das Schicksal zugunsten der Gäste zu drehen. Grosse schaffte jedoch
in der Nachspielzeit erneut den Ausgleich. Da behaupte noch einer, Frauenfußball sei nicht unterhaltsam ...
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