|
11. November 2011
Bericht und Bilder von Fuxi
In vielen Landesverbänden, wie beispielsweise in Hamburg, haben sich die Vertreter der höchsten Frauen-Fußballligen schon lange darauf verständigt, wegen der Bedeutung der Spiele grundsätzlich Schiedsrichtergespanne anzufordern. Ein solches Übereinkommen ist in Schleswig-Holstein nicht gegeben. So war es dann auch kein Wunder, dass die Partie zwischen dem amtierenden Meister FC Riepsdorf und dem SV Henstedt-Ulzburg merklich von einem einzelnen Schiedsrichter geprägt wurde, der ohne Gespann ziemlich überfordert wirkte. Dabei war es nicht die Vereinszugehörigkeit zum TSV Ratekau, dem am diesen Wochenende spielfreien Tabellenführer der Schleswig-Holstein-Liga, die spielentscheidend wirkte. Oder war dies - in seinem Bestreben, unbedingt als neutral aufzutreten und den Ratekauer Verfolger aus Riepsdorf nicht zu benachteiligen - vielleicht doch ausschlaggebend für die Leistung des angesetzten Spielleiters Wendt Köhler?

Riana Wrage, die hier von Wendt Köhler für's Meckern verwarnt wird, hatte an diesem Tag zum Schiedsrichter eine ganze besondere Beziehung...
Ein Fußballfest war die elfte Auflage dieser Begegnung wahrlich nicht. Offiziell 60 Zuschauer - handgezählt waren es 43 - kamen bei neblig-trübem Wetter und feuchtkalten neun Grad Außentemperatur auf den Sportplatz Hohe Weide in Riepsdorf unweit der A1-Abfahrt Lensahn. Für den sechstplatzierten SV Henstedt-Ulzburg ging es darum, im sechsten Versuch wenigstens einen Punkt aus Ostholstein zu entführen. Die bisherigen Anläufe waren allesamt eher ernüchternd: 2:5, 2:7, 0:2, 1:2, 0:4. Der FC Riepsdorf hingegen wollte zum Ligaprimus TSV Ratekau aufschließen, den Rückstand auf drei Punkte verkürzen. Doch die Gastgeberinnen kamen besser in die Partie.
Bereits in der 2. Minute hatte Riepsdorf die Führung auf dem Fuß. Nach Eckball von Ronja Siemers bekamen die Gäste den Ball nicht aus der Gefahrenzone. Der Schuss von Kapitänin Sarah Schreiber aus vierzehn Metern ging links vorbei. Vier Minuten später war es erneut ein Eckball, dieses Mal von der anderen Seite, der das Tor des SV Henstedt-Ulzburg gefährdete. Schreiber verlängerte die Hereingabe von Siemers mit der Hacke aufs Tor, doch Berith Voigt war zur Stelle. Die Platzherrinnen operierten in dieser Anfangsphase viel mit langen Bällen hinter die Abwehr, waren damit mäßig erfolgreich. Oft genug wurden sie wegen Abseits zurückgepfiffen.
Die erste Chance der Gäste gab es nach einer Viertelstunde. Und die hatte es in sich. Von links flog eine Flanke an die Strafraumgrenze. Die Situation schien ungefährlich, bis Abwehrspielerin und Vorstandsvorsitzender Anja Balck der Ball an die Hand sprang. Schiedsrichter Köhler pfiff und schritt gemächlich Richtung Strafraum, während ob fehlender klarer Anzeige unter Spielerinnen und Zuschauern Verwirrung herrschte, was da nun überhaupt geahndet worden war - Freistoß, Elfmeter oder gar Abseits? Die Auflösung: Strafstoß für Henstedt-Ulzburg - konnte man geben. Torjägerin Maike Tiarks trat an und schoss hoch rechts vorbei (15.). Es blieb beim 0:0. Trotzdem schien diese Szene die Gäste von der Alsterquelle zu beflügeln, denn nur 60 Sekunden später konterten sie erneut über links. Tiarks gab diagonal von links herein, Sonja Jaacks nahm den Ball an und zog volley ab. Ihr Schuss war jedoch zu ungenau, Daniela Stödt im Kasten der Ostholsteinerinnen konnte abwehren.
Das Spielgeschehen verlagerte sich dann zwischen die Strafräume. Auf beiden Seiten gab es viele unkontrollierte lange Schläge, die jeweils beim Gegner landeten. Ballbesitz über mehr als zwei Station war selten, ereignete sich am ehesten bei den Gastgeberinnen. An der nächsten Torszene nach knapp einer halben Stunde war erneut FCR-Spielführerin Schreiber beteiligt, die schon in der zweiten Bundesliga für den FFC Oldesloe auflief. Sie war es, die nach einer Spielverlagerung über Larissa Siewert und Anja Balck ihre eigene Mitspielerin Siemers abblockte, den Ball in den Strafraum mitnahm und frei vor Voigt abschloss. Das Leder ging jedoch einige Meter am Kasten vorbei (28.). Auf der Gegenseite setzte Denise Knickrehm Tiarks in Szene, deren Versuch im Fallen von Stödt pariert wurde. Im direkten Gegenzug fiel das 1:0. Siemers wurde mit einem langen Ball hinter die Abwehr steil geschickt und hatte freie Bahn zum Kasten. Henstedt-Ulzburg reklamierte vehement Abseits - ob berechtigt oder nicht, kann nicht aufgelöst werden -, das aber verhallte ungehört. Siemers nutzte ihre Freiheiten und schob zum Führungstreffer ein. SVHU-Trainer Jan Siemers echauffierte sich so intensiv, dass er sich eine deutliche Ermahnung des Schiedsrichters einfing.
Seine Mannschaft aber zeigte sich unbeeindruckt. In der 34. Minute, nur vier Minuten nach dem Rückstand, passte Knickrehm im Mittelfeld quer rechts raus. Jaacks war hinter Balck gestartet und stürmte bis in den Strafraum, dann zog sie aus spitzem Winkel ab. Stödt parierte mit einer Flugparade, und zunächst verpasste Knickrehm das Leder, hinter ihr war aber Dagmar Runge zur Stelle und staubte zum 1:1 ab. Riepsdorfs Möglichkeit zur erneuten Führung vergab Julia Oberst aus 23 Metern in der 37. Minute.
Der 1:1-Halbzeitstand ging in Ordnung. Beide Teams hatten gute und schlechte Phasen im ersten Durchgang. Riepsdorf begann stärker, hätte aber durch den Handelfmeter überraschend in Rückstand geraten können - oder müssen. Der FCR hatte die besseren Möglichkeiten und ging dann nicht unverdient, wenn auch umstritten, in Führung. Aber auch das postwendende 1:1 ging in Ordnung. Phasenweise war die Partie sehr zerfahren. Die Schiedsrichterleistung war zu diesem Zeitpunkt eher unerfreulich: Köhler wirkte ohne Gespann überfordert, wie auch eine Szene Mitte der ersten Hälfte zeigte, als der Ball bei einem Zweikampf gute zwei Meter über die Seitenauslinie flog und dennoch weitergespielt wurde.
Das war jedoch nur ein Vorgeschmack für die zweite Halbzeit, die ungleich hektischer verlaufen sollte. Henstedt-Ulzburg kam später aus der Kabine als die Gastgeberinnen, dafür aber wacher. Runge legte am linken Strafraumeck quer vors Tor, Riana Wrage kam frei zum Abschluss, traf die Kugel aber nicht richtig, und ein Abwehrbein fälschte zudem zum Eckball ab. Den brachte Knickrehm herein, Schreiber wehrte zu kurz ab, und Tiarks verzog aus dem Hintergrund (48.). Danach sammelte sich der Meister und kam selbst zu Möglichkeiten. Schreiber passte steil hinter die Abwehr, wo Julia Marten nicht im Abseits war, doch Voigt war vor ihr am Ball. Dann kam die 57. Minute. Henstedt-Ulzburg wehrte einen Eckball kurz ab, das Spielgerät kam per Bogenlampe knapp innerhalb des Strafraums herunter. Oberst sprang ab und bog sich nach hinten, ohne den Ball erreichen zu können, prallte gegen Wrage, schrie noch in der Luft, fiel zu Boden - und Schiedsrichter Köhler darauf herein. Er gab wieder Elfmeter, sehr zur Freude der Gefallenen, die den geschundenen Elfmeter mit lautem Schrei und geballter Faust feierte - sehr zum Ärger der vermeintlichen Übeltäterin, die von ihren Mitspielerinnen zurückgehalten werden musste. Siemers trat an, schoss weder hart noch platziert, aber es reichte, um Voigt zum 2:1 zu überwinden.
Aber die Gäste zeigten sich erneut nicht geschockt. Im Gegenteil, sie kombinierten sogar flüssig und ansehnlich. Mit der Hacke legte Jaacks rechts für Wrage zurück und wurde rechts wieder steil geschickt. Am Strafraumeck zog sie ab, weil Knickrehm in der Mitte gedeckt war. Stödt klatschte wie beim 1:1 den Ball nur ab, aber dieses Mal war keine Henstedterin zum Abstauben zur Stelle (60.). Die Partie verlagerte sich zunehmend in die Riepsdorfer Hälfte. Die Gastgeberinnen verlegten sich aufs Kontern, die Gäste machten das Spiel. Aber letztlich waren sie zu harmlos, wie in der 67. Minute, als Wrage zentral gute 20 Meter ungestört mit dem Ball auf den Strafraum zulaufen konnte, ihren Schuss aber schwach rechts vorbei setzte. Ihnen fehlte die Effektivität, die der FCR jedoch hatte. Leonie Korok spielte einen langen Ball auf Marten, deren Schuss von Voigt pariert wurde. Riepsdorf bekam die zweite Welle und spielte das Leder rechts raus. Siemers ging steil, flankte von rechts, und im Fünfmeterraum stand die eingewechselte Jessica Junge frei, hielt den Fuß zum 3:1 hin (73.).
Der SVHU mühte sich redlich, dies nicht die Vorentscheidung sein zu lassen, spielten weiterhin nach vorn und zeigten Moral. Und sie hatten Pech. Wrage lief rechts in den Strafraum, sich dort aber fest und legte kurz zurück. Jaacks hoher Ball - es konnte sowohl Flankenversuch wie auch Torschuss gewesen sein, senkte sich am kurzen Pfosten und klatschte auf die Latte (78.). Zwei Minuten später flankte Runge von links, in der Mitte kam Tiarks frei zum Kopfball, fand jedoch ihre Meisterin in Stödt, die rechtzeitig abtauchte und mit einer Hand abwehrte. Sie drückten weiter auf den Anschlusstreffer, und zweifellos würde die Partie nochmal an Dramatik und Spannung gewinnen, sollten sie es schaffen. Aber ihre torgefährlichste Spielerin, Sonja Jaacks, jagte den Ball in der 83. Minute aus 18 Metern stramm knapp rechts vorbei. Es sollte einfach nicht sein.
Sie gingen ein hohes Risiko, inzwischen mit einer Dreierkette in der Abwehr, durch die sie natürlich verwundbarer wurden. Als die eingewechsele Carola Meier schnell einwarf, rückte Henstedt-Ulzburg nicht zügig genug zurück. Marten ging links bis zum Fünfmeterraum durch und schlenzte. Voigt war dran und lenkte ab, am langen Pfosten wollte Siemers per Grätsche verwerten, wurde aber noch abgeblockt (85.). Es waren typische zehn Schlussminuten, in denen Riepsdorfs Junge wegen Zeitspiels die Gelbe Karte sah, und Henstedt-Ulzburgs Wrage wegen Meckerns. Die letzte Chance hatten die Gäste in der dritten Minute der Nachspielzeit. Knickrehm schoss einen Freistoß aus 18 Metern in die Mauer, die fälschte ab, und freistehend schoss Wrage volley links vorbei.
Der Riepsdorfer Sieg war mehr als schmeichelhaft und wurde durch Schiedsrichterentscheidungen entscheidend begünstigt. In Halbzeit zwei waren die Gäste aus dem Kreis Segeberg das bessere Team und taten mehr für das Spiel. Der falsche Strafstoß gab jedoch den Ausschlag für die sechste Niederlage in Ostholstein, denn die Mannschaft von Jan Siemers musste danach öffnen, und durch die entstehenden Räume kam der FC Riepsdorf zum dritten Treffer. Auch kämpferisch war der SVHU überlegen. Den Unterschied machte - im positiven wie negativen Sinne - die Abgezocktheit des FCR, der insgesamt aber schwach spielte.
Stenogramm:
FC Riepsdorf:
Daniela Stödt - Anja Balck (66. Elena Heydemann), Leonie Korok, Sarah Titzmann, Ann-Katrin Höft (56. Jessica Junge), Alexandra Polley (78. Carola Meier), Larissa Siewert (89. Janine Kulow), Sarah Schreiber, Julia Oberst, Ronja Siemers, Julia Marten
SV Henstedt-Ulzburg:
Berith Voigt - Lara Mundt (81. Jasmin Witt), Jennifer Torba, Riana Wrage, Maj-Lene Tylkowski (75. Sarah Schulte), Nadja Schubring, Dagmar Runge, Maike Tiarks (87. Katarina Jansen), Katarina Jansen (70. Mareike Schmedes), Sonja Jaacks, Denise Knickrehm
Tore:
1:0 Siemers (30.)
1:1 Runge (34.)
2:1 Siemers (57., Foulelfmeter)
3:1 Junge (73.)
Gelbe Karten:
Junge / Wrage
Schiedsrichterin:
Wendt Köhler (TSV Ratekau)
Zuschauer:
60
Teilen
Zu den unteren Ligen
Zur FanSoccer-Startseite
|