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25.10.2011
Bericht und Bilder von Fuxi
Es war Derbyzeit in Norderstedt. In der Regionalliga Nord kam es am 8. Spieltag zum Duell zwischen der zweiten Mannschaft des Hamburger SV und dem Buxtehuder Nachbarn Eintracht Immenbeck. Das Team aus dem Alten Land, als Aufsteiger immerhin Vizemeister der Vorsaison, war mit drei Niederlagen aus fünf Spielen holprig in die Saison gestartet und belegte vor Anpfiff der Begegnung Platz vier. Nun reisten sie also zum HSV, der etwas überraschend nach sechs Spieltagen die Spitzenposition erobert hatte. Überraschend vor allem deshalb, weil es sich nicht, wie man vermuten konnte, um die zurückgezogene Zweitliga-Meistermannschaft handelte, sondern um den Kern der Dritten aus der Vorsaison.

Enttäuschung nach dem Schlußpfiff bei den Spielerinnen des TSV Eintracht Immenbeck. Die drei Punkte fast schon sicher in der Hand, traf die Hamburgerin Justin Kusi in der dritten Minute der nachspielzeit zum 3:3 Unentschieden.
HSV-Torjägerin, Justine Kusi, fand sich nach schwachem Auftritt bei Burg Gretesch in der Vorwoche auf der Bank wieder. Statt dessen stürmte ganz vorne die portugiesische U19-Nationalspielerin Claudia Pinto. Ganz hinten stand Bundesliga-Reservekeeperin Saskia Schippmann zwischen den Pfosten, was bedeutete, dass Cathérine Knobloch wieder aus dem Kasten auf ihre angestammte Linksverteidigerposition rücken durfte, während Stammkeeperin Katrin Schwing länger verletzt ausfiel und Julia Prosch erst ab 1. November spielberechtigt war. Bei Eintracht Immenbeck standen drei der vier ehemaligen HSVerinnen in der Anfangself: Vanessa Bastin auf der linken Abwehrseite, Ann-Kathrin Lüth vor der Viererkette und Kapitänin Maria Marrocu. Lediglich Mayline Danner fehlte.
In einer rasanten Anfangsphase ohne Abtasten erwischten die Gäste den besseren Start. Bei einem Freistoß von Katharina Mertz aus 25 Metern gab es großes Durcheinander, als Schippmann den scharfen Schuss an die Latte lenkte. Fenna Elfers konnte per Kopf in zwei Versuchen nicht verwerten, HSV-Verteidigerin Denise Meinberg köpfte zur Seite, und als die eher zierliche Tanja Thormählen von hinten leichten Kontakt mit dem Rücken von Marrocu herstellte, sank die Berührte wie vom Bus getroffen zu Boden. Schiedsrichterin Mirka Derlin fiel nicht darauf herein und ließ weiterspielen (3.). Nach zehn Minuten brachte ein unnötiges Foul von Carolin Reiß an der Strafraumgrenze dem Gast einen Freistoß ein. Mertz führte kurz aus, und Marrocu schoss direkt mit links harmlos vorbei.
Immenbeck war in der Anfangsviertelstunde die stärkere Mannschaft. Vor allem mit langen Bällen aus der eigenen Hälfte brachten sie den HSV immer wieder in Schwierigkeiten. Aber auch im Spielaufbau waren die Rothosen nicht gut sortiert, immer wieder ging das Leder verloren, bevor ein Abschluss vorbereitet werden konnte. So dauerte es bis zur 19. Minute, ehe sie die erste Chance bekamen. Nach einem Freistoß von Knobloch aus der eigenen Hälfte legte Pinto am Strafraum zurück, und Fjolla Gara drosch das Spielgerät direkt volley zwei Meter neben den Kasten. Drei Minuten später gab es erneut Freistoß, dieses Mal aber an der rechten Seitenlinie in Folge eines Fouls an Tania Rocha Ferreira. Den Ball brachte Linksfuß Lara Wolff hoch herein. Er senkte sich in den Fünfmeterraum, schien eine sichere Beute für Immenbecks Keeperin Milena Bargsten. Doch sie ließ ihn durch die Finger gleiten - 1:0 für den HSV in der 22. Minute! Zu diesem Zeitpunkt war dieser Spielstand überraschend und schmeichelhaft für die Gastgeberinnen.
Doch der Vorsprung hielt nicht lange. In der 26. Minute schlug Fenna Elfers einen langen Ball auf Fabienne Stejskal in die Spitze. Mit langem Bein versuchte die Stürmerin den Ball vor Schippmann zu erreichen, schaffte das auch und holte immerhin einen Eckball heraus. Den flankte Elfers in die Mitte, Sarah Stöckmann kam zum Kopfball, und der senkte sich hinter Schippmann links zum verdienten Ausgleich unter die Latte. Dem HSV war das ein Schlag ins Kontor. Zwar hatten sie die nächste Chance, als Pajtesa Kameraj nach Ablage von Pinto von der Strafraumgrenze verzog, aber die Buxtehuderinnen waren gefährlicher. Es war immer wieder das gleiche Schema: Lange Bälle hinter die weit aufgerückte Abwehr. Der HSV probierte dies auch, die Eintracht stand aber deutlich tiefer, und somit verpufften diese Versuche und ließen es nach Kick-and-Rush aussehen. So entwischte Stejskal nach einem langen Ball von Amelie Rose ihrer Gegenspielerin Knobloch, bei ihrem Schuss war Schippmann aber im bedrohten Eck (33.). Diese Taktik verhieß Erfolg, die Bundesligareserve stellte sich partout nicht darauf ein. Die logische Folge: Erneuter langer Ball auf Stejskal halbrechts, freie Bahn zum Tor, Elfers war mitgelaufen und schob nach dem Querpass zum 1:2 ins leere Tor (37.).
Die Führung für Immenbeck ging durchaus in Ordnung. Sie lockten den HSV im Mittelfeld nach vorn und überbrückten dann das mittlere Spielfelddrittel. Die Hamburgerinnen hingegen waren leicht auszurechnen, vor allem mit unstrukturiertem Spielaufbau standen sie sich selbst im Weg. Lediglich über die Flügel versprühten sie etwas Gefahr. Nachdem Schippmann in der 41. Minute erneut anstelle ihrer schwimmenden Abwehr gegen Stejskal retten musste, zog HSV-Trainer Peter Schulz die Notbremse: Spielführerin Denise Meinberg musste noch vor dem Seitenwechsel raus, für sie kam die gerade wiedergenesene Svenja Winter herein. Eine Maßnahme, die sich als wirksam erweisen sollte. Als Gara eine Ecke von Wolff über den Kasten köpfte, ging es mit einer 2:1-Gästeführung in die Pause. Und der Vorsprung war verdient.
Zum zweiten Durchgang wechselte Schulz erneut, brachte seine junge Goalgetterin Justine Kusi für Fjolla Gara. Und seine Mannschaft kam besser aus der Pause, war drängender als in der ersten Halbzeit. Das Spiel öffnete sich, allerdings ohne die großen Chancen des HSV. In der 59. Minute hatten sie Pech: Auf eine Wolff-Ecke gab es Gewühl im Strafraum, Winter kam zum Schuss und schlenzte, aber Franziska Albers rettete auf der Linie. Kurz darauf ersetzte Mascha Cohrs Vanessa Bastin bei den Gästen. Denn der HSV drückte und tat mehr für das Spiel, wirkte insgesamt sortierter. Bei Immenbeck passte in dieser Phase wenig zusammen. Bis zur 66. Minute. Da wehrten sie einen Eckball ab und konterten. Albers schlug einen langen Ball hinter die Absicherung der Gastgeberinnen, und Elfers ließ Schippmann keine Abwehrchance - 1:3.
Es war die kalte Dusche für den Tabellenführer, aber man musste auch zugestehen: Wer sich so naiv überlaufen ließ, hatte die Tabellenführung auch nicht verdient. In der Folgezeit schien Immenbeck dem vierten Treffer näher als der HSV dem zweiten. Bei den Gästen kam direkt nach dem Tor Anna Wülfgen für Maria Marrocu ins Spiel. Der Sack schien zu, der Drops gelutscht, der Sieg eingetütet. Aber dieses Derby folgte nicht den Erwartungen der Zuschauer. 74. Minute: Nach Foul an Bundesliga-Leihgabe Nina Brüggemann gab es Freistoß an der Strafraumgrenze. Wolff trat an und zirkelte den Ball aus leicht rechts versetzter Position an der Mauer vorbei flach in die Torwartecke - 2:3. Und plötzlich schien alles wieder offen.
Dass es so blieb, lag am Schiedsrichtergespann. Zunächst kam Stejskal nach Freistoß von Wülfgen zum Kopfball, verlängerte die Kugel über die Latte. Den Abstoß fing Immenbeck schnell ab, Stejskal war frei vor Schippmann und versenkte unten rechts ins Tor. Doch Derlin gab den Treffer nicht - Stejskal soll im Abseits gestanden haben. Die Buxtehuder Bank fluchte, akzeptierte jedoch die Entscheidung. Doch dieses Glück konnte den HSV nicht beflügeln, noch immer taten sie sich sehr schwer und rannten sich oft fest. Nach Ablage von Brüggemann schoss Pinto mit links klar vorbei (78.). Beide Teams wechselten danach letztmalig. Beim HSV kam Songül Aydin für Carolin Reiß - keine Brechstange. Eintracht Immenbeck brachte Stürmerin Nadia Papist für Doppeltorschützin Fenna Elfers.
In der 86. Minute begann die dramatischste Phase einer abwechslungsreichen Regionalligapartie. Brüggemann nagelte einen Freistoß aus 26 Metern in die Mauer, aber Schiedsrichterin Derlin monierte ein Handspiel und gab erneut Freistoß aus 18 Metern. Wieder knallte Brüggemann drauf, die Mauer fälschte zur Ecke ab. Es entwickelte sich eine Abwehrschlacht der müde wirkenden Gäste. Deren letzte Chance war symptomatisch, denn nachdem ein Albers-Freistoß verlängert worden war, schob Stejskal kraftlos aus fünf Metern genau auf Schippmann. Dem HSV blieb noch Hoffnung; drei Mal hatten sie zuletzt in den letzten Minuten getroffen, darunter die Siegtreffer gegen Havelse und in Burg Gretesch. Und sie bekamen ihre Möglichkeit zum Ausgleich. Brüggemann schlug einen Ball diagonal auf Wolff, doch die schlenzte vom linken Strafraumeck knapp drüber (90.+1). Alles aus, die zweite Niederlage im dritten Pflichtspiel gegen die Altländerinnen? Noch ein einziger Angriff. Wieder schlug Brüggemann das Leder diagonal, dieses Mal sollte Pinto das Leder bekommen. Bargsten rannte aus dem Kasten, um zu klären, und war vor Pinto am Ball. Doch die Erleichterung der Immenbeckerinnen wich dem Entsetzen, denn Bargsten traf das Leder so katastrophal, dass sie ihn genau zur bis dahin glücklosen Justine Kusi bugsierte. Das ließ sich die junge Stürmerin nicht nehmen und schob aus 20 Metern mit der Innenseite kontrolliert ins leere Tor.
Schiedsrichterin Mirka Derlin gab die Partie danach zwar nochmal frei, pfiff Sekunden später jedoch ab und beendete das Derby beim Endstand von 3:3. Die offiziell 150 Zuschauer auf der Paul-Hauenschild-Anlage waren reichlich bedient worden. Für den HSV war es definitiv ein Punktgewinn, das sah auch ihr Trainer so. Die Punkteteilung war glücklich, nicht nur im Zustandekommen. Aber sie wurden am Ende doch noch für ihren Kampf und den Glauben an sich selbst belohnt, wenn auch mit Hilfe des Gegners. Immenbeck war am Ende zurecht enttäuscht und besonders Torhüterin Bargsten ein trostbedürftiges Häufchen Elend. Für sie war es ein gebrauchter Tag. Ursächlich für den Ausgang jedoch war auch, dass ihnen in der letzten Viertelstunde die Luft ausging. Der HSV hingegen konnte noch zulegen, wenn auch spielerisch recht dürftig.
Trotz des 3:3 baute der in acht Spielen ungeschlagene HSV II. seine Tabellenführung noch aus, denn Verfolger Bergedorf 85 mit den Ex-HSVerinnen Katrin Miotke, Jasmin Wolf, Wiebke Korthals und Nadine Odzakovic vergeigte im zweiten Topspiel beim Dritten, Zweitligaabsteiger Holstein Kiel, mit 1:2. Bereits mit acht Punkten Rückstand auf Platz eins liegt Jahn Delmenhorst nach einem klaren 4:0 gegen den FFC Oldesloe II. auf Platz fünf und profitierte dabei vom 1:1 zwischen den punktgleichen Tabellennachbarn SV Ahlerstedt/Ottendorf und TSV Havelse, die die Ränge sieben und sechs belegen. Im Tabellenkeller feierte Aufsteiger SF Wüsting-Altmoorhausen durch das goldene Tor von Maren Genke in der Nachspielzeit beim Elften VfL Oythe den ersten Sieg in der neuen Spielklasse. Das Spiel zwischen Werder Bremen II. und TSG Burg Gretesch auf den Plätzen 8 und 9 wurde auf den 6. November verlegt.
Hamburger SV II:
Saskia Schippmann - Cathérine Knobloch, Tanja Thormählen, Denise Meinberg (41. Svenja Winter), Carolin Reiß (78. Songül Aydin) - Pajtesa Kameraj, Nina Brüggemann - Lara Wolff, Fjolla Gara (46. Justine Kusi), Tania Rocha Ferreira - Claudia Pinto
TSV Eintracht Immenbeck:
Milena Bargsten - Vanessa Bastin (61. Mascha Cohrs), Amelie Rose, Jennifer Bochmann, Franziska Albers - Sarah Stöckmann, Ann-Kathrin Lüth, Katharina Mertz - Maria Marrocu (66. Anna Wülfgen) - Fabienne Stejskal, Fenna Elfers (78. Nadia Papist)
Tore:
1:0 Wolff (22.)
1:1 Stöckmann (27.)
1:2 Elfers (37.)
1:3 Elfers (66.)
2:3 Wolff (74.)
3:3 Kusi (90.+3)
Gelbe Karten: Wolff / -
Schiedsrichterin: Mirka Derlin (Bad Schwartau) mit Johanna Ahlrichs (Kattendorf) und Rika Nuernberger (Sarau)
Zuschauer: 150
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