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Regionalliga Nord, 12. Spieltag

Mit der Ruhe des Sturms

TSV Havelse - TSV Eintracht Immenbeck 3:0 (1:0)

Text von Frank Porcarelli, Bilder von Robert Pinkawa

29.09.2011  Wenn man seine Journalisten-Karriere im November beginnt, sollte man bei schlechtem Wetter und starkem Wind in der Bahn zum Spiel. Auf die Idee kam ich aber erst, als ich bereits auf meinem Fahrrad am Mittellandkanal nach Havelse kurbelte. Und in Bothfeld war noch alles ruhig. Zu spät, aber seitdem ich für fansoccer.de schreibe, hat das Leben ein ganz anderes Flair. Man darf weltmännisch Interviews führen, es gibt schon mal ein Käffchen und man hat immer die beste Sicht. Da kann man schon mal das Wetter verschmerzen und die Tatsache, dass es keine Schnittchen gibt. Die habe ich mir vorher besorgt in einer Filiale der Bäckereikette, die Namensgeberin ist für das Stadion des TSV Havelse in Garbsen vor den Toren Hannovers, wo heute das Semi-Spitzenspiel der Regionalliga-Nord zwischen den Damen Havelses und Eintracht Immenbeck stattfindet, auf das ich sehr gespannt bin.

Spielszene

Das Spiel der Regionalliga Nord zwischen TSV Havelse und TSV Eintracht Immenbeck fand unter äußerst ungemütlichen Witterungsbedingungen statt...

Ich fasse zusammen: Stadt Immenbeck, 1.039 Einwohner, fast so groß wie der Golfplatz des ortsansässigen Renommee-Clubs und mit Eintracht Immenbeck ein Fußballverein mit einer verblüffend großen und auch erfolgreichen Frauen-Fußball-Abteilung, die sehr pfiffig ist mit Eigeninitiativen wie zum Beispiel mit einem Stein, mit dessen Verkauf man dort den Etat bereichern möchte. Demgegenüber TSV Havelse, ein Verein eines Stadtteils eines Vorortes einer Großstadt mit Herren-Zweitliga-Zugehörigkeit in den 90ern unter der Leitung von Volki Finke und auch gegenwärtig erfolgreich ebenfalls im Damenfußball unter der Leitung von Yvonne Tünnermann, Trainerin, Spielerin, Torjägerin und Motor der FF-Sparte Havelses und gemeinsam mit den Damen ihres Regionalliga-Teams Eintracht Immenbeck auf den Fersen.

Als der Schreib-Artist dieses Artikels wegen des Wetters pünktlich zur 22. Spielminute erschien, musste er feststellen, dass das Spiel wegen einer Herren-Bezirksliga-Begegnung nicht im Stadion, sondern auf einem Nebenplatz stattfand. Jetzt den Eindruck zu äußern, der TSV Havelse wäre ein recht urwüchsiger Verein, der traditionelle Schwerpunkte setzte, wäre vielleicht ein bisschen viel, daher lasse ich das.

Allerdings lieferte der ungeschützte Standort des Platzes die Teams frontal der Witterung aus. Mit diesem Wetter kam Havelse besser zurecht, indem das Team taktisch gut eingestellt sich auf ein effektives Kurzpass-Spiel verlegte. Immenbeck fand nicht zu ihrer Ordnung und agierte oft sehr überhastet, vornehmlich mit langen Bällen.


Havelse war durch Antje Schulz in Führung gegangen, nachdem sie einen Pass von der rechten Seite aufnahm, ihre Gegenspielerin tunnelte und die Chance verwertete (14.). Der TSV drückte Immenbeck, auch mithilfe des Windes, in der Folgezeit in die Defensive und erarbeitete sich weitere Möglichkeiten. Tünnermann versuchte es mit einem Weitschuss (30.), eine Minute später Maike Stickel nach einer kurzen Ecke. Wiederum zwei Minuten danach zielte Stickel nach einer Kombination zwischen Janine Müller und Tünnermann über das Tor. Immenbeck konterte in der 40. Minute erstmals gefährlich, aber der Schuss von Denise Danner auf Vorlage von Vanessa Bastin ging knapp daneben. Kurz vor der Halbzeit hatte Yvonne Tünnermann nach gekonnter Ballmitnahme eine gute Chance, aber Immenbecks Torfrau Merkens meisterte auch dies.

Auch in der zweiten Halbzeit war die Eintracht, mit 36 Toren First-class-offensive der Liga, insgesamt zu umständlich bei den Bemühungen, zum Erfolg zu kommen. Allerdings agierte Havelses Defensive gekonnt, so dass alle Versuche Immenbecks, ihre Stürmerinnen durch Pässe in die Tiefe in Szene zu setzen, an der Abwehr des TSV scheiterten, die vor allem in Lara Hoffmann eine sehr starke Spielerin hatte. Hoffmann war es auch, die mit einem Pass Antje Schulz bediente, die allerdings von Immenbecks Amelie-Felicitas Rose (mmmmmh, was für ein Name ! !) gestoppt wurde. (52.) Vier Minuten später versuchte es ihre Teamkollegin Danner mit einem Weitschuss, den Homeyer sicher hielt. Dies war Immenbecks zweite Chance in der zweiten Halbzeit, nachdem der Ball in der 46. Minute nach Abschlag von Torfrau Marleen Gerkens durch Wucht und Windhose knapp am Havelser Tor vorbeigerauscht war.

Havelse konzentrierte sich ab jetzt im Wesentlichen auf die Defensive, und während Immenbeck bemühte, ihre Präsenz im Mittelfeld aufzubauen, versammelte der TSV den organisierten Widerstand vor dem eigenen Sechzehner. Die Spielerinnen der Eintracht steckten nie auf, aber die Pässe waren viel zu ungenau, um effektiv sein zu können, und es fehlten auch die Ideen, um dem Tor Havelses gefährlich werden zu können. Nach dem Spiel sagte Eintracht-Trainerin Conny Hillenbrand, dass vier Abwehrspielerinnen fehlten, sodass der Spielaufbau nicht so effektiv war wie in den Spielen zuvor.

Havelse war zweikampfstärker, besser im Spielaufbau, trotzte dem Wetter durch das erwähnte Kurzpassspiel und bot dadurch auch objektiv den besseren Fußball. Die Raumaufteilung empfand ich auf Seiten Havelses als gekonnter, jede Spielerin hielt die Position und insgesamt waren sie in der Abstimmung sehr effektiv. Immenbeck, die nie zu einer klaren Linie fanden, mußten durch das ständige Anrennen und den langen Wegen nach den Ballverlusten – bzw. Balleroberungen Havelses – viel Kraft aufwenden. Während Immenbeck sich zunehmend die Zähne ausbiss, trickste sich Havelse leichtfüßig aus der Abwehr in die Offensive und fand dort kompetente AbnehmerInnen in Tünnermann, Stickel und einer sehr emsigen Antje Schulz. Zwingende Chancen allerdings konnte sich auch Havelse lange Zeit nicht herausarbeiten, da auch die Immenbecker Abwehr trotz der Laufwege dennoch effektiv war.

Zunächst allerdings sorgte TSV-Torwartin Homeyer für Stimmung, als einer ihrer Abschläge fast zur Vorlage für Immenbeck wurde. In der 62. Minute geriet ein Pass Tünnermanns für Ricarda Demke zu lang, kurz darauf legte Maike Stickel für Louisa Less auf, deren Schuss von Merkens gehalten werden konnte. Wiederum Tünnermann scheiterte nach einem technisch anspruchsvollen Alleingang nur knapp (71.) wie auch Nina Thürnau nach Pass Tünnermanns.

Lara Hoffmanns Pendant auf Immenbecker Defensiv-Seite war Sarah-Vanessa Stöckmann, die viele Löcher stopfte wie in der 79. Minute, als sie Havelses Thürnau am Torschuss hinderte. Eine Minute später allerdings fiel die Entscheidung zugunsten der Heimelf durch Elfmeter. Vorausgegangen war ein langer Pass Stickels auf die unermüdliche Tünnermann, die im Immenbecker Strafraum zu Fall gebracht wurde. Maike Stickel ließ sich diese Chance nicht entgehen.

Möglichkeiten für die Immenbeckerinnn gab es in Halbzeit zwei außer den erwähnten keine weiteren. Zwar war das Team immer präsent und man konnte in einigen Situationen erkennen, warum das Team derart erfolgreich ist – Ballannahme, Antrittschnelligkeit und auch technisch gute Ansätze. Allerdings reichten diese Qualitäten gegen Havelse nicht. Stattdessen noch das 3 : 0, das man durchaus als Traumtor bezeichnen kann. Jessica Pollenius hatte den Ball mit einem langen Pass auf Tünnermann gebracht, die 20 Meter vor dem Tor den Ball aus vollem Lauf direkt in den Winkel trat. (88.)

Stimmen zum Spiel

Laut Immenbeck-Trainerin Hillenbrand ging das Ergebnis auch in dieser Höhe in Ordnung, allerdings hätte es in der ersten Halbzeit durchaus auch anders laufen können... die Wetterbedingungen seien schon extrem gewesen. Generell sei es Immenbecks Zielsetzung, unter den ersten vier zu stehen. Ihr Team belegte bereits in der vergangenen Saison als Aufsteigerin den zweiten Platz, 6 Punkte hinter Mellendorf und zwei vor Havelse, was natürlich ein Riesenerfolg gewesen ist. Die zweite Liga sei für die Eintracht Utopie, da der Verein auch finanziell gewisse Grenzen habe. Für alle Beteiligten, von den Verantwortlichen bis zu den Spielerinnen, sei der Fußball Idealismus, so dass die Ansprüche andere seien als beispielsweise bei der Reserve des HSV.

TSV Havelse: Marleen Krause, offensichtlich spontan zur Pressesprecherin als Vertretung Yvonne Tünnermanns ernannt, sagte auf die Fragen nach Aufstiegsambitionen, dass das Team das erreichen möchte, was drin ist. Immenbeck hätte sie stärker eingeschätzt, aber Havelse habe die Räume zugestellt und nichts zugelassen. Insofern wäre Immenbeck nicht zur Entfaltung gekommen und für Havelse war es ein verdienter Sieg.

Dem ist nichts hinzuzufügen. Ob die Aufstiegsambitionen realistisch sind und das Team in der zweiten Liga mithalten könnte, kann noch lange nicht thematisiert werden, allerdings ist der TSV in dieser Form sicher eine Kandidatin, den oben stehenden Teams Konkurrenz zu machen. Allerdings beträgt der Rückstand nach dem 12. Spieltag auf Bergedorf 7, auf den Hamburger SV II 6 Punkte.



TSV Havelse:
Homeier - Demke, Claudia Schulz (60. Kaczmarek), Müller (46. Thürnau), Hoffmann; Stickel, Less, Gellermann, Pollenius; Antje Schulz (80. Krause), Tünnermann

TSV Eintracht Immenbeck:
Gerkens - Albers (55. Mertz), Rose, Lüth, Marrocu, Elfers, Stejskal, Danner, Stöckmann, Bastin, Bochmann (72. Oesmann)

Tore:
1 : 0 (14.) Schulz
2 : 0 (79.) Stickel (FE)
3 : 0 (88.) Tünnermann

Schiedsrichterin: Schiedsrichterin: Christin Naujoks (Hamburg)
1. Assistent: Joscha Tetzlaff // 2. Assistent: Sabrina Rbib

Zuschauer: ca.10


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