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Hessenpokalfinale 2010

Beffart contra Calden

TSV Jahn Calden - VfR 07 Limburg 1:0 (1:0)

Text von Christian Heidler
Fotos von Volker Lieberum

03.07.2010   Wie schon im Vorjahr wurde das Endspiel um den Hessenpokal in Marburg ausgetragen und erneut stand der TSV Jahn Calden im Finale. Neu waren jedoch der Gegner, der VfR 07 Limburg, und die Rahmenbedingungen. So bildete das Pokalendspiel am 13.06.2010 den Höhepunkt einer langen Veranstaltung, die als „Tag des Mädchenfußballs” begann und mit dem Finalturnier um den Pokal der C-Mädchen verknüpft war. Als Vorspiel für die Frauen bestritt der neue Pokalsieger der B-Juniorinnen, der KSV Hessen Kassel, ein Einlagenspiel. Zudem war u.a. mit Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel und HFV-Vizepräsident Walter Biba einige Prominenz zugegen.

Am Sockel des Hessenpokals sind all die früheren Gewinner verewigt. Die Namen TSV Jahn Calden und VfR 07 Limburg sind gleich mehrfach angebracht. Der Gewinn der Trophäe bringt nicht nur Ehre, sondern auch die Teilnahmeberechtigung für den DFB-Pokalwettbewerb. Doch nicht nur aus diesem Grunde war es für beide Mannschaften ein besonderer Tag.

Karina Krohne

Karina Krohne in ihrem letzten Spiel. Die Mannschaftskapitänin spielt seit ihrem sechsten Lebensjahr beim TSV Jahn Calden, stand in der U 16-Nationalmannschaft, war zwischenzeitlich bei einem Collageteam in den USA und beim FSV Frankfurt in der Bundesliga aktiv und ist inzwischen Mutter einer kleinen Tochter

Beim Titelverteidiger aus Nordhessen war etwas Wehmut angesagt: Mit Spielführerin Karina Krohne, Torfrau Julia Zeuner, Jennifer Giehl, Caroline Georgi und Femke Kazubski haben fünf altgediente Spielerinnen ihr Karriereende angekündigt. Zusammen mit dem den Verein verlassenden Trainer Udo Engelbrecht waren sie – mit Ausnahme der fehlenden Giehl – nun letztmals für Jahn Calden im Einsatz. Ein erneuter Pokaltriumph sollte das passende Abschiedsgeschenk sein.

Die Limburger wollten ihrerseits eine als Hessenmeister abgeschlossene Punkterunde mit dem Doublegewinn krönen. Und dies wäre um so schöner gewesen, da der Verein schweren Herzens seinen Verzicht auf den Aufstieg in die Regionalliga verkünden mußte. Im übrigen wäre der Cupgewinn auch für den scheidenden Chefcoach Ingo Horst ein gelungener Ausstand.

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VfR 07 Limburg, Hessenmeister 2010. Hinten v.l.n.r: Manuela Weil, Anna Strenger, Nadine Pfaff, Andrea Roos, Fitneßtrainer Markus Schupp, Rebecca Konhäuser, Sandra Fritz, Trainer Ingo Horst. Vorne: Tina Böcher, Sabine Hofmann, Janina Beffart, Nicole Brauer, Jenny Schäfer, Julia Kreutner und Jessica Otto.
Mit der Geschlossenheit der abgelaufenen Saison möchte man auch im neuen Spieljahr wieder Meister werden – und dann auch bei verbesserten Rahmenbedingungen in die Regionalliga aufsteigen.

Doch nicht nur das Finalmatch stand für beide Teams unter speziellen Vorzeichen, schon der Weg dorthin war von Besonderheiten gekennzeichnet. Hatte Limburg in der ersten Runde noch beim Ligakonkurrenten FFC Braunfels 2:1 obsiegt, sah es bei der Partie gegen Regionalligist Germania Wiesbaden beim Stande von 0:1 kurz vor Spielende nach einem Ausscheiden der 07er aus. Dann kam es zu dem traurigen Zwischenfall, der über die Region hinaus für Aufsehen sorgte: Eine Zuschauerin, die dem Anhang der Gäste zuzuordnen war, schlug zwei Limburger Spielerinnen krankenhausreif und sorgte für einen Spielabbruch. Die Begegnung wurde später „am grünen Tisch” mit 3:0 für Limburg gewertet. Im Halbfinale benötigten die Horst-Schützlinge beim Ligakonkurrenten TSG Kammernbach das Elfmeterschießen um sich letztlich mit 4:2 für Marburg zu qualifizieren.

 Jenny Schäfer gegen Sina Alexi

Jenny Schäfer (rechts im Zweikampf mit Sina Alexi) war wie Jessica Otto Opfer des gewalttätigen Übergriffs einer Zuschauerin beim Viertelfinalspiel gegen Germania Wiesbaden. Erfreulicherweise konnten beide Limburgerinnen im Finale wieder mitwirken

Für Jahn Calden wäre das Projekt Cupverteidigung beinahe vorzeitig


Janina Beffart gegen Arlene Rühmer

Torfrau Janina Beffart war Limburgs großer Rückhalt, an dem Caldens Stürmerinnen reihenweise scheiterten. Hier freilich zwingt sie die brandgefährliche Arlene Rühmer zu einer unfreiwilligen Flugeinlage, ohne dabei den Ball zu spielen. Statt Elfmeter gab es nur einen Freistoß für Calden

beendet gewesen, hatte der Klub doch im Halbfinale des Regionalpokals überraschenderweise eine Niederlage gegen Kammerbach einstecken müssen. Nur aufgrund der Modusänderung für den Hessenpokal konnte der TSV dann noch als Dritter der Region Kassel in den Wettbewerb einsteigen. Dort bescherte das Los den Nordhessinnen ausgerechnet den RSV Roßdorf. Das Duell gegen den Regionalligisten aus dem Marburger Umland betrachteten einige schon als vorweggenommenes Endspiel. Doch dazu kam es leider nicht, weil die Roßdorfer einer schon seit langem geplanten Mannschaftsreise den Vorzug gaben und ein von allen Seiten akzeptierter Ausweichtermin nicht gefunden werden konnte. Kampflos zog Calden somit in das Viertelfinale, eliminierte dort den Hessenligisten SV Gläserzell (4:0) und anschließend Eintracht Frankfurt mit 5:3 im Semifinale.

Das mit etwas Verspätung angepfiffene Hessenpokalfinale sah einen von Anbeginn hellwachen VfR, der sich mit einem aufs lange Eck senkenden Freistoß die erste Torchance erspielte. Schnell stand aber dann Limburgs Keeperin Janina Beffart im Mittelpunkt des Geschehens. Zunächst hatte Sina Alexi schön auf Kazubski durchgesteckt, die dann verschoß (3.), dann entschärfte die Torfrau einen Heber von Kazubski (7.). Spätestens nach dem dritten vielversprechenden Caldener Angriff war Limburgs Drangphase auch schon wieder beendet. Das war in der 8. Minute, als Arlene Rühmer auf Beffart zusteuerte und die Torfrau die Stürmerin zu Fall brachte. Ein Foul, das wohl innerhalb des Strafraums begangen wurde, nicht allerdings nach Ansicht von Schiedsrichterin Susanne Luft.

Janina Beffart gegen Sharon Brown

Janina Beffart behält die Oberhand. Auch im Luftkampf, wie hier gegen die eingewechselte Sharon Braun, war Limburgs Keeperin kaum zu bezwingen

Nach einer Viertelstunde war es dann aber um die Domstädterinnen geschehen als Karina Krohne eine auf sie getretene Ecke volley in das lange Eck hämmerte. Es folgten weitere Angriffe der klassenhöheren Mannschaft mit aussichtsreichen Tormöglichkeiten, darunter ein schöner Fernschuß von Jil Ludwig (32.) und ein Pfostenkracher der agilen Rühmer (36.). Ein weiterer Treffer wollte Calden jedoch nicht mehr gelingen, nicht zuletzt weil Beffart mit einigen guten Paraden glänzte. Auf der anderen Seite spielte der Hessenmeister zwar gut mit, brachte es aber lediglich noch zu zwei wenig gefährlichen Torchancen.

Jessica Otto gegen Rebecca Trabert

Pokalfight bis zuletzt. In dieser Spielszene der 2. Halbzeit läßt sich Jessica Otto nicht von der eingewechselten Caldenerin Rebecca Trabert stoppen

Nach dem Seitenwechsel ging es zunächst unverändert weiter. Limburg setzte aber dann durch Christina Böcher ein Achtungszeichen: Ihren Schuß vermochte Zeuner erst im Nachfassen zu entschärfen. Die weitaus größere Gefahr herrschte freilich auf der Gegenseite, so daß sich so etwas wie ein Spiel Calden gegen Beffart entwickelte. Was nicht über oder neben das Tor ging, das entschärfte Limburgs Nr. 1. Gegen Rühmers Lattenknaller in der 65. Minute konnte freilich auch sie nichts ausrichten.

Mit zunehmender Spieldauer wurde den Limburgerinnen die Ausgangslage bewußter und sie drängten vermehrt auf den Ausgleich. Wie knapp der Eintorevorsprung ist, spürte aber auch Caldens unermüdliche Spielführerin


Krohne und trieb ihr Team immer wieder an. Doch weder ihr noch einer ihrer Mannschaftskolleginnen sollte noch ein Tor gelingen. Da dies auch den tapfer kämpfenden und nie aufgebenden Limburgerinnen nicht mehr glückte, blieb es beim knappen aber letztlich hochverdienten Sieg der Engelbrecht-Elf.

Karina Krohne mit Schampus

Im Schampusregen. Caldens Spielführerin Karina Krohne präsentiert glücklich den wiedergewonnenen Hessenpokal

Femke Kazubski

Verabschiedung von „Femi”. Stürmerin Femke Kazubski spielte seit 1999 in Calden. Ein zweijähriges Intermezzo führte sie zum VfL Wolfsburg, mit dem die Polizistin auch den Bundesligaaufstieg erlebte.

Bild: Christian Heidler

Am Ende eines kurzweiligen, hochklassigen und spannenden Pokalfights wurden beide Teams noch ausgiebig geehrt, Calden als Pokalsieger und Limburg nachträglich für die errungene Hessenmeisterschaft. Nach kurzer Feier hatten es Aktive und Zuschauer eilig – ab 20:30 Uhr spielten nämlich die deutschen Männer ihr erstes Match bei der WM in Südafrika gegen Australien.

TSV Jahn Calden

TSV Jahn Calden, Hessenpokalsieger 2010. Oben v.l.n.r. Physio Wolfgang Grimm, Rebecca Trabert, Simone Müller, Justine Rosek, Leonie Klement, Jil Ludwig, Julia Zeuner, Trainer Udo Engelbrecht. Unten: Simone Thöne, Carolin Georgi, Karina Krohne, Femke Kazubski, Sina Alexi, Sharon Braun und Arlene Rühmer.
In der ersten Hauptrunde des DFB-Pokalwettbewerbs 2010/11 empfängt Jahn Calden den Nordzweitligisten KSV Holstein Kiel.



TSV Jahn Calden:
Zeuner – Georgi (73.Trabert), L. Klement, Thöne – Rosek, Ludwig – Krohne, Alexi, Müller – Rühmer, Kazubski (70. Braun)

Trainer: Udo Engelbrecht

VfR 07 Limburg:
Beffart – Strenger, Brauer, Stilper, Otto – Kreutner (83. Pfaff), Hofmann, Fritz (46. Konhäuser), Schäfer – C. Klement, Böcher (72. Roos)

Trainer: Ingo Horst

Tor:
1:0 Krohne (15.)

Gelbe Karten: Otto (67.), Beffart (83.)

Schiedsrichterin: Susanne Luft
mit Elisa Gerhardt und Michaela Wolf


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