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Verbandsliga Hamburg, 19. Spieltag

Moorburg ist raus aus dem Titel-Dreikampf

Niendorfer TSV - Moorburger TSV 2:0 (1:0)

Bilder und Text von Fuxi

14.4.2008   Im Kampf um die Hamburger Meisterschaft konnte an diesem 19. Spieltag der Hamburger Verbandsliga eine Vorentscheidung fallen - oder das genaue Gegenteil eintreten. Am Niendorfer Sachsenweg traf der Tabellenführer Niendorfer TSV auf den Dritten Moorburger TSV. Deren Trainer Holger Prischmann, einst mit der 2. Mannschaft des HSV in die Regionalliga aufgestiegen, hatte zu Beginn der Rückrunde das Wort mit "A" in den Mund genommen, aber nach dem 0:0 am vergangenen Wochenende gegen den SC Vier- und Marschlande waren sie von der Aufstiegsrunde zur Regionalliga weiter entfernt denn je. Wenn sie nochmal oben ranrücken wollten, mussten sie hier siegen, denn nur dann konnten sie den Rückstand mit dem verbleibenden Nachholspiel bei Altona 93 auf drei Zähler verkürzen. Bei einer Niederlage hingegen waren sie weg vom Fenster. Aber Niendorf konnte dieses Spiel auch nicht so locker nehmen: Unter der Woche hatte Verfolger SV Wilhelmsburg den TSV Wandsetal klar mit 5:1 geputzt und konnte mit einem weiteren Nachholspiel in Eimsbüttel und einem Sieg an diesem Tag gegen den SC Vier- und Marschlande gleichziehen - oder der SC V. M. distanzierte den zweiten Niendorfer Verfolger, ehe es am nächsten Wochenende zum Verfolgerduell zwischen Wilhelmsburg und Moorburg kommt.

Ein Fußballfest war nicht zu erwarten: An diesem Sonntagmorgen trafen die besten Abwehrreihen aufeinander. Allerdings fehlte Katrin Prischmann, die bei Moorburg ihren Mann Holger auf der Trainerbank vertrat, eine wichtige Figur: Stürmerin Tanja Ossadnik fiel mit Erkältung aus, schonte sich für's Derby gegen den Ex-Club Wilhelmsburg in der kommenden Woche. Sie vertraute auf ein 3-5-1-1-System mit Julia-Christin Hochfeld im Tor. Davor verteidigten Libera Vanessa Zawada, die Innenverteidigerinnen Marthe Eggert und Meike Zube und davor Kerstin Tamke. Das Mittelfeld bestand aus Elma Setkic, Jana Behrens, Sina Ahlers und Lina Oesmann, der Sturm aus Eniola Olasanya in vorderster Front und etwas dahinter Bianca Naleppa. Mato Mitrovic, Trainer der Gastgeber aus Niendorf, vertraute auf das fast gleiche System. Im Tor vertrat Tanja Wunder ihre schwangere Schwester Kerstin Neumann. Die Verteidigung bestand aus Libera Katja Abrotat, den Innenverteidigerinnen Janine Witt und Cerstin Schulz, sowie Abfangjägerin Britta Restemeyer davor. Im Mittelfeld liefen Gesa Ehlers, Birte Schulz, Sandra Mader und Saskia Breuer auf. Den Sturm besetzten Neuzugang Christina Arp (kam von HSV II) und Simone von Palubicki. Geleitet wurde die Partie von Jürgen Gand vom Hummelsbüttler SV.

Befreiungsschlag

Blind, aber effektiv: Bei von Palubickis Befreiungsschlag kommen mit Meike Zube, Sina Ahlers und Lina Oesmann (von links nach rechts) gleich drei Moorburgerinnen zu spät. Die Offensivspezialistin war sich auch für Defensivarbeit nicht zu schade

Das Spiel begann mit mäßigem Tempo. Das Abtasten dauerte eine Viertelstunde, bis Moorburg durch einen Freistoß seine erste Chance bekam. Den setzte Behrens aber aus 19 Metern am Tor vorbei. Die nächste Moorburger Chance hatte eine Niendorferin: Eine Flanke von Zawada drosch Breuer aufs eigene Tor, aber Wunder zeigte sich reaktionsschnell und fing das Leder sicher (16.). Unfassbare Szene, in der Breuers Visier ordentlich verstellt war. Die Gäste hatten in einer insgesamt schwachen, von vielen technischen Unzulänglichkeiten geprägten halben Stunde leichte Vorteile. Dem stand nur eine Chance der Niendorferinnen aus der 18. Minute entgegen, als von Palubicki mal aus 20 Metern die Abtauchfähigkeiten Hochfelds prüfte. Die Torhüterin bestand. Ansonsten plätscherte das Spiel so dahin, während beide mehr mit Ballkontrolle und Zweikämpfen als mit einem strukturierten Aufbauspiel beschäftigt waren.

Spielszene

Mitte der ersten Halbzeit hatte Moorburg (in schwarz) noch Feldvorteile. Hier haben die Niendorferinnen Arp (Nr. 19) und Breuer das Nachsehen, als Setkic sich mit einem Pass auf Behrens (Nr. 7) aus der Enge an der Seitenlinie befreit

Nach einer knappen halben Stunde kam dann mal etwas Spielkultur auf. Arp bediente rechts Breuer, deren Hereingabe bei der in die Spitze vorgerückten Birte Schulz landete. Deren Schuss verfehlte den Kasten jedoch. Aber eine gute


Tor durch Birte Schulz

Der Anfang vom Ende der Titelträume beim Moorburger TSV: Birte Schulz (Nr. 9) hat ein Zuspiel von Gesa Ehlers erlaufen und schießt vor Kerstin Tamke (Nr. 2) und Teamkollegin Christina Arp zum 1:0 ins lange Eck

Szene. Für Moorburg gab es danach eine Hiobsbotschaft: Vanessa Zawada verließ angeschlagen den Platz, für sie kam Conny Drückhammer herein (37.). Die Schlussphase des Durchgangs eröffnete Olasanya für Moorburg. Nach Dribbling gegen zwei Niendorferinnen zog sie aus 28 Metern stramm ab, verfehlte den Kasten jedoch. Der Schuss war immerhin schön anzusehen. Dann startete Niendorf seine Schlussoffensive, eingeleitet von Christina Arp. Die fasste sich ein Herz, als ihr der Ball am Strafraum vor die Füße fiel, probierte es mit links, und ihr gesundheits- gefährdend strammes Geschoss krachte an den Querbalken! Moorburg konnte zwar klären, aber dieses klatschende Geräusch des wuchtig gestoßenen Kunstleders gegen das blanke Aluminium schien Niendorf aus dem Schlaf zu holen. Denn plötzlich, in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit, pressten sie, schnürten Moorburg in der eigenen Hälfte ein, machten Tempo und kamen trotz der Forderung von Co-Trainerin Anette Fenn, doch zum Pausentee zu bitten, noch zu einer letzten Chance: Als sich Moorburgs Abwehr auf von Palubicki konzentrierte, steckte Ehlers vor dem Strafraum auf Birte Schulz durch. Die kam im Strafraum frei zum Schuss und überwand Hochfeld im langen Eck zum späten und etwas schmeichelhaften 1:0 (45.+2).

Christina Arp und Conny Drückhammer

Niendorfs Neuzugang Christina Arp (Nr. 19, spielte noch in den Auswärtsstutzen ihres Ex-Vereins HSV) machte ein gutes Spiel. Hier schlägt sie einen sehenswerten langen Ball mit dem eigentlich schwächeren linken Fuß. Conny Drückhammer, für Moorburg im ersten Durchgang eingewechselt, kommt zu spät

Damit ging es in die Pause eines Spiels, das bis dato eigentlich keinen Sieger verdiente. Es war zerfahren, wenn auch verbissen (und trotzdem fair) geführt, bot aber wenig Highlights. Vieles war Stückwerk, obgleich sich Niendorf zum Ende hin steigerte. Was Moorburgs fehlende Torjägerin Ossadnik später als "gutes Mithalten" diagnostizierte, taugt als Qualitätsaussage kaum. Selbst unter Berücksichtigung des eher geringen Wertes der Bremer Verbandsligavereine, offenbarte diese Partie, flankiert vom Umstand, dass Werder Bremen als Teilnehmer an der nächsten Regionalliga-Aufstiegsrunde aus 17 Spielen 17 Siege und 131:0 Tore eingefahren hat, noch akuten Steigerungsbedarf, ganz egal, wer letztlich Hamburg in der Runde vertreten wird. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der Ratzeburger SV als Schleswig-Holstein-Vertreter inzwischen seinen dritten Anlauf in Folge unternehmen wird, endlich aufzusteigen.

Conny Drückhammer

Gut gelöst: Conny Drückhammer (Nr. 8) entledigt sich in dieser Szene zunächst Gegenspielerin Ehlers, um dann mit dem Außenrist an Breuer (links) vorbei abzuspielen. Im Hintergrund sieht Setkic gespannt zu

Zur zweiten Halbzeit wechselte Moorburg ein zweites Mal aus. Nadia Papist ersetzte Sina Ahlers und sollte Eniola Olasanya im Sturm unterstützen. Aber nach der Pause hatte Niendorf durch das 1:0 Rückenwind und diktierte das Geschehen. Zehn Minuten nach Wiederanpfiff lenkte Hochfeld einen Schlenzer von Ehlers über die Latte. Dann landete ein Schuss von Arp rechts neben dem Pfosten, als Birte Schulz einen verunglückten Eggert-Abstoß zum Neuzugang leitete (59.). Dann versuchte es Birte Schulz nach Doppelpass mit Arp aus 19 Metern selbst, aber Hochfeld parierte ebenso wie einen Kopfball von Ehlers nach Arp-Ecke. Das 2:0 schien nur noch eine Frage der Zeit, und in der 63. Minute fiel es auch. Arp spielte den Ball halblinks in den Strafraum, wo von Palubicki Zube überlief und ihn mit links im langen Eck versenkte. Inzwischen war es auch nicht ganz unverdient, denn zu überlegen war der Tabellenführer nach dem 1:0 gewesen. Der Ball lief viel besser, und die Niendorferinnen waren auch technisch sicherer in ihren Aktionen.

Sie blieben am Drücker. Arps Schuss hielt Hochfeld aber fest. Dann kam eine frische Kraft: Saskia Breuer verließ den Platz,


und neu ins Spiel kam Christina Göpfert. Sie ging in die halbrechte Position, Sandra Mader rückte auf den rechten Flügel. Dann gab Moorburg mal wieder ein Lebenszeichen ab: Papist gewann ein Duell mit Witt, schoss dann aber rechts vorbei (71.). Zwingend war das ebenso wenig wie ein abgefälschter Schuss von Setkic eine Minute später, den Wunder problemlos fing. Moorburg zeigte den Willen, das Spiel nicht zu verlieren, aber sie standen jetzt hinten recht offen und gestanden Niendorf zwangsläufig Spielraum für ein 3:0 zu, während nach vorn die Mittel fehlten, um die Gastgeberinnen richtig in Bedrängnis zu bringen. Zu allem Überfluss holte sich Papist noch wegen Meckerns die einzige Gelbe Karte des Spiels beim guten Schiedsrichter Gand ab. Den nachfolgenden Freistoß von Cerstin Schulz ließ Birte Schulz durchlaufen, hinter ihr hatte sich Ehlers von Eggert gelöst und jagte den Ball aus 15 Metern knapp drüber (73.). Dann war Feierabend für die ordentlich aufspielende Christina Arp. Sie wurde durch Merle Siebert ersetzt.

Zeit für die Moorburger Schlussoffensive. Nach Diagonalpass von Papist schoss Olasanya hoch drüber. Direkt im Anschluss der letzte Wechsel Prischmanns: Julia Oesmann ersetzte ihre Schwester Lina. Zunächst hatte Niendorf noch die Chance zu erhöhen. Durch ein Missverständnis gingen weder Eggert noch Torfrau Hochfeld zu einem langen Ball des NTSV. So konnte ihn Birte Schulz erlaufen und zog aufs kurze Eck ab, aber Hochfeld parierte stark (82.). Moorburg lief die Zeit davon. Auch Naleppa konnte Wunder drei Minuten vor Schluss nicht mit einem Freistoß überwinden - zu unpräzise. Eine schwerere Prüfung war da ein Schuss von Behrens aus 16 Metern, den Wunder über die Latte boxte. Inzwischen war bei Niendorf noch Christina Schmidt für Sandra Mader eingewechselt worden und durfte die letzten Chancen ihres Teams auf dem Feld bewundern. Nach Fehler von Zube zog Ehlers zum Tor, aber ihren in Bedrängnis abgegebenen Schuss lenkte Hochfeld zur Ecke. Diese brachte Ehlers selbst auf den ersten Pfosten herein, wo Birte Schulz heranrauschte, das Leder aber ans Außennetz setzte.

Schuss Eniola Olasanya

Kein Durchkommen für Eniola Olasanya. Hier klärt Niendorfs Abwehrchefin Abrotat gegen die Moorburgerin, während links Sandra Mader und rechts Cerstin Schulz zusehen

Es war die letzte Aktion in einem Spiel, in dem man in der 2. Halbzeit mehr oder weniger das geboten bekam, was man sich für die unansehnliche erste Hälfte gewünscht hätte. Der alles in allem glanzlose Sieg des Tabellenführers war nach diesen 45 Minuten auch durchaus verdient. Zu deutlich war die Feldüberlegenheit im zweiten Durchgang, so wenig Mittel fanden die Gäste nach dem späten Rückstand. Niendorf bleibt damit auf Kurs Aufstiegsrunde, für Moorburg hat die Saison am kommenden Wochenende gegen den Lokalrivalen SV Wilhelmsburg ihr letztes Highlight. Beim Niendorfer TSV wird man dem Tabellendritten gegen den Zweiten sicher die Daumen drücken. Immerhin könnten sie dann am 21. Spieltag mit einem Remis in Wilhelmsburg den Titel aus eigener Kraft sichern - oder schon vorher, sollte Wilhelmsburg im Nachholspiel gegen Grün-Weiß Eimsbüttel patzen.



Niendorfer TSV:
Wunder - Abrotat - Witt, C. Schulz - Restemeyer - Ehlers, B. Schulz, Mader (89. Schmidt), Breuer (67. Göpfert) - von Palubicki, Arp (77. Siebert)

Moorburger TSV:
Hochfeld - Zawada (37. Drückhammer) - Eggert, Zube - Tamke - Setkic, Behrens, Ahlers (46. Papist), L.Oesmann (78. J. Oesmann) - Naleppa - Olasanya

Tore:
1:0 B. Schulz (45.+2)
2:0 von Palubicki (63.)

Gelbe Karte: Papist (Moorburg, 75. Minute, wegen Meckerns)

Schiedsrichter: Jürgen Gand (Hummelsbüttler SV)


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