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Hamburger Oddset-Pokal, Endspiel

Gelungene Generalprobe

Niendorfer TSV - SC Eilbek 5:0 (2:0)

Text und Bilder von Fuxi

20.05.2008   Das Hamburger Pokalfinale 2008 wurde eine verbandsligainterne Sache: Der Hamburger Meister Niendorfer TSV traf auf der Wolfgang-Meyer-Sportanlage auf den Ligakonkurrenten SC Eilbek. Der feierte sein Endspieldebüt. Für Niendorf, das zuletzt 2006 im Finale des Wettbewerbs stand und der zweiten Mannschaft des HSV unterlegen war, war dies gleichzeitig die Generalprobe für die Aufstiegsrunde zur Regionalliga gegen Werder Bremen und den Ratzeburger SV. In der Liga waren die Spiele zwischen beiden Teams enge Geschichten gewesen: Niendorf gewann das Hinspiel 2:1, das Rückspiel gegen den letztlichen Tabellenvierten endete 1:1.

Beide hatten es auf dem Weg in dieses Finale unterschiedlich schwer. Der Niendorfer TSV hatte es ungleich schwerer. Dem lockeren 11:1 über Bezirksligist MSV Hamburg folgte ein 2:0 gegen Landesligist BSV 19. Im Achtelfinale mussten sie erstmals in die Verlängerung, siegten letztlich 4:2 gegen den klassengleichen SC Vier- und Marschlande. Nach dem souveränen 3:0 im Viertelfinale gegen Altona 93 (ebenfalls Verbandsliga) setzten sie sich im vorgezogenen Finale gegen den Regionalligisten Bergedorf 85 etwas glücklich mit 7:6 nach Elfmeterschießen durch. Eilbek hingegen traf erst im Halbfinale auf einen Verbandsligisten. Dem 6:0-Auftaktsieg beim Bezirksligisten SC Pinneberg folgte ein 3:0 bei Union Tornesch und ein 1:0 beim TuS Appen (beide Landesliga). Im Viertelfinale bezwangen sie die zweite Mannschaft des Bramfelder SV (Bezirksliga) mit 3:1, ehe sie durch ein 1:0 über Klassenkonkurrent Duwo 08 ins Finale einzogen. Die Siegtorschützin, Annabelle Kröger, fehlte in diesem Endspiel allerdings - im letzten Ligaspiel, ebenfalls gegen Duwo 08, zog sie sich einen Mittelfußbruch zu.

2:0 durch Susanne Clausen

Das 2:0 nach einer Viertelstunde: Nach Hahns unfreiwilliger Mithilfe bugsiert Susanne Clausen (Nr. 18) den Ball mit dem Bauch über die Linie. Torfrau Kerstin Hahn und Jennifer Vossen haben das Nachsehen

Der scheidende SCE-Trainer Dieter Sendrowski (wird kommende Saison durch Frank Reimann vom zerfallenden Regionalligisten SV Lurup ersetzt) vertraute auf ein 3-5-2-System. Vor Torfrau Kerstin Hahn verteidigten Jennifer Vossen und Birgit Gärtner neben Libera Katharina Gerdes. Davor stand eine Vierer-Mittelfeldreihe mit Mahek Wadhwa links, Sandra Jahn rechts und zentral Anja Stoldt, sowie Leonie Helm. Die beiden Spitzen Jennifer Dettmann und Julia Voß sollte die erfahrene Co-Trainerin Grit Lenz mit Bällen versorgen. Der NTSV setzte sein bewährtes 3-1-4-2 dagegen. Kerstin Neumann kehrte ins Tor zurück. Neben Libera Katja Abrotat verteidigten Merle Siebert und Cerstin Schulz, davor als Staubsaugerin Britta Restemeyer. Die Mittelfeldreihe bestand aus den Flügelspielerinnen Gesa Ehlers und Sandra Mader, dazwischen Kerstin Wunder und etwas vorgeschoben Birte Schulz. Den Sturm besetzten Susanne Clausen und Simone von Palubicki. Geleitet wurde das Spiel vom Sportsfreund Frank Schnehagen vom ersten Hamburger Frauen-Bundesliga-Club SC Poppenbüttel.

Sandra Mader

Sandra Mader (li.) machte auf dem rechten Flügel viel Dampf. Hier passt sie an Eilbeks Anja Stoldt vorbei, dahinter kommt Grit Lenz zu spät

Und Niendorf zeigte von Beginn an, wer hier die Hosen anhatte: Sie spielten aggressiv, konsequent offensiv und versuchten Eilbek zu beeindrucken. Das funktionierte auch. Bereits nach vier Minuten gab es die erste Chance für den Aufstiegsaspiranten: Von Palubickis Pass nach außen brachte Mader flach in die Mitte zu Birte Schulz, aber die schoss freistehend genau auf Hahn. 10 Minuten waren vorbei, als von Palubickis Freistoß von links zu kurz abgewehrt wurde, und Maders Schuss landete abgefälscht drüber. Mader trat auch die anschließende Ecke hoch an den zweiten Pfosten, wo Clausen aus vier Metern ins kurze Eck einköpfte - das 1:0. Ein Start nach Maß, aber auch begünstigt dadurch, dass Hahn beim Eckball auf der Linie klebte. Eine Viertelstunde Spielzeit war vorüber, als der nächste gefährliche Angriff auf das Eilbeker Tor zurollte. Ehlers bediente links von Palubicki. Die frühere Regionalligaspielerin flankte von der Torauslinie knapp aufs Tor. Um Schlimmeres zu verhindern, klatschte Hahn den Ball in der Luft ab, aber genau vor die Füße von Clausen, die ihn mit dem Bauch zum 2:0 in die Maschen bugsierte. Ein Start nach Maß für den Favoriten.

Eilbek wirkte angesichts der geballten Offensive des NTSV erschrocken und ängstlich. Im


Niendorfer TSV

Der Doublesieger Niendorfer TSV und die Pokale

Spiel nach vorn passte nichts zusammen, und unter dem Dauerdruck machten sie Fehler, die Clausen zweimal zu nutzen wusste. Bei Ballbesitz Eilbek spritzte Birte Schulz dazwischen und bediente von Palubicki hinter der Abwehr, doch Hahn parierte per Fuß (17.). Nächste Ecke von Mader, und aus dem Gewühl stocherte wieder Birte Schulz den Ball aufs Tor, aber Hahn schnappte ihn sich (18.). Der Schock beim Team von der Fichtestraße saß tief. Sie waren zaghaft, ständig im Rückwärtsgang, und nach vorn fehlte eine zündende Idee. Anders Niendorf: Sie verteidigten sicher, schalteten schnell um und waren nicht nur ideenreicher, sondern auch häufig einen Schritt schneller. Und mit Schulz, von Palubicki und Clausen machte Niendorf viel Alarm. Sie überbrückten schnell das Mittelfeld. Nach Pass von Wunder schob Ehlers rechts vorbei (23.). Eine abgerutschte Flanke von Wunder vom rechten Strafraumeck wähnte Hahn schon über dem Kasten, doch die Kugel klatschte an die Latte. Den nachfolgenden Kopfball von Ehlers störte Gärtner.

Birte Schulz

Birte Schulz (vorn), hier gegen Jennifer Vossen, war vom SC Eilbek nie in den Griff zu kriegen. Trotz zahlreicher Chancen erzielte sie nur einen Treffer, bereitete einen weiteren vor

Erst nach über einer halben Stunde wurde Eilbek etwas bestimmter und gewann im Mittelfeld mehr Zweikämpfe. In der 36. Minute probierte es Helm mit einem Volley aus 24 Metern, den Neumann mit schöner Flugeinlage sicher fing - es war der erste Eilbeker Torschuss überhaupt. In dieser Halbzeit auch der einzige. Birte Schulz gewann einen Zweikampf im Mittelfeld und spitzelte zu von Palubicki, die frei aufs Tor zulaufen konnte. Ihren Schuss wehrte Hahn ab, aber die Niendorferin setzte nach. Ihren Pass leitete Birte Schulz auf Wunder weiter, den nachfolgenden Abschluss hielt Hahn fest. Eine Minute später vergab Birte Schulz selbst, als sie nach Hereingabe Maders allein vor Hahn stand und drüber schoss (42.). Die Führung zur Pause ging in Ordnung. Nach 20 Minuten hatte der Favorit einen Gang zurück geschaltet und ließ Eilbek etwas besser zum Zuge kommen, ohne allerdings große Gefahren einzugehen. Der SCE war harmlos. Über weite Strecken wirkte der Hamburger Meister souverän.

Notbremse

Klares Foul, klarer Elfmeter, aber keine Notbremse und kein grobes Foulspiel? Katja Reichl hindert Birte Schulz unfair am Einschießen zum 3:0 und kriegt dafür nicht mal eine Karte. Den Strafstoß pariert Eilbeks Keeperin Kerstin Hahn gegen Simone von Palubicki

Die zweite Hälfte begann mit einem Eilbeker Wechsel: Grit Lenz verabschiedete sich vom aktiven Fußball, und mit Katja Reichl kam eine frische Spielerin. Niendorf kontrollierte weiter das Spiel, versäumte aber, den Sack zuzumachen. von Palubicki verzog aus 18 Metern (52.). Und nachdem Birte Schulz einen Abstoß abgefangen hatte, landete von Palubickis Schuss erneut bei Hahn. Dann wurde es kurios: Birte Schulz wurde vor dem Strafraum angespielt, marschierte mit Ball in ihn hinein, vorbei an Hahn, und als sie gerade einschieben wollte, wurde sie rüde umgesäbelt. Schiri Schnehagen zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt. Aber die fällige Rote Karte ließ er stecken, verwarnte die Übeltäterin Reichl nicht einmal, obwohl er gleich zweimal Grund dazu hatte: Wegen einer Notbremse, und weil die Attacke von hinten geschah, ohne Chance, den Ball zu treffen. So souverän Niendorf war, so wenig souverän war der Mann vom SC Poppenbüttel. von Palubicki trat an, und Hahn patschte ihren hohen Schuss über die Latte (59.). Und Niendorf verbaselte auch den nächsten Big Point: von Palubicki erlief einen Pass hinter die Abwehr und zog ab. Hahn klatschte die Kugel nur zur Seite weg, genau vor die Füße von Birte Schulz, die sie von ihren Schienbeinen abprallen ließ und dann aus zwei Metern nur den Pfosten traf (60.)! Sollte


sich das noch rächen? Es gibt so gewisse Mechanismen im Fußball, da wird man für ausgelassene Möglichkeiten bestraft. Eilbek versuchte es. Wadhwa passte vor dem Strafraum nach rechts, Jahn hielt drauf, und Neumann musste zur Ecke abwehren (63.). Jetzt schien Niendorf hinten etwas unsicher.

Im Spiel nach vorn gelang dem NTSV nur wenig Konstruktives. Birte Schulz erzielte ein Abseitstor, ein Distanzfreistoß Wunders ging daneben. Nach 71 Minuten wechselte NTSV-Coach Mato Mitrovic aus, brachte mit Christina Göpfert für die abgetauchte Doppeltorschützin Clausen eine frische Mittelfeldkraft. Die legte zwei Minuten später für von Palubicki auf, deren Schlenzer vorbei ging. In der 76. Minute kassierte Sandra Mader Gelb, weil sie sich beim Freistoß vor den Ball stellte, und kaum 5 Sekunden hatte sie sie, da wurde sie durch Simone Weselmann ersetzt. Direkt danach schlug Niendorf den Ball vor den Strafraum. Birte Schulz war energisch vor Gerdes am Ball, legte sich die Kugel mit dem Kopf vor und traf unten rechts zum 3:0 (76.). Die Vorentscheidung in diesem Spiel. Zwar hielt Neumann auf der anderen Seite noch einen Freistoß von Wadhwa, aber auch der anschließende Wechsel (Melanie Appel für Jennifer Vossen) brachte dem SCE nichts mehr ein. Bei Niendorf kam Saskia Breuer für Wunder ins Spiel.

Die Schlussphase brach an. Und wieder waren die beiden prägnantesten Niendorferinnen an einer Torchance beteiligt. Hahn schoss nach einem Rückpass von Palubicki an. Birte Schulz nahm den Ball mit und probierte es mit einem Lupfer, der aber viel zu niedrig war und von Hahn 15 Meter vor dem Kasten abgewehrt werden konnte. Den Abpraller erlief von Palubicki noch und versuchte es direkt aus spitzem Winkel - Pfosten (84.)! Kurz darauf die nächste Chance: Pass von Birte Schulz hinter die Abwehr, von Palubicki war völlig frei vor Hahn, und diesesmal schoss sie zum 4:0 ein. Den Schlusspunkt setzte sie ebenfalls per Konter. Eilbek war nach einem Eckball weit aufgerückt, und so trieb Ehlers den Ball nach vorn. In dieser 2-gegen-1-Situation passte sie im richtigen Moment an Gerdes vorbei zu von Palubicki, die sich per Dribbling gegen Hahn und nochmal Gerdes durchsetzte und zum 5:0 einschob (90.+1). Es war die letzte Szene des Spiels, Schiri Schnehagen pfiff gar nicht erst wieder an.

Niendorfer Abwehr

Niendorfs Abwehr stand sicher, ließ im Strafraum nichts zu. Hier prallt Eilbeks Dettmann (Nr. 7) an NTSV-Libera Katja Abrotat ab. Merle Siebert (Nr. 3) und Britta Restemeyer (Nr. 17) sind bereit einzugreifen

Bei Eilbek überwog die Enttäuschung über diese am Ende klare, aber in der Höhe verdiente Klatsche. Niendorf ließ zwar zwischenzeitlich die Zügel schleifen, war aber jederzeit Herr über das Geschehen und hätte das Ergebnis noch deutlicher ausfallen lassen müssen. Eilbek reichte der Kampf alleine nichts, es fehlten auch die spielerischen und läuferischen Mittel. Birte Schulz und Simone von Palubicki wussten sie nichts entgegenzusetzen, und so entwickelte sich ein über weite Strecken einseitiges Spiel. Nach den frühen Gegentoren kamen sie nie über Ansätze hinaus und hatten keine Chance, nochmal zurückzukommen.

Niendorfer TSV:
Neumann - Abrotat - Siebert, C. Schulz - Restemeyer - Ehlers, Wunder (82. Breuer), Mader (76. Weselmann) - B. Schulz - von Palubicki, Clausen (71. Göpfert)

SC Eilbek:
Hahn - Gerdes - Vossen (78. Appel), Gärtner - Wadhwa, Stoldt, Helm, Jahn - Lenz (49. Reichl) - Dettmann, Voß

Tore:
1.0 Clausen (10.)
2.0 Clausen (15.)
3:0 B. Schulz (76.)
4:0 von Palubicki (86.)
5:0 von Palubicki (90.+1)

Gelbe Karten: Mader (Niendorf, 76. Minute, wegen Spielverzögerung)

Besonderes Vorkommnis: von Palubicki (Niendorf) scheitert per Foulelfmeter an Hahn (59.)

Schiedsrichter: Frank Schnehagen (SC Poppenbüttel)

Zuschauer: 700


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