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1. Hauptrunde im BFV-Pokal

Stern sieht keine Sonne

1. FC Union Berlin – SFC Stern 1900 15:0 (8:0)

Bild und Text von Christian Heidler

03.11.2006   Die Gemeinsamkeiten sind schnell aufgezählt: Beide Teams mußten in der Qualifikation nicht ran, Union hatte ein Freilos, Stern kam kampflos weiter, da der ursprüngliche Gegner Mariendorfer SV seine Mannschaft vom Spielbetrieb zurück gezogen hatte. Außerdem gehen beide Kontrahenten als Tabellenführer in die Begegnung – doch hier beginnen dann auch schon die Unterschiede.

Während Union derzeit Spitzenreiter der Regionalliga Nordost ist, führt Stern 1900 die zwei Klassen tiefere Landesliga Berlin an. Jene Liga übrigens, in der auch die 2. Mannschaft von Union Berlin spielt. Nicht genug damit, daß der Klassenunterschied schon ein David-gegen-Goliath-Spiel verspricht, müssen die Steglitzer quasi mit dem letzten Aufgebot an die Hämmerlingstraße fahren, da zahlreiche Spielerinnen z.B. wegen Verletzung oder auswärtigem Studienaufenthalt verhindert sind.

Aufgrund der vorgegebenen Kräfteverhältnisse und der vorprogrammierten Chancenlosigkeit der Gäste bedeutet die Pokalbegegnung für Sterns Trainer Uwe Kolepki eine lästige Pflichtaufgabe. Vorrang hat der angestrebte Aufstieg in die Berliner Verbandsliga und dafür soll möglichst auch im nächsten Punktspiel wieder der beste Kader zur Verfügung stehen. Ein Wunsch, dem leider die Erfüllung versagt bleiben wird, doch dazu später mehr.

Die Platzdamen brauchen gerade mal 2 Minuten, um auch im Spielstand ihrer Überlegenheit Ausdruck zu verleihen. Nach einem Vorstoß über außen wird nach innen geflankt und der Ball von dort im Tor versenkt. Dieses erste Tor ist quasi die Schablone, nach der Union die meisten seiner Treffer in dieser Partie erzielt: Schnelles Spiel über die Flügel, zumeist verbunden mit dem Eindringen in den Strafraum und dann wahlweise Abspiel auf die Mitspielerin in der Spitze oder Paß in den Rücken der gegnerischen Abwehr – und Torschuß. Bis zur Pause erzielen die „Eisernen“ noch sieben weitere Treffer.

Etwas begünstigt wird Unions Offensivspiel sicherlich auch dadurch, daß die Steglitzer im Rahmen ihrer Möglichkeiten mitzuspielen versuchen (aufs Mauern versteht sich Stern ohnehin nicht). So kommen die Gelb-Blauen nicht nur häufiger über die Mittellinie sondern haben auch in der 5. Spielminute ihre erste Torgelegenheit. Es ist eine von zugegebenermaßen wenigen Momenten, in denen Josefine Westphal im Kasten der Köpenicker


Union Berlin, Stern Steglitz

Die Regionalligamannschaft des 1. FC Union Berlin begrüßt die Frauen des Steglitzer FC Stern 1900 zum abendlichen Flutlichtspiel bei naßkaltem und stark windigem Wetter.

ihren Torwartaufgaben nachkommen kann.

Die Abwehr der Platzfrauen wird am ehesten von Pia Sösemann beschäftigt, die flink und ballsicher durch die gegnerischen Reihen läuft, letztlich aber immer wieder von Union gestellt werden kann. Bereits angeschlagen und mit bandagiertem Knie ins Spiel gegangen, muß sie noch weit vor dem Halbzeitpfiff das Spielfeld verlassen. Es geht einfach nicht mehr.

Noch schlimmer jedoch der Vorfall aus der Anfangsphase, als nach einem Angriff der Sterner zwei von ihnen zu Boden gehen. Die eine von ihnen, Verena Ringlstetter, kann das Spiel dann nicht mehr fortsetzen. Ein Notarztwagen fährt sie mit Verdacht auf Armbruch in die Klinik. Gute Besserung!

Da Stern beim Anpfiff noch nicht vollzählig war und die Auswechslungen auch ihre Zeit brauchen, sind die Gäste so nicht wenige Minuten der 1. Halbzeit in Unterzahl. Aber egal, ob gegen 10, 11 oder 12 Gegnerinnen, der 1. FC Union hat ohnehin ein Übergewicht. Seine Aktiven sind eben durch die Bank schneller, robuster und spielstärker. Und da den Unionern so ein Trainingsspiel richtig Spaß macht, wird im zweiten Durchgang auch kein Gang zurückgeschaltet. SFC-Torhüterin Anne Bublitz steht somit weiterhin im Brennpunkt und erhält genügend Möglichkeiten sich zu bewähren.

Während der Regionalligist sein Spiel weiter konsequent aufzieht, haben die Fünftligisten auch ihr Kreativpotential weitgehend erschöpft. Zumeist drischt die enorm schußstarke Janica Rimscha die Kugel in der Hoffnung nach vorne, der Ball erreiche eine Stürmerin. Kaum haben die Roten den Ball abgefangen, so wird zumeist über die Außenbahnen der nächste Angriff eingeleitet. Union schnürt den Gegner zusehends in


dessen Hälfte ein.

Immerhin eine Tormöglichkeit bietet sich den Gästen noch, als der Unparteiische Stern 1900 einen Freistoß in Strafraumnähe zuspricht. Während ein fast in Schneeregen übergehender Schauer über den Kunstrasenplatz fegt, begibt sich Rimscha wohl erstmals über die Mittellinie, den Freistoß auszuführen. Doch der stramme Schuß findet seinen Weg nicht ins Tor und damit bleibt den nie aufgebenden Gästen der durchaus zu gönnende Ehrentreffer verwehrt.

Auch in dieser Hinsicht zeigt sich Union Berlin als überlegene Mannschaft, denn das Tor des Tages erzielen sie mit einem direkt verwandeltem Freistoß. Bianca Joswiak ist am Ende mit insgesamt 4 Treffern diejenige, die am häufigsten ins Schwarze trifft. Sahra Hoppe mit 3 Toren, Katrin Kockat, Julia Frieden und Nicole Hansen mit je 2 Treffern, gehören ebenfalls zu den „Wiederholungstätern“ unter den Torschützinnen.

Die Elf von Marcel Holz hat somit erfolgreich den ersten Schritt auf dem Weg zur Verteidigung des Berliner Landespokals gemacht, der Union Berlin wieder die Teilnahme am DFB-Pokal erlauben würde, wo man heuer in der 1. Hauptrunde am Schluß knapp dem Zweitligaaufsteiger KSV Holstein Kiel mit 3:4 unterlag.

Für die Gäste hat das Spiel nicht gerade unter einem guten Stern gestanden. Bleibt Ihnen zu wünschen, daß bald wieder alle Spielerinnen an Bord sind und das Vorhaben Verbandsligaaufstieg am 03.06.2007 auf dem Sportplatz an der Schildhornstraße einen erfolgreichen Abschluß findet.


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